"nobody told me": vor dem lehreinstieg

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alana
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"nobody told me": vor dem lehreinstieg

Beitrag von alana »

liebes forum,

seit ich weiß, dass ich phd-studi und wimi sein werde, surfe ich hier verstärkt durch die threads und damit auch kleinere und größere dramen. bei mir ist (noch) kein drama in sicht, aber gern wollte ich euren erfahrungsschatz anzapfen. folgendes:

im winter werde ich das erste mal die haut der studi abstreifen und selbst dozieren, gleich mit eigenem konzept & thema (nische geisteswissenschaft). ich habe mich schon mit meinem prof und auch anderen lehrenden phdler_innen unterhalten, was beim auftritt als lehrperson wichtig ist. z. b. eine klare trennlinie zwischen privat- und lehrperson.

da ich eh overthinke, würde ich in diesen gedankenstrom gern noch eure erfahrungen einspeisen!

was ist etwas, das ihr gern gewusst hättet, bevor ihr lehrt? was hat euch überrascht, wie habt ihr bestimmte brenzlige situationen gehandhabt? ich freue mich über best- und worst-ofs! vielleicht hat wer von euch etwas à la "wenn ich das meinem gutgläubigen/naiven/idealistischen ich von damals mitgeben könnte, wäre es ..."

danke schon mal :)
alana

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johndoe
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Re: "nobody told me": vor dem lehreinstieg

Beitrag von johndoe »

Aus der Hüfte geschossen: ich hätte mich didaktisch besser vorbereiten können, zb mit nem Kurs, den viele Hochschulen mittlerweile anbieten . Ich hab am Anfang zu sehr den Stil meiner alten Profs kopiert (zb ganz mies: Word Dokument mit Fließtext zur Präsentation) ohne mal zu hinterfragen,ob man die Inhalte auch geschickter transportieren kann.
donkeydoeshisphd
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Re: "nobody told me": vor dem lehreinstieg

Beitrag von donkeydoeshisphd »

Inhaltlich: Ich hätte gerne früher gewusst, wie wichtig es ist herauszufinden, was die Studis eigentlich interessiert. Daran kann man wunderbar anknüpfen. Hilfreich fand ich eine klare Struktur - also bei mir meistens Wiederholung, Einstieg + Zielsetzung, Theorie, Übung, Besprechung und Sicherung, Zusammenfassung und Ausblick. Ich habe mir das aus Unterlagen für Lehramtsreferendare abgeschaut, youtube Videos angesehen (da gibt es ein paar sehr engagierte Lehrer und das konnte man gut auf die Uni übertragen) + ein anderer Doktorand und ich haben uns gegenseitig in der Lehre besucht und wir haben uns Feedback gegeben. Und noch ein Punkt: Ich habe anfangs stark überschätzt, wie viel die Studis sich merken können. Jetzt versuche ich mir vorab immer ein "Minimalziel" zu setzen, auf dem ich solange herumreite, auch bei Wiederholung/Übung, bis es allen Studis klar ist :D und darüber hinaus ist dann halt Kür.

Organisatorisch: Meine Negativerfahrung als Doktorand war, dass am Ende des Tages gezählt hat, dass man sich genug Zeit für die Diss bzw Veröffentlichungen freigeschaufeln konnte, weil das als eigentliche Kernaufgabe eines Doktoranden oder überhaupt eines WiMas verstanden wurde. Ging auch, gerade zum Ende der Diss, nur mit Abstrichen bei der Lehre. Leider.
johndoe
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Re: "nobody told me": vor dem lehreinstieg

Beitrag von johndoe »

Nicht zu vergessen, was phdcomics beizutragen hat zum Thema Lehre als Doktorand :D
https://phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=922
donkeydoeshisphd
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Re: "nobody told me": vor dem lehreinstieg

Beitrag von donkeydoeshisphd »

johndoe hat geschrieben: 14.09.2022, 10:22 Nicht zu vergessen, was phdcomics beizutragen hat zum Thema Lehre als Doktorand :D
https://phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=922
:D :D :D Ich hab ganz schlimme Dinge von denjenigen gehört, die "fakultative Veranstaltungen, für die Studierende keine Credits bekommen" halten wollten/mussten.
Papierturm
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Re: "nobody told me": vor dem lehreinstieg

Beitrag von Papierturm »

Es gibt ja so eine Handvoll Klassiker, die beachtet werden sollten.
- Ziele erwähnen.
- Struktur haben.
- Bedürfnisorientierte Gestaltung (Was interessiert die Studis? Für was kann Interesse geweckt werden?).
- Auch emotionale Aktivierungen jedweder Art einbauen, damit es nicht zu trocken / dröge wird.
- Publikum mit einbinden.

Dann gibt es aber noch etwas, wovon ich bisher noch von niemanden sonst hörte. Und was ich unglaublich wichtig finde.
1. Split Attention vermeiden! (Typisches Beispiel für Split Attention im Alltag: Fernsehen und gleichzeitig am Smartphone hängen -> von irgendwas kriegt man nicht viel mit.)
2. Daraus folgt auch, dass die Vortragsgestaltung vom eigenen Energielevel bei einem Vortrag abhängen sollte.
-> Hohes Energielevel -> Fokus auf die eigene Person. Präsentationen und Medien geringfügig zur Unterstützung, aber keinesfalls als zentrales Element einbauen.
-> Niedriges Energielevel -> Fokus auf die Präsentation, sehr ausführlich und gut machen, aufmerksamkeitsbindend. Der Dozent "als Stimme aus dem Off" zur Unterstützung.

Auch wenn meiner Beobachtung nach Dozenten mit hohem Energielevel meist besser ankommen. Auch Dozenten mit niedrigem Energielevel können recht beliebte Veranstaltungen anbieten, wenn sie den Aufmerksamkeitsfokus auf einer möglichst guten Präsentation haben. Die anderen beiden Kombinationen (hohes Energielevel + Fokus auf Präsentation oder niedriges Energielevel + Fokus auf Dozent) kamen meiner Beobachtung nach hingegen seltenst gut an.
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