Anrede als Professor "abstellen"

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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johndoe
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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von johndoe » 24.01.2020, 08:16

praktikum hat geschrieben:
21.01.2020, 18:37
.
Sollte man es nicht eingetragen haben und trotzdem - warum auch immer - mit irgendwelchen akademischen Graden prahlen, dann wird der Arzt im Gespräch ohnehin schnell merken, ob da etwas dran ist.
Krankenhäuser und dortige Ärzte bemerken anfangs nicht mal falsche Ärzte als Kollegen (irgenwann bestimmt durch fachliche Schwächen). Wie soll ein Arzt da einen fachfremden Doktor per Handschlag einschätzen können?

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von praktikum » 24.01.2020, 15:58

daherrdoggda hat geschrieben:
22.01.2020, 08:54
praktikum hat geschrieben:
21.01.2020, 18:37
Sollte man es nicht eingetragen haben und trotzdem - warum auch immer - mit irgendwelchen akademischen Graden prahlen, dann wird der Arzt im Gespräch ohnehin schnell merken, ob da etwas dran ist. Hier merkt man es schließlich auch.
Subjektives "merken" kann recht fehlerbehaftet sein. Bis heute hast du uns nie erklaert, woran du meinst so etwas erkennen zu koennen.
Ich werde hier sicher keine Hilfestellung geben, wie mitlesende Betrüger Fehler vermeiden können. :)

Ein ausgewachsener Mensch, mit eigener Praxis, wird normalerweise gerade bei einem Kranken schon relativ schnell merken, was da Sache ist. Da hat man schon seine Erfahrungen gemacht, wann und wie jemand etwas vorlügt. Das wird er dem Patienten aber nicht unbedingt unter die Nase reiben, vor allem falls es für die zu behandelnde Krankheit nicht relevant ist.

johndoe hat geschrieben:
24.01.2020, 08:16
praktikum hat geschrieben:
21.01.2020, 18:37
.
Sollte man es nicht eingetragen haben und trotzdem - warum auch immer - mit irgendwelchen akademischen Graden prahlen, dann wird der Arzt im Gespräch ohnehin schnell merken, ob da etwas dran ist.
Krankenhäuser und dortige Ärzte bemerken anfangs nicht mal falsche Ärzte als Kollegen (irgenwann bestimmt durch fachliche Schwächen). Wie soll ein Arzt da einen fachfremden Doktor per Handschlag einschätzen können?
Das ist ein bisschen vereinfacht. Wenn das KH schlampt und die Referenzen nicht ausreichend überprüft, dann wird sich der kleine Assistenzarzt auf der Station hüten, irgendetwas voreilig zu sagen, sofern es ihm nicht ins Gesicht springt.

johndoe
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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von johndoe » 25.01.2020, 00:15

praktikum hat geschrieben:
24.01.2020, 15:58
johndoe hat geschrieben:
24.01.2020, 08:16
praktikum hat geschrieben:
21.01.2020, 18:37
.
Sollte man es nicht eingetragen haben und trotzdem - warum auch immer - mit irgendwelchen akademischen Graden prahlen, dann wird der Arzt im Gespräch ohnehin schnell merken, ob da etwas dran ist.
Krankenhäuser und dortige Ärzte bemerken anfangs nicht mal falsche Ärzte als Kollegen (irgenwann bestimmt durch fachliche Schwächen). Wie soll ein Arzt da einen fachfremden Doktor per Handschlag einschätzen können?
Das ist ein bisschen vereinfacht. Wenn das KH schlampt und die Referenzen nicht ausreichend überprüft, dann wird sich der kleine Assistenzarzt auf der Station hüten, irgendetwas voreilig zu sagen, sofern es ihm nicht ins Gesicht springt.
That's the point: Das KH hat eine fachliche Basis zur Beurteilung und _kann_ dennoch irren. Der Arzt hat gar keine Grundlage zur Einschätzung fachfremder akademischer Weihen. Und warum soll er es überhaupt hinterfragen?

