Der Mut, die Diss abzuschließen

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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MelchiorC
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Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von MelchiorC » 16.03.2020, 13:15

Liebe Foren-Gemeinde,
am Beginn des Jahres habe ich beschlossen, die Diss im Sommersemester einzureichen. 3 Jahre sind vergangen, ich habe viel geschafft und viele Höhen und Tiefen durchlebt. Wie das bei so einem Projekt eben ist.
Ende März wollte ich die Arbeit in den Druck geben, um pünktlich zum Beginn des SoSe einzureichen. Soweit, so gut. Der Text steht, ich habe in den letzten Wochen nochmal unendlich viel Zeit und Energie reingesteckt und jetzt reicht es. Aber irgendwie bin ich unschlüssig: Soll ich den Text wirklich so abgeben? Soll ich nicht doch noch mal zwei Wochen dranhängen? Immerhin gäbe es noch einiges, was man anders machen könnte.
Ich muss zugeben, dass ich kein Perfektionist bin. Und m.E. ist die Arbeit auch fertig (abgesehen von paar Schönheitsfehlern, die es noch auszubessern gibt). Aber irgendwie fehlt mir der Mut, die Diss jetzt wirklich abzuschließen und in den Druck zu geben.
Wie war das bei Euch? Habt Ihr irgendwann einfach den Sack zugemacht - auch im Wissen, dass es vielleicht noch besser ginge?
Ich danke für Eure Meinungen und Erfahrungen!

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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von Nomen Nescio » 16.03.2020, 13:40

Wenn du noch etwas hast, das es deiner Meinung nach zu verbessern gilt, dann schreib dies auf einen Liste, arbeite die ab und weg damit.
Ein reines "Vlt investiere ich nochmal 2-3 Wochen und schaue, ob ich noch was finde?" wird dich nach eben diesen 2-3 Wochen wieder zur gleichen Frage bringen. ;)
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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von Phia123 » 16.03.2020, 17:32

Mach dir die Liste wie Nomen schon gesagt hat und hau das Ding dann auf jeden Fall raus.
Du hast dann ja später auch noch einmal die Gelegenheit Anmerkungen aus den Gutachten und Dinge, die sich aus der Verteidigung ergeben, vor der eigentlichen Veröffentlichung einzuarbeiten. Spar dir dafür noch ein bisschen Energie auf.
Ich stehe gerade vor dem Schritt das Ding zur Veröffentlichung rauszuhauen. Auch ich zögere gerade. Aber es hilft nichts. Es muss raus. Ich entlasse es in die Freiheit :D

MelchiorC
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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von MelchiorC » 16.03.2020, 17:42

Dank Euch!
Ja, die Liste hatte ich mir schon vor zwei Wochen gemacht :D
Mein Problem ist eher: Je länger ich an dem Text dran bin, desto mehr Stellen fallen mir auf, an denen ich nochmal was machen könnte. So nach dem Motto: Ich könnte jetzt jeden Satz nochmal mit zwei Sätzen begründen usw. Das hindert mich grad eher ein bisschen. Aber ich denke, das ist normal. Die perfekte Arbeit gibts sowieso nicht.

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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von Eva » 16.03.2020, 17:47

Du solltest dich fragen: Will ich noch weiter Lebenszeit mit der nicht eingereichten Diss verbringen? Wenn ja: Wie viel? Das ist dein einziges Limit. Dran schrauben und feilen könntest du sicher noch endlos (wobei ich nicht denke, dass es die Arbeit in jedem Fall besser macht), deshalb ist die Frage eher, ob du das noch willst. Trink dir im Zweifel Mut an (habe ich gemacht :wink: ), schreib deinen Schluss und hau das Ding weg!

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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von teilchenphysik196 » 16.03.2020, 19:06

Ohje, ja, ich weiß: Die Versuchung ist so groß, immer weiter zu feilen. Ich plante damals, an einem Dienstag abzugeben. Am Freitag vor diesem Dienstag fand ich noch eine Quelle, die ich ganz unbedingt zitieren musste, irgendwie ging es nicht anders. Ich hab mich dann selbst am Ohr gezogen: Jetzt aber Schluss! Je länger man herum textet, desto größer die Gefahr, dass neue Literatur auftaucht. Ich hab mir einen Ratgeber aus USA gekauft zum Thema Diss, der das ganze eher humorvoll beschreibt: "Was, wenn ich doch noch ein neues Experiment machen möchte? Abgeben! Was, wenn meine Statistik nicht umfangreich genug ist? Abgeben!" Also: Sack zu! Abgeben!

