Volontariat oder Promotion?

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s5anstel
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Volontariat oder Promotion?

Beitrag von s5anstel » 29.01.2020, 16:27

Hallo zusammen,

hat jemand von euch auch schon einmal zwischen diesen beiden vor dem Beginn der Promotion nachgedacht? Oder hat jemand sogar NACH der Promotion noch ein Volontariat (im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit) absolviert? Ich möchte gerne beides machen, kann mich aber nicht so recht entscheiden.

Ich frage mich, ob es sinnvoller ist, erst zu promovieren und dann ein Volontariat zu absolvieren oder erst das Volontariat zu machen, um mehr in der Praxis erlernte Inhalte mit in die Diss reinnehmen zu können und dadurch näher am Arbeitsmarkt zu promovieren. Habt ihr da Erfahrungswerte?

Vielen Dank für Eure Ratschläge und Erfahrungen!

Liebe Grüße

Anna :dr)

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Wierus
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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von Wierus » 29.01.2020, 22:34

Hallo,

was davon bzw. in welcher Reihenfolge ist im Prinzip egal. Brauchst du die Kohle, mach das Volontariat, hast du bereits eine Betreuungszusage, mach doch gleich die Promotion, denn wer weiß, ob sich die Gelegenheit noch einmal bietet.

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von Phia123 » 30.01.2020, 10:55

Vielleicht geht ja auch Volontariat und begleitend die Promotion. Kommt drauf an, ob du intern oder extern promovieren möchtest und wie viel Rücksicht deine Firma dann auf die Promotion nimmt. Hast du denn schon konkrete Angebote?

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von teilchenphysik196 » 30.01.2020, 14:02

Ich arbeite im selben Berufsumfeld, auch Kommunikation/PR. Promoviert habe ich sehr spät im Berufsleben über ein praxisnahes Thema. Die Diss schrieb sich fast von alleine - eben aufgrund der Praxiserfahrung. Mit einem professionellen Blick auf die Arbeit anderer Menschen im selben Beruf kann man weit besser an einer Diss arbeiten als jemand ohne Berufserfahrung. Woran man aber auch denken sollte: Berufseinstieg plus berufsbegleitende Promotion kann sehr stressig werden. Ich hab es über 4-Tage-Woche gelöst. Ob das gleich zu Beginn - zumal im Umfeld PR - vertraglich so vereinbar ist, sei mal dahingestellt. Neben dem Beruf in der Freizeit promovieren zu wollen, erfordert wahnsinnig viel Selbstdisziplin und geht definitiv an die Substanz.
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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von Wierus » 30.01.2020, 21:46

teilchenphysik196 hat geschrieben:
30.01.2020, 14:02
Neben dem Beruf in der Freizeit promovieren zu wollen, erfordert wahnsinnig viel Selbstdisziplin und geht definitiv an die Substanz.
Dem schließe ich mich nicht nur an, sondern halte das für vollkommen unrealistisch. Heutige Dissertationen in Fachrichtungen wie Geistes- oder Sozialwissenschaften haben mittlerweile ein immenses Volumen von (gefühlt) 350 Seiten aufwärts und erfordern einen gigantischen Recherche-, Lese- und Befußnotungsaufwand.

(Bin allerdings auch kein Überflieger wie z.B. Karl-Theodor von und zu Guttenberg, der die Promotion trotz Familie mit zwei Kindern, Hauptberuf CSU-Politik und nebenberuflicher Tätigkeit bei den Rhön-Kliniken in nur sieben Jahren durchgezogen hat. :mrgreen: )

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von Phia123 » 31.01.2020, 07:25

Ja,auf jeden Fall ist viel Selbstdisziplin erforderlich und die Familienplanung sollte man erst einmal nach hinten schieben. Arbeiten, nebenberuflich promovieren und Kind schafft kaum jemand. Irgendetwas kommt immer zu kurz.
Ich habe den Berufseinstieg geschafft und nebenberuflich in einem meinem beruflichen Alltag nahen Thema promoviert. Allerdings habe ich meine Arbeitsstunden flexibel mal angehoben (30 Stunden) und mal gesenkt (15-20 Stunden). Das hat es schon leichter gemacht.
Machbar ist es, Selbstdisziplin ist auf jeden Fall nötig und ordentlich erschöpft ist man danach auch. Dafür hat man dann alles hinter sich. Aber es ist nicht für jeden etwas.

