Promotion möglich?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Ist die Promotion von Person B möglich?

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doktorand80
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Promotion möglich?

Beitrag von doktorand80 » 31.01.2020, 12:18

Hallo :)

Ich hätte mal eine Frage bezüglich einer Promotion. Ich bedanke mich schonmal im Voraus für das Lesen des Beitrags :)

Folgender Fall liegt vor:

Person A und B arbeiten an einer experimentellen Studie. Person B führt die Testungen.

Person A (Erstautor) publiziert die Ergebnisse in einem Journal und Person B wird dort als Zweitautor geführt.

Person B arbeitet mit denselben Rohdaten, analysiert jene und schreibt eine Monothesis. In der Monothesis wird erwähnt, dass die Ergebnisse zuvor von Person A publiziert worden sind und man dort als Zweitautor tätig war.

Die Erstautorenschaft ist nicht veränderbar.

Ende d. Falls

Bei Person A sehe ich da keine Schwerigkeiten. Wie sieht es mit Person B aus? Kann Person B auch promovieren?

Viele Grüße
doktorand80

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Re: Promotion möglich?

Beitrag von daherrdoggda » 01.02.2020, 03:46

Kommt auf den eigenen Beitrag, das Journal, und die Zahl der restlichen Autoren an, wuerde ich sagen.
Eine Zweitautorenschaft in Nature/Science/Cell: klar!
Zweitautor bei 30 Co-Autoren im Journal of Whatever: eher nicht ;)
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Re: Promotion möglich?

Beitrag von johndoe » 01.02.2020, 15:42

doktorand80 hat geschrieben:
31.01.2020, 12:18

Person B arbeitet mit denselben Rohdaten, analysiert jene und schreibt eine Monothesis. In der Monothesis wird erwähnt, dass die Ergebnisse zuvor von Person A publiziert worden sind und man dort als Zweitautor tätig war.

Die Erstautorenschaft ist nicht veränderbar.

Ende d. Falls

Bei Person A sehe ich da keine Schwerigkeiten. Wie sieht es mit Person B aus? Kann Person B auch promovieren?
Folgendes fällt mir spontan ein, das es zu klären gilt:
- kann B einen signifikanten Eigenanteil an der Rohdatengewinnung nachweisen?
- entwickelte B eine eigene und abweichende Forschungsmethodologie im Vgl. zu A?
- geht B in der Dissertation anderen Forschungsfragen nach wie A im Artikel?
- hat B neue/andere/zusätzlich Resultate aus den Rohdaten gewonnen (das ist ja der Kern der Sache) ?

Wenn das alles mit "ja" beantwortet werden kann, würde ich dazu tendieren: B kann auch promovieren.
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Re: Promotion möglich?

Beitrag von doktorand80 » 01.02.2020, 21:21

daherrdoggda hat geschrieben:
01.02.2020, 03:46
Kommt auf den eigenen Beitrag, das Journal, und die Zahl der restlichen Autoren an, wuerde ich sagen.
Eine Zweitautorenschaft in Nature/Science/Cell: klar!
Zweitautor bei 30 Co-Autoren im Journal of Whatever: eher nicht ;)
Hallo,
soweit ich es beurteilen kann, trifft eher das Zweite zu. Wobei es vermutlich 5 Autoren sind.

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Re: Promotion möglich?

Beitrag von doktorand80 » 01.02.2020, 21:42

johndoe hat geschrieben:
01.02.2020, 15:42
doktorand80 hat geschrieben:
31.01.2020, 12:18

Person B arbeitet mit denselben Rohdaten, analysiert jene und schreibt eine Monothesis. In der Monothesis wird erwähnt, dass die Ergebnisse zuvor von Person A publiziert worden sind und man dort als Zweitautor tätig war.

Die Erstautorenschaft ist nicht veränderbar.

