Bewerbungen auf Promotionsstellen

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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uczenik
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Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von uczenik » 11.07.2020, 01:00

Hey Leute,

...ich bin gerade vielleicht einfach nur verunsichert habe aber dennoch ein paar Fragen bzw. würde mal um Erfahrungsberichte bitten:

1) Bei Stellen - v.a. außerhalb vom Deutschsprachigen Raum - werden oft Referenzen/Empfehlungsschreiben verlangt. Dazu gibt's scheinabr auch keine Regeln oder sonstwas. Es is' vielleicht etwas zu spät, nachzufragen, wen man da aller Fragen könnte/sollte. Ich hab' blöderweise zu ziemlich alle Professoren angeschrieben, mit denen ich jemals ein mehr oder weniger gutes Verhältnis hatte und komm' mir jetzt ziemlich blöd vor. Ich glaub', ich würd' die Anfragen fast schon lieber wieder zurückziehen. Nicht alle, aber einige. ich glaub', der einzige, den ich noch nicht angeschrieben hab', is' der Betreuer meiner Masterarbeit und der Prof. bei dem ich meine letzten Stellen an meiner Heimatuni hatte.

Also erstmal muss ich auf deren Antworten warten, aber glaubt ihr, dass ich dann bei Bewerbungen damit umgehen soll? Bin einwenig verunsichert, ob ich die auch einfach so anhängen soll (ungefragt) ob ich dann nur eines dranhängen soll. Ich meine, ich muss sowieso erst einmal abwarten, ob ich überhaupt welche bekomme (eines sollte zumindest drinnen sein - immerhin hat es der Prof. von sich aus angeboten).

2) Ich habe für kommenden Winter einen Lehrauftrag auf meiner Heimatuni bekommen. Der läuft nur für ein Semester evtl. auch nur für ein halbes - je nachdem, wie das terminlich geregelt wird. Das is' also keine richtige Stelle, von der man leben kann oder sonstwas. Soll ich das in Bewerbungen angeben (wenn ich denke, dass es möglich ist, beides zu machen) oder soll ich das tunlichst verschweigen?

3) Wie seht ihr das mit Bewerbungen auf Stellen, bei denen man einige Kriterien nicht erfüllt? Ich meine keine eindeutigen Formalia wie "phD-Abschluss vorausgesetzt" oder "Ahnung von Thema x" (etwas, das ich definitiv nicht kann und auch nicht nachlernen kann), aber Sachen wie "mind. drei Jahre Erfahrung als wissenschaftlicher Mitarbeiter" oder "Ahnung von Thema x" (wenn ich mir zutraue, das nachzuholen) oder "Erfahrung in internationalen Projekten"? Ich hab' das halt alles nicht, weil ich dieses Jahr erst abgeschlossen hab'.

4) einfach nur um's nochmal zu erwähnen: gosh! mir is' das mit den Empfehlungsschreiben gerade dermaßen peinlich .... ich hoff', dass ich mich da nciht komplett blamiert hab'.
Zuletzt geändert von uczenik am 12.07.2020, 11:16, insgesamt 1-mal geändert.

daherrdoggda
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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von daherrdoggda » 12.07.2020, 08:02

1. Masterbetreuer und Hiwi(?)-chef scheinen aber eher wichtig zu sein - wem hast du denn stattdessen geschrieben? Solange du die alle unabhaengig voneinander angeschrieben hast und Referenzen kriegst, ist es doch egal, ob du dann zu viele hast. Ich hab bei Direktbewerbungen erstmal nur Interesse bekundet und nen Lebenslauf geschickt, und auf Nachfrage dann die Referenzen (die meisten wollten einfach direkt mit ihnen telefonieren). Andere Stellen waren mit Onlineformular, wo man die Kontakte angeben musste, damit die Referenzen einen dann im Formular bewerten koennen.

2. Sollte eh im Lebenslauf stehen

3. Wie kann bei Doktorandenstellen mehrjaerige Erfahrung vorausgesetzt werden? Normalerweise hat man an dem Zeitpunkt nur ein paar Monate Hiwi- und Master-Erfahrung.

