Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten? - Die letzten Meter (oder Kilometer?)

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DieLetztenMeter
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Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten? - Die letzten Meter (oder Kilometer?)

Beitrag von DieLetztenMeter » 15.08.2019, 12:42

Liebes Forum,

das Forum hat mich (zeitweilig mal kurz aktiv, zumeist aber passiv) lesend durch viele Höhen und Tiefen meines Dissprojektes 'begleitet'. Nun stehe ich tatsächlich vor der unvermeidlichen Abgabedeadline. Zum nächsten Semesterbeginn muss das Baby auf der Welt - also im Prüfungsamt - sein... das ist also nur noch eine einstellige Wochenanzahl :cry: Irgendwie habe ich ja die ganze Zeit auf diesen Moment hingefiebert und gedacht "ach ja, das läuft dann alles von selbst".... und jetzt stehe ich wie Ochs vorm Berge. Deshalb wäre ich dankbar über ein paar Erfahrungsberichte...

Ich habe etwas über 400 Seiten einer geisteswissenschaftlichen, literaturbasierten Arbeit verfasst und immer wieder zwischendrin schon große Textteile revidiert und überarbeitet. Deshalb habe ich keine Rohtexte mehr, sondern bereits Überarbeitungsschleifen hinter mir und auch die Fußnoten schon leicht geglättet. Nun habe ich überlegt, die Arbeit insgesamt noch zwei Mal komplett durchzugehen, einmal auf Stil und Zusammenhänge (plus Anmerkungen des externen Korrekturlesers) und einmal formale Angleichungen, Gesamteindruck und so weiter.... und dann nochmal in zwei oder drei Mammut-Tagen alle Fußnoten in den Endstand versetzen. Irgendwie kommt mir das alles zugleich vor wie eine unlösbare Mammutaufgabe und wie "das ist ja viieelll zu wenig, du musst mehr tun". Meine Doktormutter signalisiert, dass sie inhaltlich alles gut und abgebereif findet und mahnt aber in jedem Gespräch, die Endreaktion nicht auf die leichte Schulter zu nehmen :-| I am confused! Also würde mich interessieren, wie das diejenigen handhaben die in einer ähnlichen Situation sind/bald kommen oder sie bereits erfolgreich hinter sich gebracht haben:
Was genau waren die Tätigkeiten euer Endredaktion?
Wie oft habt ihr alles nochmal gelesen?
Habt ihr tatsächlich jedes Zitat in der Orignialquelle nachgeschlagen und überprüft?
Was würdet ihr empfehlen, was anders machen?
Wieviel Zeit habt ihr gehabt/euch genommen für die Endphase (ich mache das ganze neben meiner Lehrstuhlarbeit und kann mir derzeit keinen längeren Urlaub nehmen :roll: )?

Ich freue mich sehr auf ein paar Einblicke in eure Erfahrungen :blume:

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irratio irrationalis
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Re: Die letzten Meter (oder Kilometer?), Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten?

Beitrag von irratio irrationalis » 16.08.2019, 12:47

Lieber Letzter Meter,

ich befinde mich in einer ähnlichen Situation (400 Seiten rechtswissenschaftliche Diss., vor Kurzem Disputation, mittlerweile Verlagsvertrag und Final-Finalredaktion) und kann Deine Verunsicherung daher im Grundsatz nachvollziehen.

Ich denke, der Aufwand, den Du in der Endredaktion betreiben musst, hängt sehr stark davon ab, wie viel Zeit Du zuvor in eine gründliche Arbeitsweise investiert hast. Das sage ich nicht aus Misstrauen, sondern weil ich bereits die unterschiedlichsten Arbeitsweisen bei anderen Doktoranden miterlebt habe. Daher lediglich meine eigene subjektive Erfahrung:

Selbst habe ich die Endredaktion vor der "Vorabgabe" beim DV nach eigener abschließender Grobkorrektur auf befreundete Korrektoren ausgelagert und mich anhand deren Überarbeitung noch einmal überarbeitet. Nach Rückmeldung durch den DV habe ich noch wenige Dinge nachbearbeitet und dann ohne nochmalige vollständige Korrektur am Fachbereich eingereicht. Nunmehr steht die finale Korrektur für die Veröffentlichung an und da wird man (insbesondere. in Bezug auf die Formatierung) nochmals auf ganz andere Dinge aufmerksam (als Beispiel: viewtopic.php?f=1&t=7587).

Wenn es Dir primär um sie Richtigkeit Deiner Quellenangaben prüfen, musst Du wohl selbst wissen, wie gründlich Du gearbeitet hast. Um Dein eigenes Gewissen zu beruhigen, könntest Du Dir auch den Teil Deiner Dissertation rausgreifen, bei dem Du die Wahrscheinlichkeit für fehlerhafte Quellenangaben am höchsten einschätzt und zunächst einmal den überprüfst. Einfach gestaltet sich das natürlich, wenn Du von den meisten Quellen digitale Versionen besitzt. Du wirst aber ohnehin nicht darum herumkommen, nochmals zu überprüfen, wenn die Veröffentlichung ansteht und Deine DM wird sicherlich auch nicht alle Verweise einzeln prüfen. Wenn Du dann für die Veröffentlichung noch einmal wenige konkrete Seitenangaben änderst, stellt das ja - auch im Hinblick auf Imprimatur - kein Problem dar.

Ich hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter, auch wenn es Dir sicher nicht die Beantwortung Deiner Frage für dich selbst abnimmt.

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Re: Die letzten Meter (oder Kilometer?), Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten?

