Disputation und Corona

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Mojito
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Disputation und Corona

Beitrag von Mojito » 04.06.2020, 12:10

Hallo Zusammen,

ich stehe kurz vor der Abgabe meiner Dissertation. Bis zur Verteidigung vergeht also noch etwas Zeit. Aufgrund der Corona-Situation ist aber zu befürchten, dass ich keine herkömmliche öffentliche Verteidigung haben werde, sondern online in einer Videokonferenz verteidigen soll. Mich bedrückt das ganze sehr und ich finde fast keine Motivation die Arbeit jetzt fertigzustellen. Während des Schreibens hat mich der Gedanke an die Verteidigung immer motiviert. Natürlich nicht der Gedanke an die Fragen der Prüfe, aber die Tatsache, dass alle die möchten (Freunde, Familie, ehemalige Kollegen und Studenten) gern dabei sein können und auch einen Einblick bekommen, warum ich so lange wenig Zeit hatte. Außerdem gibt es normalerweise anschließend eine Feier mit allen, wobei ich es auch schön finde den "Außenstehenden" mal den Arbeitsplatz oder die Lieblingskollegen vorstellen zu könne. Klar kann man auch später noch feiern, aber das feeling ist dann doch ein anderes.
Die bisherigen online-Verteidigungen, die ich erlebt habe, waren auch nicht hilfreich. Es gibt immer mal technische Schwierigkeiten, Ton und Übertragungsprobleme, es ergab sich keine richtige Diskussion und mir fehlt da einfach etwas der menschliche Kontakt. Ich möchte meinen Prüfern in die Augen schauen können.
Kurz gesagt, die Vorstellung einer online-Verteidigung deprimiert mich. Ich weiß das ist sehr subjektiv, manche würden sogar lieber auf diese Weise verteidigen. Mich würde eure Meinung interessieren, oder wie ihr mit ähnlichen Situationen umgeht.

Vielen Dank

daherrdoggda
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Re: Disputation und Corona

Beitrag von daherrdoggda » 04.06.2020, 23:52

Ich war froh, dass nur die Pruefer im Raum waren, weil ich eh schon nervoes genug war XD
Danach war ich so fertig (vorher kaum geschlafen und gegessen, heftiges Kopfweh danach), dass ich nach kurzem Anstossen heim und ins Bett gegangen bin, und spaeter mit neuer Energie dann 'richtig' mit den Freunden und Kollegen gefeiert hab.
Den Abstand, den das Internet bietet, stelle ich mir eher hilfreich vor. Man kann in gewohnter Umgebung sitzen, statt in einem Seminarraum zu stehen, und bei Verbindungsproblemen kann man nochmal nachfragen.

MelchiorC
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Re: Disputation und Corona

Beitrag von MelchiorC » 05.06.2020, 14:12

Hi, ich kann Deine Lage gut nachvollziehen. Hab vor paar Wochen eingereicht und offiziell sieht die neue Verordnung der Uni vor, dass man das Rigorosum online ablegen kann.
Hab mir da auch schon meine Gedanken zu gemacht. Da ackerst du 3 Jahre und dann legst du die finale Prüfung zuhause am Küchentisch ab... Ich für meinen Teil finde es auch wichtig, nach der Prüfung zumindest ein Zeugnis übers bestandene Examen zu bekommen - ich möchte einfach was handfestes haben und nicht irgendwie dann nochmal tagelang auf den Bescheid per Post warten...
Unterm Strich: Falls es nicht anders möglich sein wird, werd ich mir ein Alternativprogramm überlegen. Dann lade ich halt die Leute, die mir wichtig sind, am Prüfungstag zu mir nach Hause ein (in dem Umfang, in dem das eben möglich ist) und dann gibts eben am Abend ein kleines Grillfest.

