Zu alt für eine Promotion?

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Fleischmann
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Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von Fleischmann » 22.08.2020, 23:19

Hallo,

bin gerade ebenfalls am Überlegen einer Promotion nachzugehen und hätte auch eine entsprechende Stelle in Aussicht. Allerdings ist mein langfristiges Ziel keine wissenschaftliche Karriere sondern nach der Promotion zurück in die Industrie/Konzernwelt zu wechseln. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob man mit 27 bereits zu "alt" ist für ein solches Vorhaben. Wenn ich fertig bin, werde ich vermutlich 31 oder evtl 32 sein. Ist man dann nicht uninteressant als Berufseinsteiger für die Konzerne? Bereich wäre KI bzw. Informatik. Könnte mir gut vorstellen, dass entsprechende Personaler dann sagen: "Tut mir Leid, aber Sie können nicht mit Gleichaltrigen, die bereits 5+ Jahre Berufserfahrung haben, mithalten...". Ich weiß das man eine Doktorarbeit normalerweise nicht wegen der Karriere verfasst, aber am Ende muss man ja trotzdem irgendwo unterkommen und "lohnen" sollte es sich ja auch ein wenig.

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Bienchen
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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von Bienchen » 23.08.2020, 18:44

Hallo Fleischmann,

m.E. kommt es etwas darauf an, was Du vorher so gemacht hast. Du schreibst "zurück in die Industrie/Konzernwelt" - Du hast also bereits Berufserfahrung außerhalb der Uni? Das würde ich auf jeden Fall als hilfreich erachten. Ich selbst hatte ähnliche Bedingungen wie Du hier schilderst, ich habe gerade meine Promotion in den Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen, mit 32. Hatte aber vor Beginn der Promotion bereits 2 Jahre Erfahrung und habe auch neben meiner Stelle an der Uni noch in der Privatwirtschaft gearbeitet. Der Wechsel in ein großes Unternehmen hat jetzt gut geklappt und lohnt sich auch finanziell, ich habe aber auch ein paar Absagen kassiert. Woran das dann gelegen hat, weiß man natürlich nicht so genau. Und wie das im Bereich der Wirtschaftsinformatik aussieht, kann ich Dir leider auch nicht sagen. Am Ende gehört natürlich immer auch Glück dazu.

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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von johndoe » 23.08.2020, 22:18

Wurde diese Frage nicht auch schon in deinem letzten Thread diskutiert?
viewtopic.php?f=1&t=7746&p=239393&hilit ... se#p239393

Ich erinnere mich noch an die Diskussion, ob es überhaupt spezielle Doktor-Jobs in der Konzern-IT gibt und ob man eine Informatik-Promotion als Mehrwert ausspielen kann.

Bzgl. Alter: du bist nicht zu alt für eine Promotion. Allerdings ist dein Vorhaben aus meiner Sicht gewagt, wenn es dich eigentlich in die Konzern-IT zurückzieht. weil Konzern-IT praktisch das Gegenteil von Forschung ist. Wenn du was in Richtung KI erforschst, was bei der Produktentwicklung nützlich ist (also nicht Konzern-IT, sondern Entwicklungsabteilung), dann kann das durchaus ein Mehrwert sein.

Letztlich hängts von deinen Zielen ab.

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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von Falke » 24.08.2020, 17:11

Fleischmann hat geschrieben:
22.08.2020, 23:19
Wenn ich fertig bin, werde ich vermutlich 31 oder evtl 32 sein.
Falls dir das hilft:
Ein Freund von mir promoviert gerade hauptberuflich in E-Technik (war schon ein paar Jahre im Beruf) und wird mit ca. 33 fertig sein. Seine promovierenden Kollegen am Lehrstuhl sind auch alle um/über 30.

Ich komme aus den Geisteswissenschaften und von den Doktoranden, die ich da kennen gelernt habe, bin ich jüngster (Ende 20). Gerade hat an meinem Lehrstuhl jemand die Disputation gehabt - mit 53 :D

Meine Meinung, egal welcher Bereich: Lebensfreude geht vor Karriere. Wenn du Lust auf den Doc hast, mach ihn, auch wenn er in deiner Branche ungewöhnlich wäre. Mit Informatik kannst du eigentlich anstellen, was du willst, du würdest in der Industrie immer Aufstiegsmöglichkeiten finden. Beim Dr könnte es höchstens passieren, dass du für manche Stellen überqualifiziert bist, das ist zumindest gerade das Problem eines Bekannten von mir.

