Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Wald
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Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von Wald » 05.12.2018, 16:36

Hallo liebe Leute,


in vielen einsamen Stunden habe ich Eure Beiträge hier im Forum gelesen. Jetzt bin ich dran ;)

Der Smiley ist eher verzweifelt, denn: ich hasse das, was ich gerade tue bzw. arbeite.
Ich bin mitten in meiner Dissertation, im soziologischen Feld. Als ich damit angefangen habe, vor geraumer Zeit, war ich total happy und glücklich, ass ich eine DoktorandInnen-Stelle erhalten habe. Ich dachte damals, dass DoktorandInnen interessiert sind an theoretischen Diskussionen, intelligenten Gesprächen, und natürlich auch einfach Spaß haben - so wie nun wirklich jeder gerne Spaß hat. Was ich dann in den ersten 1,5 Jahren meiner Dissertationszeit gelernt habe ist, dass das Unisystem im sozialwissenschaftlichen Bereich weniger mit "Wissenschaft" denn mit Korruption, Lüge, Intransparenz, unethischen Bedenken, sexueller Nötigung, Machtmissbrauch, und Betrug zu tun hat. Das habe ich genauso im europäischen Raum beobachten können, da ich auf diesen "hochinteressanten" und "aktuellen" Konferenzen unterwegs war, bzw. "wissenschaftlich anschaffen" war. Zum Kotzen. Ich bin ja nicht die einzige, die das sieht, aber man kann damit einfach mit so gut wie niemanden reden. Alle sind abhängig von diesen miesen ProfessorInnen.
Mir ist diese ganze Gesellschaft so zuwider geworden. Ich hasse es, zu lügen. Ja, okey, ne Notlüge hier und da, klar! Aber dieser Sumpf aus Vetternwirtschaft (Pseudo-Nichthausberufung), Plagieren, Betrügen, etc. hat mich peu a peu komplett demoralisiert.

Die Soziologie ist interssant, aber leider sind ide SoziologInnen hohl in der Birne, und genauso arschtrocken, wie den Scheiß den sie einen verklickern. Leute, es gibt natürlich immer ein paar Ausnahmen an SozialwissenschaftlerInnen, aber es sind sooooo wenige. Und unter dem ganzen Sumpf an Artikeln, wo kann ich darauf vertrauen, dass die Forschung zum Beispiel gut durchgeführt wurde, oder wo mal wieder betrogen wurde.

Ach, ich bin gerade so frustriert. Das bin ich schon seit vielen Monaten - durchgängig. Ich glaube auch nicht mehr daran, dass meine Arbeit wirklich Sinn macht. Nach außen hin sagen alle immer, wie interessant und aktuell mein Thema ist. Aber das ist immer Gelaber. Ich selber denke auch, dass die Arbeitszeit für diesen Mist viel zu hoch gesetzt ist, um ein bisschen Sozialforschung zu machen.

Ich glaube, das ist alles etwas durcheneinander geschrieben. Warum schreibe ich hier? Weil ich mit niemandem, der im selben Boot wie ich sitzt, wirklich offen darüber sprechen kann. Erst Recht nicht mit Leuten aus einem Ethikrat (schon gemacht. Ich wurde darauf hingewiesen, dass man nichts tun kann), noch gleichstellungsbeauftragte, noch mit Doktorandenvertretern. Das ist alles hauptsächlich proforma und für die politische Show.

Ich bin dermaßen frustriert. Wem geht es auch so? Wir könnten uns dann gegenseitig auskotzen und nicht so allein damit fühlen. Ich hasse SoziologInnen. Shit.

Grüße aus dem Feld,
Wald

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Phia123
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Re: Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von Phia123 » 05.12.2018, 19:26

Hallo,
das tut mir sehr leid, dass es bei dir so doof läuft :trost:
Hast du dir denn schon mal überlegt, ob du dir vorstellen kannst außerhalb der Uni zu arbeiten und vielleicht auch schon mal nach Stellen geguckt?
Es klingt ja fast so als hättest du insgesamt eigentlich keine Lust mehr im Wissenschaftsbetrieb zu bleiben.
Wie lange geht denn deine Feldforschung noch? Könntest du dir vorstellen die Diss danach extern zu Ende zu schreiben?
Meinst du ein Wechsel deines Betreuers würde vielleicht auch schon helfen?
Ich habe meine Doktorarbeit extern geschrieben und es nie bereut. Zwar muss man dann entweder eine Vollzeitstelle + Diss stemmen oder die Stunden vom Job reduzieren und mit weniger Geld klar kommen. Dafür ist man sehr viel unabhängiger vom Doktorvater und dem Fachbereich.
Ich denke wir haben fast alle mal eine Phase wo wir durchgehängen und nicht mehr weitermachen wollen. Einmal tief durchatmen und in Ruhe überlegen, ob es nicht einen Ausweg gibt. Vielleicht hilft ja ein wenig Abstand (Urlaub) auch schon.
Wenn man am Ende das gedruckte Buch in den Händen hält, ist es eine Wiedergutmachung für all den Stress und das Leid.
Wenn du so gar nicht mehr hinter deinem Thema stehst: Gibt es die Möglichkeit deiner Arbeit noch einmal eine andere Richtung zu geben ohne dass deine bisherige Arbeit umsonst war?
:trost: :blume:

spirograph
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Re: Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von spirograph » 06.12.2018, 12:34

Yo Wald!

