Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
Neue Fragen bitte hierher.

Antworten
liwona90
Beiträge: 9
Registriert: 02.12.2017, 16:43
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von liwona90 » 04.11.2019, 11:38

Hi!
Ich wollte einmal diejeniegen aus dem NaWi/medizinischen Bereich Fragen, wie viel Zeit des Dissvertrages reine Experimentphase ist/war. Es geht darum, dass ich bei der weiteren Planung eine Einschätzung habe, ob das, was ich unten beschreibe, "normal" ist oder ich mich etwas vehementer durchsetzen sollte.


Ich bin im Moment in Halbzeit, habe einen guten Teil meines ersten Projektes geschafft und sehe Licht am Ende des Tunnels. Jetzt gab es Gespräche mit der DM und dem 3. des Komitees, dass Teil B meines Projektes - quasi identisch mit Teil A, allerdings ein wesentlicher Parameter geändert - unbedingt noch gemacht werden soll und der Vergleich von Teil A und Teil B ja DER Knackpunkt meines Themas wäre (was ich nicht so sehe).

Teil A hat eine reine Experimentphase von 11 Monaten. Das sind 11 Monate, in denen ich kaum dazu komme Luft zu holen, geschweige denn Dinge zu machen wie auf Konferenzen zu fahren, Präsentationen zu halten, an der Graduate Scholl teilzunehmen, Journal Clubs zu besuchen oder mich mit der aktuellen Literatur meines Faches zu befassen. Daher sehne ich mich auf das Ende der Experimentphase hin, wo ich dann endlich Daten auswerten kann (Hormon- und Videoanalyse, das wird nochmal ca 4-6 Monate in Anspruch nehmen) und meiner Promotionsordnung gerecht werden kann, die z.B. mind. eine internationale Konferenz vorschreibt. Teil B wäre naturgemäß der genau gleiche Ablauf wie A. Eine grobe, optimistische Planung sieht so aus, dass ich Teil B nahtlos an Teil A anhänge (also die Videos und die Hormondaten noch nicht mal angeguckt habe) und wäre 3 Wochen vor Vertragsende mit dem letzen Experiment fertig. Sprich, die Videos habe ich dann eventuell schon sortiert und mir einen Überblick verschafft und erste deskriptive Statistik gemacht. Aber sonst nada. Ach ja, es gibt noch einen Teil C, wo und wie ich den unterbringen soll, keine Ahnung. Ignoriere ich bisher.
Mir wurde klar gemacht, dass auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen eine Vertragsverlängerung möglich ist. Man munkelt, dass der AG Chef geht und niemand weiß, wer und wann die AG übernehmen wird. Aber Klarheit gibt es leider nicht.

Demnächst soll mein ganzes Komitee zusammenkommen, bestehend aus meiner DM, dem AG-Leiter und einem hochrangigen Prof aus der Medizin vom Uniklinikum (2. Prüfer). Denen soll ich meine bisherigen Ergebnisse (haha, keine, weil läuft noch) vorstellen und die weitere Planung besprechen. Ich habe meiner DM bereits im Gespräch diplomatisch und vorsichtig vermittelt, dass Teil B ohne Vertragsverlängerung einfach nicht drin ist. Antwort: Dann soll das halt ein Masterstudent machen (den ich betreue). Das würde helfen insofern, dass ich nebenbei aus Teil A einige Analysen machen kann. Trotzdem wird der Master erst 3 Wochen vor meinem Vertragsende fertig sein - wenn alles klappt. Diese Bedenken habe ich dem AG-Leiter und der DM dann wiederum vorgetragen, Antwort: So ist das halt, meinen Vertrag hätte ich ja für meine Arbeit hier, keine Experimente, kein Vertrag.
Bei meinen 8 PhD-Kollegen habe ich das nicht erfahren. Überhaupt sitzen hier einige, die schon seit zwei Jahren keinen Kittel mehr gesehen haben und noch immer am Schreiben sind. Aber das sind überwiegend Papas Lieblinge. Anyway.

