Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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DieLetztenMeter
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Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von DieLetztenMeter » 23.10.2019, 16:16

Liebe Forumsmitglieder,

nach der Einreichung ist vor der Verteidigung.....
Mit Erschrecken wurde mir bewusst, dass meine Verteidigung sich nicht hauptsächlich um meine Diss dreht, sondern um "das Fach in seiner Breite". Also ein Rigorosum ist. In der Geisteswissenschaft, in der ich promoviere, besteht ein Drittel der Dispu aus Vortrag und eigentlicher Verteidigung der Diss. und dann muss man noch zwei Thesen bzw, Themen einreichen, die mit der Diss gar nix zu tun haben, sondern was ganz anderes machen (undzwar möglichst so weit weg von der Diss wie möglich). Himmel, hilf! Klar, irgendwie wusste ich das und dachte immer "Kommt Zeit, kommt Rat". Jetzt kam die Zeit, aber leider nicht der Rat. Ich fühle mich ziemlich überfordert und weiß nicht, zu welchen Bereichen meines Faches ich was sagen soll, wo ich doch etzt viele Jahre sehr spezialisiert geforscht habe. Und ich bin mir auch unsicher, welches Niveau diese Thesen haben sollen. Ich kann ja schwer nochmal zwei Thesen machen, die innovativ sind, als wollte ich noch 2 Doktorarbeiten verfassen. Schräg das alles! :?
Die Erstbetreuung meiner Arbeit hält sich bei Nachfrage sehr bedeckt, das müsse ich selber wissen, was ich da machen will und soll :roll: na klasse.

Nun meine Frage: War das bei jemandem von euch auch so, dass eher ein klassisches Rigorosum abgehalten wurde? Wie habt ihr das erlebt? Wie seid ihr vorgegangen bei den (diss-fremden) Thesen?

Paulchen
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Re: Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von Paulchen » 23.10.2019, 21:14

Moin,

also bei mir war das nicht anders. Ich fand das auch nicht schlimm, schließlich sollte man sich ja in seinem Fach auch jenseits des Dissertationthemas auskennen. Ich habe damals einfach zwei Thesen vorgelegt zu Themen, die zu meinen Forschungsschwerpunkten abseits der Diss passten.

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Re: Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von Zwonk » 23.10.2019, 21:31

@DieLetzenMeter: Ich hatte auch ein Rigorosum und fand es eher unproblematisch. Ich habe mir zwei Themen gegriffen, die mit meiner Diss gar nichts zu tun hatten, aber zu denen ich im Grundstudium irgendwann mal Seminare hatte. Dann habe ich zu beiden Themen jeweils eine These aufgestellt und in diese Richtung recherchiert.

Der Aufwand war aber natürlich mit der Recherche für die Diss überhaupt nicht zu vergleichen. Sieh es einfach locker, so schlimm ist das Rigorosum wirklich nicht!

daherrdoggda
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Re: Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von daherrdoggda » 25.10.2019, 02:48

Bei uns waren es 20 min Vortrag, 20 min Fragen zur Diss, 20 min allgemeine Fragen zur ganzen Breite des Fachs (NaWi). Da kamen einige Sachen dran, die mit dem Diss-Thema und dem engeren Fachgebiet gar nix zu tun hatten, und auch vieles aus dem Grundstudium, womit ich mich seitdem nicht mehr tiefer befasst hatte. Lief aber trotzdem sehr gut, weil es ihnen auf die Diskussion ankam und wie mit den Fragen umgegangen wird, und gar keine konkreten 1:1 Antworten verlangt waren, die man nur auswendig gelernt parat haben kann. Ich weiss nicht, wie weit man das auf die GeiWis uebertragen kann, aber vll kann man auch da davon ausgehen, dass die Art der Diskussion wichtiger ist als vorher in die Tiefe erarbeitete Details. Letztendlich soll man ja nur zeigen, dass man einerseits ein Thema selbststaendig und ausfuehrlich bearbeiten kann (Diss), und andererseits das ganze Fach in seiner Breite vertreten kann.
Frag doch mal Absolventen aus der selben Gruppe oder der selben Fakultaet, die vll sogar die selben Pruefer hatten, wie das bei denen so ablief.

