Danksagung "nach Rangordnung"?

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außerdem auch alles was nach Abschluss der Diss kommt.
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tintenfisch
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Danksagung "nach Rangordnung"?

Beitrag von tintenfisch » 12.01.2007, 10:54

Nun habe ich es soweit geschafft, dass im Grunde nur noch die Danksagung zu schreiben ist. Wider Erwarten ist die schwieriger zu schreiben als gedacht.

Ich weiß nämlich nicht, in welcher Reihenfolge ich zu danken habe, weil ich in keine Fettnäpfchen treten und keinem das Gefühl geben will, er sei "weniger wichtig", weil er nicht als erster genannt wird.

Mein Dilemma ist: Wen nenne ich zuerst?
Mein Doktorvater. Der wohl naheliegendste Kandidat. Ohne ihn hätte ich die Arbeit schließlich gar nicht schreiben können.
Mein Forschungsobjekt. Da ich über eine Person und deren Werk geschrieben habe, und diese Person schon bei der ersten Kontaktaufnahme an meinem Projekt sehr interessiert war, hatte ich das große Glück, nicht nur eine "Audienz" zu bekommen, sondern die ganze Zeit über viel Unterstützung von meinem Forschungsgegenstand höchstpersönlich zu erhalten. Die Frage ist, kann ein Künstlerego es ab, nicht an erster Stelle zu stehen?
Meine Eltern. Die haben nicht nur einen Großteil meines Studiums finanziert, sondern waren auch immer da, wenn irgend etwas nicht geklappt hat. Sie erst an dritter Stelle - oder gar an letzter - zu nennen, so nach dem Motto last but not least, das scheint mir schäbig. Klar bleibt mir immer noch die Möglichkeit, dem Gesamtkunstwerk außerhalb der Danksagung ein "Für meine Eltern" voranzustellen.

Die ganzen restlichen Bedankten werde ich, habe ich mir überlegt, am besten nach Alphabet aufstellen, dann kann sich niemand beklagen. Aber meine drei "Problemfälle" löst das nicht.

Ich habe mir verschiedene Dissertationen angesehen, aber irgendwie macht das jeder anders, es scheint keinen Standard zu geben. Oder vielleicht doch, und ich kenne ihn nur nicht?

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mathetussi
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Beitrag von mathetussi » 12.01.2007, 11:21

Hallo tintenfisch,

nach Gefühl würde ich erst dem Künstler danken, dann dem Doktorvater. Weitere Personen würde ich in Zugehörgkeits-Gruppen sortieren und innerhalb der Gruppe dann meinetwegen alphabetisch sortieren. Meistens schreibt man da ja einen beschreibenden Text, wofür genau gedankt wird (tolle Arbeitsatmosphäre in der Gruppe, Bereitstellung irgendwelcher Informationen,...).
Eigentlich habe ich bisher nur Danksagungen gesehen, in denen die Eltern und/oder Partner/Familie an letzter Stelle genannt wurden. Wenn du sie noch besonders hervorheben möchtest, dann gibt es ja auch noch die Möglichkeit, Ihnen die Arbeit zu widmen. Darüber hinaus kannst du dir ja auf privater Ebene noch was Nettes überlegen, z.B. ein kleines Präsent, Ausführen zum Essen o.ä.

Viele Grüße,
MT

acoma
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Beitrag von acoma » 14.01.2007, 16:56

DV würde ich, wenn nicht an erster Stelle, dann ganz am Schluß, aber nicht mittendrin( oder wie mathetussi meint, an 2. Stelle, das würde auch gehen).
Künstler sind superempfindlich, auch wenn die das leugnen: 1. Stelle ist MUSS!
Eltern kannst Du ganz weglassen, brauchen die das? Auch Widmung "Für meine Eltern" würde ich nicht machen.
Zwei Promovenden haben mal mir extra mitgeteilt, daß ich, (damals war ich Hiwi) bei der Danksagung an prominenter Stelle Erwähnung würde: Hab ich nie überprüft, sondern drauf gepfiffen ... Wer liest das Gesülze auch schon. Aufpassen muß man mit solchen Personen, die später noch in eine Beziehung mit dieser Promotion gebracht werden könnten, der DV natürlich, aber auch dieser Künstler ...