Deine Wortwahl hat mich stark an meine erinnert, wohl auch weil unsere Erfahrungen ähnlich und unser anger ggf. genauso gelagert ist. Auch ich habe mich hier im Forum schon über Seilschaften, Arsch- und Speichellecken, Korruption, Vetternvereine, manus manum lavat, Kartelle usw. ausgekotzt. In, wie gesagt, ähnlich deutlichen Worten wie Du. Außerdem meine ich deinen Zorn/Frust/Wut/Resignation/Prass haben zu kennen. Sehr gut sogar. Es gab Tage, wo ich das genauso formuliert habe wie Du: "Ich hasse meine Diss." Das Ding ist aber: Wir beide hassen nicht unsere Diss, wir hassen die Annahmen die <damit> einhergehen sollen/müssen, die Zuschreibungen, das <Drumherum>, das Gedöns - aber ich unterstelle Dir einmal positiv, dass Du nicht deine Diss, dein Thema >hasst<.Denn Du schreibst viel von dem Drumherum, vom Gedöns, nicht so sehr, dass Du dein Forschen blöde finden würdest. Ich habe mein Thema >an sich< nie gehasst. Mein Thema ist unschuldig und kann nix dafür, dass Uni-Bums so ist wie es die Leude darin machen. Geht es Dir nicht im Kern auch so? Klarheit braucht man hier, genaues Sondieren: Was geht mir zuwider? Testfragen an sich selbst. Meine Diss? Mein Thema? Das, was ich höre, wenn sich die Leude so "unterhalten" ("Ja, die Juniorprofessur, die soll ja der Herr kriegen, der war vorher auch in Berlin, ja, der kann ganz gut mit dem Dekan, die kennen sich vom Institut für....!"). Mir broochste och nix erzählen. Ich kenne das Alles. Ich bin vielfach, vielfach vom Glauben abgefallen - und ich kreide das den Leuden an, dass die nicht wussten, was sie sagten, in dem sie sprachen und was mir das signalisiert, was es jedem anderen auch signalisiert hätte: Korruption, Absprachen, Kartell, Vetternwirtschaft. Bisschen verklausuliert geschrieben. Aber Du wirst verstehen. Ja, das prangere ich an, innerlich und hier und mit "meinen Leuten": Dass die das so sorglos und unbewusst rausplärrn, dass sie sich in ihrer Korruption so sicher und "sanctified" fühlen. Dass ihnen da keine Scham, kein Bewusstsein im Gesicht steht - für mich heißt das weitergedacht, dass die Leute geistig so weit nicht entwickelt sein können, wenn ihnen für sone Manöver, die sie vielfach ausführen, kein Quantum Reflektionsvermögen abgeht. Sie sich nicht einmal fragen: Was mache ich hier eigentlich? Und was macht das mit meinem Gegenüber? Leider - und das wird mich für immer von jenen trennen - habe ich dieses Quantum und frage mich dauernd: "Spiro, was machst? Und was richtet das im Gegenüber an?". Ich hoffe mehrheitlich, dass es was Gutes ist, Förderabsicht ist auf jeden Fall da. :-)

Also, was machen?

- Klarheit: Was finde ich ätzend? Diss/Forschen, tatsächlich? Der Nimbus drumherum? Das Geklappere? Korruption und dessen schamlose Ausführung? Hasse ich es, dass ich vom Glauben an weiße-Weste-Wissenschaft abgefallen bin, dass ich mich geirrt habe? Dass ich vllt. zu naiv war und es mir so nicht hätte vorstellen können? Was ist der Punkt, der mich kippen lässt?

- Akzeptieren: Du wirst den Uni-Bums-Betrieb nich ändern können. Ich och nich, is ja klar. Aber ich kann es hinnehmen. Ich nehme die Klüngel-Leute hin. Ich nehme hin, dass alle tollen, fetten Stellen >schon vergeben> sind, weil hinten, in da back, schon lääängst feststeht, wer das Pöstchen bekommt. Is ok. >Es ist dann so>, sage ich mir immer. The Big fish try to eat up the smal fish, singt Bob Marley im Song "Guiltiness" (https://www.youtube.com/watch?v=qP3VsZ7QD08). Es ist in der Folge für mich >ok>, dass ich von den Stellen ausgeschlossen bin, dass ich selektiert werde, dass ich der Exklusion anheim falle. ´Woe, to the downpressor!", geht der Song weiter. Ich habe angesichts der ausweglosen Lage aber die Gewissheit, dass ich dennoch nicht hungrig sein werde, dass es doch stets weitergeht für mich. Dass es nicht bedeutet, dass ich ne Pappnase bin, wenn ich nicht Professorin werde. Und: ich kann mich - trotz den downpressorn - einem, meinem, Thema widmen. Und: positive steps will see their goals. Es werden - und das habe ich in meinem Leben vielfach erlebt - immer (!!!) Dämme brechen und sich Wege bahnen, für den der in Euphorie, Enthusiasmus, in Epiphanie an die Dinge herangeht, die in seine/ihre Hände gegeben sind. Also: Wenn dein Thema Dir gegeben ist, dann bearbeite das in Allerseelenruhe weiter. Wie als ob all die Sachen wie Vetternwirtschaft nicht existieren, ja, wie als ob Du davon keinen blassen Dunst hättest. Unaware of the facts, unaware of what we didn´t have (wie Lauryn Hill rappt) einfach enthusiastisch weiter machen. Deine Schritte, das prophezeie ich Dir, werden gute Früchte zeitigen. Und - das ist das Wichtigste! - niemand von den Klüngelleuten kann daran etwas ändern. Du bekommst ggf. nicht deren Stellen, aber Du kriegst andere. Ich habe das vielfach, vielfach erlebt. Ich erinnere mich, wie ich mit Leuten inner Mensa saß, alle krasse wiMA und waren am Labern, wer welche Stelle kriegt und wie es bei denen krass weitergeht und wasse alles vorhaben, nun, ich total eingeschüchert und von Hoffnung beraubt, große Augen machend, Flügel gestutzt, nun, deren Stellen habe ich nicht bekommen, keine Chance, aber es ging bei mir anders weiter. Aber: es ging weiter. Und: noch nicht mal übel! :-) Scheuklappen an und freudigst weitertun. Jeden Tag, was jeder Tag leisten mag. Es wird die Summe sich aufaddieren zu Wegen, die für Dich und nur für Dich geschaffen sind. Und: ohne guiltiness, weil sauber geblieben. :-)

