Ewiges Hin und Her, Promovieren ja oder nein

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Blackbeart13
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Ewiges Hin und Her, Promovieren ja oder nein

Beitrag von Blackbeart13 » 05.12.2018, 22:16

Guten Abend liebe Community,
nach langem stillschweigenden Lesen in diesem Forum, habe ich mich angemeldet um ein Problem zu erötern, welches mir in letzter Zeit im Kopf geistert.
Unzwar geht es darum, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Wirtschaft oder einen abstecher in die Wissenschaft wagen und zu promovieren.
Aber bevor Ihr mir Rat geben könnt sollte ich kurz über mich erzählen.

Ich (M24) studiere im 2 Mastersemester Bauingenieurwesen an der Uni und werde hoffentlich Ende nächsten Jahres fertig.
Meinen Bachelor habe ich zuvor an einer FH gemacht. Neben Regelstudienzeit konnte ich noch eine ansehnliche Abschlussnote erziehlen. Seit letztem SoSe bin ich nun an der Uni.
Hauptbeweggründe an der Uni zu welchen, waren für mich das Gefühl, das manche Studieninhalte unzureichend beleuchtet worden sind. Ich wollte einfach die theoretischen Hintergründe wissen und weiter vertiefen, als dies an einer praxisorientierten FH möglich wäre.
Das erste Semester war, wie erwartet, eine Umstellung. Uni ist schon was anderes als eine FH :D
Seit mitte des ersten Semester bin ich als Hiwi an einem Institut angestellt (an der FH war ich Tutor).
Ich hoffe mal die Infos reichen um meine für und wieder meiner Gedankengänge für das pro/contro des promovieren nachzuvollziehen.

Pro

1.) Interesse am Fach
Ich muss wirklich sagen, dass das Bauingenieurwesen, vor allem das statisch-konstruktive wirklich Interessiert. In Vorlesungen habe ich mich öfters dabei erwischt wie ich bei manchen Sachverhalten dachte: Das ist ja richtig cool. Was für eine Theorie...
2.) Angst vor dem Verpassen
Was ich damit meine ist, dass ich mich nicht in 20 Jahren im Spiegel anschauen muss und sage: Hätte ich mal
3.) Titelgeilheit
Wie soll ich sagen, der Dr-Ing. vor dem Namen macht schon was her.
4.) sicheres Umfeld
Sowohl meine Eltern als auch meine Freundin haben sehr wohlwollend reagiert, als ich mal erwähnte, das ich auch promovieren könnte. Unterstützung im familiären Bereich ist gegeben.
5.) Gutes Gehalt
E13 volle Stelle, mehr gibts als Berufsanfänger auch nicht.
6.) Spaß an Lehre
Die Tutorien an der FH haben mir immer sehr viel Spaß gemacht.
7.) erst 25 Jahre alt
Ich denke das ich jung genug bin um 3-4 Jahre außerhalb der Praxis sein zu können.

Contra
1.) nach weitere n-Jahre
durch das stressige Semester hab ich ab und an das Gefühl: Wirklich noch so lange machen?
2.)Überforderung/Frustrierend
Als Forschungshiwi fühle ich mich manschmal Überfordert. Sachen wie programieren klappen überhaupt nicht. Sachverhalte die anderen Glas Klar sind, habe ich keinen Dunst davon. Dementsprechend ist die Arbeit manchmal sehr frustrierend.
3.) schlechte Betreuung
Im Gespräch mit einem Doktoranden wurde mir gesteckt, das praktisch keine Betreuung durch den Professor stattfinden würde.
4.) großer Rattenschwanz
Sollte ich prmovieren würde meine Freundin zu mir ziehen und hier arbeiten. Ich würde sie ungern hier her holen um dann zu merken, dass das promovieren nichts für mich ist.

Im Wesentlichen treiben mich diese Fragem um. Ich weiß das mir niemand die Entscheidung abnehmen kann wo es später hin gehen soll. Ich würde gerne wissen was ihr davon haltet, ob euch auch die Gedanken durch den Kopf gegangen sind und wie Ihr euch letztendlich entschieden habt.
Danke für eure Aufmerksamkeit! :wink:

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Marlies
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Re: ewiges hin und her, promovieren ja oder nein

Beitrag von Marlies » 06.12.2018, 13:13

Hallo Blackbeart13,

also erst mal Glückwunsch zu deiner Ausgangslage, die liest sich für mich nämlich gar nicht übel :D

Zuerst mal zu deinen Pro-Punkten:
1) finde ich am wichtigsten - echtes Interesse am Fach, sonst schaffst es entweder nicht die Promotionszeit durchzuhalten - oder es wird zu einer sch... Zeit ;)
2) Kannst du dich auch anders rum fragen (Was hätte ich alles tun können in der Zeit, in der ich promoviert habe...)
3) Ja, gut, aber das alleine ist keine ausreichende Motivation - ist ja auch nicht deine einzige
4) Prima! Solange du nicht nur promovierst, weil du insgeheim glaubst, dass es in deinem Umfeld erwünscht ist :)
5) Kenne ich mich in deinem Feld nicht aus - aber du würdest nicht mehr verdienen? Wie sieht es mit dem Einstieg nach der Promotion aus? Verdienst du da mehr wegen deinem Doktor? Oder ev. sogar weniger, weil Berufserfahrung an der Uni nicht zählt? Wie viele Jahre wirst du ca. promovieren? Dann kannst du es dir einfach mal gegenrechnen, wäre auch nicht mein Hauptargument, aber die Fakten zu kennen, schadet nie...
6) Das ist super! Denn damit wirst du viel Zeit verbringen!
7) Super, ist doch ein prima Alter, biste fertig, bevor du 30 bist :dr)

