Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von Solvinden » 19.11.2018, 21:44

Hallo zusammen,

nach meinem Master war ich ein Jahr weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt, um eventuell eine Promotion zu beginnen.
Jetzt könnte ich diese Option wahrnehmen, wobei mir "angedroht" wurde, dass wenn ich nichts interessantes zeigen kann (keine überzogenen Ansprüche), ich dann nach einem Jahr rausgeschmissen werde (Mathematik). Deswegen wird mir alternativ angeboten als wissenschaftlicher Mitarbeiter weiterzuarbeiten und eventuelle Resultate dann in meine Doktorarbeit übernehmen zu können. In diesem Fall meint mein Betreuer, dass im Nichterfolgsfall dies nicht so ein Gesichtsverlust für mich wäre.

Jetzt meinen allerdings viele in meinem Institut, dass ich natürlich ins Doktorat wechseln sollte.
Und das obwohl mein Betreuer mich eindrücklich gewarnt hat und die Variante mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter präferiert.

Meine Frage wäre, wie schlimm wäre ein abgebrochenes Doktorat wirklich, wenn ich mir danach eine weitere Doktorandenstelle suchen würde.
Im Arbeitsvertrag steht sowieso standardmäßig wissenschaftlicher Mitarbeiter. Gibt es Sachen im Wissenschaftszeitvertragsgesetz welche ich beachten müsste? Selbst hätte ich der Argumentation meines Betreuers wahrscheinlich zugestimmt. Dazu kommt, dass das Verhältnis mit meinem Betreuer angespannt ist, er aber definitiv bemüht ist ein faires Verhältnis zu bewahren.

Auf eure Ratschläge bin ich sehr gespannt!

Liebe Grüße
Solvinden

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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von Cybarb » 20.11.2018, 07:42

Hallo,

da stellen sich mir doch einige Fragen.

Als was wärst du denn angestellt, wenn du Doktorand wärst? Doch wohl auch als wiss. MA, oder?
Die beiden Optionen würden sich evtl. dadurch unterscheiden, was laut Arbeitsvertrag zu deinen Aufgaben gehört. Aber wiss. MA wärst du in beiden Fällen; andernfalls wäre ich dankbar für Aufklärung.

Dann: Was heißt hier "rausgeschmissen"? Arbeitgeberseitige Kündigung? Mit welcher Begründung? Oder würde es bedeuten, dass dein Betreuer sich weigert, dich weiter zu betreuen?

Was wären denn deine Aufgaben, wenn du die Stelle als wiss. MA bekleiden würdest?

Du siehst: Da sind - zumindest für mich - doch einige Dinge sehr unklar.
dass das Verhältnis mit meinem Betreuer angespannt ist
Das allerdings ist offensichtlich, auch wenn er nicht dein Betreuer ist, sondern höchstens dein potentieller Betreuer - aber es sind denkbar schlechte persönliche Voraussetzungen, wenn das schon so losgeht.

Gruß
Cyb

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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von Nomen Nescio » 20.11.2018, 12:03

Solvinden hat geschrieben:
19.11.2018, 21:44
Jetzt könnte ich diese Option wahrnehmen, wobei mir "angedroht" wurde, dass wenn ich nichts interessantes zeigen kann (keine überzogenen Ansprüche), ich dann nach einem Jahr rausgeschmissen werde (Mathematik). Deswegen wird mir alternativ angeboten ...
Aus meiner Sicht solltest du an deinem Verständnis von Kausalität arbeiten. Nichts für ungut!

Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was ich jmd raten soll, der/die
Solvinden hat geschrieben:
19.11.2018, 21:44
Jetzt könnte ich diese Option wahrnehmen, wobei mir "angedroht" wurde, dass wenn ich nichts interessantes zeigen kann (keine überzogenen Ansprüche), ich dann nach einem Jahr rausgeschmissen werde (Mathematik).
unter
Solvinden hat geschrieben:
19.11.2018, 21:44
... er aber definitiv bemüht ist ein faires Verhältnis zu bewahren.
bucht.
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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von Solvinden » 20.11.2018, 12:08

Danke für die schnelle Rückmeldung!

Zu deinen Fragen:

1)Als Doktorand wäre ich ebenfalls als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. In der Praxis und laut Arbeitsvertrag würde
ich auch exakt denselben Aufgaben nachgehen.

2) Rausgeschmissen bedeutet, dass mir gekündigt wird und dass ich als Promotionsstudent exmatrikuliert werde. (Man ist also als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt und zusätzlich als Promotionsstudent an der Universität eingeschrieben. Ich sollte anmerken, dass ich an einer Schweizer Uni arbeite.)
An unserer Universität kann man im ersten Jahr der Promotion noch vom Betreuer rausgeschmissen werden, danach nicht mehr so einfach.

3) Klar, die Bedingungen sind nicht ganz optimal, aber alles andere passt perfekt. Alle anderen Kollegen sind super und halten sehr viel von mir.
Die Rahmenbedingungen sind top und auch das Thema ist spannend. Des Weiteren entwickle ich mich auch charakterlich weiter und ich lerne unheimlich viel in diesem Umfeld, was höchstwahrscheinlich zu einem guten Verhältnis mit meinem potentiellen Betreuer führen wird. Mein Betreuer hat schon angesprochen, dass ich mich verbessere.

Liebe Grüße
Solvinden

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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von spirograph » 20.11.2018, 12:14

Hi Solvinden,

ggf. hätte man pointiertere worte/phrasen verwenden können. Aber: mach wiss. MA, da kommt Kohle, plus: wenn mit Doktorbums was schief läuft, kann man das aufm Lebenslauf immer hinter dem grandiosen Chiffre "wiss. MA" camouflagieren. Nich jeder muss zu jeder Zeit alles über Dich durch Dich wissen, hab ich im Uni-game gelernt. Glattziehen. Erstma Kohle, einzahln /für ALGI ggf), der Rest is Topping. Und so ne Anstellung gibt dir die geldliche Freiheit und Sicherheit, Dich nach anderen Jobs umzusehen...der existenzielle Druck ist da etwas rausgenommen, man kann auf Zeit spielen. Dokorand sein = doesnt get you a paycheck. Also: Anstellung preferieren.

Dir alles Gute!

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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von Nomen Nescio » 20.11.2018, 12:27

@Spiro
Mathe gehört zu den Fächern, in denen es nach dem Abschluss nur eine Entschuldigung gibt, an der Uni zu bleiben, nämlich die Promotion. 1 Jahr mag noch angehen, danach besteht in Vorstellungsgesprächen Rechtfertigungbedarf über eine Tätigkeit als WM, sofern keine Promotion das Ziel war. Nie nich imma faallemeinern, ne? ;)
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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von spirograph » 20.11.2018, 15:27

...ich habe das Glück ein Leben führen zu dürfen, in dem ich mich nicht entschuldigen und auch vor keiner irdischen Macht rechtfertigen muss. Nur Gott kann mich richten. Diese grundsätzliche Souveränität stehe ich jedem anderen Menschen auch zu. Was interessieren mich die Gedanken von anderen Leuten über mein Leben. Nichts. Der Fragesteller soll das Möglichste u Meiste für sich rausziehen, keinem schaden und sich nach einem guten Platz für sich umsehen. Er hat die Qualifikation für Mathe erlangt, soll da relatierte Aufgaben im Zuge einer Anstellung als wiss. MA tun u ausfüllen und sich neu orientieren. Die Anstellung dazu gibt ihm die Möglichkeit dazu. Wie es tausende täglich machen.
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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von flip » 20.11.2018, 15:32

Solvinden hat geschrieben:
20.11.2018, 12:08
An unserer Universität kann man im ersten Jahr der Promotion noch vom Betreuer rausgeschmissen werden, danach nicht mehr so einfach.
Ehm, nein? WiMa bedeutet E13 - bedeutet sechs Monate Probezeit. Und Novellierung des WissZEITVG verbietet anfängliche Befristungen von nur einem Jahr um genau den Quatsch, der an deinem Institut passiert, zu verhindern.

Oder liege ich da falsch?


Wie bist du denn jetzt angestellt? Du schreibst "WiMa", das ist immer mindestens E13 - und kann in der jetzigen Konstellation nicht sein (geht nicht ohne Master). Und du kannst ja nicht einfach im ÖD befristet ohne Qualifizierungsphase bleiben. Ist das Drittmittel?

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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von caipirinha11085 » 20.11.2018, 17:00

Wenn es in der Schweiz tatsächlich möglich ist, im ersten Jahr gekündigt zu werden wegen mangelnden Fortschritts in der Dissertation, stellt sich mir umgekehrt die Frage, wo denn der Haken ist, wenn du nicht offiziell Doktorand wirst. Dein möglicher Betreuer scheint dich ja in diese Richtung lenken zu wollen. Ich nehme aber an, dass er dann nicht verpflichtet ist, deine Diss, wenn du "auf eigene Faust" mit der Forschung beginnst, auch tatsächlich zu betreuen. D.h. du stehst dann ggf. ohne Betreuer da und darfst deine Ergebnisse ggf. auch nicht so einfach zu einem anderen Institut oder Betreuer mitnehmen (einzelfallabhängig). Ich schätze, das bedeutet auch, dass dein Betreuer dir auch in sonst keiner Hinsicht bzgl. der Diss verpflichtet ist (etwa, wenn er die Uni wechselt). Dafür hast du anscheinend einen längerfristigen Arbeitsvertrag (wie lange? Was sind hier die Beendigungsmöglichkeiten von Arbeitgeberseite?).

Mir ist dieses Konzept mit der Kündigung im ersten Jahr gebunden an den Fortschritt der Arbeit fremd. Ist das in der Schweiz üblich? Setzt das jeder so rigoros durch wie dein Betreuer?

Gesetzt den Fall, dass dieses Modell in der Schweiz völlig üblich ist: Wenn du mit einer gewissen Sicherheit promovieren möchtest, sehe ich nicht unbedingt, wie du um die Aufnahme als Doktorand herumkommen kannst. Die Situation wäre letztlich ja noch schlechter, wenn du nun jahrelang eine Dissertation anfertigst, ohne offiziell einen Betreuer zu haben.

Wenn das Modell so nicht üblich ist, würde ich einen Wechsel an eine andere Uni oder zu einem anderen Betreuer erwägen, sofern realistisch möglich. Eine "Drohung", wie du es nennst, ist nicht gerade ideale Ausgangsbedingung für das Betreuungsverhältnis. Die Tatsache, dass dir dein Betreuer, obwohl er ja selbst über die Kündigung entscheidet, als Alternative anbietet, ohne feste Betreuungsvereinbarung "vor dich hin zu promovieren", lässt mich mindestens etwas misstrauisch werden.

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Re: Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand?

Beitrag von flip » 20.11.2018, 17:35

Ah, jetzt habe ich auch die Info mit der Schweiz gefunden. Das war in der Tat wichtig. ;)

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