Konsequenz des Nicht-Promovierens

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
Neue Fragen bitte hierher.

Antworten
MoonKid2
Beiträge: 4
Registriert: 09.05.2020, 09:13
Status: pro-exposé
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von MoonKid2 » 09.05.2020, 09:21

Hallo,

was sind eigentlich die Konsequenzen, wenn man nicht promoviert?

Ich schaffe es einfach nicht. Hänge seit 1,5 Jahren am Exposé - ohne es offiziell eingereicht, also angemeldet zu haben. Ihr seht?! Ich schaffe nicht mal den Anfang - das liegt nicht am Thema/Inhalt. Es ist mehr eine Frage der Ressourcen, Nerven und Konzentrations- bzw. Fokusierungsmöglichkeiten. Will mich über die multifaktoriellen Gründe aber nicht weiter auslassen, das kennt ihr sicher selbst zur Genüge.

Sicher ist die Antwort auch vom Fachgebiet abhängig. Es geht hier um Gesundheits- und Pflegewissenschaft (also Medizinische Fakultät, Sozialwissenschaften und weitere Bezugswissenschaften, ...

Diese Geschichte mit dem Wissenschaftsarbeitszeit-Gesetzt begreife ich bis heute nicht. Selbst mein Personalrat ist nicht in der Lage, mir eine konkrete Zahl in Jahren zu nennen, bis wann ich promoviert sein muss/sollte. Zu viele Ausnahmeregelungen, hochschulabhängig unterschiedliche Verfahrensweisen und Reaktionen der Personalabteilungen, Gerichtsverfahren, etc....

Zwonk
Beiträge: 8188
Registriert: 28.04.2013, 14:13
Status: Dr. Zwonk
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von Zwonk » 09.05.2020, 14:45

Hallo MoonKid2,

offen gestanden verstehe ich die Frage nicht. "Konsequenzen" kann ich ja nur im Hinblick auf eine bestimmte Dimension bewerten. Ohne jetzt im Detail darüber nachgedacht zu haben fallen mir ein:

1. Karrieremöglichkeiten universitär
2. Karrieremöglichkeiten in der freien Wirtschaft
3. Gesellschaftliche Anerkennung
4. Formale Qualifikation für irgendeinen Bereich
5. Selbstbewusstsein
6. Verdienstmöglichkeiten kurz/lang/mittelfristig
7. ...bestimmt noch viele mehr

Zudem würde ich das nur bewerten wollen, wenn ich auch eine entsprechende Alternative mit in Rechnung ziehen kann. Insofern finde ich Deine Frage reichlich unklar.

Viele Grüße

Zwonk

Wierus
Beiträge: 722
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 15 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von Wierus » 09.05.2020, 19:18

MoonKid2 hat geschrieben:
09.05.2020, 09:21
Ich schaffe es einfach nicht. Hänge seit 1,5 Jahren am Exposé - ohne es offiziell eingereicht, also angemeldet zu haben. Ihr seht?! Ich schaffe nicht mal den Anfang
Ich bin normalerweise der letzte hier, der Promotionswillige und beginnende Promovierende demotivieren möchte, aber in so einem Fall würde ich dann doch ganz dringend raten: Hände weg von einer Dissertation!!! Denn wenn dir der Anfang schon dermaßen schwer fällt, weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie du die richtig schlimmen Krisen mittendrin und am Ende der Promotionsphase bewältigen willst.

Ansonsten würde ich es aber mal mit einem Gespräch beim Vertrauensdozenten oder vielleicht sogar mit einem Planungs- und Motivationscoach versuchen.

LG

MoonKid2
Beiträge: 4
Registriert: 09.05.2020, 09:13
Status: pro-exposé
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von MoonKid2 » 10.05.2020, 08:45

Wierus hat geschrieben:
09.05.2020, 19:18
Ich bin normalerweise der letzte hier, der Promotionswillige und beginnende Promovierende demotivieren möchte, aber
Schon OK, das hab ich hier im Forum nicht anders erwartet. Ich teile ja deine Einschätzung - nur kann ich die Konsequenzen nicht mal ansatzweise absehen.
Zwonk hat geschrieben:
09.05.2020, 14:45
"Konsequenzen" kann ich ja nur im Hinblick auf eine bestimmte Dimension bewerten. ...