Wie sind eure Erfahrungen? Ich weiß, dass es Verträge gibt, in denen man z.B. einfach "nur" als Dozent angestellt ist und die Diss dann Freizeitvergnügen. Ich habe jedoch eine ausgewiesene Promotionsstelle zur Erlangung des Doktorgrades mit "5 SWS Lehrverpflichtung". Meine Intention: Ich würde gerne Teil A nächstes Jahr im Mai abschließen, Teil C beginnen (weil das geht nebenbei glaub ich ganz gut) und die restlichen 12 Monate nutzen, um das "drumrum" der Diss zu erfüllen: Konferenzen, Retreats, Graduate school, Journal Clubs ...

Anzeige:

envasadas
Beiträge: 48
Registriert: 26.04.2019, 15:40
Status: cand. Dr. rer. nat.
Hat sich bedankt: 7 Mal
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von envasadas » 04.11.2019, 12:42

Moin,

ich promoviere ebenfalls im naturwissenschaftlichen Bereich mit einer stark experimentell geprägten Arbeit. Deine geschilderte Situation kommt meiner sehr nahe; zum Zeitpunkt des Auslaufens meines Vertrages stand ich buchstäblich im Feld um mein letztes Experiment durchzuführen.. In meinem Fall wurde mir lange Zeit, auch durch Beispiele voriger Doktoranden, der Eindruck vermittelt dass eine Verlängerung um zumindest ein paar Monate als WiMa möglich und gängig ist. In meinem Fall war dies dann nicht so, da just im Moment keine Gelder mehr dagewesen wären.. Aus Mitleid habe ich von DM der PostDocs ein last minute-Angebot als Hiwi erhalten, was ich weiterhin als Schlag in's Gesicht empfinde. Dieses musste ich allerdings annehmen, da ich sonst bei den laufenden Feldarbeiten ohne Versicherungsschutz für mich oder Dienstfahrzeuge unterwegs gewesen wäre..

Mittlerweile bin ich im fünften Jahr meiner Dissertation, da ich gezwungen war meinen Lebensunterhalt anderweitig zu bestreiten nachdem der Hiwi-Vertrag ausgelaufen war. Absolut nicht empfehlenswert!

Sollte es so sein? Absolut nicht! Aus Erfahrung anderer Doktoranden kann ich dir auch nur davon abraten, einen konsekutiven experimentellen Teil ohne Analyse der vorherigen Daten zu beginnen! 1 Kollege hat aus diesem Grund zwei Jahre 1 Teil seiner Daten über dem Detektionslimit gemessen..

Mir hat ein Kollege einen für mich sehr sinnvollen Rat gegeben: Dein Hauptberuf ist die Promotion. Ziehe dieses Projekt mal von hinten auf und schaue, was dir in welchem Umfang noch fehlt, um dieses Projekt erfolgreich abzuschließen. Reichen diene bisherigen Daten dafür? Dann ab zu Teil C! Insbesondere unter der Prämisse dass es für dich in dieser AG wohl keine Zukunft geben wird.

Schreib mir gern eine PM wenn du dich detaillierter austauschen möchtest :)
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor envasadas für den Beitrag:
liwona90
Carbonara is not an opinion.

liwona90
Beiträge: 9
Registriert: 02.12.2017, 16:43
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von liwona90 » 04.11.2019, 14:57