- sich bei den eigenen Leuten auskotzen, bei den Eltern, zur Not aufschreiben; mit guten Dingen, die man sich tut ableiten und sich stetig in die Gewissheit bringen oder zurückversetzen, dass alle kleinen und großen Arbeitsschritte und jedes mit Freude überzeugte Tun ebensolche Schritte nach sich ziehen werden. Aber vorallem: mit den eigenen Leuten drüber lachen, wie Eckart und Werner im Film "Werner Beinhart", wo sie im Keller den Chef nachäffen...göttlich! :-)

- wenn man solche "hochinteressanten" Konferenzen nicht meiden kann, dann hingehen: sich vorher und nachher Stärkungsprogramm gönnen! Mit eigenen Homies umgeben, Suff, Tanzen auf Boxen, Soulshakedown machen, Mukke/Playlist zum Cool-bleiben-und-kinne-trockene-Kackwurst werden. Sich positiv aufladen, Teflon-Kevlar-Anzug an und da illustrer und freudig mitmachen, in seiner eigenen Art, sich aber nicht verbiegen, auch nicht konfrontativ werden, sondern enthoben-locker-leicht-gewiss-seines-Weges-sein dahingehen. Die können Dir nix. Ich denke bei sowas oft ans Boxen: Leichtfüßig, trippelnd, ausweichend, artful dodger, pendelnd, sich stetig leicht bewegend, NICHT in die Schläge, in den Gegner reingehend, sondern sich wegpendeln, mit nem Lächeln und immer: nicht angriffslustig, aber abwehrgewiss. "They cant touch ya!". Die können Dir nix.

-überhaupt und allgemein: sich stärken; die Leude, die klüngeln und Dir was erklären wollen, die machen, das man schon vorher denkt, man könne aufgeben, ja, als das betrachten, wasse sind: Mappen. Nimm die Zeit mit denen, wenn Du zwangsweise mit denen abhängen musst, als Beobachtungsfeld- und aufgabe. Beinahe wie das SoziologInnen machen! Beäugen, deren Habitus checken, deren Klasse beschreiben, eben die Methodik, die ihr lernt, heimlich auf die anwenden. Damit werden die zu Objekten, so wie sie Dich auch zu einem Objekt machen, mit dem sie machen, wasse wollen ("abhängig von ProfessorInnen"). Schafft Distanz. Lässt einen abkühlen, nich so mit anger brühen und man schult eine angewandten Methodenkenntnisse. :-) Pragmatisch sehen. Und Sachen tun, die einem gut tun: Was weiß ich, fresh anziehen, Parfum druff, Lippen russischrot, Nails done, Hair did und da gehste rinn inne Uni, kinner kann Dir was. Alles perlt ab, aufgrund von glow, weißte! :-) So halte ich das. Irgendwie wissen viele hier, dass die mich mal können und das finde ich gut. Ich darf ich sein; ich grüße hier kinnen extra, wenn ich den fürne Mappe halte. Locker leicht wie auf Nike Air durchs Institutsgebäude, my corean nails flip my hair back. :-)

-und: seine skillz pflegen. with or without die Leude. Mach tolle Seminare, wo Du strahlen kannst in deinem small spot. Deine Studis werden Dich lieben. Du kriegst tausend Anfragen, wo Leude ihre Abschlussarbeiten bei Dir schreiben wollen, in "deinem" Thema. Ey, das schmeichelt, mir zumindest. Man kommt gut an. Und das wird immer mit zu der Welle beitragen, die deine Dämme bricht und dir Wege ebnet.

- nach Alternativen spähen: ggf. extern promovieren (Hinweis von Vorrednerin ist juhht!), nach ganz anderen Stellen umgucken, sich n bisschen aus der Schussschneise rausnehmen; auch: Alternativen machen gelassen. :-)

-den ganzen Bums nich emotional so hochhängen, da nich so reingehen. Damit zeigst Du, dass Du das so ernst nimmst. Und davon leben doch die "Grauen Herren" ("Momo"!). Öfters mal lächeld die Zähne zeigen: "Jaja! Jaja heißt Like mich am Arsch! Dadadidadada!". Heimlich im Office dieses tolle Deichkind-Lied hören....baut auf. Vielfach erprobt. Vielfach, vielfach.....

