Prof. (Dr.) Annette Schavan

Das Unterforum zur Diskussion um die aus fremden Textpassagen zusammengesetzten Dissertationen Prominenter.

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FlimBeam
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von FlimBeam » 26.10.2012, 09:22

Also ich schaue immer wieder mal in diese Diskussionen um Plagiate in Wissenschaften rein. Und ich finde, dass einige Leute (s.o. Rosa) Recht haben, wenn sie sagen, dass die Diskussion mittlerweile zu weit geht. Es ist gerade eine von den Medien veranstaltete und geführte Diskussion; wobei - typisch Massenmedien - ein einzelnes Buzzword die Diskussion ausmacht: PLAGIAT! Dabei gehen die Meinungen darüber, was das sein soll tatsächlich auseinander und das ist keinesfalls eine triviale Frage. Hat jemand einen ganzen Absatz geschrieben und nur einen Literaturverweis angegeben oder muss er nun hinter jedem Satz einen Literaturverweis angeben etc. Und diese Sache bleibt in bestimmten Grenzfällen immer subjektiv - da will ich mich gar nicht auf eine Diskussion einlassen - jeder steht hier selbst in der Verantwortung.

Interessant finde ich, dass es dieses Phänomen - ich sage mal einfach "abschreiben" - schon immer gegeben hat. Früher sicherlich nicht weniger als heute. Aber ich finde es überaus amüsant, dass die wissenschaftliche Welt erst jetzt, nachdem irgendwelchen Politikern die Doktortitel aberkannt wurden sich damit "auseinandersetzt". Ganz ehrlich, wenn ich höre, dass bspw. Stoibers Sohn der Doktortitel aberkannt wird, so bin ich erstens nicht schockiert und zweitens habe ich dann auch nicht das Gefühl, dass dadurch der gesamte Wissenschaftsbetrieb infrage gestellt wird. Und es regt mich richtig auf, dass dann plötzlich bestimmte Leute bei ihren Studenten eine Plagiatssoftware anwenden möchten... Ich finde wir diskutieren hier über irgendwelche Hochstapler, die zum großen Teil sowieso nie vorhatten in der Wissenschaft zu bleiben.

Dabei gibt es eine Menge "Praktiken" im alltäglichen Wissenschaftsbetrieb, die wirklich dem wiss. Fortschritt schaden und den wiss. Grundgedanken untergraben. Und diese Praktiken gehen nicht von unerfahrenen Studenten oder irgendwelchen Trittbrettfahrern aus, sondern von so genannten Koryphäen des eigenen Faches aus. Da geht es um Fälschung von empirischen Daten, verschenkte Co-Autorenschaften etc. Hier wird tatsächlich nicht nur die Wissenschaftlichkeit infrage gestellt, sondern auch teilweise Betrug mit den Steuergeldern betrieben - aber da regt sich natürlich keiner auf. Geht wohl über den Horizont eines Plagiatssuchers hinaus.

Aber seltsam finde ich auch den Umstand, dass die Leute sich plötzlich angesprochen fühlen und hier im Forum drei mal nachfragen, ob sie ein bestimmtes Zitat als indirektes Zitat markieren sollen. Das meine ich eben mit der eingenen wissenschaftlichen Verantwortung. Warum soll ich mir von der Öffentlichkeit, die übrigens keine Ahnung vom wissenschaftlichen Betrieb hat, sagen lassen, wie ein Plagiat aussieht? Ist das jetzt ein neuer wissenschaftlicher Standard? Wo bleibt die eigene Überzeugung von dem, was man tut? Plötzlich wird so getan, als ob die Akademiker selbst nicht wüssten, wie die Wissenschaft auszusehen hat... Wie gesagt, ich finde ein Scheinproblem, das die Sicht auf wirkliche Schwierigkeiten in der Wissenschaft versperrt.

