schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

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schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von Jasmin » 18.03.2019, 17:44

Liebe Forenmitglieder,

Ich hätte man eine Frage. Ich bin seit 2 Jahren Doktorandin und nun im 3. Jahr und eigentlich letzten Jahr der Promotion, da ich über ein Stipendium finanziert bin. Das bisherige Betreuungsverhältnis am Institut war leider nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Mein Betreuer ist oft abwesend gewesen und fehlte die letzten 6 Monate gänzlich. Daher hatte eine wissenschaftliche Mitarbeiterin die Betreuung übernommen, damit die Promotion voranschreitet.

Ich wurde vor 3 Monaten zu einem Gespräch mit meinem Betreuer gebeten, in dem er mir mitteilte, dass er die Betreuung der Dissertation gern abbrechen würde und begründete dies mit meiner vermeintlichen Inkompetenz im Fach und dem nur langsamen Voranschreiten des Projektes. Es wurde als einzige Option das Verfassen eines 20-seitigen Berichts angeboten, im Rahmen einer Bewährungsprobe und auf die Promotionsordnung verwiesen, wo dies so vorgesehen sei. Mein Betreuer würde dann auf Grundlage des Berichts entscheiden, ob die Promotion fortgesetzt wird. Allerdings hat mein Betreuer mir zu verstehen gegeben, dass er dieser Variante kritisch gegenübersteht, weshalb eine negative Entscheidung des Berichts vorauszusehen ist. Viel besser wäre es aus seiner Sicht, als Co-Autorin die Ergebnisse zu veröffentlichen, jedoch unter seinem Namen.

Den Zwischenbericht habe ich nun eingereicht und nach bestem Wissen verfasst. Die Qualität des Berichts wurde mir auch von anderen Doktoranden bestätigt. Es sind nun bereits 3 Wochen vergangen und ich habe noch keinerlei Rückmeldung erhalten.
Allerdings wurde ich gebeten, eine neue Doktorandin einzuarbeiten, die an dem gleichen Datensatz arbeitet wie ich. Intern wurde ihr mein Zwischenbericht weitergeleitet, der alle meine bisherigen Auswertungen enthielt ohne meines Wissens. Nach Absprache mit ihr wurde klar, dass sie exakt die gleichen Forschungsfragen wie ich hat.

Hat jemand schon einmal so eine Betreuungssituation erlebt? So eine Betreuungssituation ist doch nicht normal oder? Kann man da irgendwas machen?

Viele Grüße!
Jasmin
Zuletzt geändert von Mobilist am 18.03.2019, 18:15, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff ergänzt

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Dell
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Re: schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von Dell » 19.03.2019, 15:16

Positiv ist schon mal, dass der Betreuer tatsächlich Interesse an dem Projekt hat und sowohl die Daten als auch die Fragen als wichtig und promotionswürdig empfindet.

Zur Betreuungssituation
Das ein Professor mehr abwesend als anwesend ist halte ich nicht für ungewöhnlich. Auch 6 Monate am Stück habe ich schon mehrfach gesehen (Sabatical, Krankheit). Dafür gibt es im besten Fall erfahrene Wissenschaftler in der Gruppe, die sich auch um das Tagesgeschäft (inklusive Doktoranden) kümmern.
Dies scheint ja auch bei dir der Fall zu sein.

Nach 2 Jahren als Doktorandin solltest du eigentlich selbstständig sein. Wenn man als kostenlose Kraft (Stipendium) gebeten wird zu gehen, ist das schon ungewöhnlich.
Das Vorgehen deines Profs finde ich ehrlich gesagt recht korrekt. Er machte dich auf den in der PromO vorgesehenen Bericht aufmerksam und unterbreitete mit der Publikation einen weiteren guten Vorschlag.