-und noch eins; so halte ich es jedenfalls: Ich versuche mir immer in solchen Knirschmomenten das big picture meines Lebens hier auf der Erde zu geben: Obs iwie krass wichtig is, ob ich die Stelle kriege? Oder Professorin werde? Oder hier in die Annalen eingehe? Irgendwie kommt immer eine Antwort: nö, isses nicht. Aufs Große und Ganze gesehen, isses für mich boogie. Weil: Ich habe keine Anerkennungs- und Wertigkeitsprobleme mit mir selbst. Ich find mich heute schon ok und mit dem Beruf, den ich gelernt habe (Lehrerin). Reicht vollends. Das Intermezzeo anner Uni is nur Zuckerguss und Zeitvertreib. Und alles, was noch passieren wird, wird passieren. Aber ich bin grundständig innerlich und äußerlich nicht bedürftig, nicht needy nach noch welchen Graden wie Dr.; "es hat sich bislang so ergeben", sage ich immer. "Nun isses so", auch. Und das ist das Ding: Anerkennungs- und Wertigkeitsprobleme mit sich selbst lösen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

--> Ich habe mal in einer Zeitschrift einen Satz gelesen, der mich sehr geflasht hat. Den wollte ich hier schon immer bringen. Vielleicht spricht er zu Dir wie er zu mir gesprochen hat. Pass auf: "Ein paar mehr anerkennende Worte in seiner Kindheit und er hätte ein entspanntes Leben gehabt." Und? Krass, oder? Das ist der ganze Schlüssel für den Hokuspokus den Du, ich und viele andere hier und an Unis und Fhs erleben.

Ok? Das hier is alles nurn Spiel. Hate the players, not the game. :-)

Viele Grüße und viel Kraft!

street-preaching spiro :-)

Wald
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Re: Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von Wald » 06.12.2018, 15:46

Liebe Phia und liebe Spiro,
danke für Eure Antworten! :KT: :coffee:


What can I say?....

Phia, zu dem was Du schreibst:
Ja, ich habe keine Lust mehr, mit dem Wissenschaftsbetrieb was zu tun zu haben. Seit über nem halben oder 3/4 Jahr schon. Dir (kurze) Vorgeschichte ist so, dass ich die Wissenschaft immer geliebt habe! Als Studentin habe ich auch als wissenschaftl Hilfskraft gearbeitet und das hat mir richtig Spaß gemacht. Ich hatte offenbar einfach ein super Team bei jemanden, der kein Fuck-Schwein ist. Ich habe allgemein auch immer gerne mit anderen über Theorien, Erfahrungen etc gepsprochen und mich ausgetauscht. Deswegen wollte ich immer promovieren - da ich ja erstens weiter im Wissenschaftsbetrieb arbeiten wollte (ich lehre sogar gerne! Das ist alles schon echt ein Witz...) und zweitens ich mir damit auch persönlich ein sinnvolles und zufriedenstellendes Leben vorstellte.
Als ich dann mein Studium abgeschlossen habe und das Institut kein Geld hatte - war ich erstmal beim Jobcenter. Das Jobcenter habe ich von Anfang an als erniedrigend empfunden. Nicht weil ich die Idee der staatlich-gesellschaftlichen Finanzhilfe nicht gut finde - im Gegenteil -, sondern weil man einerseits von den Dullies im Jobcenter erniedrigt behandelt wird, und genauso auch von fast dem gesamten Rest der Gesellschaft (von der arbeitenden und von der nicht-arbeitenden Bevölkerung). Ich war nach meinem Abschluss insgesamt ca. 4 Jahre im Jobcenter oder mal im "Agentur für Arbeit"-System und trotzdem ich versucht habe, mit Praktika oder 'odd Jobs' meinen Lebenslauf und mein Selbstwertgefühl aufzupolieren, wurde ich von fast allen nicht mehr als Mensch - geschweige denn wertvoller Mensch angesehen oder entsprechend behandelt. Das war echt schlimm...
Auch meine besten Freundinnen haben sich immer mehr von mir abgewandt. Denn leider ist Arbeitslosigkeit mit einem dermaßen negativen Stigma verbunden, dass es irrationale Gefühle bei den Leuten hervorruft, die man nur wegbekommt, wenn das Gegenüber das will. Das habe ich erst nicht so bemerkt, da ich es selber ja nicht so gesehen habe. Also ich habe mich selber nicht als "Sozial-Abschaum" gesehen. (Denkt nicht, dass ich Leute in Hartz IV als Sozialabschaum sehe. Ich glaube, dass jede Frau um die 30, die länger in Hartz IV ist, solo und ohne Kinder, kennt, was ich hier beschreibe).

Als ich dann eine gute Stelle als bezahlte Doktorandin bzw wiss Angestellte erhalten habe, wurde ich für alle Menschen wieder interessant - auch für meine Freundinnen. Wie gesagt, dass sogar meine Freundinnen so tickten wie fast alle anderen auch, das habe ich erst vor einem halben Jahr gecheckt. Jedenfalls hatte ich die Stelle und war total happy, 1. das zu machen was ich wollte: promovieren, 2. nicht mehr Hartz4, 3. von der Gesellschaft als Mensch behandelt werden, und 4. natürlich eigenes Geld verdienen.