teilchenphysik196
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Re: Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von teilchenphysik196 » 11.11.2019, 10:17

Mir wurde die Disputation als "freundliches Fachgespräch" angekündigt. Mehr Info gab es nicht und auch von anderen Doktoranden war nicht viel zu erfahren. Mir wurden 5 Minuten eingeräumt, meine Diss vorzustellen, dann ging es in die zweistündige Fragerunde. Da ich extern promoviert habe neben einem Vollzeitjob hatte ich ohnehin das Gefühl, mein Fach nicht derart vertreten zu können, wie es sich jemand von der Uni so vorstellt. Ich habe neben 40h in der Industrie einfach nicht die Zeit, in Bibliotheken zu meditieren und habe daher auch nicht den Belesenheitsgrad wie manch anderer. Gefragt wurde querbeet auch zu völlig fachfremden Inhalten. Da mein Thema ohnehin interdisziplinär war, konnte man es in so vielen Perspektiven sehen. Viele Fragen konnte ich einfach nicht beantworten, teilweise wurden mir Texte auf französisch vorgelesen, die ich kommentieren sollte - was schwierig ist, da ich nicht so gut französisch spreche. War mir aber auch egal. Letztlich hab ich dann eine 2 in der mündlichen Prüfung bekommen. Hauptsache rum! Und mach Dich nicht verrückt, vieles ist auch Tageslaune der Prüfer. Und sag Dir, Deine Leistung hast Du mit Abgabe der Diss erbracht. :D

DieLetztenMeter
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Re: Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von DieLetztenMeter » 12.11.2019, 14:15

Habt Dank für eure Rückmeldungen! Das ist hilfreich.
Ich hatte noch ein Gespräch mit der Prüfungskommission, in der sehr deutlich wurde, dass alle erwarten, dass da nochmal was Großes kommt. Und ich hab für mich bemerkt, dass ich das so nicht erfüllen kann. Also werde ich mich nun so gut es geht vorbereiten und dann auf Risiko spielen (und auf einen guten Tag beim Gremium hoffen).

Jetzt habe ich echt damit zu kämpfen, mich überhaupt aufzuraffen, richtig mit der Vorbereitung einzusteigen.... irgendwie gehen die Jahre intensiven Diss-Schreibens nicht spurlos an Nerven und Kraft vorbei, sodass es mir gerade schwer fällt, mich zu motivieren. Die Luft ist ja doch raus mit der Abgabe, merke ich. Mal sehen... Ich halte mich daran fest, dass ich nicht nur wegen der Verteidigung durchfallen werde, sondern dass das schon so irgendwie laufen wird.

teilchenphysik196
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Re: Wenn aus der Verteidigung ein Rigorosum wird... Dissfremde Inhalte in der mündlichen Prüfung

Beitrag von teilchenphysik196 » 13.11.2019, 09:49

Durchfallen kannst Du bei der Verteidigung keinesfalls! Und schau mal: ich hab echt nicht viel gewusst und trotzdem noch eine 2 bekommen. Kein Mensch fragt später nach diesen Noten. Wohl aber nach Gutachten. Sehen die denn gut aus bei Dir? Was man von Dir "Großes" erwarten will im Mündlichen, weiß ich nicht. Die Leistung ist mit Abgabe der Diss erbracht. Da steckt jahrelange Arbeit drin und mitunter auch die eine oder andere gemeisterte Krise. Ja, da ist dann nach Abgabe auch etwas die Luft raus - kenn ich! Und auf Aussagen vorab kann man auch nicht unbedingt was geben. Mir sagte man damals, ich soll noch 2 Bücher lesen, was ich getan habe. Nach denen wurde dann aber gar nicht gefragt. Mein Tipp wäre, sich noch mal ganz genau die Diss anzusehen, denn um die geht es ja in jedem Fall. Insgesamt hatte ich das blöde Gefühl, dass sich Mitglieder der Prüfungskommission als fürchterlich wichtige Professoren aufspielen wollten. Sollen sie. Abhaken, weiter geht's. Du hast es bald geschafft! Ich drücke die Daumen! Viel Erfolg!

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