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Re: Disputation und Corona

Beitrag von Phia123 » 05.06.2020, 16:06

Mir ging es wie daherrdoggda. Ich war hinterher noch mit meinem Mann essen. Das habe ich kaum geschafft. Mir fielen beim Essen die Augen zu. Alle Energie war schlagartig weg. Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen und bin dann sehr früh schlafen gegangen. Richtig gefeiert wurde später.
Ich habe an dem Tag übrigens auch nichts Handfestes bekommen. Mein Zwischenzeugnis kam erst ein paar Wochen später mit der Post.
Bei mir war übrigens mein Zweitgutachter per Videokonferenz zugeschaltet, weil er an dem Tag nicht anreisen konnte. Das war eigentlich ganz in Ordnung. Ich hatte im Publikum ein paar Studierende und Wissenschaftliche Mitarbeiter sitzen, die ich kannte und bei denen ich wusste, dass sie mir freundlich gesinnt waren. Das war vor allem in der Beratungspause danach ganz nett. Vor meinen Freunden oder Verwandten wollte ich nicht verteidigen, dann wäre die Aufregung viel zu groß gewesen. So bin ich relativ ruhig in das Ganze hineingegangen.

Übrigens habe ich meinen Verteidigungstermin erst ein 3/4 Jahr nach meiner Abgabe bekommen. Du musst bedenken, dass ja Erst- und Zweitgutachter die Arbeit noch lesen und beurteilen müssen und es passieren kann, dass sie bei ihnen erst mal noch ein Weilchen rumliegt.
Wer weiß wie die Regeln in 6-9 Monaten aussehen... Also gib die Arbeit ruhig jetzt ab :wink:

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Re: Disputation und Corona

Beitrag von Mojito » 05.06.2020, 21:11

Danke für Euer Feedback. Bei uns gibt es danach normalerweise einen kleinen Sektempfang im Institut und der Doktorand muss sich in mehrere lustigen Aufgaben bewähren um den Doktorhut zu bekommen. Also eigentlich ein längeres Programm, was von den Kollegen ausgearbeitet wird und nochmal die Hürden der zurückligenden Arbeit auf humoristische Weise aufgreift. Das ist auch das einzige was man bekommt, die Urkunde gibts viel später.
Aber ja am Ende ist es egal, hauptsache man verteidigt in welcher Form auch immer und ist dann fertig. Ich rechne auch damit, dass die Verteidigung noch ein paar Monate auf sich warten lässt, aber die meisten Unis planen ja auch im WS wenig Präsenzveranstaltungen zu machen. Mal sehen wie sich die Situation noch entwickelt.

@MelchiorC wünsch dir viel Erfolg bei deinem Rigorosum!

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Re: Disputation und Corona

Beitrag von daherrdoggda » 06.06.2020, 08:52

Phia123 hat geschrieben:
05.06.2020, 16:06
Ich habe an dem Tag übrigens auch nichts Handfestes bekommen. Mein Zwischenzeugnis kam erst ein paar Wochen später mit der Post.
Nach der Abschlusspruefung ein Zwischenzeugnis? Was hat denn dann noch gefehlt, um ein Endzeugnis zu kriegen?
Mojito hat geschrieben:
05.06.2020, 21:11
Das ist auch das einzige was man bekommt, die Urkunde gibts viel später.
Bei uns gab es direkt nach der Pruefung einen kleinen Zettel mit Datum, Name, Fach, Noten, Siegel und Unterschrift.
Ohne den haett ich es kaum verinnerlicht, dass es wirklich vorbei ist, und dass die unerwartet gute Note echt ist XD

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Re: Disputation und Corona

Beitrag von Phia123 » 08.06.2020, 10:56

Nach der Abschlusspruefung ein Zwischenzeugnis? Was hat denn dann noch gefehlt, um ein Endzeugnis zu kriegen?
Die Veröffentlichung hat noch gefehlt :wink:
Nach der Verteidigung folgt häufig ja noch eine Überarbeitung der Diss. Teilweise bekommt man ja auch noch mal Auflagen was man noch einarbeiten soll. Nach der Verteidigung hat man ja vielleicht auch noch ein paar zusätzliche Aspekte, die man einarbeiten soll/kann.

Ich drücke euch die Daumen und einen langen Atem.

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Re: Disputation und Corona

Beitrag von daherrdoggda » 09.06.2020, 01:35

Ah, das war bei uns anders. Die Diss konnte nach der Abgabe nicht mehr veraendert werden, die Gutachten waren vor der Dispu nicht einsehbar, die Publikation konnte schon vor der Dispu passieren, so war man dann mit der Dispu promoviert und das ganze abgeschlossen.

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Re: Disputation und Corona

Beitrag von Phia123 » 09.06.2020, 07:44

Ah, ok. Ja, wie unterschiedlich es halt doch ist.

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