Ich musste umziehen, für die Stelle. Freute mich auf meine Doktoranden-Kolleginnen. Die haben mich null beachtet - später stellte sich heraus, dass sie hauptsächlich promovieren, um Zeit zu schinden oder dann im Ausland sofort eine sehr gut bezahlte Stelle zu bekommen. Also eher Titel-Jäger. Das festangestellte wissenschaftliche Personal hat sich bei mir eingeschleimt, weil ich die Stelle am Institut direkt vom Lehrstuhlinhaber bekommen habe, ohne vorher dort 1-2 Jahre "ehrenamtlich" bzw. offiziell unsichtbar zu arbeiten. Dann kam es schleichend aber immer vehementer zu einer Metoo-Sache, eine sehr heikle Situation für mich. Denn ich wusste, dass ich nicht viel machen kann, denn sonst verliere ich die Stelle und kann meine wiss. Karriere gleich begraben. Und mich auch, denn ich hatte im Vorfeld ja schon erleben und überleben müssen, wie es ist Hartz 4 zu sein oder im CallCenter zu arbeiten oder sonst wo. Die Metoo-Sache hat dann aber schlussendlich doch dafür gesorgt, dass ich aus dem Institut raus bin und die Stelle verloren habe. Das war alles ein ewiger Albtraum, da es nicht von heut auf morgen war, sondern sich über ein knappes Jahr hinzog und das letzte halbe Jahr von Mobbing / Bossing geprägt war. Meine Kolleginnen, die Doktorandensprecher, Ethikrat etc. haben geblockt. Es hat sich natürlich rumgesprochen, dass ich beim Lehrstuhl-fuck-boss in Ungnade gefallen bin - und somit war ich eine persona non grata. Das war sehr schlimm alles.
Wie gesagt, die Situation war schlimm genug, und darüber hing ja noch die dunkle, reale Wolke, dass ich wieder im Arbeitslos-Modus fallen könnte und dem damit einhergehenden Stigma.

Ich habe mir dann einen anderen Betreuer gesucht, auch gefunden, und arbeite an dem Diss.-thema weiter. Aber ich glaube nicht mehr an den Sinn dieser Arbeit. Wen interessiert es schon? Ich kenne ja die Realität, das es alles (ok, ich übertreibe, aber ich versteht mich sicherlich) bullshit ist. Wen interessiert schon dieses eine soziologische Thema?? Genauso wenig wie sonstige soziologische Themen? Alles Show, alles Networking, alles Eierlecken, alles hier und da plagieren, hier und dort Daten wegfallen lassen, mit Worten aufblasen jeden Scheiß....
Es war einfach unglaublich, was ich rausgefunden habe, wie wer an seine Stelle kommt, was für einen bullshit sie über Methodiken sagen, oder Theorien, blablabla. Da swisenschaftliche Personal ist geprägt von Angst, Missgunst und Neid und Hass.
In so einem Umfeld will ich in Zukunft nicht leben. Denn wenn man da arbeitet, lebt man da ja auch. Das ist es nun wirklich nicht wert. Ich will später nicht in einem einsamen Keller sitzen und transkribieren und analysieren, um dann auch noch neben den Scheißkollegen auf Scheißkonferenzen gehen zu müssen, und dummen Samlltalk machen - um sich zu vernetzen. da geht es ja nicht oder kaum um Inhalte, sondern wer mit wem kann etc. Und das ist die "Elite" eine rGesellschaft?? So ein Quatsch.

Seit einem halben Jahr bin ich auch suizidal. Ich werde mir nichts antun. Denn das würde ich meinen Eltern nie antun. Mir selber dann im endeffekt auch nicht. Aber ich habe schon Zeiten, Phasen, wochenlang, in denen ich nur heule. Ich tue etwas (die diss.), an die ich nicht mehr glaube, bezüglich ihres Potenzials. Es ist alles für die Show. Ich habe nie so vorher "gearbeitet" oder gelebt. Nun lebe ich ein Leben in der Lüge. Ich kann niemanden (außer meinen Eltern) sagen, was wirklich abgeht. Die anderen lassen dich fallen, wenn du wirklich sagst, was Sache ist. Man hört dir erst zu, wenn du Kapital aufm Rücken hast.
Ich hatte zum Beispiel auch gute Zeiten während Hartz IV, in denen ich wirklich selbstbewusst und zufrieden war. Aber auch dann hat einfach niemand mich für voll genommen, nur weil ich zu jener Zeit Hartz 4 war.

Ich würde soo gerne alles in den Papiermüll schmeißen, um endlich abstand zu gewinnen. Nach dieser Metoo-Erfahrung incl Mobbing und so, habe ich auch Urlaub genommen. Als ich den Gedanken zu ließ, dass ich die diss nicht mehr mache und meine Studienabschlüsse auch gesamt abhake, konnte ich auch die blöden Erfahrungen hinter mich lassen. Aber ich bin nun doch wieder mit meiner Diss. und die sozialwiss. Community ist sehr klein. Sogar hier in meiner Feldforschung muss ichhöllisch aufpassen. Denn Gerüchte können mir auch hier wieder alles versauen. Das ist so schrecklich alles. Denn wer bin ich schon? Eine kleine Doktorandin, und dort drüben sind renommierte und sehr gut vernetzte = leider mächtige Professoren.

Ich weiß schon wie es ist, ohne Macht zu sein. Das will ich nicht noch mal erleben. bitte nicht.

Ich will einfach nur noch im Lotto gewinnen und damit aufhören. Es fühlt sich alles so falsch an was ich gerade tue.
Was ist die Alternative?? Aufhören, und von Null wieder anfangen und mit Null Euro aufm Konto? Mit einer mehr oder weniger entspannten Ausbildung?
Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, dass ich endlich entspannt arbeiten und ein zumindest mehr oder wenigen fairen Lohn dafür haben möchte. Und dass ich nicht wieder bei Null anfangen will.
Deswegen mache ich diesen Müll weiter. Da ich dann mit Dr.-Titel mehr chancen auftun können.
Ich selber interessiere mich nicht für den titel, jedenfalls nicht persönlich.


Liebe Spiro, danke auch Dir für den langen Text und die Mühe:
Mehr oder weniger kann ich das auch, einfach wegzuhören wenn wieder geblubbert wird (Dumm-talk an der Uni). Da habe ich eine Menge praktischer Kompetenzen besonders bei den "internationalen" Konferenzen "mir angeeignet".
Ich glaube, wenn ich in Zukunft hauptberuflich mit der Uni zu tun hätte, würde ich innerlich absterben und irgendwann mich einfach stumpf und tot in den Fluss selber werfen. Wow, wenn Du das schaffst, alle Achtung. Ich kann so was auf Dauer nicht. Ich denke auch, dafür ist unser Leben viel, viel zu schade. Wenn es nur für eine Zeitlang ist, okey! Aber ich sehe ja, dass es an allen Unis hier in Dt. so ist und im restlichen Europa hat es sich nicht besser gezeigt, sogar international habe ich beobachtet, dass es alles nach den selben Prinzipien geht. Ich glaube, die Sozialwissenschaften sind da besonders anfällig. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich wünschte es wäre so, dass sich immer wieder neue Türen aufmachen. Du hast auch in gewisser Hinsicht Recht.
Bei mir ist es so, dass ich einfach nicht mehr kann. Es tun sich auch keine Türen auf, wenn man nicht mehr (selbstbewusst) diese Türen öffnet oder anklopft. Ich kann einfach kaum noch. Und ich weiß, dass es nicht eine frustrierte Dissertationsphase ist, was mir passiert. Sondern dass ich in dieses Unisystem nicht passe. Ich verabscheue diese Leute, die so kleinlich sind, sich das Leben gegenseitig nur kaputt machen und zu blöd sind, zu sehen, dass sie sich damit auch selber einfach nur kaputt machen.

Achje, jetzt ist der Text lang geworden. Und dabei habe ich nur einen kleien Bruchteil erzählt :)
Vielleicht sollte ich einen Roman schreiben?? Ihr seht, ich bin verzweifelt...

Viele Grüße, und danke für Eure Worte.

Die Wald

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Re: Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von spirograph » 07.12.2018, 12:34

Hi Wald,

mmmh, oh, man, dein Gram tut mir schon sehr leid. Großes Mitgefühl an Dich hiermit! Was Du schreibst, ist schon sehr beunruhigend. Wenn Du solche Gedanken hegst, von denen Du schreibst, sollte man ärztlichen Rat und Beistand aufsuchen. Der/die unternimmt geeignete Maßnahmen; Du wirst ggf ersteinmal krank geschrieben, heilst und gewinnst Abstand zum Uni-Bums. Wenn man inmitten solcher Dunkelheit ist, kann man keine sehr klaren Entscheidungen mehr treffen; der Zugriff auf unser reasoning ist da beschwert. Man kann Diss auch unterbrechen und macht später weiter. In solchen Lagen wie Du ggf jetzt drin bist, ist das Konvolut aus Annahmen über..., den Fakten, unsere Gefühle, blöde Erlebnisse, die Anteile von anderen, frühere Erfahrungen usw. sehr verworren. Um das zu klären und Klarheit darüber zu erlangen, um wirklich klar zu sein, fähig dies von dem zu trennen, Kausalketten zu sehen, sollte man sich in Gesundung befinden. Das kann man nicht in Dunkelheit sehen oder entscheiden.

Du kannst auch was ganz anderes machen! Ich kennen sooo viele Leute, die nochmal umschwenken. Ein Typ hat bspw Koch gelernt, mit 40 vernahm er den Ruf des Herren, machte Abi nach, studierte Theologie und ist nun Priester! :-) Den feiere ich total. Ich würde nach dem Uni-Ding Diakonin werden, ist so ne Weiterbildung quasi. Wenn man nochmehr Kurse macht, kann man sogar Pfarrerin werden. DAS fände ich super und way more sinnvoller als das, was ich jetzt mehrheitlich machen (Forschen). Für mich wäre es ne Fortsetzung des pädagogischen Verhältnisses mit anderen Mitteln/Methoden. Warum nicht nochmal umschwenken? In dich hineinhorchen, was Du gern willst. Wo Du "mit Dir arbeitest" statt gegen Dich (wie ggf. jetzt?). Manchmal habe ich auch Krisenerscheinungen und ich merke, dass ich Tag ein Tag aus sitzend vorm PC schreibend iwie doch gegen mich arbeitete. Aber es geht schon. Für den Rest meines Lebens mache ich das bestimmt nicht. Bücher schreiben ja, aber nicht im Nexus mit nochm Selektor (Prof.!), der da drauf guckt. Für sone Abhängigkeiten bin ich iwann zu alt. Es gibt so viele tollen Berufe: Erzieher, Krankenschwester, Sozialpädagoge, (oder Bundesfreiwilligendienst?)....Du kannst dein Leben gestalten und sehen, was Du gern machen willst, um eine zufriedenstellende Zeit zu haben. In meinen Seminaren sitzen :-) sooo viele "ältere" Leute drin, die nach Ausbildung oder Erststudium nochmal Lehramt machen...in einem Seminar mit 25 Leuten sind das beständig 4-5 Personen. Einige waren bei der Bundeswehr vorher sogar für 12 Jahre.

interamt.de ; bund.de ; hsozkult.de sind tolle Internetplattformen für Arbeitssuche!!! Kiek mal!!! :-)

Viele, viele machen Jobcenter (woah, diese Bezeichnung schon!?) -erfahrungen. Manche schreiben ihre Diss in Hartz4. Manche haben da glückliche Momente, weil sie trotz wenig Geld doch wirtschaftlich unabhängig von Eltern sind. Sicher, diese Briefe ("Androhung von Kürzungen der Leistungen") sind ätzend, aber nicht-personalisiert, Standardbriefe, das wird jedem gesagt. Ich denke oft an all die ambitionierten jungen Leute, die anspruchsvolle Sachen studiert haben und dann zum Jobcenter (woah) gehen müssen, manchmal für lang. Schrecklich! Ich habe da großes Mitgefühl und überhaupt null Verachtung. Mir tut das sehr, sehr leid. Das ist/kann eine niederschmetternde Erfahrung sein. Schlimm. Einige <faken> auch eine Arbeitsstelle für ihre "Freunde". Andere haben Freunde, die zu ihnen stehen! Ich kenne so ein Beispiel: Da war einer drei Jahre Hartzi und keiner hat den gedisst, sie haben zusammen Futter gekocht, gesoffen auch, über Büchern in der Bibo ihre Diss gemacht, er durfte sogar Wäsche waschen bei dem einem Freund - das fand ich stark! Ich habe zigmal nachgefragt, aber es war so wie er erzählt hat. Noch heute hängt er - nun in Arbeit - mit den Leuten ab. :-) Das konserviert immer meinen Glauben an die Menschen/Menschheit. Dass es aber auch so läuft wie bei Dir, darüber mache ich mir keine Illusionen. Schade. Für mich wärst Du der gleiche skillvolle Mensch, ob nun in formalisierter Arbeit oder in informeller Arbeit. Gut, dass Du deine Eltern hast. Sprich Dich stetig mit ihnen aus!

Aber ich sage Dir nochmals, um dies zu versichern: Du kannst dein Leben gestalten. Du kannst entscheiden, wohin es gehen soll. Hier den song schicke ich Dir: https://www.youtube.com/watch?v=4qhwJtSCAT8 . Kool Savas, der beste Tag meines Lebens. Habe ich stets gehört, als ich down war. Zieh dir die Zeilen rein. :-)

Dass die Uni-Welt so ist, wie sie ist, ist so. Es ist die Welt und die Dinge in der Welt - warum soll das Unisystem anders sein, nur weil es als lupenrein und korrekt verkauft wird? Aaaaaaber und großes Aber: Das geistige Operieren, was man mit "Forschen" macht, schult deinen Geist. Der ein Geschenk ist. Durch diese ganzen Denkschritte trainierst Du deinen Geist, durch dieses formalisierte Tun wird dein Denken, ja, "trainiert", "geschult". Und das ist etwas, was man feiern kann! EGAL, was andere >damit> verbinden: ob Titeljagd oder sonstwas. Das Tun des Forschens und dein Thema ist "rein" und "unschuldig". Und es ist eine Gnade das tun zu dürfen. Sich so schulen zu dürfen und an einem Thema arbeiten zu können, dem Thema mit einem Forschungsschritt weiterzuhelfen. Verstehst Du? :-) Daran selbst ist nichts Verwerfliches und wird niemals sein. Es ist genuin, aufrichtig, integrer - egal, welche Annahmen, Praxen usw. damit einhergehen! Es ist duruch Korruption, Vetternbums, Fucklords nicht anrührbar. Untouchable. Wie Brennstäbe: alle können gucken und und iwas sagen, aber die Dinge sind unanrührbar energetisch. Klingt alles nach Schiller und Idealismus. Aber es ist so. Wenn man >forschen> darf, stellt man sich in eine große Denktradition, in ein großes Gedanken-Operieren, was viele engagierte Geister gestern und heute und morgen vereint. Ich will sagen: schilfe irgendwann, wenn es Dir besser geht, all den Schrott vom Tun einer Forschenden ab. Und: Welchen Sinn soll das ergeben? Nun, Erkenntnisinteresse der Menschen, der Menschheit; dies vereint, wie gesagt, viele Bemühungen von gestern und heute. Insofern ist >Forschen> etwas zutiefst humanitäres - und eine Gnade, dies tun zu können, liebe Wald, und zu tun, also die Gelegenheit bekommen zu haben. Es ist, die gute Folge aus deinen geistigen Anlagen, forschen zu dürfen. Damit bekommst du die Gelegenheit jene formalisiert weiterzuentwickeln. Und diese Entwicklung ist gut, auch wieder zutiefst humanitär, es vereint die Menschen.