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barbershop
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von barbershop » 26.10.2012, 10:48

Dissertationen dürfte es nur noch für die tatsächliche Entwicklung neuer Methoden geben und nicht mehr für die reine Anwendung bestehender Methoden auf noch nicht bearbeitet Themenfelder (das sind Abschlußarbeiten)
Mmh, *kopfkratz*, stell ich mir gerade schwierig vor, in jeder Diss neue Methoden zu erfinden... :?
Ich denke, es wird immer kompliziert bleiben, das subjektive "Niveau" und die "Wertigkeit" von Doktorarbeiten in den unterschiedlichen Fächern anzugleichen, einfach aufgrund der Unterschiedlichkeit der Themenfelder und Methoden, Geschichte des Fachs, usw. Dann kommt sofort wieder die Diskussion nach Sinn und Zweck/Ertrag für die Praxis blabla von Doktorarbeiten an sich - es läuft immer auf einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen hinaus! (hermeneutische geisteswiss. Arbeit mit Laborarbeit z.B.)
Meines Erachtens liegt das in der Pflicht der Betreuer/Gutachter, dass eine reine Zusammenstellung von Bekanntem nicht als Diss "durchgeht". DAS finde ich, ist auf dem Niveau von Abschlussarbeiten. :KT:

Ansonsten bin auch durchaus der Meinung zahlreicher Vorredner, dass es wohl nicht im Sinne der Erfinder sein kann, dass eine wiss. Qualifizierungsarbeit immer noch als "Türöffner" in gewisse Ämter und Hierarchien außerhalb der Wissenschaft gilt (auch wenn damit im besten Fall schön bewiesen ist, dass der betreffende Mensch Einiges an Durchhaltevermögen besitzt).

Was die Abiturquote angeht (geht etwas weit in der Diskussion, oder? - anderes Thema?):
Wem bringt es was, wenn immer mehr Leute Abitur haben und studieren? Vielleicht gibts weiterhin genug Leute, die besser beraten wären (nicht weil sie irgendwie dümmer sind oder so!!), lieber in eine andere Ausbildungsrichtung zu denken. Durch dieses künstliche Hochstilisieren von "Erfolg im Leben = Uniabschluss = nur möglich mit Abi" läuft vieles falsch. Dadurch werden Ausbildungsalternativen degradiert. Und es gibt zahlreiche Möglichkeiten auf anderen Wegen als dem "normalen" über das Gymnasium an die Hochschulreife zu kommen, WENN jemand wirklich studieren möchte...
Chancengleichheit heißt für mich, dass jeder Mensch die Ausbildung bekommt die er möchte, dass er beraten wird, was es für Möglichkeiten gibt und gleichmäßig informiert wird sowie die Option für jeden Mensch, seinen individuellen Stärken und Neigungen im Beruf nachzugehen.
Fazit: weniger Niveau/Schichten-Denken. Mehr Anerkennung der Unterschiedlichkeit von Lebensentwürfen.

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Wierus » 26.10.2012, 12:31

Es gibt durchaus Einsatz- und Tätigkeitsbereiche außerhalb der Universität, für die eine Promotion von Vorteil ist. Deswegen ist sie ja auch so gern im öffentlichen Dienst gesehen und in vielen Bereichen der Wirtschaft.

OT:
barbershop hat geschrieben:Wem bringt es was, wenn immer mehr Leute Abitur haben und studieren?
Gegenfrage: wem bringt es was, wenn Leute Sozialwissenschaften studieren? :wink:

Abgesehen davon, dass man bald Abitur wird haben müssen um z.B. Altenpfleger zu werden, verstehe ich diese Frage generell nicht, denn... wem bringt es was, auf die Hauptschule zu gehen? Ich verstehe vor allem dieses "wem" nicht. Ist damit die Gesellschaft gemeint? Oder doch nur der Einzelne, für den sich ein Studium irgendwie "bezahlt" machen muss?

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von musicus » 26.10.2012, 13:02