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Re: schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von Grounded » 19.03.2019, 19:20

Dell hat geschrieben:
19.03.2019, 15:16
Das Vorgehen deines Profs finde ich ehrlich gesagt recht korrekt. Er machte dich auf den in der PromO vorgesehenen Bericht aufmerksam und unterbreitete mit der Publikation einen weiteren guten Vorschlag.
Formal mag sein Vorgehen korrekt sein, aber menschlich und moralisch ist das wirklich unterste Schublade. Den Vorschlag, ihre Ergebnisse unter dem Namen des Betreuers zu veröffentlichen kann ich beim besten Willen nicht "gut" finden,

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Re: schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von dr_superman » 24.03.2019, 16:59

Ich bin da hin und her gerissen....
auf der einen Seite kenne ich wirklich viele Leute, die mit der Diss Lebenszeit verbraten... nicht selten über 6, oft auch 10 Jahre und am Schluss wird dann abgebrochen oder man hat sich lebensweltlich so an die Wand gefahren, dass einem der Abschluss dann auch nicht mehr für die ursprünglichen Pläne nutzt. Insofern finde ich einen DV, der die Betreuung mal ernst nimmt, erfrischend. Er hält sich an die PO-Ordnung, gibt der TE noch die Möglichkeit, eine ordentliche Abschlussrunde in der Wissenschaft (Co-Autor) zu drehen, womit er ihre Arbeit noch mal wertschätzt. Dass er dabei sein will, ist klar, da er ihr anscheinend gleichzeitig fachlich nicht zutraut, alleine etwas zu stemmen, die Daten an sich aber gut findet....
Auf der anderen Seite schließe ich mich dem Vorredner an, dass es menschlich natürlich daneben ist.
Ich fürchte aber, da ist nicht viel zu machen, er hat sich schon entschieden; der Verweis auf den 20Seiten-Text war wohl nur pro forma, er hat wohl nicht gedacht, dass die TE diese Möglichkeit nutzt - womit auch die lange Antwortdauer zu erklären ist...
tatsächlich hätte ich mich an Stelle der TE nicht mehr mit so einem Teil auseinander gesetzt, da offensichtlich ist, dass das Betreuungsverhältnis beendet ist.
Wobei ich mich schon frage, wie man ein Stipendium bekommen kann, wenn man fachlich "so schlecht" ist?

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Re: schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von flip » 08.04.2019, 15:03

Grounded hat geschrieben:
19.03.2019, 19:20

Formal mag sein Vorgehen korrekt sein, aber menschlich und moralisch ist das wirklich unterste Schublade. Den Vorschlag, ihre Ergebnisse unter dem Namen des Betreuers zu veröffentlichen kann ich beim besten Willen nicht "gut" finden,
Nanu, wo steht denn dass das der Fall ist?

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Re: schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von Nomen Nescio » 08.04.2019, 15:44

Jasmin hat geschrieben:
18.03.2019, 17:44
Viel besser wäre es aus seiner Sicht, als Co-Autorin die Ergebnisse zu veröffentlichen, jedoch unter seinem Namen.
Möglicherweise wurde dieser Satz so interpretiert.
Trollschutzerklärung: Ich halte mich aus threads mit erhöhtem Trollpotential heraus. Im Fehlerfall möge der Troll bitte "NEIN, ich bin nicht einverstanden." drücken.

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Re: schlechte Betreuung: Betreuer will beenden und präsentiert Nachfolgerin

Beitrag von pubad » 09.04.2019, 08:08

Rechtlich kann man da wenig machen. Du hast als Stipendiatin praktisch keine Rechte. Und in dieser Phase der Promotion auch kaum Möglichkeiten. Wenn du komplett gegenteiliger Ansicht bist, nutze deine erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse und geh sofort zu jemand anderes. Eine Publikation würde ich ggf. mitnehmen.
Sieh es mal so, auch für den Betreuer ist es eine unschöne Situation. Die Zeiten, in denen es nur unfähige Doktoranden und universal fähige Professoren gab, sind vorbei. Man könnte ja auch Zweifel an seiner Auswahlfähigkeit haben.
Eine nicht beendete Promotion ist auch für andere ein Signal, bspw. Mittelgeber.

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