Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Das Unterforum zur Diskussion um die aus fremden Textpassagen zusammengesetzten Dissertationen Prominenter.

0
Keine Stimmen
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 0

crêpenoisette
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von crêpenoisette » 31.03.2011, 13:57

@ Frodo: Die Forderung kam während der Guttenberg Diskussion des öfteren in der Zeit,Spiegel, usw.

Es würden in Deutschland einfach viel zu viele promovieren (ist auch so im Vergleich zu anderen Ländern), und da kam dieser Vorschlag des öfteren zur Reduktion der Promovierendenzahlen auf :? .

Anzeige:

Frodo
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von Frodo » 31.03.2011, 14:17

@Eva und crêpenoisette. Danke für die Hinweise. Ich dachte mir schon, dass solche Forderungen tatsächlich geäussert wurden. Aber eben, ich sehe dies ein wenig differenzierter (wie vermutlich die meisten hier im Forum).

Grüsse,
Frodo

roberto
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von roberto » 31.03.2011, 15:13

claudine hat geschrieben:naja, die statistik sagt was anderes .... ohne promotion hat man als richter wenig chancen, in die top firmen kommt man auch nicht ohne
Kann ich die Statistik mal sehen? Gerade für einen Richterjob ist die Promotion relativ egal. Da geht es vorrangig um die Examensnoten. Der Dr. ist nur bei sonst gleicher Qualifikation ausschlaggebend.
claudine hat geschrieben:... geld, geld und nochmals geld. darum gehts.
Da spricht ja wohl der Sozialneid?
claudine hat geschrieben:und ja, ich kenne auch jura "doktoranden", nur hat deren doktorandentum wenig mit echtem doktorandentum gemeinsam. da wird gemauschelt was das zeug haelt, die drei hanseln, die in jura promovieren weil sie das thema/die forschung an sich moegen kann ich an einer hand abzaehlen.
Was ist denn bitte "echtes" Doktorandentum? Wenns knallt und stinkt? Und wie bitte mauscheln die Dir bekannten Juristen? Lassen die sich gegenseitig abschreiben? Oder dealen sie Doktorandenstellen?
Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass einige juristische Dissertationen keinen Titel wert sind und so mancher ihn sicherlich auch unredlich erworben hat, aber das ist mit Sicherheit eine kleine Minderheit, die sich in kleinerem oder größerem Umfang in den meisten Fachgebieten findet!

Angara
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von Angara » 31.03.2011, 17:29

@Eva: Stimmt, Konstanz ist offenbar wirklich nicht in Bayern. Ich kann zur Entschuldigung aber sagen, daß ich nicht in Geographie promoviere. Außerdem ist das eine Frage der Perspektive: Wenn man Bayern etwas größer definiert und sich nicht sklavisch an die offiziellen Landesgrenzen hält, dann ist auch Konstanz in Bayern. Für mich auf jeden Fall, da für mich Bayern im wesentlichen dem ganzen Bundesgebiet südlich von Hamburg entspricht.
roberto hat geschrieben: Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass einige juristische Dissertationen keinen Titel wert sind und so mancher ihn sicherlich auch unredlich erworben hat, aber das ist mit Sicherheit eine kleine Minderheit, die sich in kleinerem oder größerem Umfang in den meisten Fachgebieten findet!
Das sehe ich nicht so. Klar, in Einzelfällen wird es in jedem Fach Betrug geben. Ich gehe aber schon davon aus, daß Jura und BWL die Fächer mit den meisten Betrugsfällen sind, weil das erstens die Fächer der Wahl bei unseren selbsternannten "Eliten" sind, zweitens, weil die allermeisten Absolventen eben keine Unikarriere anstreben und drittens, weil der Doktorgrad in Deutschland außerhalb der Uni einen zu großen Stellenwert hat. Auch und gerade in den Bereichen, in denen sich unsere "Eliten" tummeln - und sei es nur zu Dekorationszwecken.

