Externe Promotion

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Nomen Nescio
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Re: Externe Promotion

Beitrag von Nomen Nescio » 08.07.2020, 23:45

Die Unterscheidung zwischen Politik und Privat, also Politik im Großen und im Kleinen, ist mMn recht künstlich. Ich kann nicht gegen Umweltzerstörung und menschen- wie tierunwürdige Bedingungen in Großschlachtereien, wie zuletzt bei Tönnies offenkundig geworden,wettern und dann das in Plastik verpackte Fleisch aus der Kühlung bei Aldidl holen.

Bei threads wie diesem lese ich meine eigene sig und richte mich oft auch danach. ;)
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SSCI
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Re: Externe Promotion

Beitrag von SSCI » 08.07.2020, 23:52

Sorry für den dritten Post hintereinander, aber ich möchte das gerne nochmal gesondert ansprechen.

Die Debatte hier ist ein Spiegel für all die anderen Debatten auf anderen Felder, bspw. zur Frage, ob der Kauf eines Hühnchens für 3€ moralisch akzeptabel ist. Dies ist die Menschheit und die besteht nicht nur aus edlen Rittern sondern aus einer quasi-normalverteilten Masse von Trotteln und außerdem Rittern und Egoisten an den Rändern.

Die moralische Unredlichkeit fällt nur den Rittern auf und selbst unter denen sind viele, die glänzender erscheinen möchten, als sie in Wirklichkeit sind.

Wir machen es wie die Tiere - hier im Forum vielleicht auf hohem Niveau, aber dennoch: Das berufliche Fortkommen im Sinn, die Strahlkraft nach Außen, die Selbstbestätigung nach Innen, die mit der Stelle verbundene Macht usw. sind die Haupttriebfedern unseres Handelns. Der unverfälschte Forscherdrang...das ist ein Mythos...der gern hochgehalten wird aber nur von den wenigsten jemals empfunden wurde.

Das ist aber auch nicht das Problem oder die Schuld der Promotionskandidaten, sondern es sind das Wesen der Menschen und das Dreckssystem.

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Re: Externe Promotion

Beitrag von johndoe » 09.07.2020, 00:27

@SSCI: (Ich antworte mal konsolidiert auf deine Posts)

Mir kommt es so vor, als würdest du akademische Blenderei legitimieren wollen durch die Argumente, dass (1) das deutsche Promotionssystem rückständig ist im Vgl. zu manch europäischem Ausland und (2) der deutsche Michel den Unterschied sowieso nicht rafft.

DAS ist doch die Ursache an all den Promotionsskandalen der vergangenen Jahre: nicht die Forschung steht im Vordergrund, sondern der "Titel". Was erforscht wird und wie es angegangen wird, ist vollkommen egal. Das hat nichts mit edlen Rittern zu tun, die Promotion wird einfach nur zweckentfremdet. Auf den Bachelor übertragen heißt das: wenn du in Osteuropa deinen Bachelor machst, brauchst du dafür nur 3 Semester, ist aber natüüüürlich genau so redlich und anspruchsvoll wie in Harvard, welches 6 Semester erfordert.

Im Übrigen geht dieses Spiel nur solange gut, wie es noch richtige Doktoranden mit richtiger Forschung gibt, sodass das Ansehen der Promotion in der Öffentlichkeit hoch bleibt. Man stelle sich vor, irgendwann nehmen die Blender Überhand: Schlagartig wäre der Grad nichts mehr wert und all das schöne Geld wäre umsonst investiert worden. Dann doch lieber einen MBA - da geht man zumindest ehrlich damit um.

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Re: Externe Promotion

Beitrag von Wierus » 09.07.2020, 00:53

SSCI hat geschrieben:
08.07.2020, 23:39
Wierus hat geschrieben:
08.07.2020, 23:17
Es geht immerhin um wissenschaftliche Redlichkeit.
Redlichkeit...das ist wieder so eine moralisch aufgeladene Worthülse. Ein Promotionsverfahren in Osteuropa, das 2 Jahre dauert und Geld kostet, dabei in vollem Umfang legal ist und bei dem der Grad auf der Grundlage der Leistung verliehen wird, ist ebenso redlich, wie die Promotion in Harvard.
"Wissenschaftliche Redlichkeit" ist keine Worthülse, sondern meines Wissens ein z.B. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und ebenso vom Wissenschaftsrat wohl definierter Begriff. Ansonsten hat jede Uni ein eigenes Dokument zur wissenschaftlich redlichen Arbeitsweise.

Und nein, Menschen sind nicht wie alle anderen Tiere. Menschen haben z.B. "Wissenschaft" entwickelt. Diese Wissenschaft hat Grundsätze.

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Re: Externe Promotion

Beitrag von daherrdoggda » 09.07.2020, 05:45

SSCI hat geschrieben:
08.07.2020, 23:39
Ein Promotionsverfahren in Osteuropa, das 2 Jahre dauert und Geld kostet, dabei in vollem Umfang legal ist und bei dem der Grad auf der Grundlage der Leistung verliehen wird, ist ebenso redlich, wie die Promotion in Harvard.
...und dort, wo darauf wirklich Wert gelegt wird, kommt jemand mit echter Forschungspromotion sowieso viel weiter als jemand mit Minimalpromotion. Allein schon der Fachzusatz kann da den Unterschied zeigen.

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Re: Externe Promotion

Beitrag von teilchenphysik196 » 19.08.2020, 18:23

Hallo Florian, in Deinem Eingangspost sprichst Du von strammer Planung. Dies mag für ein Studium funktionieren, das Du neben Hobbie und Familie und Beruf absolviert hast. Eine Diss lässt sich leider nicht "stramm planen". Nach der Formel "1 Seite schreib ich an 2 Tagen, also schaff ich 10 Seiten an 20 Tagen". Mal hat man einen Gedankenblitz und es fließt nur so aus der Feder, dann wieder hockt man trübsinnig und unproduktiv über weißen Blättern. Motivation lässt sich nicht planen. Das Wachstum von Zellkulturen auch nicht so, wie man denkt. Archive haben unverhofft geschlossen, Zeitzeugen keine Zeit, usw. Die Annahme, eine Diss lasse sich neben Vollzeitjob, Familie und Hobbie irgendwie noch elegant reinquetschen, ist ein völliger Irrtum.

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