Ungleiche Behandlung

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Grinch
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Ungleiche Behandlung

Beitrag von Grinch »

Wie geht ihr mit ungleicher Behandlung der Mitdoktoranden von der Doktorvater/-mutter um? Also zum Beispiel, dass es Lieblinge gibt, die sowohl verstärkt gefördert werden (z.B. Mitnahme auf Konferenzen) und mit denen sich auch mal privat getroffen wird? Und das alles unabhängig von der tatsächlichen Leistung der Doktoranden, sondern basierend auf, ja wahrscheinlich Sympathie.

Natürlich ist mir bewusst, dass es ganz menschlich ist, manche Menschen einfach sympathischer zu finden als andere. Und ja, ich weiß auch, dass Neid keine wirklich coole Eigenschaft ist, und man es besser lassen sollte, neidisch zu sein, aber das schaffe ich scheinbar nicht so wirklich. Und im wissenschaftlichen System, in dem ja viel von Beziehungen abhängt, hat das alles wahrscheinlich auch direkte Karrierefolgen. :(

Ich würde gerne für mich selbst einen gesunden Umgang damit finden und würde mich deshalb über eure Gedanken dazu freuen. Vielleicht gibt es ja jemanden dem es ähnlich geht/ ging.

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FerdiFuchs
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Re: Ungleiche Behandlung

Beitrag von FerdiFuchs »

Ich würde in diesem Fall die zwischenmenschliche von der professionellen Ebene trennen.

Zwischenmenschlich fände ich es äußerst schwach von dem Betreuer, dass er Favoriten hat und er dies so klar durchscheinen lässt. Da würde ich mir meinen Teil denken und hätte ich selbst kein vertieftes Interesse mit ihm über das professionelle Verhältnis hinaus eine Beziehung zu pflegen.

Professionell würde ich mich auf das Betreuungsverhältnis fokussieren und darauf, ob deine eigenen Bedürfnisse darin erfüllt werden. Wenn das meiste gut läuft, gibt's keinen Grund auf diese Situation zu reagieren bzw. etwas zu verändern. Wenn es vereinzelte Probleme gibt (z.B. nicht genug Gelegenheiten zum Netzwerken), kannst du gezielt auf ihn zugehen und Verbesserungen anregen (z.B. nach Finanzierungsmöglichkeiten für Konferenzreisen erkundigen). Wenn das meiste schlecht läuft und auch Versuche etwas zu verbessern nicht gefruchtet haben, würde ich die gesamte Situation hinterfragen.
Grinch
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Re: Ungleiche Behandlung

Beitrag von Grinch »

Erstmal ein guter Tipp, das alles strikt zu trennen.
Nur leider läuft das auf zwischenmenschlicher Ebene irgendwie langsam wie eine self-fulfilling-phrophecy: Ich bin genervt von der Situation, dadurch irgendwie auch im Umgang "gehemmter", oder einfach nicht so wie ich normalerweise bin, zumindest hab ich das Gefühl. Natürlich bestätigt das dann auch die Wahl oder Nicht-Wahl der "Lieblinge".

Meine Bedürfnisse in der Betreuung werden einigermaßen erfüllt; das mit dem Netzwerken empfinde ich allerdings als großes Manko - habe aber auch das Gefühl, dass das wieder mit dem Zwischenmenschlichen, bzw dem fehlenden Zwischenmenschlichen zusammenhängt, weil so viele Dinge über lockere Flurgespräche, und spontane Gelegenheiten zu beruhen scheinen. Und dann bin ich schwupps schon wieder in diesem Teufelskreis...
Jucy23
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Re: Ungleiche Behandlung

Beitrag von Jucy23 »

Hallo,
ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich das Gefühl, nicht zum „inner Circle“ zu gehören und Sorge zu haben, bestimmte Chancen zu verpassen, belastend anfühlt. Ich habe dies auch schon erlebt.

Die Trennung von Beruflichem und Privatem ist dabei wirklich ein wichtiger Tipp. Ob sich DV/DM noch privat am Abend mit jemandem in die Kneipe hockt oder ins Kino geht, sollte bei dir „hier rein, da raus“ gehen. Wenn es um Mitnahmen auf Tagungen etc. geht, würde ich bei denen, die du relevant findest, aber signalisieren, dass Interesse besteht und unter welchen Bedingungen (Finanzierung) du mitfahren kannst.

Das würde ich dir aber ohnehin ein anderes Vorgehen empfehlen - ich fand es immer gut, für mich im Blick zu haben, welche Tagungen für mich relevant sind und wo ich hin will. Mit einem realistischen Plan (nicht zu viel bzgl Machbarkeit/Finanzierbarkeit, aber auch das wichtigste drin) bin ich dann ins Gespräch gegangen und es wurde besprochen, wie das gehen würde. Passiv drauf zu warten, bis jemand von außen sagt, ich nehme dich mit, ist eine ganz schlechte Strategie.
Bei dir klingt Netzwerken vor allem nach „Chef*in führt mich in bestimmte Kreise ein“. Es hängt aber im Wesentlichen davon ab, ob aus diesen vermeintlichen Kontakten auch etwas entsteht. Man ist auf solche Unterstützung nicht zwingend angewiesen. Ich hatte solchen Support nie (externe Promotion, kaum Kontakt zur DM), während ich Menschen kennengelernt habe, die ich als sehr protegiert von anderen wahrgenommen habe, und fand das auch immer ungerecht - der Blick zurück zeigt aber, dass Karrierechancen und das sog. Vitamin B (ich würde vielleicht eher sagen, die eigene Sichtbarkeit in der Community) nicht vom Agieren der jeweiligen Betreuungen abhängt.
Da würde ich mich an deiner Stelle nicht zu sehr in Fantasie n verlieren, was dir vermeintlich entgeht, sondern selbst aktiv werden.
Viel Erfolg weiterhin!
Grinch
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Re: Ungleiche Behandlung

Beitrag von Grinch »

Danke euch! Es hat mir auf jeden Fall schon mal richtig gut getan, das anzusprechen und auf Verständnis zu stoßen! Im "echten" Alltag solche neidischen Gedanken zuzugeben und auszusprechen -- vor allem bei den Personen, die es betrifft und die es ändern könnten -- geht nun mal irgendwie eher nicht.
Lösen wird sich das Problem wohl nicht lassen, aber ich werde versuchen mich nicht weiter in negativen Fantasien was sein könnte, was nicht ist, und warum nicht, zu verlieren (das mache ich nämlich mittlerweile echt täglich und lenke mich damit ganz schön ab), sondern mich auf meine Diss konzentrieren, weiterhin die Zähne zusammenbeißen und die Kränkungen aushalten lernen, und vor allem ganz fest daran glauben, dass ich es auch "alleine" schaffen kann!
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