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von praktikum » 25.01.2020, 17:23

johndoe hat geschrieben:
25.01.2020, 00:15
That's the point: Das KH hat eine fachliche Basis zur Beurteilung und _kann_ dennoch irren.
Kann ich so nicht stehen lassen. Gerade bei herausstechenden Positionen sind die Menschen irgendwo bekannt oder es handelt sich um Doppelgänger. Der vermeidliche Irrtum entsteht in den meisten Fällen durch Bequemlichkeit. Hier im Forum wurde am Ende auch nur darüber argumentiert, dass PostIdent+Urkunde zu viel Arbeit macht.

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von daherrdoggda » 26.01.2020, 02:59

praktikum hat geschrieben:
25.01.2020, 17:23
johndoe hat geschrieben:
25.01.2020, 00:15
That's the point: Das KH hat eine fachliche Basis zur Beurteilung und _kann_ dennoch irren.
Kann ich so nicht stehen lassen. Gerade bei herausstechenden Positionen sind die Menschen irgendwo bekannt oder es handelt sich um Doppelgänger. Der vermeidliche Irrtum entsteht in den meisten Fällen durch Bequemlichkeit. Hier im Forum wurde am Ende auch nur darüber argumentiert, dass PostIdent+Urkunde zu viel Arbeit macht.
Zur Ergaenzung selektiver Wahrnehmung: Es wurde argumentiert, dass Doktoranden noch gar keine Urkunde haben (das hier ist ein Doktorandenforum).

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von spirograph » 10.02.2020, 14:38

"Bratans, Bratinas, Braturas. Was geht ab? Ich hoffe, euch allen geht's gut." :-)

--> "Hmmm...wo ist eigentlich Spiro?"

Right here, right there.

Das Ding ist. Das mit dem erworbenen Titel kann man/frau handhaben, wie geneigt. Die Implikationen und Konsequenzen auch. Ich für mich bin ja als verhinderte Soziologin in der/meiner Alltagswirklichkeit tätig. Mich haben in diesem o.g. Zusammenhang diverse Dinge beeindruckt bzw. konnte ich beobachten: Einmal musste ich erst durch Zufall den Doktorgrad einer betreuenden Lehrkraft ergoogeln, nachdem diese mir auch noch wundersamerweise das "Du" angeboten hatte; ich weiß noch, wie positiv perplex u irritiert ich war ob ihres understatements - DAS hat sich mir mehr eingebrannt als jene Titelpraxen, die man so gemeinhin kennt. Die brauchte <das> nicht, was sie wollte bzw. konnte! U get it? "Anyone that needs what they want, and doesn't want what they need, I want nothing to do with...". Deep, right there. Das will ich auch so handhaben. Ich brauche das Alles nicht, was ich will und auch kann. Die Kategorien dieser abtrünnigen und evilen Welt...was soll ich mir jene Eitelkeiten an Bein binden, die tragen einen auch nicht. Insofern: Tätigkeit des Promovierens, ja, Forschen, ja, Erkenntnisse, ja, Forschungsbericht mit allen Dingen, die man da machen muss, ja. Aber ansonsten: de Bälle ganz, ganz flach halten. Ich weiß auch, dass man wenn man nicht aufm Putz haut, nich so "weit" kommt hier, gerade an der Uni...wenn man bescheiden ist und unverklemmt und freundlich, zufrieden und auch noch humorvoll und nice, kannste vergessen, ich weiß das. Aber heija, dann isses so. Ich kann dennoch Bücher schreiben und meine Ideen veräußern. Gibt so viel Verlage. Wie dem auch sei, das ist so meine Haltung. Ich kann da nicht anders. Ich feiere die Insignien dieser eitlen, narzisstisch-neurotischen Praxen nich. Ich brauche das tatsächlich auch nicht. Die Reziprozität, dass ich mich durch die Augen/Reaktion des Gegenübers mit den Institutionen dieser Welt ("Doktorgrad") sehen muss (erst sehen kann) und nur auf diesem Wege mir begegnen kann (Props gehen raus an die Wissenssoziologie alá Berger/Luckmann) ist bei mir nicht der Fall. Das klappt auch ohne spiegelndes Gegenüber, ohne die Engführungen und Verblendungen dieser Welt.