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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von Wierus » 17.03.2020, 22:20

MelchiorC hat geschrieben:
16.03.2020, 13:15
Habt Ihr irgendwann einfach den Sack zugemacht - auch im Wissen, dass es vielleicht noch besser ginge?
Es geht grundsätzlich immer "besser", das ist ja das große Problem.

An deiner Stelle würde ich zügig abgeben, denn wer weiß wie lange dein DV sich mit der Durchsicht Zeit lässt und v.a. was er dann alles verbessert haben möchte vor dem offiziellen Einreichen und/oder nach der Verteidigung.

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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von MelchiorC » 18.03.2020, 13:12

Wierus hat geschrieben:
17.03.2020, 22:20
MelchiorC hat geschrieben:
16.03.2020, 13:15
Habt Ihr irgendwann einfach den Sack zugemacht - auch im Wissen, dass es vielleicht noch besser ginge?
An deiner Stelle würde ich zügig abgeben, denn wer weiß wie lange dein DV sich mit der Durchsicht Zeit lässt und v.a. was er dann alles verbessert haben möchte vor dem offiziellen Einreichen und/oder nach der Verteidigung.
Es geht schon um das endgültige Einreichen. Die Rohfassung hat mein DV schon gelesen und kommentiert. Aber auch da besteht ja dann die Schwierigkeit, diese Kommentare möglichst so zu verarbeiten, dass man sich nicht verfranst.

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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von Wierus » 18.03.2020, 13:15

MelchiorC hat geschrieben:
18.03.2020, 13:12
Wierus hat geschrieben:
17.03.2020, 22:20
MelchiorC hat geschrieben:
16.03.2020, 13:15
Habt Ihr irgendwann einfach den Sack zugemacht - auch im Wissen, dass es vielleicht noch besser ginge?
An deiner Stelle würde ich zügig abgeben, denn wer weiß wie lange dein DV sich mit der Durchsicht Zeit lässt und v.a. was er dann alles verbessert haben möchte vor dem offiziellen Einreichen und/oder nach der Verteidigung.
Es geht schon um das endgültige Einreichen. Die Rohfassung hat mein DV schon gelesen und kommentiert. Aber auch da besteht ja dann die Schwierigkeit, diese Kommentare möglichst so zu verarbeiten, dass man sich nicht verfranst.
Noch besser.

Die Dissertation soll zeigen, dass du zu selbständigem wissenschaftlichen Arbeiten fähig bist. Du musst damit nicht beweisen, dass du ein Thema 'perfekt' (i.e. fehlerfrei) bearbeiten kannst. Letzteres ist grundsätzlich ein Ding der Unmöglichkeit.

MelchiorC
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Re: Der Mut, die Diss abzuschließen

Beitrag von MelchiorC » 18.03.2020, 17:30

Eva hat geschrieben:
16.03.2020, 17:47
Du solltest dich fragen: Will ich noch weiter Lebenszeit mit der nicht eingereichten Diss verbringen? Wenn ja: Wie viel? Das ist dein einziges Limit. Dran schrauben und feilen könntest du sicher noch endlos (wobei ich nicht denke, dass es die Arbeit in jedem Fall besser macht), deshalb ist die Frage eher, ob du das noch willst. Trink dir im Zweifel Mut an (habe ich gemacht :wink: ), schreib deinen Schluss und hau das Ding weg!
Das klingt doch sehr gut :D
Ja ich merke einfach, dass jetzt eine Grenze erreicht ist - ich hab in den letzten Wochen nochmal gepowert und grade in den vergangenen Tagen so viel Energien mobilisiert. Und jetzt ist genug. Ich kenne die Grenzen meiner Arbeit und ich weiß, wo die Schwachpunkte liegen. Aber irgendwann muss einfach der Deckel drauf.
Is denk ich bissl wie mit den Kindern: Die muss man auch irgendwann ziehen lassen, auch wenn man weiß, dass sie daheim doch besser aufgehoben wären... Auch da ist einfach irgendwann die Zeit gekommen.

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