Ende d. Falls

Bei Person A sehe ich da keine Schwerigkeiten. Wie sieht es mit Person B aus? Kann Person B auch promovieren?
Folgendes fällt mir spontan ein, das es zu klären gilt:
- kann B einen signifikanten Eigenanteil an der Rohdatengewinnung nachweisen?
- entwickelte B eine eigene und abweichende Forschungsmethodologie im Vgl. zu A?
- geht B in der Dissertation anderen Forschungsfragen nach wie A im Artikel?
- hat B neue/andere/zusätzlich Resultate aus den Rohdaten gewonnen (das ist ja der Kern der Sache) ?

Wenn das alles mit "ja" beantwortet werden kann, würde ich dazu tendieren: B kann auch promovieren.
Vielen Dank für den Beitrag. Ich gehe mal auf jede Frage ein:

"- kann B einen signifikanten Eigenanteil an der Rohdatengewinnung nachweisen?"

Inwiefern nachweisen? Die Person B hat fast alle (>90%) der Testungen selbt durchgeführt.

"- entwickelte B eine eigene und abweichende Forschungsmethodologie im Vgl. zu A?"

Die Resultate sollten, falls es zu keinen Fehlern kam, identisch sein. Die Methodik ist vermutlich sehr ähnlich. Analysiert werden die Daten mit einem "Statistiktool". Die Wahl des "Statistiktools" (R, SPSS, Matlab) ist nicht vorgegeben. D.h., dass jede Person ein Tool seiner Wahl nutzen kann. Beide Personen erarbeiten unabhängig die Ergebnisse.

"- geht B in der Dissertation anderen Forschungsfragen nach wie A im Artikel?"

Die grundlegenden Forschungsfrage ist identisch. Die Schwerpunkte der Arbeit unterscheiden sich jedoch. Person A und B schreiben nicht im identischen Maße über die verschiedenen Aspekte der Forschung. Beispielsweise schreibt Person B ausführlicher über Herzfrequenzen als Person A. Dafür werden bestimmte Aspekte von Person B ausgelassen. Das Grundthema ist jedoch identisch.

"- hat B neue/andere/zusätzlich Resultate aus den Rohdaten gewonnen (das ist ja der Kern der Sache) ?"

Abgesehen von einem neuen Parameter sind die Resultate identisch. Der neue Parameter geht aus bestehenden Parametern hervor.


Vielleicht nochmal eine Information, die im Eingangspost fehlte: Die verwendeten Sprachen unterscheiden sich (Deutsch, Englisch).

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Re: Promotion möglich?

Beitrag von daherrdoggda » 02.02.2020, 05:43

Sind die "Testungen" eine einfache Standardmethode, oder was neues und kompliziertes?
Geht es um eine medizinische Promotion oder eine naturwissenschaftliche?
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Re: Promotion möglich?

Beitrag von johndoe » 02.02.2020, 11:44

doktorand80 hat geschrieben:
01.02.2020, 21:42

"- kann B einen signifikanten Eigenanteil an der Rohdatengewinnung nachweisen?"

Inwiefern nachweisen? Die Person B hat fast alle (>90%) der Testungen selbt durchgeführt.

"- entwickelte B eine eigene und abweichende Forschungsmethodologie im Vgl. zu A?"

Die Resultate sollten, falls es zu keinen Fehlern kam, identisch sein. Die Methodik ist vermutlich sehr ähnlich. Analysiert werden die Daten mit einem "Statistiktool". Die Wahl des "Statistiktools" (R, SPSS, Matlab) ist nicht vorgegeben. D.h., dass jede Person ein Tool seiner Wahl nutzen kann. Beide Personen erarbeiten unabhängig die Ergebnisse.

"- geht B in der Dissertation anderen Forschungsfragen nach wie A im Artikel?"

Die grundlegenden Forschungsfrage ist identisch. Die Schwerpunkte der Arbeit unterscheiden sich jedoch. Person A und B schreiben nicht im identischen Maße über die verschiedenen Aspekte der Forschung. Beispielsweise schreibt Person B ausführlicher über Herzfrequenzen als Person A. Dafür werden bestimmte Aspekte von Person B ausgelassen. Das Grundthema ist jedoch identisch.

"- hat B neue/andere/zusätzlich Resultate aus den Rohdaten gewonnen (das ist ja der Kern der Sache) ?"