1. Karrieremöglichkeiten universitär
2. Karrieremöglichkeiten in der freien Wirtschaft
3. Gesellschaftliche Anerkennung
4. Formale Qualifikation für irgendeinen Bereich
5. Selbstbewusstsein
6. Verdienstmöglichkeiten kurz/lang/mittelfristig
7. ...bestimmt noch viele mehr

Zudem würde ich das nur bewerten wollen, wenn ich auch eine entsprechende Alternative mit in Rechnung ziehen kann.
Du sprichst hier wichtige Punkte an. Die Alternative? Ich weiß nicht, ob ich ohne Dr. auf die Dauer überhaupt in dem Fachgebiet anfangen kann. Tatsächlich dreht sich meine Frage wohl darum, was den die Alternative sein könnte.

Ist es wegen dem WissZeitVG tatsächlich so, dass ich nach einigen Jahren (m.W. 6 Jahre plus div. Ausnahmeregelungen) keine Stelle mehr an einer Uni bekommen kann? Ist es so "einfach"?
Möchte eigentlich an der Uni bleiben. Möchte und kann auch langfristig promovieren. Aber in den nächsten 2-3 Jahren sehe ich das Ressourcen-mäßig einfach nicht. Da sind meine 6 Jahre dann aber auch schon nahezu voll.

johndoe
Beiträge: 65
Registriert: 31.12.2018, 12:57
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von johndoe » 10.05.2020, 12:43

Grundsätzlich sind Promotion und Anstellung an der Uni voneinander unabhängig. Du könntest also auch 30 Jahre lang extern promovieren, solange dein Doktorvater das überlebt, und dich erst danach auf deinen ersten Uni Job bewerben. So hast du keinen Druck.

Das Problem an der Sache ist eher, dass Uni keine langfristige Job-Perspektive bietet. Von Professur und Verwaltung mal abgesehen. Überleg dir also am besten jetzt schon einen Plan b. Denn egal ob Doktorand oder Post-Doc: es ist alles nur temporär, man wird auch nicht jünger und der "Ausstieg" aus dem System wird u.U. schwieriger.

daherrdoggda
Beiträge: 223
Registriert: 16.08.2015, 21:28
Status: rer nat
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 15 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von daherrdoggda » 10.05.2020, 13:28

Willst du dein Leben der Forschung widmen oder nicht?

Wierus
Beiträge: 722
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 15 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von Wierus » 10.05.2020, 15:23

MoonKid2 hat geschrieben:
10.05.2020, 08:45
Möchte eigentlich an der Uni bleiben. Möchte und kann auch langfristig promovieren.
Ich denke, dass auch in deinem Fach die Anfertigung einer Diss mindestens 95% der am Ende promotionswürdigen Leistung bildet. Daher eine Verständnisfrage meinerseits: Bist du wirklich motiviert genug, dich an so ein Mammutprojekt zu hocken? Geht es dir wirklich um eine Diss?

Denn zwischen der Motivation "ich möchte eine Dissertation schreiben" und der Motivation "ich möchte promoviert werden" liegen Welten. Insbesondere auch was die Erfolgswahrscheinlichkeit des Projekts anbelangt.

flip
Beiträge: 1066
Registriert: 02.11.2012, 02:50
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 26 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von flip » 10.05.2020, 18:12

MoonKid2 hat geschrieben:
10.05.2020, 08:45

Du sprichst hier wichtige Punkte an. Die Alternative? Ich weiß nicht, ob ich ohne Dr. auf die Dauer überhaupt in dem Fachgebiet anfangen kann. Tatsächlich dreht sich meine Frage wohl darum, was den die Alternative sein könnte.

Ist es wegen dem WissZeitVG tatsächlich so, dass ich nach einigen Jahren (m.W. 6 Jahre plus div. Ausnahmeregelungen) keine Stelle mehr an einer Uni bekommen kann? Ist es so "einfach"?
Möchte eigentlich an der Uni bleiben. Möchte und kann auch langfristig promovieren. Aber in den nächsten 2-3 Jahren sehe ich das Ressourcen-mäßig einfach nicht. Da sind meine 6 Jahre dann aber auch schon nahezu voll.
Also
1. Es ist ein großes Missverständniss, dass du denkst, du musst nur diese Promotion abschließen und dann hast du eine Chance in deinem Fachbereich. Dem ist natürlich nicht so, weil du die ganze Arbeit, die dir ja auch mittlerweile bewusst wird, in den Wind schießt. Und du wirst am Ende immer gegen diejenigen den kürzeren ziehen, die engagiert und leidenschaftlich die Diss "schnell" durchgezogen haben und vor allem einen Plan haben. Du brauchst in deiner Disziplin ein Profil, womit du später einen Job bekommst. Was du jetzt tust, ist dass du dich sechs bis vielleicht sogar zehn Jahre an etwas klammern willst, wo du dann nach Abschluss wieder nur einer von vielen bist. Hm. Du könntest stattdessen auch die Zeit damit verbringen und dich bei etwas engagieren, was deinem späteren Job nutzt. Wir reden hier immerhin von Minimum fünf Jahren.