Beitrag von caipirinha11085 » 16.08.2019, 14:20

Ja, die Endredaktion ist noch einmal anstrengend. Tatsächlich empfand ich auch schlicht die "Masse" an Text, die in Einklang gebracht werden möchte, als eine der Challanges einer Diss im Gegensatz zu einem langen Paper oä.
Den Plan, zwei Lesedurchgänge zu durchlaufen, finde ich grundsätzlich gut - ich würde mich allerdings nicht zu sehr darauf versteifen, bei einem Lesedurchgang nur X und beim zweiten Lesedurchgang nur Y zu prüfen. Zu groß ist mE die Gefahr der wachsenden "Textblindheit" und dass bei Lesedurchgang Nr. 2 Dinge übersehen werden. Für mich hat sich bewährt, sich bei jedem der Durchgänge gewissen Dingen, bei denen man Änderungsbedarf entdeckt, sofort anzunehmen (Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man Überschriften, Fußnoten usw schon einheitlich formatiert hat und es nun nur noch um Konsistenz, Tippfehler usw geht).
Auch finde ich hilfreich, zwischen den Lesedurchgängen ein bisschen zeitlichen Abstand zu haben (sofern möglich).

Ich habe mir so viel Zeit genommen, wie ich hatte. Das war bei mir weniger als bei Dir. ;) Bei mir galt einfach die Devise: "Augen zu und durch". Lass dich nicht verrückt machen mit Erfahrungsberichten Anderer was man tun muss oder gar nicht tun sollte. Du kennst Dein "Baby", wie du es nennt, am Besten. Wenn du schon von Anfang an ordentlich gearbeitet hast und kapitelweise schon nachbearbeitet hast, dann geht es nun ja "nur noch" um den Gesamtschliff. Das schaffst Du! /:dr)

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Re: Die letzten Meter (oder Kilometer?), Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten?

Beitrag von DieLetztenMeter » 18.08.2019, 13:36

Danke euch beiden! Ich pendel mich gerade so ein, dass ich im ersten Durchgang auch nochmal einen Großteil der Zitate prüfe (sicher ist sicher!) und schon die ersten formalen Angleichungen mit vornehme, um dann im zweiten Druchgang hoffentlich nochmal einmal flotter durchzukommen. insgesamt habe ich unterschätzt, wie lange das Einarbeiten der Korrekturen doch dauert. Puh!

Die Masse, das ist tatsächlich an dieser Stelle noch einmal eine ganz schöne Herausforderung. Irgendwie ist das fast so ein erschlagendes Gefühl wie am anfang, als noch keine Seite stand und die 400 Seiten unbezwingbar erschienen. Nur das jetzt die Zeit gegen mich rennt :wink:

drado
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Re: Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten? - Die letzten Meter (oder Kilometer?)

Beitrag von drado » 18.08.2019, 17:43

Hast du deine Arbeit schon von einem Dritten Korrektur lesen lassen, also jemand, der mit dem Thema eher wenig zu tun hat? Das hat mir geholfen, um die eigene Betriebsblindheit auszuschalten und nochmal explizit auf Tippfehler und sonstige Kleinigkeiten zu achten. Mein Doktorvater hatte mir sogar zu 5 Korrekturlesern geraten: 3, die Ahnung haben, 2, die keine Ahnung vom Thema haben.
Die Quellenangaben hast du wahrscheinlich während der Arbeit bereits geprüft - hier würde ich mich auf Stichproben beschränken.

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Re: Endredaktion - Umfang und Tätigkeiten? - Die letzten Meter (oder Kilometer?)

Beitrag von teilchenphysik196 » 26.08.2019, 14:23

Hier kurz meine Erfahrungen: Ich bin für die "letzten Meter" mit dem gestartet, was ich als Version vor dem Rigorosum abgegeben habe. Die Gutachter hatten eh noch viele Anmerkungen, die ich einarbeiten musste. Dann ging es auf die letzten Meter. Da ich eine geisteswissenschaftliche Arbeit über 500 Seiten mit über 1000 Fußnoten hatte, habe ich zuerst noch mal den Text korrektur gelesen. Danach - separat - die Bildunterschriften. Und danach die Fußnoten. Meine Erfahrung war, dass man alle drei Aspekte (also Haupttext, Fußnoten und Bildunterschriften), nicht pro Seite Korrektur lesen sollte - das Auge springt zu viel hin und her. Außerdem waren bei den Fußnoten sehr viel Formalia zu beachten (Leereichen, Kommasetzung, Bindestriche etc.) Pro Tag habe ich mir nur wenige Seiten vorgenommen. Ich habe gemerkt, dass ich nur bedingt Korrektur lesen kann und zwar bis an den Punkt, wo mein Gehirn den Korrekturlesemodus aus- und den Inhaltsprüfungsmodus einschaltet. Wo ich also nicht mehr Rechtschreibung achte, sondern im Inhalt unterwegs bin. Wenn ich den Übergang gemerkt habe, dann gab es eine Pause. Da kann dann schon mal die Lese-Leistung bei nur 100 Seiten pro Woche liegen. Also unbedingt genügend Zeit einplanen. Vor allem für so haklige Checks wie die Prüfung, ob sich Nennungen von Abbildungs-Nummern im Text auf die richten Bilder beziehen. Wo ich doppelt und dreifach geprüft habe, war die Schreibung von Eigennamen - nichts ist peinlicher als "Hellmut Kohl" zu schreiben … Zum Schluß habe ich den Satz des ganzen an eine Setzerin gegeben. Ich selber habe nicht so viel Ahnung von Word. Obwohl es ca. 1000 Euro gekostet hat, war ich froh, dass mir jemand diese Arbeit abgenommen hat.

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