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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von Wierus » 24.08.2020, 17:34

Falke hat geschrieben:
24.08.2020, 17:11
Ich komme aus den Geisteswissenschaften und von den Doktoranden, die ich da kennen gelernt habe, bin ich jüngster (Ende 20). Gerade hat an meinem Lehrstuhl jemand die Disputation gehabt - mit 53 :D
Ich frage mich ohnehin, wie man auf die Idee kommt, für so etwas wie eine Dissertation "zu alt" sein zu können. Und das auch noch mit 27.
So einen Arbeitgeber, der das ernsthaft bemängelt, den würde ich gleich im Gespräch verbal in den Arsch treten was er sich überhaupt einbildet... 8)
Falke hat geschrieben:
24.08.2020, 17:11
Meine Meinung, egal welcher Bereich: Lebensfreude geht vor Karriere.
Dem Stimme ich voll und ganz zu.

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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von asodi » 25.08.2020, 20:39

Wenn du Lust darauf hast und du weißt, dass du es bereuen wirst, wenn du es nicht tun wirst, dann weißt du, dass es der richtige Weg ist. Und für den gibt es keine Altersgrenze.
So viele bringen das Argument des Alters - du hast knapp 40 Jahre Berufsleben vor dir. Jeder Personaler hat andere Kriterien anhand derer er sein Personal aussucht und einstellt. Wenn du einmal in der Wirtschaft warst, wirst du auch wieder hineinkommen.

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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von Montrey » 05.09.2020, 22:10

Falke hat geschrieben:
24.08.2020, 17:11
Fleischmann hat geschrieben:
22.08.2020, 23:19
Wenn ich fertig bin, werde ich vermutlich 31 oder evtl 32 sein.
Falls dir das hilft:
Ein Freund von mir promoviert gerade hauptberuflich in E-Technik (war schon ein paar Jahre im Beruf) und wird mit ca. 33 fertig sein. Seine promovierenden Kollegen am Lehrstuhl sind auch alle um/über 30.

Ich komme aus den Geisteswissenschaften und von den Doktoranden, die ich da kennen gelernt habe, bin ich jüngster (Ende 20). Gerade hat an meinem Lehrstuhl jemand die Disputation gehabt - mit 53 :D

Meine Meinung, egal welcher Bereich: Lebensfreude geht vor Karriere. Wenn du Lust auf den Doc hast, mach ihn, auch wenn er in deiner Branche ungewöhnlich wäre. Mit Informatik kannst du eigentlich anstellen, was du willst, du würdest in der Industrie immer Aufstiegsmöglichkeiten finden. Beim Dr könnte es höchstens passieren, dass du für manche Stellen überqualifiziert bist, das ist zumindest gerade das Problem eines Bekannten von mir.
Richtig. Ich glaube wenn es einem Spaß macht und Freude bereitet, gibt es keine Altersbeschränkung.
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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von ScienceLeo » 11.09.2020, 09:22

Auch, wenn die Frage nun schon ein bisschen her ist, denke ich, es ist noch nicht zu spät für eine motivierende Antwort - ebensowenig wie für eine Promotion. Selbst, wenn dir der Titel am Anfang der Karriere noch nichts "nützt", so kannst du vielleicht später immer noch von dieser Entscheidung profitieren. Außerdem ist nichts falsch daran, zu promovieren, wenn du Lust darauf hast.

Ich kenne Leute, die mit Anfang vierzig nochmal ein ganz neues Studium begonnen und dann durchgezogen haben. Die Energie und Entschlossenheit, die man für diese Schritte braucht, können Arbeitgeber manchmal mehr beeindrucken als ein abgeschlossener Bildungsweg mit Mitte zwanzig.

Viel Erfolg!
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Re: Zu alt für eine Promotion?

Beitrag von teilchenphysik196 » 14.09.2020, 13:01

Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe kurz vor meinem 50. Geburtstag die Promotionsurkunde abgeholt. Abgesehen davon, ob eine Promotion in Heller und Pfennig vom Arbeitgeber honoriert wird, so verändert sie doch fundamental den eigenen Umgang mit Themen am Arbeitsplatz. Man wird sehr viel präziser, analytischer, fokussierter. Man formuliert auf den Punkt. Man kann sich rasch in komplexen Problemlagen orientieren, indem man die richtigen Fragen stellt. Ich muss komplexe Probleme nicht in allen Dimensionen verstehen, sondern nur in den entscheidenden. Und ich geb es zu, ich freue mich immer wieder, wenn mich jemand mit Frau Doktor anredet : ))
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