Andererseits: ich habe einen guten, promovierten Kumpel, der war mal in einen Unfall involviert. Im provinzialen Krankenhaus lag er schwer verletzt (konnte sich nicht in aller Ausführlichkeit artikulieren zu dem Zeitpuntk) und er bekam mit, wie der Arzt mit anderen Ärzten über seine persönlichen Karten (Krankenversicherungsausweis, Personalkarte etc). diskutierte...dort war sein Doktorgrad eingetragen und es wurde nun darüber gesprochen, dass man es hier wohl - in aller Kürze - mit einem Geistesarbeiter zu tun hatte, der wohl in einer gewissen Position war und man da eben nochmal gucken müsste, ob er deswegen (!!!) nicht noch des Nachtens in ein besseres Krankenhaus überführt werden sollte. So kam es. Nachts noch mitm Krankenwagen ins Uni-Klinikum...dort Spezialabteilung...usw. Man muss es so sagen, durch diese Karten mit dem versehenen Doktorgrad, ja, bekam er eine bessere Behandlung, die ihn heute ohne Nach- und Spätfolgen zurückgelassen hat. Ein anderer Kumpel, dessen Mutter Ärztin war, wurde in seiner Schulzeit trotz Schläger- und Rowdytums, immer gut und wohlwollend behandelt, da der Halo-Effekt des Berufsstandes seiner Mutter da wirkte. Und selbst in der Schule, wo ich wieder arbeite, kann ich garantieren, dass Kids, von denen die Lehrkräfte ja wissen, welche Eltern mit welchen Berufen usw. dahinterstehen, anders behandelt werden, wenn bspw. die Erziehungsberechtigten promoviert sind (beide oder einer). "Das zieht", so ständisch und krass, wie das klingt. Es werden da definitv Unterschiede praktiziert....klingt wie 19. Jahrhundert, ist aber so.

So gibt es da wohl eine persönliche und eine soziale Komponente. In persönlicher Hinsicht/ im gepflegten Inneren würde ich das eher schweigend oder still praktizieren, nichtsdestotrotz gibt es äußere, objektivierte Strukturen, wo Grade usw. gewisse, auch wünschbare, Wirkungen zeitigen...

In diesem Sinne: spiro bleibt die Gleische.
Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumiere“ (Das Leben ist ein großes Abenteuer zum Lichte hin)

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von Wierus » 10.02.2020, 17:44

spirograph hat geschrieben:
10.02.2020, 14:38
Ich feiere die Insignien dieser eitlen, narzisstisch-neurotischen Praxen nich. Ich brauche das tatsächlich auch nicht. Die Reziprozität, dass ich mich durch die Augen/Reaktion des Gegenübers mit den Institutionen dieser Welt ("Doktorgrad") sehen muss (erst sehen kann) und nur auf diesem Wege mir begegnen kann (Props gehen raus an die Wissenssoziologie alá Berger/Luckmann) ist bei mir nicht der Fall. Das klappt auch ohne spiegelndes Gegenüber, ohne die Engführungen und Verblendungen dieser Welt.
Soviel ich weiß, hast du einmal geschrieben, dass du ein Bibelchrist bist. Damit kann ich zum Beispiel überhaupt nichts anfangen. Geistige Schablonen und Engführungen durch moralisch bedenkliche, zum Teil sogar sadistische Märchen (vgl. Altes Testament), davon halte ich nun wirklich garnichts.

Auch deshalb bin ich ganz im Gegenteil zu Dir tatsächlich der Meinung, dass man all das IST, was man in seinem Leben macht bzw. womit man sein Leben ausfüllt. Und wenn man 5-8 oder mehr Jahre an einer Dissertation gesessen hat und dafür am Ende zwei relativ aussagefreie Buchstaben bekommt, dann wird das nun einmal zu deiner Konstitution. Du bist ein philosophiae doctor geworden, weil du dich jahrelang abgemüht und an eben diese Anforderungen schrittweise angepasst hast.

Und a propos "narzistisch-neurotische Praxen"... ich kann diesen Krampf nicht mehr lesen. Hast du dich schon einmal im richtigen Leben umgekuckt? Typen die in geliehenen Sportwagen durch die Innenstadt rasen, Tussen mit unnötig aufgeblasenen Lippen, Leute die sich ständig über ihre verzogenen Racker definieren, Menschen die auf die Bibel und ähnlichen Kokolores schwören um sich moralisch über andere zu erheben - im Vergleich dazu ist mir jeder sympathisch, der etwas auf seine Bildungsabschlüsse hält, selbst wenn das ebenfalls oberflächlich sein mag.

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von caipirinha11085 » 10.02.2020, 20:25

Wierus hat geschrieben:
10.02.2020, 17:44
Auch deshalb bin ich ganz im Gegenteil zu Dir tatsächlich der Meinung, dass man all das IST, was man in seinem Leben macht bzw. womit man sein Leben ausfüllt. Und wenn man 5-8 oder mehr Jahre an einer Dissertation gesessen hat und dafür am Ende zwei relativ aussagefreie Buchstaben bekommt, dann wird das nun einmal zu deiner Konstitution. Du bist ein philosophiae doctor geworden, weil du dich jahrelang abgemüht und an eben diese Anforderungen schrittweise angepasst hast.
Du hast einmal dafür plädiert, dass der Dr. am Klingelschild "peinlich" sei. Mich würde vor dem Hintergrund deiner Argumentation in diesem Thread interessieren, ob du das immer noch so siehst.

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von Wierus » 10.02.2020, 20:55

caipirinha11085 hat geschrieben:
10.02.2020, 20:25
Du hast einmal dafür plädiert, dass der Dr. am Klingelschild "peinlich" sei. Mich würde vor dem Hintergrund deiner Argumentation in diesem Thread interessieren, ob du das immer noch so siehst.
Nein, ich habe nicht dafür "plädiert", sondern ich finde es ganz einfach peinlich. Dafür habe ich den "Dr." im Ausweis stehen, was wiederum andere peinlich finden. Alles eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Aber ich schäme mich ganz sicher nicht für die zwei Buchstaben, d.h. wenn mich jemand ernsthaft so ansprechen sollte und sich dabei wohlfühlt, dann darf er das gerne machen. Ich habe nicht mehrere Jahre Rotz und Wasser geschwitzt, um mich jetzt ständig jovial-deppert von diesem Schulabschluss distanzieren zu müssen.

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Re: Anrede als Professor "abstellen"

Beitrag von johndoe » 10.02.2020, 21:23

Ich sehe das wie Wierus. All die Jahre der Selbstgeiselung...und dann sein Leben lang das Ergebnis verstecken? Beim Porsche spricht man zu Recht von Kompensation zu gering ausgeprägter Körperteile - man kann mit dem Geld schließlich auch was anderes anstellen. Bei Nennung des Doktors ist es m.E. einfach nur eine formale Tatsachenbeschreibung. evtl kann das nur jmd nachvollziehen, der auch wirklich dieses Tal der Tränen durchquert hat. Auf jeden anderen wirkt es vermutlich wie ein akademischer Porsche.

Ok Klingelschild finde ich auch affig, genauso wie Väter im Kindergarten, die sich im Programmheft als St Martin-Schauspieler mit Dr. angeben... Aber Ausnutzung niederer Vorurteile beim Arzt oder gegenüber Lehrern? Ich sehe da nur Gewinner :lol:

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