Hi!
In meinem Fall war dies dann nicht so, da just im Moment keine Gelder mehr dagewesen wären.
Das sollte bei mir wohl auch so laufen, aber ich hab da sehr deutlich nachgefragt. Ich weiß immer noch nicht, warum es nicht geht, ich darf ja nicht mal versuchen, irgendwo Geld herzubekommen. Meine Vermutungen sind im besten Falle schlechte Planung, im schlimmsten pure Diskriminierung (eine Doktorandin, die es wagte, schwanger zu werden!) just guessing ...
davon abraten, einen konsekutiven experimentellen Teil ohne Analyse der vorherigen Daten zu beginnen!
Teil A kann für sich allein stehen, ebenso Teil B, es ist daher fürs Experiment egal, was bei A rauskommt. Daher halte ich es nicht für unbedingt notwendig, B zu machen. Theoretisch könnte ich auch drei Jahre pausieren und B irgendwann machen. Oder als Projekt in einer Postdocstelle. Der Vergleich beider Teile ist allerdings tatsächlich ziemlich interessant, ich hätte die Daten schon gerne. Nur eben nicht auf eigene Kosten oder auf Kosten der Gesellschaft (Stichwort ALG1/ALG2).
Mittlerweile bin ich im fünften Jahr meiner Dissertation, da ich gezwungen war meinen Lebensunterhalt anderweitig zu bestreiten nachdem der Hiwi-Vertrag ausgelaufen war. Absolut nicht empfehlenswert!
Das wird mir vermutlich auch blühen, auch wenn ich sehr, sehr viel daran setzen werde, Teil B nicht zu machen. Ich schreib dir ein PN mit ein paar Fragen, die ich dazu habe...
Ziehe dieses Projekt mal von hinten auf und schaue, was dir in welchem Umfang noch fehlt, um dieses Projekt erfolgreich abzuschließen. Reichen diene bisherigen Daten dafür? Dann ab zu Teil C!
So der Plan. Ich weiß nur nicht, ob ich das "Recht" habe, das einfach so durchzuziehen oder ob meine Prüfer mir die Abgabe meiner Diss verweigern können, wenn ich mich über ihren Wunsch hinwegsetze, auch B zu machen. Im Grunde könnte ich die Taktik fahren: Kopf einziehen, Experimente machen und mich ganz am Ende melden mit: So, ich habe Daten, ich habe Ergebnisse, ich habe noch 7 Monate Vertrag, ich möchte jetzt drei Paper schreiben! Schließlich brauche ich meine Betreuer bei den Manuskripten und der Diss... Die Betreuung hier ist sehr "locker" und so richtig Projektüberwachung gibt es nicht. Was ich auf der einen Seite als sehr positiv empfinde, auf der anderen Seite wird auch viel Verantwortung abgewälzt.

Im Mai nächsten Jahres habe ich einen vollständigen Datensatz, aus dem locker zwei Paper werden, mit etwas Fantasie auch drei. Teil C ist das "Backup", falls es doch nur ein Paper wird aus Teil A. Aber halt nur paper in low rank journals. Nature wird es jedenfalls nicht :lol: Ich hätte auch kein Problem damit, die letzten Seiten und Korrekturen nach Vertragsende anzugehen und das eventuell während ein paar Monaten Arbeitslosigkeit, während ich mich nebenbei nach einer guten Stelle umschaue. Aber die ganze Schreibarbeit nebenbei halte ich für utopisch und Hut ab, dass du das noch weiter durchziehst!

Dell
Beiträge: 165
Registriert: 28.04.2015, 16:39
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 12 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von Dell » 04.11.2019, 22:44

Schwierig für jemanden hier zu beurteilen, ob du mit Teil A eine promotionswürdige Leistung erbracht hast oder wie deine Leistung und Arbeitseinsatz im Vergleich zu deinen Peers ist. Die meisten die ich kenne würden den Standpunkt vertreten, dass zumindest 3 Jahre experimentiert werden sollte. Wenn der Vertrag nur 3 Jahre ist, ist das natürlich nicht schön. Entweder gab's dann Verlängerung oder man musste auf eigene Kosten zusammenschreiben.
Ungeachtet dessen ist nicht das Zeugnis das Ziel, sondern der nächste Job. Fokus auf Daten und Paper generieren. Gerne auch bis zum letzten Tag. Die Datenerhebung muss bis Vertragsende durch sein und zumindest nebenbei grobe Paper Drafts fertig sein. Die Diss kannst du dann auch im nächsten Arbeitsverhältnis zusammenklatschen (im Prinzip ja nur die Paper zusammen tackern).

