Diss vor dem Aus (Jura)

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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waldmann
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Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von waldmann »

Hallo,

ich bin neu hier, das ist mein erster Beitrag. Die Geschichte mit meiner Diss ist bewegt, ich stehe für mich eigentlich am Ende und sehe keine Möglichkeit mehr auf Erfolg. Doch der Reihe nach: Ich versuche sie möglichst knapp und kurz darzustellen. Ich möchte hier nicht in die Details gehen und hoffe auf euer Verständnis.

Nach meinem Hochschulabschluss 2014 (Theol., staatliche Universität) habe ich ein Stipendium der DFG für drei Jahre lang bekommen. Das Thema war interdisziplinär angelegt, mein Doktorvater entsprang dem (fremden) Fachbereich Jura. Mein Fachbereich, an dem mein DV ebenfalls unterrichtete, hatte stets signalisiert, die staatskirchenrechtliche Arbeit anzunehmen, da es zwar ein interdisziplinäres Thema sei, jedoch von Interesse für die Forschung.

Nach Fertigstellung der Arbeit im Jahr 2018 wurde bei einem Vorgespräch dann deutlich, dass die Arbeit inhaltlich zu sehr fachfremd sei, als dass sie angenommen werden könne. Diss also nicht eingereicht. Eine komplette Umarbeitung wäre die einzige Alternative gewesen.
Nächste Möglichkeit: Fachfremd promovieren (Jura), der Fachbereich hätte die Arbeit angenommen. Im Weg stand und steht mir hier die mündliche Prüfung (Rigorosum), die sich auf alle Fächer in Jura erstreckt, darunter Kapital- und Bankenrecht, wovon ich von Seiten meiner Qualifikation keinerlei Ahnung habe (auch nicht mit viel Aufwand und Arbeit).
Letzte Möglichkeit, der Support eines emeritierten Professors, der mich wirklich gut unterstützt hat, mit Mitte 80 aber leider selbst keine Promotionen mehr betreut. Er hat am Fachbereich ein gutes Wort eingelegt. Leider haben alle Profs signalisiert, dass sie fachlich zu wenig versiert seien, um die Arbeit hinreichend und angemessen bewerten zu können.

So stehe ich nun da, habe eine Diss mit 250 Seiten Umfang, Jahre der Forschung, Gespräche, Tagungen, Kongresse und keiner will sie. Vielleicht kann mir jemand noch Tipps geben, an welchen Unis eine fachfremde Promotion in Jura möglich ist, wobei ich natürlich zwei schon (eine im Bundesland Brandenburg, die andere in Hessen) "durch" habe.

Seid herzlich gegrüßt!

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Cybarb
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von Cybarb »

Hallo,

das ist natürlich eine vertrackte Situation...

Warum die Personen am theologischen Fachbereich nicht schon zu Beginn der Arbeit an der Diss. ihre erheblichen Zweifel an einer angemessenen Bewertung angemeldet haben, fragt man sich. (Da hätte man sich ja mal ein Exposé anfertigen und durchlesen lassen können.) Aber gut, dieses Kind ist schon 2014 in den Brunnen gefallen.

Was haben die Profs denn genau für ein Problem?
Es braucht einen Erstgutachter (den Juristen) und einen Zweitgutachter (gibt es da denn noch keinen?). Und dann braucht es noch diverse Leute für die Disputation. Letztlich sitzen dort doch oft Leute, die vom Kernthema der Arbeit nur noch begrenzt Ahnung haben und dann auch entsprechende Fragen stellen. Man pickt sich das aus Arbeit heraus, wozu man sich für kompetent erachtet. Die Anspruchshaltung der Profs an sich selbst klingt erst einmal löblich, geht m. E. aber an der Realität so mancher Disputation vorbei, wie ich finde. Dann sollen sie halt Fragen zu den theologischen Inhalten der Arbeit stellen und den Rest dem Juristen überlassen.

Gibt es die Möglichkeit, externe Personen hinzuzuziehen, oder müssen alle Profs von derselben Uni kommen?

Letzten Endes sieht es für mich aber so aus, als müsstest du in den am wenigsten sauren Apfel beißen. Und das scheint mir die Umarbeitung der Arbeit in Form einer Ergänzung um genuin theologische Inhalte zu sein.