Daß Naturwissenschaftler betrügen kommt zwar auch vor, aber allein die Tatsache, daß die meistens dazu gezwungen sind, an der Uni präsent zu sein, im Labor z.B., sorgt dafür, daß die besser beaufsichtigt sind. Und bei den Geisteswissenschaften dürfte sich ein durch Betrug erlangter Doktor kaum lohnen. Sehr viele Geisteswissenschaftler haben zumindest zeitweise den Wunsch, im akademischen Betrieb zu bleiben und demnach ist da die Motivation zu betrügen eher gering.

Ich erinnere mich da an ein Interview mit einem Ghostwriter, der meint auch, daß die allermeisten Anfragen aus den Bereichen Jura und BWL kommen.[1] Ich bleibe dabei: Wer will, der kann betrügen, aber in der Wirklichkeit dürften die Betrugsfälle sich stark in den Fächern Jura und BWL häufen.

[1] Das Interview finde ich gerade nicht. Aber bei SPON wird auch auf diese Aussage hingewiesen: http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 51,00.html

roberto
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von roberto » 31.03.2011, 18:01

@Angara:

Danke, dass Du mich zur Elite zählst - hätte ich so gar nicht gedacht. :wink:

Spaß beiseite, ich stimme Dir zu, dass sicher die meisten Plagiate aus den Fächern Jura und BWL stammen, allein schon deshalb, weil sie eine große Anzahl von Dissertationen hervorbringen und sich Ihrer Natur nach leicht zum Plagiieren eignen. Ich bleibe aber dabei, dass es sich bei den Plagiaten um eine kleine Minderheit handeln dürfte, die auch in den meisten anderen Fächern vorkommt. Durch das von Dir verlinkte Interwiew auf SPON sehe ich mich hierin bestätigt. Dort heißt es zum Tätigkeitsumfang der Ghostwriting-Agentur (http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 51,00.html):
""Dr. Jessen" nimmt Aufträge aller Fachbereiche an, von den Alten Kulturen bis zur Zoologie."
In einem anderen SPON-Artikel (http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 44,00.html) über einen Ghostwriter heißt es:
"Jürgen Schröders Referenzen sind eindrucksvoll: Er hat zu derivativen Finanzinstrumenten geforscht, einen Klinikneubau geplant und französische Gegenwartsliteraten interpretiert. Seine Publikationsliste umfasst 120 Einträge, darunter 10 Promotionen und 30 Diplomarbeiten. Schröder beherrscht Amerikanistik und Marketing, Krankenpflege und Kunstgeschichte, Sonderpädagogik und Psychologie".

Angara
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von Angara » 31.03.2011, 18:19

roberto hat geschrieben:@Angara:

Danke, dass Du mich zur Elite zählst - hätte ich so gar nicht gedacht. :wink:
Ich habe Dich gar nicht zur bundesdeutschen Elite gezählt. Ich wollte Dich ja nicht beleidigen :wink: Es gibt sicherlich auch ehrlich arbeitende Juristen, die sinnvollen Tätigkeiten nachgehen - die "Elite" hingegen tut das eher selten...

Und ansonsten widerspricht mir der Artikel ja nicht, weil ich nicht behauptet habe, daß ausschließlich in Jura und BWL betrogen wird, sondern, daß die Betrugsfälle da gehäuft auftreten. Da Du mir diesbezüglich ja zustimmst, sind wir doch einer Meinung. Ich habe auch nie behaupten wollen, daß in Jura und BWL mehrheitlich betrogen wird, aber auf Grund von Umständen, die einmal in der Natur der Fächer begründet liegen, zum anderen im sozialen Status, den ein Doktortitel da verspricht, eben häufiger als anderswo.

Wie man dagegen vorgehen kann, weiß ich nicht. Ich kenne auch die beiden Fächer zu wenig, um eine kompetente Meinung zu haben. Ich fürchte aber, daß man von Seiten der Uni alleine wenig machen kann, weil das eben kein rein akademisches Problem ist, sondern ganz wesentlich auch von außeruniversitären Faktoren bestimmt wird.