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von teilchenphysik196 » 31.01.2020, 11:24

Mit Job promovieren kann schon gehen. Meine geisteswissenschaftliche Diss hat 550 Seiten und 1200 Fußnoten. Allerdings muss ich zugeben, ich konnte mir auch während meiner Arbeitszeit hin und wieder einen Raum buchen und dort an meiner Diss für 1h weiterarbeiten. Auch 30 min waren mir wichtig, um den mentalen Kontakt zu meinem Thema nicht abreißen zu lassen. Das Thema hatte sehr enge Bezüge zu meiner beruflichen Tätigkeit. Es gab nahezu keine Sekundärliteratur. Archivalien waren zu 99% digital zugänglich - kaum vorstellbar, wie ich die 3500 Seiten, die ich von einem Server heruntergeladen habe, vor Ort hätte kopieren sollen. Soweit klingt das alles ganz gut. Aber wirklich empfehlen kann ich eine nebenberufliche Diss nicht. Schon während des Schreibens und erst recht Monate später spüre ich, dass ich meine Unterarme und Hände durch das viele Tippen völlig überlastet habe. Das ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass ich (50) mein ganzes Berufsleben am Rechner verbracht habe, aber der zusätzliche Aufwand der Diss hat meinen Gelenken definitiv nicht gutgetan. Etwas, woran man eigentlich kaum denkt, wenn man eine Diss beginnt.

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von s5anstel » 03.02.2020, 08:26

teilchenphysik196 hat geschrieben:
30.01.2020, 14:02
Ich arbeite im selben Berufsumfeld, auch Kommunikation/PR. Promoviert habe ich sehr spät im Berufsleben über ein praxisnahes Thema. Die Diss schrieb sich fast von alleine - eben aufgrund der Praxiserfahrung. Mit einem professionellen Blick auf die Arbeit anderer Menschen im selben Beruf kann man weit besser an einer Diss arbeiten als jemand ohne Berufserfahrung. Woran man aber auch denken sollte: Berufseinstieg plus berufsbegleitende Promotion kann sehr stressig werden. Ich hab es über 4-Tage-Woche gelöst. Ob das gleich zu Beginn - zumal im Umfeld PR - vertraglich so vereinbar ist, sei mal dahingestellt. Neben dem Beruf in der Freizeit promovieren zu wollen, erfordert wahnsinnig viel Selbstdisziplin und geht definitiv an die Substanz.
Danke, das hat mir extrem geholfen! So habe ich es mir auch gedacht! Die Selbstdisziplin bringe ich mit. Ich Warte gerade auf das Ergebnis meiner MA. Der Dozent hatte vorher schon einige Male angesprochen, dass ich promovieren könnte. Eine Betreuunungszusage war das natürlich noch nicht. Ich warte das Ergebnis mal ab und gehe dann nochmal auf ihn zu.

Danke vielmals! Das macht mir total Mut 😊

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von teilchenphysik196 » 03.02.2020, 10:34

Überleg es Dir gut. Wirklich empfehlen kann ich es nicht. Es ist was anderes als eine Magisterarbeit. Freilich freut es einen, wenn jemand aus der Uni zu einer Diss rät. Aber: Du wirst auf Jahre (!) nahezu keine Freizeit mehr haben, nicht an Weihnachten, nicht im Hochsommer, einfach nie. Hobbies und Familie kannst Du erst mal vergessen. Zeit allein ist es letztlich aber nicht. Es kommt entscheidend darauf an, wie komplex die Themen sind, denen Du Dich in der Arbeit widmest. Ein Gehirn kann sich nur auf einen bestimmte Menge Komplexität konzentrieren. Den Job, den ich jetzt mache, ist mit einer Diss nicht mehr vereinbar. Und schau Dir in jedem Fall den Betreuer gut an. Sprich, wenn möglich, mit seinen aktuellen/ehemaligen Doktoranden. Und insgesamt sollte man es sich im Bereich PR überlegen, inwieweit der Doktortitel was bringt. In Agenturen und bei Mittelständlern NULL. In einem Konzern ist das anders, da qualifiziert der Titel doch zu höherwertigen Aufgaben.