FlimBeam hat geschrieben:Dabei gibt es eine Menge "Praktiken" im alltäglichen Wissenschaftsbetrieb, die wirklich dem wiss. Fortschritt schaden und den wiss. Grundgedanken untergraben. Und diese Praktiken gehen nicht von unerfahrenen Studenten oder irgendwelchen Trittbrettfahrern aus, sondern von so genannten Koryphäen des eigenen Faches aus. Da geht es um Fälschung von empirischen Daten, verschenkte Co-Autorenschaften etc. Hier wird tatsächlich nicht nur die Wissenschaftlichkeit infrage gestellt, sondern auch teilweise Betrug mit den Steuergeldern betrieben - aber da regt sich natürlich keiner auf. Geht wohl über den Horizont eines Plagiatssuchers hinaus.
Also mal langsam. 1. Diese Zustände werden durchaus angeprangert, u.a. hier im Forum oder in den Leserkommentaren zu Online-Artikeln über die Plagiate. 2. Es war Vroniplag, die den Sumpf in Münster ausgehoben haben. Die "Plagiatssucher" sind übrigens zumeist selbst (Nachwuchs-)Wissenschaftler.
Warum soll ich mir von der Öffentlichkeit, die übrigens keine Ahnung vom wissenschaftlichen Betrieb hat, sagen lassen, wie ein Plagiat aussieht? Ist das jetzt ein neuer wissenschaftlicher Standard? Wo bleibt die eigene Überzeugung von dem, was man tut? Plötzlich wird so getan, als ob die Akademiker selbst nicht wüssten, wie die Wissenschaft auszusehen hat.
Weil sie das tatsächlich selbst häufig nicht wissen (s. u.a. Stefan Webers Ausführung zu Paraphrasen/indir. Zitat). Du mußt dir gar nichts sagen lassen, aber "die Öffentlichkeit" darf und soll Textähnlichkeiten öffentlich zugänglicher Qualifikationsschriften auch öffentlich aufzeigen und diskutieren dürfen. Zumal (s.o.) diese Leute selbst ausgebildete Wissenschaftler sind.

Ich finde, hier vergibst du eine Chance, einmal wirklich zu reflektieren, was überhaupt "von mir" und was von anderen stammt. Wir überschätzen diesen Eigenanteil nämlich systematisch. :wink:

Zur Niveau-Sache: ja, konsequent angewandt würde es bedeuten, daß statt 25.000 Dissen vielleicht nur noch 1/10tel im Jahr angenommen würden. Gleichzeitig wäre aber der "normale" Studienabschluß so aufgewertet, daß man damit wieder etwas anfangen kann. Oder wo seht ihr konkret die Abgrenzungskriterien Habil/Dr/Dipl/MA -- den zertifizierten Studienabbruch namens Bachelor mal außen vor gelassen?

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von musicus » 19.12.2012, 10:49

Endlich gehts weiter, der Promotionsausschuß empfiehlt, das Aberkennungsverfahren einzuleiten (s. ZEIT Online). Das wäre die erste von VroniPlag untersuchte und dann dort nicht veröffentlichte Plagiatspromotion, die am Ende doch aberkannt werden wird. Möglich durch einen VroniPlag-Mitarbeiter, der auf eigene Faust die Textvergleiche veröffentlichte (dank freier Lizenz). Schön! :P

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Koenigsportal » 19.12.2012, 11:14

Danke für die frohe Botschaft zur Weihnachtszeit :D :prost:

Leider wird es wohl keine ernsten Konsequenzen für sie haben... :|
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musicus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von musicus » 19.12.2012, 14:03

Nein, das wohl nicht, aber die Marionette ist aus dem Spiel (leider gibts im Lager noch genug andere). Eigentlich nur noch pro forma interessant, ob Merkel sich entblödet, ihr nochmal das vollste Vertrauen auszusprechen, oder ob sie jetzt auch abtaucht. Ein bißchen darf man sich aber schon freuen, daß Schavan es nicht mehr geschafft hat mit dem Aussitzen bis zur nächsten BT-Wahl, wäre halt zu schön gewesen. :wink:

Jetzt bin ich weiter auf die innerwissenschaftlichen Fälle Münster (mind. 4 Fälle) und IfK Dresden (2 Professorinnen) gespannt, was sich da noch ergibt. Es ist verdächtig ruhig drum.

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Koenigsportal » 19.12.2012, 14:09

Hat eigentlich schon einmal jemand Merkels Diss. geprüft?
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Amalia
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Amalia » 19.12.2012, 14:44

Koenigsportal hat geschrieben:Hat eigentlich schon einmal jemand Merkels Diss. geprüft?
NatWi mogeln anders. Stichwort Datenmanipulation. Das ist für Fachfremde dann sehr schwer zu überprüfen.

Peer Steinbrück hat übrigens in der aktuellen Zeit gesagt, er sei froh, dass er seine Diss abgebrochen habe und nun die Plagiatsjäger nicht zu fürchten braucht.

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Koenigsportal » 19.12.2012, 14:56

der fall "schön" (ich glaube, physiker) ist auch aufgedeckt worden. sind ja nicht nur gelangweilte geisteswissenschaftler bei vroniplag usw. unterwegs.
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