Abgesehen von einem neuen Parameter sind die Resultate identisch. Der neue Parameter geht aus bestehenden Parametern hervor.


Vielleicht nochmal eine Information, die im Eingangspost fehlte: Die verwendeten Sprachen unterscheiden sich (Deutsch, Englisch).
Mir gehts wie meinem Vorposter - "Testung" kenne ich persönlich nicht als Methode zur Primärdatengewinnung. Liegt wohl am unterschiedlichen Fachgebiet. Wenn A aber einen wesentlichen Teil der Promotionsarbeit "outgesourct" hat, spricht das eher gegen A. Zumindest an meiner Uni ist die eigenständige Primärdatengewinnung ein äußerst wichtiger Teil der Promotionsleistung.

Forschungsmethodologie und Forschungsfragen gehen ja einher. Welches Tool verwendet wird ist zweitrangig. Wichtig ist: hat B andere Forschungsfragen als A? Nur so können ja unterschiedliche Ergebnisse aus denselben Daten gewonnen werden. "Schwerpunkte" ist aus meiner Sicht zu dünn.

Das mit dem Parameter kann relevant sein, muss nicht - mangels Hintergrundinfos schwer zu sagen. Ich kenne Dissertationen, da wurden "nur" Parameterwerte erforscht. Hängt wohl vom Fachgebiet ab.

Englisch/Deutsch ist kein Unterscheidungsmerkmal für eigenständige Forschungsleistung. Das würde ja suggerieren, dass eine bestehende Dissertation einfach nur übersetzt wird ohne eigenen inhaltlichen Beitrag.

Also aus meiner Sicht ist die Situation für beide Personen nicht sauber...

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Re: Promotion möglich?

Beitrag von SSCI » 03.02.2020, 01:07

Ich sehe kein Problem für Person B.

Man kann auch ohne selbst erhobene Daten promovieren/publizieren. Ist bei secondary data research absolut üblich.
Man kann auch mehrere Publikationen aus demselben Datensatz generieren.

Problematisch wird es mMn dann, wenn Person B die Daten widerrechtlich verwendet hat ("gestohlen", vereinfacht gesagt). Da er aber schon Mitautor in der Publikation von Person A war, sollte dieser Fall nicht zutreffen (oder zumindest durch die Mitautorenschaft nicht nachweisbar sein).

Wer von beiden bist Du? A oder B?

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Re: Promotion möglich?

Beitrag von Papierturm » 03.02.2020, 06:17

SSCI hat geschrieben:
03.02.2020, 01:07
Man kann auch mehrere Publikationen aus demselben Datensatz generieren.
Genau. Datensätze können riesig sein. Wichtig ist meiner Meinung nach primär der eigene Ansatz, die eigene leitende Forschungsfrage, in der Auswertung.

Macht B dasselbe wie A, dann sehe ich da Probleme. Macht er mit den Daten etwas eigenes, dann sehe ich kein Problem.

Die Daten sind die Landkarte. Das Statistikprogramm das Auto. Der Autor entscheidet, wohin gefahren wird. Selbe Strecke zum selben Ziel fahren = schlecht. Andere Ziele, andere Strecken sollten möglich sein. Irgendwas dazwischen ist unsauber.

(Sehe gerade, dass das auch schon geschrieben wurde. Zu meiner Verteidigung, es ist Montag Morgen :shock: .)

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Re: Promotion möglich?

Beitrag von johndoe » 03.02.2020, 10:51

SSCI hat geschrieben:
03.02.2020, 01:07

Man kann auch ohne selbst erhobene Daten promovieren/publizieren. Ist bei secondary data research absolut üblich.
Man kann auch mehrere Publikationen aus demselben Datensatz generieren.
So unterscheiden sich die Anforderungen. Vermutlich liegt's auch an den Standards der Fachgebiete und Staaten. Wie gesagt: bei mir (Ingenieur, Ph.D., UK) war es klare Vorgabe, dass eigene Primärdaten erhoben werden müssen.

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