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Re: Volontariat oder Promotion?

Beitrag von spirograph » 10.02.2020, 14:07

Hi Anna,

da hast Du eine interessante Frage aufgeworfen: entweder...oder...

Promovieren, so wie ich es für mich interpretiere, ist kein 0-oder-1-Ding. Ich bin als Doktorandin angenommen und habe seit diesem Datum eben jene privat-persönliche Parallelwelt für mich eröffnet. Parallel, weil es lateral zu meinen diversen Anstellungen (Uni, Schule, Lehraufträge) läuft - und zwar je und je in unterschiedlichen Intensitäten. Nicht null oder eines, sondern mal mehr, mal weniger. Allein von Diss krieg ich jeden Monat keinen paycheck, so pragmatisch muss ich sein. Also läuft meine Diss nachgesetzt, aber parallel, mal mehr mal weniger zu meinem Hauptbrotjob. Letztlich denke ich mir immer: Haben oder nicht haben. Und: So lange da keine geistigen Brocken kommen, die für mich mit meinem mäßigen Verstand und meinen Recherche-Rezeptions- und Tipp-und Formulierungsfähigkeiten nicht lösbar sind, so lange schreibt die Muddi ("Sie müssten noch die Quantenmechnik einbauen!" ---> "Ürggggs", das wäre sowas, aber das kommt in meinem Themenkreis nich vor, halleluja). Ganz einfach. So lange, wie es dauert, dauert´s. Muss ich Diss weniger intensiv betrieben, da mein Hauptjob mich fordert, ist es so, es kommen och wieder ruhigere Zeiten oder ich nehme mir diese. Und iwann machts fapp und ich reiche ein. Ganz emotionsfrei und stoisch. Wie ein Eselchen, was sich in Gang setzt, Huf vor Huf, kantipper, kantapper und iwann beißt es die Möhre ab.

Das Kuriose ist (bei mir beobachtet und im Gespräch mit einigen anderen Doktoranden bzw. fertigen Dr.-Menschen): manchmal ist es so, dass der Forschungsprozess, welcher oft eben mit "Diss schreiben" chiffriert wird, einen trägt. Durch Zeiten, wo der Hauptberuf nich sooo prall ist oder wo es irgendwelchen beef gibt. Ich kenne zwei Lehrkräfte, die neben dem Schuldienst (in Teilzeit in dem Fall) ihre Disses geschrieben haben - und diese haben diese Zeit bzw. ihre Forschungsaktivität wie einen Rettungsanker empfunden. Will sagen, nicht immer ist Diss eine Belastung, die kann u.U. tragend sein. Gerade wenn Du - ggf. machst Du eine empirische Erhebung - dann iwann soweit bist, dass Du Alles zusammenschreibst: So geht es mir gerade, es stehen derweil ca. 250 Seiten, es ist wie es Brezel backen...DAS fetzt! Nun kommt zusammen, was zusammen gehört. Wahnsinnig fruchtbare und erkenntnisreiche Zeit. Nun fällt alles an seinen Platz wie Tetris. Ein anderer Bekannter hat neben seiner Vollzeittätigkeit (42h/Woche) seine Diss zu Ende geschrieben: für ihn war es Entspannung, sein Weg um "unterzukommen". Selbst seine Überarbeitungen angordnet von oben hat er - weil er sich ja in sein geistiges Kind vertiefen konnte - kurioserweise als Entspannung empfunden. "Diss schreiben" aka den eigenen Forschungsprozess weitertreiben entsprach ihm von seiner eigenen Vergeistigung sehr, deswegen diese Synergie! U.u. teilen manche diese Positionierung eher tendenziell weniger, aber auch mit dem Empfinden von Anstrengung und Last (was Diss auch in Anteilen ist, zweifelsohne) kann man das stoisch schreiben/anfertigen.

Jau, so sieht´s aus.

Viele Grüße, Dooppelpeace,

spiro
Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumiere“ (Das Leben ist ein großes Abenteuer zum Lichte hin)

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