2. Um es mal ganz hart zu sagen: Du kommst nicht in den öffentlichen Dienst. WIe kommst du überhaupt darauf dass alle die anderen die dir vermutlich schon vorraus sind, nicht auch auf diese (am best-bezahltesten) Stellen streben? Eben genau aus den oben genannten Gründen. An der Uni ziehst du erst recht den kürzeren gegenüber den anderen mit sehr guten Dissertationen. Und wenn du dir jetzt schon Gedanken um das WissZeitVG machst, wie soll denn überhaupt der Plan sein?
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor flip für den Beitrag:
praktikum

praktikum
Beiträge: 328
Registriert: 13.02.2016, 05:35
Status: abgeschlossen
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Konsequenz des Nicht-Promovierens

Beitrag von praktikum » 19.05.2020, 01:12

MoonKid2 hat geschrieben:
09.05.2020, 09:21
Hallo,

was sind eigentlich die Konsequenzen, wenn man nicht promoviert?

Ich schaffe es einfach nicht. Hänge seit 1,5 Jahren am Exposé - ohne es offiziell eingereicht, also angemeldet zu haben. Ihr seht?! Ich schaffe nicht mal den Anfang - das liegt nicht am Thema/Inhalt. Es ist mehr eine Frage der Ressourcen, Nerven und Konzentrations- bzw. Fokusierungsmöglichkeiten. Will mich über die multifaktoriellen Gründe aber nicht weiter auslassen, das kennt ihr sicher selbst zur Genüge.

Sicher ist die Antwort auch vom Fachgebiet abhängig. Es geht hier um Gesundheits- und Pflegewissenschaft (also Medizinische Fakultät, Sozialwissenschaften und weitere Bezugswissenschaften, ...

Diese Geschichte mit dem Wissenschaftsarbeitszeit-Gesetzt begreife ich bis heute nicht. Selbst mein Personalrat ist nicht in der Lage, mir eine konkrete Zahl in Jahren zu nennen, bis wann ich promoviert sein muss/sollte. Zu viele Ausnahmeregelungen, hochschulabhängig unterschiedliche Verfahrensweisen und Reaktionen der Personalabteilungen, Gerichtsverfahren, etc....
Also ... bitte jetzt nicht schockiert sein ... es geht im großen und ganzen auch darum, dass nicht jemand jahrelang in irgendeiner Stelle an der Uni sitzt und dann plötzlich auf die Idee kommt seine Stelle dauerhaft einzuklagen. Das möchte man nämlich vermeiden. Die Personalabteilung wird schon ihre Zahl haben, wann sie den Prof anrufen und mal genauer nachfragen was da los ist. Das ist sogar schon Studenten ohne böse Absicht passiert, die im ersten Semester einen Hilfs-Job an der Uni ergattert haben und immer dabei geblieben sind.

Es gibt an der Uni im wissenschaftlichen Bereich übrigens kaum "normale" Dauerstellen und die sind heiß umkämpft. Der Prof ist hier natürlich außen vor. Viele ausgeschriebene Stellen in der Wissenschaft an Unis sind z.B. Drittmittelstellen, d.h. da steht zwar die Uni auf dem Gehaltscheck, aber die Stelle (bzw. deren Dauer) steht und fällt mit der Drittmitteleinwerbung des Profs. Zugebenermaßen ist das in vielen Ausschreibungen für den Laien nicht direkt ersichtlich, daher meinen manche es gäbe etliche feste Stellen im wissenschaftlichen Bereich an einer Uni.

Ich möchte das jetzt nicht ganz so drastisch sagen wie der Flip, weil ich die Situation vor Ort, Deine Arbeit und das Verhältnis zum Prof nicht so genau bewerten kann; eventuell hast Du nur einen Hänger. Er hat aber nicht Unrecht!
Wenn Du jetzt schon mit dem WissZeitVG haderst und beim Personalrat sitzt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass das dauerhaft etwas wird.

Antworten