Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

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littlescientist
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Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von littlescientist »

Liebes Forum,

habe eine Zusage für meine Traum-Promotion (Thema / Arbeitsgruppe / Stadt) bekommen!
Zu meiner Überraschung soll ich direkt mit einer 100%-Stelle einsteigen (ausgeschrieben war eine übliche Teilzeitstelle), was wohl vor allem daran liegt, dass ich dann viel Lehre übernehmen kann...
Ich freue mich zwar einerseits riesig über die Möglichkeit und auch den Vertrauensbeweis, habe aber auch Angst davor, dass es mir - insbesondere zu Beginn - zu viel wird und ich mit dem eigenen Dissertationsprojekt hinterher hänge.

Hat jemand hier Erfahrung mit vollen Stellen? Ist das irgendwie üblich? Man hört ja auch öfters mal vom "halben Gehalt bei doppelter Arbeit", also ist das vielleicht einfach nur eine faire Bezahlung für die ganze Arbeit die ich auch bei einem halben Vertrag machen würde?
Ich oute mich hier direkt mal als ein wenig ahnungslos, aber das wird sich hoffentlich noch ändern!
Zuletzt geändert von Sebastian am 25.01.2019, 08:38, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff für die Forensuche ergänzt.

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spirograph
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Re: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von spirograph »

Hi,

Glückwunsch zur Stelle. Nun, um wie viel SWS handelt es sich bei Dir dann? Volle wiMa-Stelle sind 8 SWS. Neuerdings machen die Dekanate das oft so, dass sie die wiMas/befristet 8 SWS machen lassen, manchma noch mehr. 8 SWS haben sonst nur die unbefristeten WiMa mit vollen Lehrdeputat. Steht: Landeslehrveranstaltungsverordnung deines Bundeslandes.

So vom Start her is das happig. Keine Frage. Bevor ich hier die volle Stelle bekam, hab ich in Projekten gearbeitet, war auch ma Stipendiatin...waren schon Jahre Vorlauf, wo ich was an meiner Diss machn konnte. Wenn ich mir überlege, dass ich voll mit Lehre und ner Stelle eingestiegen wäre und "nebenbei" Diss....die ersten anderthalb-zwei Jahre hätte ich nix für meine Diss machen können. Ich hatte Glück: mein Dissthema und die Seminare sind ein Thema....das geht Hand in Hand. Aber Seminare, mit Themen, die man vollständig erarbeiten muss, gff unterschiedliche Seminare noch...aldor....das wirdn sportliches Manöver. Sieh zu, dass Du keine Ahnung viermal das gleiche Seminar bekommst...das geht....aber nich unterschiedlich noch.

Du musst wissen, die Mails der Studies werden dich stets erreichen. Planungen müssen geschrieben und eingereicht, Räume verwaltet werden, ...an Seminaren klebt viel Zirkus...ist nicht nur dort aufschlagen...die Hausarbeiten oder mündl Prüfungen sind damit ja auch verbunden.

Kannst Du nicht Teilzeit arbeiten und wirklich nur 20h. Wie lange sollst Du angestellt werden?

Von was Du ausgehen kannst: zur Diss kommst Du erstma nur in der vorlesungsfreien Zeit....später vllt. in der Schreibphase geht das auch im Kernsemester.

Schwierige Entscheidung....

Sag mal welche Fachrichtung, dann kann ich ggf didaktische Tipps geben.

Viel Erfolg

spiro
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Re: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von Nomen Nescio »

Vieles an Antworten auf deine Frage(n) hängt vom Fachbereich, der Art der Stelle (Haushaltsmittel- oder Drittmittelfinanziert) und nat. vom Chef ab. Auch der Begriff Seminar verändert seinen Inhalt abhängig vom FB.
@Spiro's Ausführungen beziehen sich auf das ihr bekannte Biotop. (Pädagogik IIRC)
Bei uns (Inf) sind 100% Stellen üblich, soll heissen, wer eine möchte, kriegt eine. ;) Nicht alle möchten dies in Anspruch nehmen, "Pflichtminimum" ist aus Versicherungsgründen eine 1/4-Stelle.
Lehrverpflichtung liegt je nach % der Stelle zwischen 3 und 6 SWS, was sich in der Praxis zumeist auf Seminar- und/oder Übungsgruppenleitung ausgeht. Gerade Letzteres sollte Doktorand*innen kein Unmaß an Vor- bzw Nachbereitung abverlangen. ;)