TH7
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Beitrag von TH7 » 14.01.2007, 21:48

Justin Zobel: "Writing for Computer Science" (Springer, 2005, 26f) schreibt :

"It is usual to thank only those who contributed to the scientific content - don't thank your parents or your cat unless they really helped with research. Books and theses often have broader acknowledgements, however, to include thanks for people who have helped in non-technical ways."

Daraus würde ich schließen, dass die Eltern, wenn überhaupt, erst am Schluss auftauchen sollten.

tintenfisch
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Beitrag von tintenfisch » 30.01.2007, 09:19

Vielen Dank für eure Antworten! :D

artifex
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Beitrag von artifex » 02.04.2007, 14:10

Kommt das für Dich zu spät? Vielleicht hilft es noch anderen:

Das mit Künstler und DV ist sicherlich eine ganz besondere Situation, in der
ich keinen falschen Kommentar abgeben möchte.

Meine Dipl.arbeit hat inhaltlich zu 100% mein Betreuer (Dr.) betreut,
da wir im Arbeitskreis keinen Prof haben, hab ich den Institutsleiter gefragt, die Betreuung (formell) zu übernehmen.
In der Danksagung stand dieser (auch wenn er "nur" am Ende die Arbeit 1x gelesen und bewertet hat) klar an 1. Stelle.
Eine "Aufwertung" des 2. Ranges meines Betreuers hab ich durch die Formulierung selbst "ausgeglichen", er hat sich zumindest sehr über den Text gefreut.
"Private" Danksagungen weiter unten habe ich z.B. durch direkte Anrede ("Du") hervorgehoben. Aber für eine Diss. gilt sicher das Zitat von Zobel.
Der Familie kann man sicher auch auf andere Weise deutlich zeigen, wie sehr man ihre Unterstützung schätzt. Ein persönliches Geschenk bringt da wohl mehr als Erwähnung in einem Buch, das sie selbst womöglich (oder sicher?) nicht interessieren würde.

ponyhuetchen
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Aus gegebenem Anlaß...

Beitrag von ponyhuetchen » 21.06.2007, 14:58

Da für mich jetzt auch die Veröffentlichung ansteht, feile ich gerade schon mal gedanklich an der Danksagung herum und wollte nur sagen, daß ich bisher viele Dissertationen (theologische und germanistische) gelesen habe, in denen erstens eine Widmung an den Partner, die Eltern u.ä. steht (und oft nicht nur "meiner Frau Doris", sondern so etwas wie "Meiner Frau gewidmet für viele Stunden der Geduld" , "Meinen Eltern zum Dank für die Unterstützung während des Studiums" oder "Dem Andenken meines lieben Vaters") und zweitens in der Danksagung selbst die Personen aufgezählt werden, in denen der/die Verfasser(in) eine Stütze und Hilfe fand. Das können Familie, prägende Lehrer und Mentoren oder Arbeitgeber sein, die finanziellen, emotionalen oder mentalen Support geleistet haben.
Ich finde das sehr schön! Denn eine Diss. entsteht ja nicht nur durch das eigene Schreiben, den Akt an sich, sondern auch dadurch, daß uns Menschen unterstützt haben, uns geprägt haben, unseren Forscherdrang gefördert haben. Und die sollte man m.E. auch gebührend ehren, selbst wenn die alte Patentante vielleicht mit dem Inhalt der Diss. nicht viel anfangen kann...!

tintenfisch
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Beitrag von tintenfisch » 28.06.2007, 14:19

Ich habe inzwischen auch mal ein paar Dissertationen unseres Institutes speziell auf die Danksagung hin angeschaut und stelle immer wieder fest, dass das eine stark individuelle Sache ist, für die es offenbar kein festes Schema gibt. Interessanterweise ist es bei uns eine relativ "neue Mode", die Dissertationen der meisten unserer Professoren enthalten überhaupt keine Danksagungen, war wohl damals nicht üblich.
Ich finde es noch immer äußerst schwierig, da die richtige Balance zu finden, aber ich geb dir, ponyhuetchen, da völlig recht, dass es problematisch ist, nur den "akademischen" Helfern zu danken. Vor allem bei mir als Geisteswissenschaftler ist es auch gar nicht so einfach zu entscheiden, was nun wirklich "akademisch" war - die interessantesten Denkanstöße bekommt man ja oft in Situationen, die eigentlich nur am Rande mit dem Thema zu tun haben.
I

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