Journal Club, Konferenzen, Lehre etc ist am Ende kein Kriterium ob du abschließen kannst und sollte nebenbei laufen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Dell für den Beitrag (Insgesamt 2):
daherrdoggdaliwona90

daherrdoggda
Beiträge: 199
Registriert: 16.08.2015, 21:28
Status: rer nat
Hat sich bedankt: 19 Mal
Danksagung erhalten: 11 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von daherrdoggda » 05.11.2019, 06:02

liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 11:38
Teil A hat eine reine Experimentphase von 11 Monaten. Das sind 11 Monate, in denen ich kaum dazu komme Luft zu holen, geschweige denn Dinge zu machen wie auf Konferenzen zu fahren, Präsentationen zu halten, an der Graduate Scholl teilzunehmen, Journal Clubs zu besuchen oder mich mit der aktuellen Literatur meines Faches zu befassen. Daher sehne ich mich auf das Ende der Experimentphase hin, wo ich dann endlich Daten auswerten kann (Hormon- und Videoanalyse, das wird nochmal ca 4-6 Monate in Anspruch nehmen) und meiner Promotionsordnung gerecht werden kann, die z.B. mind. eine internationale Konferenz vorschreibt.
Warum kannst du 11 Monate lang keine Literatur lesen? Gibt es regionale Konferenzen? Gibt es woechentliche Praesentationen fuer Doktoranden/Postdocs am selben Campus? Sind die JCs so weit weg? Kann keiner der Versuche vorher schon ausgewertet werden (neue Versuche und Auswertung der fertigen parallel)? Zaehlt Europa als international?
liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 11:38
So ist das halt, meinen Vertrag hätte ich ja für meine Arbeit hier, keine Experimente, kein Vertrag.
So kenne ich das bei uns auch. Versuche, Auswertung, Praesentationen und Schreiben hat niemand von uns nacheinander gemacht, sondern immer parallel. Die neuen Ergebnisse auswerten, waehrend der naechste Versuch laeuft. Die Praesentationen/Poster mit den Ergebnissen machen, die schon vorliegen. Zusammenschreiben, was man schon hat, bis ein paper daraus wird ;)
liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 11:38
Ich würde gerne Teil A nächstes Jahr im Mai abschließen, Teil C beginnen (weil das geht nebenbei glaub ich ganz gut) und die restlichen 12 Monate nutzen, um das "drumrum" der Diss zu erfüllen: Konferenzen, Retreats, Graduate school, Journal Clubs ...
Wenn A allein schon ein paper wird, brauchst du B und C nicht fuer die Promotion. Wenn du mit A und C mehr papers kriegst, versuch das auf jeden Fall. Kollegen haben ohne akzeptiertes paper immer noch gut abgeschlossen (da ist allerdings immerhin eines under review oder in revision gewesen). Bei uns war mindestens ein akzeptiertes paper nur fuer Summa notwendig. Vll sagt deine PO ja mehr zu erforderlichen Publikationen.
liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 14:57
eine Doktorandin, die es wagte, schwanger zu werden!
Das ist natuerlich dann auf laengere Zeit ein Doppeljob, da wuerde ich dem Vorschlag mit den Hiwis folgen! Vll koennen ja auch andere Doktoranden/Postdocs mithelfen mit der Aussicht auf Koautorenschaften.
liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 14:57
Teil A kann für sich allein stehen, ebenso Teil B, es ist daher fürs Experiment egal, was bei A rauskommt. Daher halte ich es nicht für unbedingt notwendig, B zu machen. Theoretisch könnte ich auch drei Jahre pausieren und B irgendwann machen. Oder als Projekt in einer Postdocstelle. Der Vergleich beider Teile ist allerdings tatsächlich ziemlich interessant, ich hätte die Daten schon gerne.
Den Vergleich von A und B kannst du allerdings nur haben, wenn auch B fertig ist, oder? Kannst du mit A abschliessen, oder mit A+C, und danach als Postdoc (gar nicht unbedingt im selben Labor) dann B angehen?
liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 14:57
Ich weiß nur nicht, ob ich das "Recht" habe, das einfach so durchzuziehen oder ob meine Prüfer mir die Abgabe meiner Diss verweigern können, wenn ich mich über ihren Wunsch hinwegsetze, auch B zu machen. Im Grunde könnte ich die Taktik fahren: Kopf einziehen, Experimente machen und mich ganz am Ende melden mit: So, ich habe Daten, ich habe Ergebnisse, ich habe noch 7 Monate Vertrag, ich möchte jetzt drei Paper schreiben!
Meiner Erfahrung nach hat man nur ganz ohne Publikationen schlechte Karten. Sobald ein gutes paper daraus wird, sollten die Pruefer schon zufrieden sein. Je mehr (und je angesehener das journal), umso besser, aber eines reicht auch schon fuer den Abschluss. Wenn aus A 3 papers werden, brauchst du B und C gar nicht mehr anzufangen und kannst mit A und diesen papers abschliessen.
liwona90 hat geschrieben:
04.11.2019, 14:57
Im Mai nächsten Jahres habe ich einen vollständigen Datensatz, aus dem locker zwei Paper werden, mit etwas Fantasie auch drei. Teil C ist das "Backup", falls es doch nur ein Paper wird aus Teil A.
Siehe oben, wenn eh schon 2-3 papers in Aussicht sind, kannst du nach diesen einen gedanklichen Schlusstrich ziehen und erstmal die Diss und Pruefung hinter dich bringen.
Dell hat geschrieben:
04.11.2019, 22:44
Die meisten die ich kenne würden den Standpunkt vertreten, dass zumindest 3 Jahre experimentiert werden sollte. Wenn der Vertrag nur 3 Jahre ist, ist das natürlich nicht schön. Entweder gab's dann Verlängerung oder man musste auf eigene Kosten zusammenschreiben.
Ungeachtet dessen ist nicht das Zeugnis das Ziel, sondern der nächste Job. Fokus auf Daten und Paper generieren. Gerne auch bis zum letzten Tag. Die Datenerhebung muss bis Vertragsende durch sein und zumindest nebenbei grobe Paper Drafts fertig sein.
Wir haben auch alle bis zur Pruefung noch weiter Versuche gemacht und ausgewertet. Es kam auch gut an, dass man zwischen Diss und Pruefung noch weitere preliminary results hatte, bzw vorherige Daten noch weiter ergaenzt hat, oder ein weiteres paper inzwischen eingereicht ist usw. Die meisten sind auch noch ein paar Monate als Postdocs am selben Projekt geblieben, um laufende Sachen noch abzuschliessen.
Dell hat geschrieben:
04.11.2019, 22:44
Journal Club, Konferenzen, Lehre etc ist am Ende kein Kriterium ob du abschließen kannst und sollte nebenbei laufen.
Exakt. Wie viele Wochenstunden hast du fuer die Arbeit zur Verfuegung? Da sollten solche Sachen nur einen Bruchteil ausmachen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor daherrdoggda für den Beitrag:
liwona90