Meine Empfehlung ist, dass du einfach am LS vorbeischaust und dir von derzeit aktiven Doktorand*innen erzählen lässt, was dich erwarten kann.
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von littlescientist »

Guten Morgen,

vielen Dank erstmal für eure Antworten!
In meinem Bereich sind normalerweise 2 SWS bei 50-65%-Stellen üblich, bei meiner 100%-Stelle sind es dann 4 (habe noch ein Gespräch mit dem Prof, bei dem ich näheres von ihm erfahre). Wie genau sich der Arbeitsaufwand für diese Veranstaltungen zusammensetzt, werde ich dann auch noch ausfindig machen - ich gehe momentan davon aus, dass eine der Veranstaltungen bereits weitgehend konzipiert wurde und ich die andere selbstständig "von Null" erarbeite.


Ich denke, dass es Synergieeffekte zwischen der Arbeit und der Diss geben wird, weil die Diss thematisch sehr eng in die Tätigkeit der Arbeitsgruppe eingebunden ist. Aber dennoch klingt es natürlich erstmal nach sehr viel, wenn man bedenkt, dass auch Doktoranden mit Teilzeitstellen (zumindest in meinem Bereich) in der Regel vollzeit damit beschäftigt sind, alles unter einen Hut zu bekommen.


Viele Grüße!
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von spirograph »

...bei 4 SWS (in Worten: vier): Nimm die Stelle. Zwei Seminarchen, also, ich bidde Dich, da kannmer nebenbei noch de Weltrevolution starten...ich habe fünf Seminare und massig Abschlussarbeiten...spiele jeden Tag mit dem Gedanken meinen Vertrag aufzulösen und als Selbstfinanzierer meine Diss pointiert und sinnig - nicht saltatorisch und fragmentiert durch den ganzen Uni-Bums - zu Ende zu bringen. Bei Dir wären das ja paradiesiesche Zustände! Ran an den Speck. Dir viel Erfolg! Gibt auch tolle Bücher über Hochschuldidaktik:

https://www.amazon.de/Kompetenzorientie ... uldidaktik

https://www.amazon.de/Hochschuldidaktik ... uldidaktik

:KT: spiro ("Augenringe sind meine Lidschatten")
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von littlescientist »

Danke für den Zuspruch, genau darauf habe ich gewartet :blume:
kal-el
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von kal-el »

Bei uns bedeutet eine volle Stelle 10 SWS; dazu kommt noch Verwaltung, dann Korrektur der Staatsexamen etc..
Die meisten kommen in den ersten 2 Jahren nicht zur Dissertation, obwohl Zeit im Vertrag verankert. Aber der sonstige Kram frisst einen auf...
ich habe übrigens NIE erlebt, dass ich aus der studentischen Arbeit was für die Diss hätte ziehen können, dafür war der Abstand (leider) zu groß. Ab und zu habe ich was in den Unterricht mit einfließen lassen, aber auch von der Seite her war das etwas überfordernd, wenn man nicht aufgepasst hat....
Bei 4 SWS geht es Dir gut.
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von spirograph »

...na, was aus der Seminararbeit für die Diss ziehen im Sinne von: Wenn Du bspw. ne Diss über "Leistungsdiagnostik bei Schüler*innen" schreibst, kann es manchmal so synergistisch sein, dass Du genau solche Seminare halten darfst. So hat man quasi täglich mit seiner Diss im weitesten Sinne zu tun. Sicher geht man in den Seminaren dann nich so deep, aber die Thematik bleibt safe. :-)
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von spirograph »

Ich mache noch ein kurzes additum für Dich, littlescientist und für alle, wo interessiert.

Das Ding bei Seminaren ist ja, dass diese kinne Vor-les-ungen sind. Heißt: ich spreche nicht minutiös, 90min lang. Sondern: nur sporadisch, meistens am Anfang und Ende mehr, also Einführung/Einstimmung/Kontextualisierung und Ergebnissicherung/Abrundung/Ausblick/Brückenschlag zur nächsten Sitzung. Dazwischen: in ca. 60 min, bearbeite ich mit meinen Studierenden häufig Texte und/oder Texte in Form von Partner-oder Gruppenarbeit. Dazu scanne ich mir vorher einen großen, oder zwei kleinere Textausschnitte/Artikel, lade die auf so ne Plattform hoch und instruiere alle Studis ihre Laptops mitzubringen, so dass diese im Seminar sitzend ihre Arbeitsstationen haben und Zugriff auf die Texte ausüben können. Manchmal gruppieren sich meine Studis dann via Stühl/Tisch zu Gruppen/Tandems. Und steigen in die Rezeption/ das Lesen ein, nimmt bestimmt ca. 20 min vonner Uhr, dann Austausch in den Tandems/Gruppen/10-15 min, irgendeine Form von Präsentation in den Gruppen machen/10min plus: Ergebnissicherung dann durch die Studis und mich im Gespräch: 20min mit Diskussion. Rest dann: Zusammenfassung und Ausblick plus Orga.

Ganz ökonomisch langt es manchmal zu meinem Grundwissen/Reportoire mir den Schlüssetext des Seminars draufzuziehen ("Sicheres Auftreten bei absoluter....losigkeit!"). So kann ich den Einführungsblock recht pointiert auf den Text abstimmen. Dann großer dezentraler Bearbeitungsblock. Dann zuletzt wieder zentrale Konvergenz durch mich (Ausblick/ Ankündigung next Stunde/ Brückenschlag).

Manchmal ohne große Powerpoint-Show (is ja kinne Vorlesung! Die Studis sollen tun, nicht ich soll ausm EffEff memorieren üben, sondern die Studis sollen aktiv was lernen/bearbeiten). Nur den Text, ggf. paar Einstimmungsdinger oder ne Folie, wo ich zuletzt was gebündelt draufschreibe.

Differenzierung/ Alteration:

(1) Ich scanne vier unterschiedliche Textchen, teile meine Studies in 4 Gruppen ein oder lasse einteilen, dann werden differenzierte thematische Aspekte in den Gruppen bearbeitet, zuletzt multifacettierte Ergbnisspiegelung durch Vorstellung und Verlinkung der Subaspekte.

(2) Oder gleiches Verfahren wie bei (1), aber: in den Gruppen sollen sie Stationen vorbereiten, die in der nächsten Stunde dem Plenum für einen Lernzirkel zur Verfügung gestellt werden. Also: Gruppenarbeit plus "offene" Lernform in einer vertiefenden, zusammenhängenden Unterrichtssequenz, die Rezeption und Produktion der Thematik durch die Studis umfasst.

(3) Für Vertiefung lade ich link-Sammlungen, Textstellen oder weitere Scans auf die Plattform hoch. Für Interessierte.

(4) Manchmal vergebe ich Impulsreferate oder schreibe Pläne mit Aufgaben, mit denen meine Studis die Scans bearbeiten und/oder mit Freiarbeit in der Bibliothek (ist im Haus!) lösen und dann im Plenum berichten. Eher selten aber.

Will sagen: das kann man relativ fix vorbereiten durch: Scans und Hochladen. Das macht man einmal, dann hat man das. Oder lässt das die stud. Hilfskräfte tun, wählt vorher Texte aus. Das ganze Flankieren durch Einführung und Ergebnissicherung macht man ja vor-Ort. Dazu brooche ich nu kinn Sprachprotokoll. Das wäre so mein Schema F, was einigermaßen probat daher kommt und was man alterieren und anpassen kann. Was für alle nett is und für mich ökonomisch.

Manche werdens nicht so dope finden. Aber das sind auf jeden Fall bessere Formate als die, die ich anner Uni erlebt habe (ich verarzte meine Studis schon!). Plus: für mich ist es das Optimum an ökonom. Vorbereitung und bisschen Auflockerung für die Lernenden. Hauptsäule sind für mich halt Scans von ausgewählten Texten/Artikeln/Ausschnitten und das Greifbarmachen von denen für das Plenum. Da drumherum düdel ich den ganzen Rest. Wenn man da n bissl selbstsicher und blickig ist, kann man ein Seminar in 10-15 min vorbereiten. Hat man das schonmal gemacht, langt hingehen (gerade wenn gewisses Grundwissen hat; Diss zu ähnlichen Sachen macht). Mit Scans und sich mal auf´m Weg zum Seminar ne kurze Raste machen.

Viel Spassss!

spiro
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littlescientist
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Re: Promotionsstelle als WiMA: Volle Stelle direkt zu Beginn?

Beitrag von littlescientist »

Klasse, vielen Dank für die zahlreichen Antworten, habt mir sehr geholfen! :KT:
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