Prof. (Dr.) Annette Schavan

Das Unterforum zur Diskussion um die aus fremden Textpassagen zusammengesetzten Dissertationen Prominenter.

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Wierus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Wierus » 14.05.2012, 12:33

xiotres hat geschrieben:Meiner Meinung nach gibt es zwar einen (Ehren-)Kodex. Aber dieser umfasst eben die Verpflichtung, Menschenmögliches entsprechend einer bestimmten Methodik zu leisten. Und nicht Menschenunmögliches. Das ist es aber nach meiner Erfahrung, wenn schon die gelegentliche Benutzung einer Sekundärquelle reicht, damit jemand aufsteht und "Plagiat" brüllt!
Das Problem ist ja nicht, ob man sich an einigen Stellen seiner Arbeit auf der Sekundärliteratur "ausruht" (wer tut das nicht? dafür wurden diese Monografien ja geschrieben, damit sie von anderen genutzt werden können), sondern wie man mit der Sekundärliteratur umgeht. Menschenunmöglich ist es wohl, ausschließlich mit Primärquellen zu arbeiten. Aber menschenunmöglich ist die korrekte Befußnotung von Sekundärliteratur sicher nicht, eher ein wissenschaftlicher Standard an dem man sich nunmal messen lassen muss. Das soll jetzt kein persönlicher Angriff sein, aber es ist doch etwas befremdlich, dass in der heutigen Zeit noch solche Argumente kommen.

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musicus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von musicus » 01.06.2012, 19:39

Frau Schavan schweigt eisern, dennoch gibt es Neues zu vermelden. Etwas, das so unglaublich ist, das man es nicht für möglich hält. Die zuständige Bundesministerin für Bildung und Forschung beweist in ihrer Doktorarbeit, daß sie zwar hübsche Fremdworte kennt, aber nicht weiß, was diese bedeuten. Telepolis witzelt: "eine echte Konifere auf ihrem Gebiet!" Mit diesem Sprachschatz hätte selbst ein Zehntklässer Schwierigkeiten im Deutschunterricht. Wenn man nicht Instanz und Tendenz, akut und aktuell sowie Konstitution und Konsistenz voneinander unterscheiden kann, wie will man dann teilnehmen am Hochschul-Diskurs, der sich ja auf einem doch gehobenem sprachlichen Niveau bewegt? Deutschlands Elite, sie lebe hoch! /:dr)

Wierus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Wierus » 02.06.2012, 18:33

Also den Artikel finde ich nicht so gut. Er ist beleidigend und v.a. unsauber recherchiert. Bevor er anderen einen zu geringen Sprachschatz attestiert, sollte der Autor lieber an seinem mangelnden Textverständnis arbeiten. So ist zwar bei Schavan "Tendenz" durch "Instanz" vertauscht, aber auch der Satzbau und Satzinhalt haben sich verändert, wodurch eine inhaltlich korrekte Aussage entsteht: das Gewissen ist eine fiktive Instanz zur Sicherung der menschlichen Existenz. Dass der ihr vorliegende Autor nur von einer Sicherungstendenz spricht, mag vielleicht ein wichtiger Unterschied sein, das macht aber Schavans Satz allein für sich stehend nicht falsch.

musicus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von musicus » 13.10.2012, 11:13

Der Abschlußbericht von schavanplag liegt jetzt also vor, die Uni prüft seit Monaten und auch Stefan Weber hat sich in seinem Blog eindeutig positioniert. Man darf gespannt sein ob der weiteren Entwicklung. Als Bildungsministerin zuständig für die Hochschulen ist sie für mich nicht mehr akzeptierbar (aber damit unterscheidet sie sich nicht groß von den anderen Ministerkollegen). :wink:

MastaofDissasta
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von MastaofDissasta » 14.10.2012, 11:25

http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 61187.html

Jetzt bin ich platt: Ich hatte ja erst den Eindruck, dass das übermäßig kleinliche Ansprüche waren. Und was mich besonders ärgert: Das ist die gleiche Person, die die Tarifsperre im WissZeitVG verankert hat und die belastenden Befristungsregelungen aus dem HRG zementiert hat. Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Schavan, sollten Sie das hier irgendwann mal lesen: Wie Sie sehen, Wissenschaft braucht Zeit. Hätten Sie nicht schnell runterpromovieren wollen, dann hätten Sie vielleicht noch die Zeit gehabt, das Zeug zu lesen, dass Sie sich ins Quellenverzeichnis geschrieben haben.