liwona90
Beiträge: 9
Registriert: 02.12.2017, 16:43
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von liwona90 » 05.11.2019, 22:28

Lieben dank für eure Antworten! Mir ist klar, dass ich mir hier keiner einen goldenen Weg aufzeigen kann für das, was ich tun soll. Aber ein paar mehr Meinungen sind immer hilfreich!

Besonders der Punkt, dass ich ja trotzdem die Paper aus A machen kann und B nebenher läuft, solange die praktische Durchführung wer anders macht, war so einfach wie "unsichtbar" für mich ... ich habe mich gedanklich irgendwie darauf versteift, dass wenn ich ein Projekt mache, dass ich das auch veröffentlichen muss. Kann ja trotzdem laufen... wenn wir jemanden finden, der es macht :lol: Ich denke auch, wenn ich nur genug und rechtzeitig die Publikationen habe, dann sollte es egal sein, wie lang oder groß mein Projekt ist. Bei uns ist halt üblich, dass die Paper sehr eng mit den Betreuern zsammen geschrieben werden, sprich, auch der Inhalt sehr eng mit ihnen abgesprochen wird. Das könnte halt dazu führen, dass ich entweder ganz auf mich allein gestellt sein werde (was ja auch normal ist, oder?) oder die Unterstützung eben nur bei entsprechender Datenlage ... vielleicht muss ich mich gedanklich noch ein Stück mehr emanzipieren und meinen Fähigkeiten mehr vertrauen.

