Plagiatsvorwürfe weltweit

Das Unterforum zur Diskussion um die aus fremden Textpassagen zusammengesetzten Dissertationen Prominenter.

0
Keine Stimmen
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 0

Manyra
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von Manyra » 09.03.2011, 15:31

Im aktuellen Spiegel findet sich ein Artikel über einen Professor an der Uniklinik Freiburg.
Chef der Freiburger Sportmedizin unter Plagiatsverdacht


Ende 2009 traf es den iranische Minister für Wissenschaft, er nahm es auch nicht so genau mit seinen Veröffentlichungen.
Iranian ministers in plagiarism row
Im englischen Wiki findet sich eine Ansammlung von Zitaten über die verwirrende akademische Karierre des Herrn Daneshjoo. Wiki Kamran Daneshjoo
Trotz allem ist er weiterhin Wissenschaftsminister im Iran.

mfg Manyra

Anzeige:

Manyra
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von Manyra » 12.04.2011, 10:28

Und wieder ein neuer Plagiatsvorwurf. Diesmal trifft es die FDPlerin Koch-Mehrin an der Uni Heidelberg.
Die Süddeutsche berichtet.

musicus
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von musicus » 12.04.2011, 10:44

Mehr dazu bei VroniPlag, wo momentan drei Arbeiten untersucht werden. Hätte ich etwas zu sagen in der institutionalisierten Wissenschaft, würde ich eine Kommission einsetzen, die jede einzelne Arbeit der letzten 10 Jahre auf Plagiate prüft. Ein schönes Betätigungsfeld für die vielen arbeitslosen Akademiker, vielleicht sinnvoller als Taxifahren.

Manyra
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von Manyra » 12.04.2011, 11:05

Da stimme ich dir zu musicus, hatte auch schon den Gedanken, dass dies eine schöne Geschäftsidee wäre, die Doktorarbeiten auf Plagiate zu überprüfen. Für Unis wäre es gut, wenn sie die eingereichten Doktorarbeiten überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden.
Natürlich könnte man noch die bereits veröffentlichten Arbeiten aufarbeiten (aber da wohl besser die der anderen Unis :wink: ).

2005 wurden laut Wiki "Doktor" 25.700 Doktorgrade allein in Deutschland verliehen. Da gäbe es einiges zu tun.

musicus
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von musicus » 12.04.2011, 11:34

Wieviele davon sind denn Mediziner? Die würde ich wegfallen lassen und den Dr. med komplett streichen. Entweder per sofort oder sogar rückwirkend. Aber auch an das ganze System müßte man ran, vom Verheizen von jungen Wissenschaftlern ohne Zukunftsperspektive bis zum professoralen Filz oder der "Ehrenautorschaft" (damit fangen jetzt sogar schon Doktoranden an, wie wir in zwei aktuellen Threads hier lernen konnten) -- es dürfte kein Stein auf dem anderen bleiben. :wink:

roberto
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von roberto » 12.04.2011, 14:29

musicus hat geschrieben:Wieviele davon sind denn Mediziner? Die würde ich wegfallen lassen und den Dr. med komplett streichen. Entweder per sofort oder sogar rückwirkend.
Auf keinen Fall! Die medizinische Forschung ist eins der wichtigsten Forschungsgebiete der Menschheit. Möchtest Du etwa Robert Koch postum den Doktortitel streichen? :shock:
Natürlich ist es ärgerlich, dass heute viele Mediziner mit einer Art verlängertem Diplom, sprich minimalem Zeit- und Arbeitsaufwand, promovieren. Das gilt aber bei weitem nicht für alle! Außerdem ist dies ein Problem, das sich - in mehr oder weniger stark abgeschwächter Form durch fast alle Fachbereiche zieht, insbesondere durch jene, bei denen besonders viele nur wegen des Titels promovieren (z.B. BWL, Jura, Politikwissenschaften und eben allen voran auch Medizin). Trotzdem wird in all diesen Fachgebieten auch immer wieder wegweisende Forschung durch Dissertationen abgeliefert.

Die Lösung müsste doch eher so aussehen, dass für jeden Fachbereich bestimmte "Skills" vorgeschrieben werden sollten, die die Qualität der Dissertation sicherstellen und und 0815-Titel-Disses verhindern. Das geht natürlich nicht fachbereichübergreifend, da man die äußeren Anforderungen an eine BWL-Diss z.B. nicht mit einer Chemie-Diss vergleichen kann. Bei reinen Text-Disses (BWL, Jura, Literatur, Politik usw.) könnte man z.B. eine Mindestzahl an Seiten und neuen Thesen vorschreiben. Etc. Die Skills müssten allerdings qualitativ fachbereichübergreifend vergleichbar sein.
Zuletzt geändert von roberto am 12.04.2011, 16:23, insgesamt 1-mal geändert.

musicus
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von musicus » 12.04.2011, 15:51

Medizin ist keine Wissenschaft (bei Bedarf gerne mehr dazu), auch wenn sie sich gerne den Anschein gibt. Selbst das British Medical Journal gibt zu, daß nur 1% aller publizierten Artikel „wissenschaftlich“ sind (1991). Ich habe aber nichts dagegen, wenn anläßlich der ganzen Skandale einmal darüber gesprochen wrid, was überhaupt „Wissenschaft“ ist und welche Kriterien eine Diss von einer Studienabschlußarbeit unterscheiden. So klar scheint mir das alles nicht zu sein.