Zu den Contra-Punkten
1) Sprich doch mal mit Leuten, die bei euch am Institut promovieren - wie empfinden die die Promotionszeit im Vergleich zum Studium? Es wird sich ja einiges ändern, du wirst neben der Promotion lehren ect., dafür hast du (nehme ich an) keine regelmäßigen Lehrveranstaltungen ect. mehr, die du besuchen musst - vielleicht kommst du mit dem Stress im Promotionsalltag besser zurecht, ev. auch nicht
2) Sie haben dich ja schon mal eingestellt, also kannst du dich so schlecht nicht anstellen! Vielleicht gibt's auch Dinge, die dir glasklar sind und den anderen nicht? Was dir vielleicht gar nicht auffällt (denn ist ja glasklar...)? Wie gut kannst du dich denn einarbeiten? Wissensrückstand ist eine Sache, die Fähigkeit, den aufzuholen (nicht von heute auf morgen), die andere
3) Puh, das klingt schon mal nicht gut. Einen anderen Prof suchen geht nicht? Betreut er auch noch Massen?
4) Das musst du doch nicht sofort entscheiden. Fang mit der Promotion an und wenn es gut läuft, kommt die Freundin nach. Kann man doch auch noch nach einem Semester entscheiden. Jetzt scheint sie ja auch noch nicht bei dir zu wohnen.

Hoffe ich konnte dir helfen, das Gedankenkarussell etwas langsamer zu drehen :D

Liebe Grüße
Marlies

spirograph
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Re: ewiges hin und her, promovieren ja oder nein

Beitrag von spirograph » 06.12.2018, 16:15

Hi,

schon tricky. Für die Zeit des Promovierens sind m.E. drei Sachen sehr günstig: guter Betreuer/in (geht in Resonanz, interessiert sich, kann das und kennt das Feld, bemüht sich um Dich, gibt Perspektive, steht mit Rat & Tat zur Seite), gute wirtschaftliche Perspektive (volleoder zumindest halbe Stelle; zur Not Stipendium, aber zahl zahlt man kinne SV-Beiträge und steht wenns iwie nich weiter gehen soll, in AlgII, es sei dann, man hat iwie Vermögen aufn Namen stehn, kann ja sein) für die gesamte Zeit der Promotion (ca. 3- eher 4/5 Jahre) plus Eigenanteil (Interesse, Disziplin, Biss, Bock, Lust, Enthusiasmus, Intellektualität oder ne gewisses Interesse an Vergeistigung, sowas, Liebe zu einem Thema entwickeln und stabil halten können). Mit der Trias sieht es gut aus. Ob die Familie immer Promovieren approved, is unerheblich. Meine Mutter kann damit och nix anfangen, sie sieht nur das jeden Monat 25neddo offn Konto sind, dafür dass die Tochter auf "die Unität arwwweitet", was auch immer das im Detail bedeutet. Prüfe Dich: Hast Du die Trias am Start? Kannst Du Schritte unternehmen, um jene an den Start zu bringen? Wenn Dir ne volle Stelle angeboten wird, machs. Kündigen kannst Du immernoch. Aber: Es ist kein wirtschaftlicher Verlust über die entstanden. Das macht dann nix. Haste eben Lehrerfahrung gesammelt, auch gut. Im Lebenslauf kann man das kaschieren....das wird nich so heiß gegessen, wies gekocht wird.

Du bist bald Bauingenieur. Da hast Du doch - so nehme ich an - eine stabile Alternative. Du findest n Job außerhalb von Uni. Aaaalso: kann Uni Icing on da cake für Dich sein. Why not. Trau Dich! Aber: eine gewisse Inflammbarkeit und eine gewisse Neigung bzw. Impetus an geistiger Beschäftigung und Hin- und Herbewegung sollte man von Beginn an dabei haben, darauf kann man aufbauen, damit kann man was anstellen. Wenn man abkotzt, weil man ne Hausarbeit von 15 Seiten schreiben soll, für den könnte Promovieren und alles was man zuvorderst tun muss, um was zu haben worüber man dann, viel später, schreiben kann, ggf. eher tendenziell ersteinmal nix sein. Is auch ok. Dann eben Arbeiten in der ursprünglichen Berufswahl. No hate.

Dir alles Gute!

spiro

Blackbeart13
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Re: ewiges hin und her, promovieren ja oder nein

Beitrag von Blackbeart13 » 06.12.2018, 23:09

Vielen Dank für euren Antworten!


@Marlies
wirklich mehr verdienen würde ich vermutlich nicht, aber interessanter Projekte bearbeiten (große Brücken etc.).

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