Amalia
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von Amalia » 31.03.2011, 18:48

Die Forderung, nur noch die sollen Promovieren, die ein wissenschaftliche Kariere anstreben, ist genauso widersinnig, wie die externe Promotionen abzuschaffen. Dahinter steckt aber (hoffentlich) ein Gedanke, der sehr ernst genommen werden sollte: Promotionen sollten den Anspruch verfolgen, der Grundstein für eine wissenschaftliche Laufbahn zu sein. Nach Definition sollte eine Promotion ja auch „ein Fortschritt in der Wissenschaft“ sein. Projekte, die von Anfang an lediglich darauf angelegt sind, einen Titel zu erhalten, sollten künftig abgelehnt werden. Also keine Titel-Promotionen, keine Typ-II-Arbeiten und keine Studienfälle mehr. In keinem Fach.
Einen anderen Weg sehe ich nicht, wenn die Wissenschaft auch künftig noch ernst genommen werden und nicht zum Steigbügelhalter für Karrieristen in Politik und Wirtschaft werden will.

Wierus
Beiträge: 794
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 14 Mal
Danksagung erhalten: 31 Mal

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von Wierus » 31.03.2011, 18:57

roberto hat geschrieben:ich stimme Dir zu, dass sicher die meisten Plagiate aus den Fächern Jura und BWL stammen
Angesichts der gehäuften Fälle in Jura mag das auch in diesem Fach oft so sein, auf BWL trifft das mMn aber weitgehend zu. Was ich schon alles gehört habe von Leuten die es studierten. Und nicht lange her, da hatte ich eine Hausarbeit von einem Bekannten lesen dürfen, der kurz vor Beginn seiner Diplomarbeit, also knapp vor Ende seines Studiums steht. Das Ding war so lustlos geschrieben, so dermaßen dahingerotzt, dass ich ernsthaft an einer wirklich wissenschaftlichen Universitätsausbildung zweifel. Für mich scheint das in vielen Fällen mehr eine akademische Stempelstelle für Betriebs-, Sozial-, etc.pp.-Wirte und angehende Selbständige zu sein. Damit möchte ich natürlich nicht alle BWLer in einen Topf werfen, aber das Fach hat seinen schlechten Ruf unter Studenten wohl nicht völlig zu unrecht.

@Amalia: Ja, genauso sehe ich das auch!

epikur
Beiträge: 130
Registriert: 27.03.2011, 12:50
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von epikur » 01.04.2011, 15:45

Ob Natur- oder Geisteswissenschaften, ob Jura oder BWL - überall, wo geforscht wird und davon Gelder, Arbeitsplätze, Karrieren und akademische Grade abhängen, besteht m.E. grundsätzlich die Versuchung, zu schummeln, und zwar unabhängig vom Fach...!
Plagiiert wird sicher eher bei den Juristen, Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern, aber naturwissenschaftliche Experimente und Studien bieten dafür andere Möglichkeiten, zu schummeln, zu mogeln und zu faken. Eine Patientin von mir arbeitet als Laborantin an einem Chemie- Institut - und die erzählt die haarsträubensten Geschichten von den "lieben" Chemie- Doktoranden... :dr) Wenn bei den Experimenten und Studien etwas nicht klappt, wird halt "ein bißchen nachgeholfen", Ergebnisse, die nicht passen, weden "passend gemacht" etc. pp...
Ähnlich, wie bei den Medizinern, promovieren übrigens ca. 80% der Chemiker, und zwar sicher nicht alle aus reiner Begeisterung für die Wissenschaft, sondern weil ein Chemiker ohne "Dr. rer. nat." praktisch keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat.
Dabei sind Chemiker sicher weder schlechtere Menschen, noch schlechere Wissenschafler, als wir Alle. Was ich sagen will, ist folgendes:
Es ist ein ziemlicher "Kindergarten" :blume: und uns gestandenen Akademikern und Forschern unwürdig, uns gegenseitig den "schwarzen Peter" zuzuschieben, bei wem nun mehr gemogelt wird! Stattdessen sollten wir lieber vor der eigenen Haustür kehren, selbst redliche und ehrliche Forschung betreiben und dies auch offensiv kommunizieren - nach dem Motte:
"Tue Gutes und rede drüber..." :wink:

roberto
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Neues Plagiat: Stoibers Tochter

Beitrag von roberto » 01.04.2011, 17:49

@epikur

Deine Schlusssätze sind die weisesten Worte, die ich seit langem gehört bzw. gelesen habe! :blume:

Gesperrt