Für das Verständnis wollte ich auf ein paar Fragen eingehen ...
Diese hier:
Warum kannst du 11 Monate lang keine Literatur lesen?
würde ich gerne mit diesem Zitat beantworten:
Das [kind] ist natuerlich dann auf laengere Zeit ein Doppeljob
Wer keine Kinder hat oder einen Partner, der sich Vollzeit darum kümmern kann, hat vielleicht nicht den Blick dafür, wie viel Arbeit das tatsächlich ist und was für eine Belastung das sein kann. Ich könnte hier jetzt meinen auf 10 Minuten genau getakteten Tagesablauf aufzählen, aber das endet nur in Gejammer. Können wir gerne in PNs diskutieren, wo und wie da vielleicht Optimierungen möglich sind :wink: aber glaub mir, ich scherze nicht, wenn ich behaupte, dass ich keine 2 Stunden in der Woche entbehren kann. Da muss der geneigte Forenleser mir einfach vertrauen.

Im Grunde stünde mir ein Hiwi mit 5 Stunden pro Woche zu, der mir ein wenig Arbeit abnimmt, sodass ich auch was anderes schaffen kann. Aber den bekomme ich nicht. Argumente so dünn wie fadenscheinig (z.B. dass es ja "unfair" wäre, kein anderer PhD hätte einen eigenen Hiwi, wir haben keine Leute etc ...). Ich habe auch da weder Kraft noch Zeit, mich weiter drüber aufzuregen. Kollegen helfen bei den Proben, aber nur, weil sie selbst auch Hilfe brauchen. Darüber hinaus hat keiner Zeit oder Bock.
Wenn A allein schon ein paper wird, brauchst du B und C nicht fuer die Promotion. Wenn du mit A und C mehr papers kriegst, versuch das auf jeden Fall. Kollegen haben ohne akzeptiertes paper immer noch gut abgeschlossen (da ist allerdings immerhin eines under review oder in revision gewesen). Bei uns war mindestens ein akzeptiertes paper nur fuer Summa notwendig. Vll sagt deine PO ja mehr zu erforderlichen Publikationen.
Eins muss veröffentlicht sein, eins im Review und ein Manuskript. Für Summa mind. 2 bereits veröffentlichte und 1 im Review mit großen Aussichten, veröffentlicht zu werden. Aber das kommt auf das Wohlwollen unseres AG-Chefs an. Ich bin eh unten durch, ein summa kann ich mir in die Haare schmieren, vor allem, wenn ich den Projektablauf nicht haarklein genauso mache, wie er sich das vorstellt.
Kannst du mit A abschliessen, oder mit A+C, und danach als Postdoc (gar nicht unbedingt im selben Labor) dann B angehen?
Theoretisch ja. Ich hätte sogar Ideen, wie man A oder/und B mit einem weiteren Parameter nochmal neu aufziehen kann, um einen weiteren Aspekt der Fragestellung aus einer neuen Perspektive zu beleuchten. Das würde mich derart brennend interessieren, dass ich meiner DM vorgeschlagen habe, dass wir dafür bei der DFG einen Folgeantrag stellen könnten, wenn die AG kein Geld hat, um meinen Vertrag zu verlängern ... wurde abgelehnt. Nein, du bleibst nicht länger. Auch nicht mit einem Erweiterungsantrag. Also auch kein Postdoc antrag.
In einem anderen Labor? Nun ja, ich bezweifle, dass in einem anderen Labor die Vorraussetzungen existieren, um die Daten dann zu vergleichen. Mehr kann ich leider nicht sagen, sonst werde ich allzu leicht findbar.
Exakt. Wie viele Wochenstunden hast du fuer die Arbeit zur Verfuegung? Da sollten solche Sachen nur einen Bruchteil ausmachen.
25,89 h pro Woche. Ich schaffe 30, mehr geht nicht, da ich wegen dem Teilzeitvertrag nur 35 Stunden Kita bekommen habe. Die 6 Stunden pro Tag sind so ziemlich voll ausgebucht. Deswegen kann ich auch weder zu Seminaren noch JCs, keine Konferenzen vorbereiten und auch nicht einen Tag außer Haus. Ich habe viel versucht, geschoben, Kollegen eingewiesen, aber wenn am Ende Experimente nachgeholt werden müssen und alles nur noch voller gepackt ist oder das Projekt um 4 Wochen verlängert werden muss, weil ich einen Tag nicht da war, dann lass ich es lieber.