4. Jeder fragt nach sowas, jeder braucht sowas, was ist daran peinlich?
Zuletzt geändert von daherrdoggda am 12.07.2020, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.

uczenik
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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von uczenik » 12.07.2020, 11:40

daherrdoggda hat geschrieben:
12.07.2020, 08:02
1. Masterbetreuer und Hiwi(?)-chef scheinen aber eher wichtig zu sein - wem hast du denn stattdessen geschrieben? Solange du die alle unabhaengig voneinander angeschrieben hast und Referenzen kriegst, ist es doch egal, ob du dann zu viele hast. Ich hab bei Direktbewerbungen erstmal nur Interesse bekundet und nen Lebenslauf geschickt, und auf Nachfrage dann die Referenzen (die meisten wollten einfach direkt mit ihnen telefonieren). Andere Stellen waren mit Onlineformular, wo man die Kontakte angeben musste, damit die Referenzen einen dann im Formular bewerten koennen.
Ich hab' - was grundsätzlich schon passt - die Betreuerin meiner Masterarbeit gefragt und einen Prof., der mir von sich aus angeboten hat, mir eine Empfehlung zu schreiben (also mein Zweitprüfer hat nach der Prüfung explizit gesagt, falls ich ein Empfehlungsschreiben brauche, kann er mir das gerne geben).
Aber ansosnten wird's bunt:
- der Prof., für den ich früher jahrelang gearbeitet hab', bei demich aber eine Masterarbeit in den Sand gesetzt hab' und dann das Betreuungsverhältnis abgebrochenh hab' (von dem hab' ih jetzt ene Absage). Dachte mir, dass mir der wahrscheinlich eher einen "Letter of unrecommendartion" schreiben müsste.
- ein Prof. und einer Professorin, bei denen ich in meinem Erasmussemester Praktika gemacht hab'
- ein Prof., bei dem ich vor zehn (!) Jahren mal ein Praktikum gemacht hab'
- und ein Prof., bei dem ich auch vor fast zehn Jahren mal einfach nur eine Vorlesung und zwei Seminare besucht hab'. Wir haben uns ganz gut verstadnen, aber das war's halt.

...das kommt mir teilweise extrem weit hergeholt vor. Ein paar von denenwerden sich beim besten Willen nimmer an mich erinnern können oder peinlicher noch: erinnern können, aber nichts zu sagen haben und meine Frage belästigend finden.
2. Sollte eh im Lebenslauf stehen
...sorry, ich hab's nochmal editiert: der Lehrauftrag wäre im kommenden Winter, d.h. schon etwas, was mit den Stellen, auf die ich mich bewerbe, problematisch werden könnte.
3. Wie kann bei Doktorandenstellen mahrjaerige Erfahrung vorausgesetzt werden? Normalerweise hat man an dem Zeitpunkt nur ein paar Monate Hiwi- und Master-Erfahrung.
:heart: Ich les' es trotzdem ständig.
Is' aber auch ein bisschen darauf bezogen, wenn die Kriterien auch sonst nicht ganz erfüllt sind. Beispiele:
- "Kenntnis der Geschichte der fanzösischen Kinderheime" ... das wäre so ein Spezialgebiet, das in Deutschland keine studiert, dazu gibt's keine Lehrveranstaltungen oder ähnliches, d.h. man hat da nicht praktisch "alle" Absolventen als Konkurrenten, sondern nur einen wirklich kleinen Anteil. Macht es denn Sinn, wenn man den Bereich für überschaubar hält, sich auch dann zu bewerben, wenn man das halt noch nicht kennt, aber einfach nachlernen kann?
- Ebenso bei Sachen wie: "Erfahrungen mit SPSS-Statistikprogrammen". Ich mein', ich hatte das in meienm Studium vor hundert Jahren mal in einem Seminar und hab' das komplett vergessen. Aber grundsätzlich lässt sich das sicher nachlernen. Macht's sinn, sich bei sowas zu bewerben (und das dann auch so zu erwähnen)?

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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von Wierus » 12.07.2020, 16:12

daherrdoggda hat geschrieben:
12.07.2020, 08:02
Wie kann bei Doktorandenstellen mehrjaerige Erfahrung vorausgesetzt werden?
Spätestens da habe ich auch gestutzt. Eine Frage, die mich ebenfalls umtreibt: Wie können bei Promotionsstellen - ich zitiere - "'Formalia wie 'phD-Abschluss vorausgesetzt'" werden?

Und wenn ich mir das restliche Geschreibe so ansehe, dann blinkt die gelbe Troll-Warnlampe bereits. :?

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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von daherrdoggda » 12.07.2020, 16:52

Ich hab inzwischen auch gemerkt, dass wir Grundsatzprobleme schon mit uczenic diskutiert hatten...
viewtopic.php?f=1&t=7740&p=239262#p239260

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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von uczenik » 12.07.2020, 20:45

Wierus hat geschrieben:
12.07.2020, 16:12
Eine Frage, die mich ebenfalls umtreibt: Wie können bei Promotionsstellen - ich zitiere - "'Formalia wie 'phD-Abschluss vorausgesetzt'" werden?
War ein blödes Beispiel. Was ich mein' is', dass es nicht um Stellen geht, bei denen die Formalia eindeutig nicht erfüllt sind, also dass ich mich nicht auf Postdocstellen bewerbe oder auf Stellen, für die ein Studium verlangt wird, das ich nicht habe.
Zuletzt geändert von uczenik am 13.07.2020, 13:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von Wilaminah » 13.07.2020, 01:15

Auf JEDEN Fall auch auf Stellen bewerben bei denen nicht alles passt. So hab ich meine bekommen.

Empfehlungsschreiben schreiben ist eine Formalitaet, d.h. gehört zum Professor-Sein meiner Ansicht nach dazu. Eine Anfrage ist daher NICHT seltsam. Wir sind doch alle in der Wissenschaft konstant dabei uns irgendwie auf irgendwas zu bewerben: Bei einer Zeitschrift, Stipendium, Jobs. Das wissen Professoren auch und sollten daher verstehen, warum Empfehlungsschreiben wichtig sind. Klar, wenns 10 Jahre her ist werden die vielleicht ueberrascht sein und ablehnen können die das auch natuerlich. Ich wuerde mir da keinen Kopf machen. Ausserdem können Professoren dich auch bitten, selber ein solches Schreiben zu formulieren und dieses dann nur unterzeichnen (yes, nicht die feine Art aber in meinem Fall lief das bei 50% der Emfephlungsschreiben so ab.)
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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von uczenik » 13.07.2020, 12:59

Dann danke mal. Dass es nicht so "peinlich" is', sich auf Stellen zu bewerben, für die man nicht alle (angeblichen) Anforderungen erfüllt, gibt mir schon einwenig Zuversicht.

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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von uczenik » 13.07.2020, 13:28

daherrdoggda hat geschrieben:
12.07.2020, 08:02
3. Wie kann bei Doktorandenstellen mehrjaerige Erfahrung vorausgesetzt werden? Normalerweise hat man an dem Zeitpunkt nur ein paar Monate Hiwi- und Master-Erfahrung.
Okay, es is' - wie ich jetzt nochmal rausgesucht hab' - eine Stelle, die man als WiMi machen "darf", aber es is' keine explizite Promotionsstelle.
Abgeschlossenes wiss. Hochschulstudium ([Fach ...]); Kenntnisse in [...] eine nach Abschluss des Hochschulstudiums ausgeübte mind. dreijährige wiss. Tätigkeit [...]; Promotion erwünscht
...d.h., dass man als WiMi die Stelle zwar machen kann, sie aber eigentlich einen Postdoc wollen.

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Re: Bewerbungen auf Promotionsstellen

Beitrag von littlescientist » 23.07.2020, 11:22

Ich schreibe mal aus meiner Erfahrung (bin seit einem Jahr glücklich auf einer 100% Stelle und schreibe fleißig an der Diss).
Bei mir hat es thematisch nicht so gut gepasst (habe A studiert, bin jetzt am Lehrstuhl für die Schnittstelle von A und B am Institut für B und unterrichte Studierende in B :lol: ). Vorausgesetzt waren z.B. sehr gute R-Kenntnisse (ich hatte R noch nie benutzt) und Start am 01.03. (meine MA ging bis in den August). Allerdings fand ich die Arbeiten an dem Fachgebiet super spannend und dachte mir, komm, was du nicht kannst, kannst du auch lernen.
Ich habe mir also das Lehrbuch "Einführung in B" (das glücklicherweise meine Chefin selbst geschrieben hat) durchgelesen und bin zum Bewerbertag gefahren.
Fazit: Nach dem Bewerbungsgespräch habe ich recht schnell die Zusage bekommen, wir haben uns beim Einstiegstermin auf einen Kompromiss geeinigt (ich habe die MA etwas früher abgegeben) und dann online R-Kurse besucht und es mir selbst beigebracht.
Ich glaube, "den" Fit zwischen BewerberIn und Stelle gibt es oft nur dort, wo die Stelle auf den/die WunschkandidatIn zugeschnitten wird. Daher: Einfach bewerben und zum Ausdruck bringen, dass man bereit ist, Lücken aufzholen! :blume:
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