PS: Ich halte die Philosophie für das wichtigste Forschungsgebiet, auf dem alles andere aufbauen sollte. Das mechanistische Menschenbild der Medizin ist jedenfalls völlig unbefleckt von jeder erkenntnistheoretischen Reflexion. :wink:

Wierus
Beiträge: 795
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 14 Mal
Danksagung erhalten: 31 Mal

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von Wierus » 12.04.2011, 17:43

roberto hat geschrieben:Die Lösung müsste doch eher so aussehen, dass für jeden Fachbereich bestimmte "Skills" vorgeschrieben werden sollten, die die Qualität der Dissertation sicherstellen und und 0815-Titel-Disses verhindern.
Aber was sollen das denn für "Skills" sein? Wer sein Studium gut abschließt und alle Voraussetzungen erfüllt, die eine herkömmliche Promotionsordnung verlangt, und danach ein sinnvolles Thema findet, der sollte nunmal die Möglichkeit haben mit einer Dissertation weiterzumachen.

Ich finde ohnehin, dass man sich von der Promotion zuviel erwartet. Ein Promovierter ist definitiv keine fachliche Koryphäe, sondern ein Student, der sich mit einer Detailfrage intensiv auseinander gesetzt hat. Man sollte mE viel eher auf die Annerkennung der Habilitation als viertem Bologna-Grad drängen, denn es ist ja eigentlich Aufgabe des Habilitationsverfahrens, die vorhandenen Kapazitäten in Forschung und Lehre in der Breite zu prüfen.
Stattdessen geht man den umgekehrten Weg und führt Juniorprofessuren ein und überfrachtet das Promotionsverfahren mit wenig sinnvollen Sonderaufgaben. Halte ich für völlig falsch.
Manyra hat geschrieben:Da stimme ich dir zu musicus, hatte auch schon den Gedanken, dass dies eine schöne Geschäftsidee wäre, die Doktorarbeiten auf Plagiate zu überprüfen. Für Unis wäre es gut, wenn sie die eingereichten Doktorarbeiten überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden.
Natürlich könnte man noch die bereits veröffentlichten Arbeiten aufarbeiten (aber da wohl besser die der anderen Unis :wink: ).

2005 wurden laut Wiki "Doktor" 25.700 Doktorgrade allein in Deutschland verliehen. Da gäbe es einiges zu tun.
Sehe ich auch so. Ich schätze mal das würde an jeder Uni 3-4 neue Arbeitsplätze für Informatiker, Internet-Spezialisten etc. bedeuten, die alle schriftlichen studentischen Abschlussarbeiten von der Bachelor- bis zur Habilitationsschrift per Internet und spezieller Software überprüfen.
Damit wären drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die Studien-Abschlüsse behalten ihr Ansehen, das (schriftliche) wissenschaftliche Arbeiten wird immens aufgewertet und neue - sinnvolle - Arbeitsplätze werden geschaffen.

Bolero
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von Bolero » 12.04.2011, 21:40

musicus hat geschrieben:Medizin ist keine Wissenschaft (bei Bedarf gerne mehr dazu), auch wenn sie sich gerne den Anschein gibt.
Der gute Ruf und die Autorität eines jeden Doktoren kommt aber von den Medizinern. PUNKT! Wenn Du hier den Titel abschaffst wird er an Wert verlieren!
musicus hat geschrieben:
Selbst das British Medical Journal gibt zu, daß nur 1% aller publizierten Artikel „wissenschaftlich“ sind (1991).
Aha, was ist eigentlich wissenschaftlich? Bitte als Doktorand dann auch richtig zitieren und nicht aus dem Zusammenhang gerissen!
musicus hat geschrieben:
Ich habe aber nichts dagegen, wenn anläßlich der ganzen Skandale einmal darüber gesprochen wrid, was überhaupt „Wissenschaft“ ist und welche Kriterien eine Diss von einer Studienabschlußarbeit unterscheiden. So klar scheint mir das alles nicht zu sein.
Wissenschaft schafft Wissen. Wissenschaft bringt die Menschheit voran. Deshalb bitte alle geisteswissenschaftlichen Promotionen abschaffen! :twisted:
musicus hat geschrieben:
PS: Ich halte die Philosophie für das wichtigste Forschungsgebiet, auf dem alles andere aufbauen sollte. Das mechanistische Menschenbild der Medizin ist jedenfalls völlig unbefleckt von jeder erkenntnistheoretischen Reflexion. :wink:
Genau. Und deshalb sollte jede Doktorarbeit ohne Beweise (in einem vorher vielleicht definierten Axiomensystem) nicht zur Promotion führen!

Manyra
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Plagiatsvorwürfe weltweit

Beitrag von Manyra » 13.04.2011, 09:56

Der gute Ruf und die Autorität eines jeden Doktoren kommt aber von den Medizinern. PUNKT! Wenn Du hier den Titel abschaffst wird er an Wert verlieren!
Das stimmt schon, die Doktoren aus der Medizin sind am angesehensten. Abschaffen ist keine Lösung, aber ich würde eine Trennung von Doktor der Medizin von den restlichen Doktoranden, wie es in den USA gehandhabt wird mit MD für Ärzte und PhD für den Rest, sehr befürworten.

Ursprünglich wollte ich an eine PhD-School an ein Max-Planck Institut, hat leider nicht funktioniert und so promoviere ich auf die altmodische Art und Weise. Mittlerweile bereue ich, dass ich mich nicht weiter dort beworben habe. Viele nennen diese Art der Promotion "verschult", aber ich hätte gerne Vorlesungen, Seminar und Skilltrainings mit anderen Doktoranden zusammen gehabt.
Vielleicht wäre so ein Ansatz auch für Unis interessant. Eventuell auch Institutsübergreifend, damit größere Gruppen von Doktoranden zusammenkommen. In solchen Veranstaltungen könnten dann allgemeine Dinge, wie richtiges wissenschaftliches Arbeiten diskutiert werden.

Das System an sich sollte nochmal grundlegend überdacht werden.

Gesperrt