Auch wenn alle um mich herum, krasse Stellen bekommen, viel veröffentlichen, an mir vorbeiziehen, ich werde bis an das Ende dieser Welt gehen, um meine Arbeit - in meinem Begriff des Forschens - zu einem passablen Ende zu bringen; den Forschungsprozess zu einem passenden Forschungsprodukt bringen. Ich will zufrieden sein mit der Aufgabe, die ich bewältigt habe, selbst wenn ander das für ne rite halten. Ich gucke abends in den Spiegel und sage mir: well done. Und um well done zu sagen, muss man Sachen gut gemacht haben. Ich habe mir nix vorzuwerfen. Nur Gott kann mich richten. Alles andere ist vergänglich und im Vergang begriffen. Das ist übrigens für mich eine permanente, tägliche, stündliche Tatsache. Großartige Souveränität, die da entwächst. Ich latsche untouchable durch alle Institute und Konferenzen, all die krassen homies, die erzählen, wie dope sie sind, hören sich an für mich wie Kassettenrecorder unter Wasser...Das ist die Welt, ich muss da durch, aber die Wucht der Transzendenz klopft mir sanft auf meine Schulter.

Ich hoffe sehr, die Zeilen helfen Dir. Bitte konsultiere ärztlichen Rat. Der zieht Dich aus dem Verkehr ersteinmal, Du heilst und blickst dann vollkommen neu hergestellt auf deine Diss und alles. Gestalte dein Leben, es gibt definitiv so viele Möglichkeiten und Varianten. Jeder von uns hat nur 80 Jahre oder nur 50 oder nur 40 oder 106 Jahre. Wir haben die Möglichkeit, da was Erfüllendes draus zu machen. Und warum hat ein Auto ein Lenkrad: Damit wir das Ruder umreißen können. Andere Richtung, neue Abfahrt. :-)

zwischen Bordstein und skyline: spiro

100% pappnase
200% action

https://www.youtube.com/watch?v=X27PPFPDvNY

...as jacked as it sounds
the whole system sucks...

flip
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Re: Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von flip » 07.12.2018, 16:06

Ganz einfache Frage:

Was ist dein Ziel und glaubst du es - ehrlicherweise - mit einer Promotion zu erreichen?
Oder in deinen Worten ausgedrückt: Wenn du jetzt "die Scheiße" abgegeben hast, glaubst du - ehrlicherweise - dass du dann anders behandelt wirst?

Wenn deine Antwort "ich weiß es nicht" lautet, dann abbrechen und auf eine normale Stelle bewerben, wo du genau das bekommst, was du so gerne haben möchtest. Wertschätzung.

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Re: Ich hasse meine soziologische Diss.-Feldforschung

Beitrag von Grounded » 07.12.2018, 18:59

Liebe Wald,

in deinen post kommt sehr deutlich rüber, dass du dich in einer Sackgasse befindest, aus der du momentan keinen Ausweg siehst - höchstens den unwahrscheinlichen Lottogewinn. Nach all dem, was du zuvor erlebt hast finde ich deine Wahrnehmung absolut nachvollziehbar. Das Folgende finde ich alarmierend:
Seit einem halben Jahr bin ich auch suizidal. Ich werde mir nichts antun. Denn das würde ich meinen Eltern nie antun. Mir selber dann im endeffekt auch nicht. Aber ich habe schon Zeiten, Phasen, wochenlang, in denen ich nur heule. Ich tue etwas (die diss.), an die ich nicht mehr glaube, bezüglich ihres Potenzials. Es ist alles für die Show. Ich habe nie so vorher "gearbeitet" oder gelebt. Nun lebe ich ein Leben in der Lüge. Ich kann niemanden (außer meinen Eltern) sagen, was wirklich abgeht. Die anderen lassen dich fallen, wenn du wirklich sagst, was Sache ist. Man hört dir erst zu, wenn du Kapital aufm Rücken hast.
Was würde dir jetzt in deiner aktuellen Situation helfen? Was müsste geschehen, damit es dir augenblicklich besser geht? Vielleicht würde es dir z. B. helfen, deine Wut mal rauszulassen - nach all dem hat sich da sicherlich einiges angesammelt, was rausgelassen werden kann.
Auch, wenn du deine Pläne nicht in die Tat umsetzen wirst: du musst nicht leiden. Ich kann dir nur raten, dir professionelle Unterstützung zu suchen, insbesondere wenn du schon konkrete Suizidpläne hast. Eine gute Anlaufstelle um mal mit jemandem darüber zu reden, ist auch die Telefonseelsorge. Die sind dafür ausgebildet und du bleibst anonym. Den Hinweis auf metoo werte ich so, dass eine Frauenberatungsstelle ein guter Anlaufpunkt für dich sein könnte. Die Kolleg*innen dort sind entsprechend der Bedürfnisse von Frauen mit Gewalterfahrungen ausgebildet und du bekommst dort oft schneller einen Termin als bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen.

Auf jeden Fall drück ich dir ganz fest die Daumen, dass es dir bald besser geht und du einen Weg findest :KT:

Liebe Grüße
Grounded

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