Mir macht es halt Sorgen, dass ich nicht groß zum Paper schreiben komme, wenn Teil B mit oben genanntem Pensum läuft und mein Masterstudent anfängt zu schludern oder ganz abbricht. Dann muss ich nämlich wieder alles allein machen. Aber dann ist das eben so ... scheint ja irgendwie normal zu sein, die Diss (weit) nach Vertrag abzuschließen.

Ich mein, schön und gut, eben alles "zusammenklatschen" und Feinschliff machen kann ich ja verstehen. Aber ohne eine einzige Analyse, ohne ein einziges Video auszuwerten aus dem Vertrag rauszugehen ... also ich weiß nicht. 384 Stunden Videomaterial lassen sich nicht so einfach neben Job und Kind analysieren. Deswegen scheint mir der bisher einzig realistisch umsetzbare Weg, Teil B auszulassen, A und C ausarbeiten, sodass ich ca. 10 bis 7 Monate vor Vertragsende mit den Analysen beginnen kann, um vor Vertragsende vielleicht das erste Paper einzureichen. Bin aber mega unsicher, inwieweit ich diesen Plan gegen die Vorstellungen von DM und AG-Leiter durchsetzen kann und darf.

SSCI
Beiträge: 17
Registriert: 23.11.2018, 11:30
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 4 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von SSCI » 06.11.2019, 21:14

My two cents:

Daten von A auswerten und so schnell wie möglich ein Manuskript fertigstellen, einreichen und hoffen. Evtl. mehrere Manuskripte, wenn die A-Daten so viel hergeben.

Bedenke, dass ein Reviewverfahren auch mal 6-9 Monate bis zur ersten Rückmeldung (im schlechtesten Falle ein "reject") dauern kann. Das ist bei "uns" im Management so, von Deinem Fachbereich habe ich keine Ahnung...mag da schneller gehen.

Parallel Dienst nach Vorschrift machen zu dem von DM gewünschten B-Daten.

Sobald die formalen Voraussetzungen für die Einreichung gegeben sind: --> einreichen

Wird dann keine gute Note mehr, aber damit solltest Du zumindest fertig werden. Das ist die Hauptsache.

Die lassen Dich sonst am langen Arm verhungern und glauben zu wissen, dass sie am längeren Hebel sitzen.

Viel Glück!

Dell
Beiträge: 165
Registriert: 28.04.2015, 16:39
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 12 Mal

Re: Projektplanung NaWi - Experimente bis zum letzten Tag

Beitrag von Dell » 08.11.2019, 00:12

Kind und Familie sind natürlich schön, aber trotzdem Privatvergnügen. Vergleichsmaßstab sie die ungebundenen Doktoranden. Die Gleichung "(100% + x% Abends und Wochenende)×3Jahre = (70%+Kind)×3 Jahre" geht so nicht auf. Da muss man zumindest an den benötigten Jahren schrauben.


Das Bildmaterial kann man auch nachts wenn das Kind schläft und am Wochenende analysieren (384 h Material hätte man auch in 4-6 Monaten nebenbei sichten können).

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag