Schwierigkeiten mit dem Doktorvater

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Bienchen10
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Schwierigkeiten mit dem Doktorvater

Beitrag von Bienchen10 » 12.12.2018, 18:32

Huhu,

ich bin neu hier und freue mich auf einen Austausch.

Zu meiner Situation: ich promoviere extern (Uni hunderte Kilometer weg) - was an und sich schon sehr schwer ist - und musste letztes Jahr einen Doktorvaterwechsel vollziehen. Mein ursprünglicher Doktorvater durfte mich aus universitätsinternen Gründen nicht weiter betreuen (wenige Wochen vor Abgabe) und es stand im Raum, jemanden ganz anderen von einer anderen Uni zu suchen oder jemanden von derselben Uni zu fragen. Ersteres habe ich abgelehnt, da es eh schon schwierig war, jemanden zu finden. Mein neuer Doktorvater ist also letztlich ein Kollege von meinem alten Doktorvater, den ich nie gesehen habe und nur per E-mail korrespondiere. Auch der Dozent, der das Zweitgutachten erstellt, ist vom Institut. Wie ihr euch vorstellen könnt, plagen mich seit dem Wechsel ein wenig Zweifel, ob ich nicht zwischen die Fronten gerate, da ich die ehemalige Doktorandin von einem alten Kollegen bin.

Nun war meine Diss eigentlich fertig - nun, bis zu dem Zeitpunkt, ab dem ich den Wechsel vollziehen musste :oops: . Der neue Doktorvater hat sich stets sehr viel Zeit gelassen bei der Begutachtung, schrieb zwischendurch, es gäbe nur wenige Anmerkungen - die sich dann per E-mail als 1 A4-Seite Verbesserungsvorschläge belief und so ging das dreimal. Und auch hier dauerte das Feedback ewig. Das Ganze hat sich nun über ein Jahr hingezogen und in den kommenden Wochen soll ich die Gutachten erhalten - und habe ehrlich gesagt Panik! Auch meldet sich mein Doktorvater entweder gar nicht auf meine Mails oder es dauert tagelang. In meiner Diss sind auch so manche kleine Fehler (rein formal und nichts Argumentatives), die ich beim Durcharbeiten noch gesehen habe und nun bin ich unsicher, ob diese Fehler angerechnet werden, nur weil ich eben vielleicht doch zum Spielball geworden bin. Um mich in Erinnerung zu rufen, habe ich mich gestern auch einmal wieder gemeldet - ohne Reaktion.

Wie schätzt ihr das Ganze ein? Ist es wirklich so, dass Dozenten sich einfach tagelang auf Mails nicht melden, weil eben viel zu tun ist oder ist das eher ein Verhalten, das eher unüblich ist?

Ich danke euch bereits jetzt für Erfahrungen bzw. Meinungen, da ich nicht mehr weiß, wie ich das einordnen soll. Mir graut vor diesem Hintergrund vor den beiden Gutachten und der Disputation. :(

Cybarb
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Re: Schwierigkeiten mit dem Doktorvater

Beitrag von Cybarb » 12.12.2018, 21:43

Hallo,

die Situation mit dem Wechsel so kurz vor Abgabe ist natürlich sehr ärgerlich, jetzt aber nicht mehr zu ändern.

Dass Dozenten - auch Doktorväter - tagelang nicht auf Mails reagieren ist erfahrungsgemäß normal und meines Erachtens kein Grund, sich zu ärgern oder verunsichern zu lassen. Selbst wochenlanges Schweigen kommt durchaus vor und wurde hier im Forum bestimmt auch schon berichtet.

Ich verstehe auch nicht, wo dein Problem mit der Betreuung als solcher ist. Innerhalb eines Jahres dreimal je eine Seite Verbesserungsvorschläge zu erhalten, ist ein Zeichen für Engagement - gerade vor dem Hintergrund, dass er dich übernommen hat, als die Arbeit kurz vor der Abgabe stand. Mir scheint es so, als wolle er die Arbeit nicht einfach durchwinken, sondern als wolle er positiven Einfluss darauf nehmen. Wie intensiv würdest du dir die Betreuung denn wünschen?

Ich verstehe auch nicht, wieso du dich nicht zumindest einmal persönlich vorgestellt hast. Innerhalb eines Jahres sollte das doch machbar gewesen sein. So bist du nun mal ein ziemlich unbekanntes Gesicht ohne gemeinsame Vergangenheit, für das sich dein Doktorvater dennoch ins Zeug legt.

Kurz: Ich kann hier keinerlei fragwürdiges Verhalten seitens des Doktorvaters erkennen, sondern eher unrealistische Ansprüche deinerseits an die Betreuung. Auch sehe ich keinen Anhaltspunkt dafür, dass du zwischen irgendwelche Fronten geraten wärst.

Gruß
Cyb
Zuletzt geändert von Cybarb am 13.12.2018, 08:18, insgesamt 2-mal geändert.

mantor
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Re: Schwierigkeiten mit dem Doktorvater

Beitrag von mantor » 12.12.2018, 23:04

Ich finde auch, dass sich das alles gar nicht so schlecht anhört.

Und was die aktuelle Situation angeht: Ich habe mich nach Abgabe der Diss. nicht bei meinem Betreuer gemeldet und auch nicht erwartet, dass er sich bei mir meldet. Was soll er schreiben? "Bin auf Seite 20 – alles gut bis hierhin"? "Jetzt auf Seite 100, herzlich gelacht!"?

Heute sitze ich auf der anderen Seite und fände es auch unangemessen, wenn sich ein Doktorand immer wieder nach Abgabe meldet und auf Stand gebracht werden will. Klar kann man zwischendurch mal nen Wink geben und sagen, dass alles in Ordnung ist. Aber eine Bringschuld hat er nicht. Und vielleicht sitzt er gerade auch einfach nur am Gutachten.

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Re: Schwierigkeiten mit dem Doktorvater

Beitrag von caipirinha11085 » 13.12.2018, 11:05

Nach meiner Erfahrung: Wenn ein Prof einen Doktoranden/WiMA oä eines Kollegen an derselben Uni übernimmt, ist das meist ein Gefallen für den anderen Prof und nicht, um diesem eines auszuwischen. Kann im Einzelfall anders sein, aber so aus deiner Erzählung klingt das alles eigentlich ganz in Ordnung. So sehe ich die Verbesserungsvorschläge auch eher als Engagement als als Drangsalierung. Dass das alles so sehr in die Länge gezogen hat ist natürlich etwas ärgerlich, scheint mir aber noch im Rahmen zu sein und am Ende des Tages profitiert deine Arbeit (und damit du) davon - und das deutlich mehr als dein neuer DV.
Wie lange sitzt er denn nun schon am Gutachten? Hält der die Fristen eurer Promotionsordnung noch ein?

Dass die formalen Fehler in dem Gutachten auftauchen, kann schon passieren - man hat aber auch keinen Anspruch darauf, seine Diss so lange einzureichen und mit Verbesserungsvorschlägen zurückzubekommen, bis sie perfekt ist und im Gutachten steht dann nur ein "summa" ohne jegliche Kritik. Ich weiß, dass manche Profs das so machen. Mein Prof macht das zB nicht und so wird eben der erste eingereichte Entwurf begutachtet und nicht der, der zum vierten Mal korrigiert wurde.

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Re: Schwierigkeiten mit dem Doktorvater

Beitrag von kal-el » 15.12.2018, 15:56

Bin da bei @mantor

ich habe abgegeben und abgewartet;
irgendwann kam eine Rundmail an die Kollegen, dass meine Diss zur Begutachtung ausliegt. Daraufhin habe ich mir von den Betreuern die Gutachten geholt für die Disputation.
Lass´ ihn einfach arbeiten. Und so als Dozent kann ich Dir sagen: ja, wenn mich eine mail nur peripher tangiert, antworte ich nicht. Das ist zumindest bei uns an der Uni ein Zeichen für alle, dass man nicht weiter helfen will.
Mein Doktorvater hat meine Diss übrigens weder im Vorfeld begleitet noch kommentiert noch sonst was. Wir haben im März über die Forschungsfrage gesprochen und das war es dann, bis wir im November dann den Termin für Abgabe Januar und Disputation im Mai ausgemacht haben, eben die Zeitpläne der Prüfer berücksichtigend. Inhaltlich war nichts.
Freu´ Dich und mach´ die Hand zu.

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