Wierus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Wierus » 14.10.2012, 11:46

Ich glaube bei Politfiguren wie Guttenberg, Schavan, Chatzimarkakis etc. steht schon anfang 20 eine große polit. Karriere fest und die jeweilige Partei setzt dann alle Hebel in Bewegung um die Leute hoch- bzw. durchzubringen. Gerne wird dabei die Universität missbraucht.
Jetzt weiß ich auch was mit "Networking" im Wissenschaftsbetrieb gemeint ist... :mrgreen:

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von amphritite » 14.10.2012, 15:52

Auszüge aus einem ZEIT-Interview mit einem renommierten Professor:
Das schweißt diese Szene noch mehr zusammen. Außerdem ist der Vorstoß unredlich. Solange Professoren Texte ihrer Assistenten als eigene deklarieren, also Ghostwriting auf Staatskosten betreiben, dürfen sie sich nicht beklagen. Wissenschaft ist Show. Je mehr Veröffentlichungen ein Professor hat, desto besser. Das liest auch keiner mehr, die Verlage veröffentlichen so viel, dass selbst ich in meinem Forschungsbereich manchmal nicht mehr hinterherkomme.
Rieble: Nein, viele Wissenschaftler führen sich noch auf wie in feudalen Stammesgesellschaften; sie schützen ihre Zunft. Auch der Hochschulverband will alles im Geheimen halten. Dabei müsste man jedem Plagiatsverdacht nachgehen, man dürfte keine Minister schonen, auch angesehene Professoren nicht. Man will aber nicht. So erleidet die Wissenschaft einen schleichenden Ansehensverlust – und den verdient sie auch.

ZEIT: Warum schreiben viele Wissenschaftler ab?

Rieble: Es gibt, kurz gefasst, drei Gründe: Mittelmaß, Geltungssucht, Faulheit.
Quelle:

http://www.zeit.de/2012/40/Plagiat-Jurist/seite-1


Plagiarismus-"Szene"???!! "Wissenschaft ist Show"???!!!

Mal unterstellt, diese steilen Thesen treffen zu: Wie hart das sein muss für Wissenschaftler/innen, die gerade nicht Teil einer solchen "Szene" sind und, die gerade keine "Show" veranstalten - sie müssen sich wegen dieser Vorfälle rechtfertigen und stehen, wenn es wirklich eine "Szene" gibt, unter "Geheimhaltungsdruck"???

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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von Wierus » 14.10.2012, 16:22

Ich meine, die Thesen dieses Professors sind zumindest ehrlicher als das bisherige und verdammt armselige Ablenkungsmanöver: "Die Externen sind schuld!". :wink:

MastaofDissasta
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von MastaofDissasta » 14.10.2012, 17:20

amphritite hat geschrieben: Plagiarismus-"Szene"???!! "Wissenschaft ist Show"???!!!
Rieble muss man zugute halten, dass er sich schon vor Guttenberg mit dem Thema beschäftigt hat - andererseits scheint er sich auch in der Rolle whistleblowers zu gefallen, und da kommt halt nur mit extremen Überzeuchnungen in die Medien. An einer Stelle im Interview sagt er, dass sich an den Unis neben den Überzeugungstätern, die Leute tummeln, die es "draußen" nicht geschafft haben und da musste ich doch mal sehr lachen. Diese Arbeitsbedingungen tust du dir doch nur an, wenn du weisst, wo es hinführen soll.

Ich find' den Fall Schavan übrigens nicht halb so frustrierend wie die Fälle Lichtenthaler (http://blog.handelsblatt.com/handelsblo ... tenthaler/) und Haferkamp (http://www.zeit.de/2012/40/Plagiat-Professorin-Sachsen), beides hochgejubelte, junge Wissenschaftler, die sich Stellen zu Lasten von Konkurrenten mit mehr Integrität erschlichen haben. Lichtenthaler ist schon ziemlich exemplarisch für den pervertierten Publikationsdruck, sitzt jetzt aber mit Mitte 30 bombenfest auf der Professur.

musicus
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Re: Prof. (Dr.) Annette Schavan

Beitrag von musicus » 15.10.2012, 18:18

Ja, Wissenschaft ist (zum größten Teil) eine reine Show, das wird mir immer mehr bewußt. Das Düsseldorfer Gutachten zum Fall AS ist jetzt geleaked worden und ist m.E. so formuliert, daß nur der Titelentzug als Option bleibt. Sehr sehr mutig vom Gutachter Prof. Rohrbacher! Besonders bitter für AS ist, daß sie dann ganz ohne akademischen Abschluß dasteht, denn sie hatte seinerzeit grundständig promoviert (wie die Bild schreibt).

Im gleichen Artikel eine höchst frappierende Verteidigung der Arbeitsweise unserer (noch) Wissenschaftsministerin. Ein Erziehungswissenschaftler meint:
"Es gibt keine zweite Arbeit mit diesem Aufbau. Sie ist kein Plagiat."
Nun ja. Da weiß man auch nicht mehr, was man sagen soll.

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