Gruß
Cyb
flip
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von flip »

Ich frage mich gerade, warum man nicht an einer theologischen Fakultät einreicht und einen Jurist als Zweitprüfer, damit sich alle freuen?
Cybarb
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von Cybarb »

flip hat geschrieben: 04.02.2021, 13:13 Ich frage mich gerade, warum man nicht an einer theologischen Fakultät einreicht und einen Jurist als Zweitprüfer, damit sich alle freuen?
Das will er ja, wenn ich den Beitrag richtig lese:
Das Thema war interdisziplinär angelegt, mein Doktorvater entsprang dem (fremden) Fachbereich Jura. Mein Fachbereich, an dem mein DV ebenfalls unterrichtete
Die Diss. soll an der theologischen Fakultät eingereicht werden, der Erstgutachter ist aber ein Jurist, der an dieser Fakultät lehrt. Nur scheint sich unter den Theologen niemand mit subjektiv ausreichender Kompetenz für Zweitbegutachtung (?) und Disputation zu finden.
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von MelchiorC »

Ich würde mal an die einschlägigen kanonistischen Institute München und Münster verweisen. Da gibts ja auch jeweils staatskirchenrechtliche Lehrstühle. Alternativ würde ich Leuven vorschlagen, da gibts ebenfalls einen Schwerpunkt in der Kanonistik.
Ansonsten einfach mal suchen, wer von den Herren und Damen Kirchenrechtlern einen Schwerpunkt mit Staatskirchenrecht hat.

Wobei ich das Anliegen nicht ganz verstanden hab: Angestebt wird ein Dr.theol. im Fachbereich Kirchenrecht, richtig? Da gäbe es ja einige Lehrstühle mit Leuten, die sich im Bereich Staatskirchenrecht ganz gut auskennen. Und Zweitgutachter können ja sowieso "von überall her" kommen. Also da gäbs ja auch die Möglichkeit, einen Juristen zu konsultieren
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von mantor »

Gibt es eine Promotions-/Betreuungsvereinbarung? Wenn das Thema von der jeweiligen Fakultät angenommen wurde und einen Betreuer benannt hat, muss diese Fakultät eigentlich auch dafür garantieren, dass das Promotionsverfahren durchgezogen werden kann.

Hast Du schon einmal mit dem Promotionsbüro der Fakultät gesprochen?
Wierus
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von Wierus »

Ich schließe mich mantor an. Das Thema wurde 2014 angenommen -drei Jahre nach der Causa Guttenberg- da hatte man die Promotionsvereinbarungen an allen Unis formalisiert, auch und gerade für Externe. Mit so einer Vereinbarung in der Tasche kann man sich an verschiedene Stellen wenden: den Vorsitzenden der Promotionskommission (bzw. den Leiter des Promotionsorgans) der jeweiligen Fakultät, das Dekanat, die Fakultätsleitung usw.
flip
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von flip »

Cybarb hat geschrieben: 04.02.2021, 17:28
flip hat geschrieben: 04.02.2021, 13:13 Ich frage mich gerade, warum man nicht an einer theologischen Fakultät einreicht und einen Jurist als Zweitprüfer, damit sich alle freuen?
Das will er ja, wenn ich den Beitrag richtig lese:
Das Thema war interdisziplinär angelegt, mein Doktorvater entsprang dem (fremden) Fachbereich Jura. Mein Fachbereich, an dem mein DV ebenfalls unterrichtete
Die Diss. soll an der theologischen Fakultät eingereicht werden, der Erstgutachter ist aber ein Jurist, der an dieser Fakultät lehrt. Nur scheint sich unter den Theologen niemand mit subjektiv ausreichender Kompetenz für Zweitbegutachtung (?) und Disputation zu finden.
Achso, ich war davon ausgegangen, dass die Diss weiterhin an einer juristischen Fakultät eingereicht werden sollte.
caipirinha11085
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Re: Diss vor dem Aus (Jura)

Beitrag von caipirinha11085 »

Ich würde an deiner Stelle auch lieber im eigenen Fachgebiet promovieren und das auch weiterhin anstreben. Viel Erfolg dabei!

Warum für das Rigorosum - ich wusste gar nicht, dass es noch eine juristische Fakultät in D gibt, die ein klassisches Rigorosum durchführt - ausgerechnet Bankenrecht im Weg steht, ist mir nicht klar. Bankenrecht gehört nicht zum Pflichtstoff der juristischen Ausbildung und dürfte doch mit am Wenigsten Probleme bereiten.

Wenn alle Stricke reißen, würde ich als letzten Ausweg die Diss ggf an eine andere juristische Fakultät tragen, an der die Diss "lediglich" verteidigt werden muss.
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