Promotion oder Zweitstudium?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
Neue Fragen bitte hierher.

Antworten
jpj
Beiträge: 3
Registriert: 01.11.2018, 13:56
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von jpj »

Hallo,

ich befinde mich momentan vor einer für mich schwierigen Entscheidung. Ich habe vor kurzem mit sehr gutem Ergebnis einen Master in Internationale Beziehungen abgeschlossen und würde mich gerne im Bereich Flüchtlingsforschung/Migration in der EU spezialisieren (was bereits im Studium auch geschah). Es gibt zwei Bereiche, die mich interessieren: der öffentliche Dienst und die Wissenschaft. Ich habe den Wunsch eine Promotion zu beginnen, allerdings habe ich "Angst", ob sich das für mich lohnt. Ich bin bereits 28. Parallel habe ich mich für ein Jurastudium beworben an einer sehr guten Uni und wurde genommen (da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob meine Noten für eine Promotion ausreichen und das Interesse an Jura sich durch mein bisherigens Studium stark herausgebildet hat). Jetzt frage ich mich, ob es mehr Sinn macht Jura zu studieren, um mich noch besser aufzustellen in dem besagten Bereich (Migrationsrecht/Ausländerrecht) oder ob ich promovieren sollte in meinem Studienfach?

Meine Überlegungen waren auch beides zu kombinieren, aber das könnte eventuell zu viel sein vom zeitlichen Pensum bzw. ich würde eines der beiden Dinge schleifen lassen im schlimmsten Fall.

Vorteile Promotion:
Spezialisierung im Bereich Migration/Flucht
mit ca. 32/33 fertig und "roter Faden" im Lebenslauf
Möglichkeit in der Wissenschaft und Öffentlichem Dienst

Nachteile Promotion:
Überqualifizierung für öffentlichen Dienst?
prekäre Verhältnisse in der Wissenschaft?


Vorteile Jura:
bessere Qualifikation im besagten Bereich
bessere Jobchancen als mit sozialwissenschaftlichem Studium

Nachteile:
langes Studium und nicht unbedingt "leicht"
bei Berufseinstieg älter als mit Promotion (also zu alt?)


Ich würde mich freuen, wenn ich einige ernst gemeinte Meinungen zu dem Thema hören würde!!!

Vielen Dank!
Vollkornpizza
Beiträge: 191
Registriert: 06.07.2013, 23:17
Status: Dr.
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 4 Mal

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von Vollkornpizza »

Hi,

ich habe das Gefühl, dass du von einem Jobeinstieg an diesem Punkt mehr profitieren könntest als einer der beiden Optionen. Den Thembereich, den du anstrebst ist ja nicht etwas, für den es den einen Weg gibt und meine Einschätzung ist, dass Erfahrung hier mehr gewürdigt wird als akademische Qualifikationen aller Art (es sein denn, es ist dein Traum, im Bereich Asylrecht Rechstberatung leisten und in Asylrechstfällen vor Gericht gehen zu dürfen, dann geht es natürlich nur über Jura-Ref.-2.Sttasexamen; aber mit deinen background in IB geht es dir ja wahrsch. eher um Völkerrecht etc.)

Wenn du dir einen Job in dem Bereich suchst, dann könntest du schauen, ob du nebenbei Jura studieren möchtest (Fernuni Hagen?) oder nebenbei promovieren möchtest.

Das Jurasstudium hat den Vorteil, dass es sich jenseits von öffentlichem Dienst und Wissenschaft besser zu Geld machen lässt als die Promotion.

Das Problem ist aber, dass es dir gar nichts hilft, falls du es nicht bis ganz zum Ende machst. Die Promotion ist flexibler. Wenn du kumulativ promovierst, kannst du auch nach 1-2 Papern in den Sack hauen und du hast trotzdem etwas vorzuweisen.

Sowohl die Promotion als auch das Jurastudium kann man parallel zu einem Job (dann entweder oder) oder parallel zueinander angehen (in dem Fall würde ich hauptberuflich Jura studieren und nebenbei promovieren und nicht umgekehrt).

Für den Fall, dass du dich für eine Kombination entscheidest, bedenke, dass die Frage, ob es sich um eine "gute" Uni handelt weniger wichtig, als die Frage, wie weit sie bereit sind, dir bei einer Doppelbelastung entgegen zu kommen. Ein Bekannte vin mir hat z:b. promoviert und nebenbei Jura in Düsseldorf studiert. Das war aber sehr schwierig, weil die immer eine Mindestzahl von Klausuren veralngt haben, die man pro Semester schreiben musste. Eine Ausnahme von der regel wurde ihr aufgrund der Promotion nicht gewährt. Sie ist dann nach Köln gewechselt, wo es kein Problem war, weniger Kurse pro Semester zu belegen.
jpj
Beiträge: 3
Registriert: 01.11.2018, 13:56
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von jpj »

Vielen Dank für deine Einschätzung!

Meine Bedenken bei Jura sind eher die, dass ich (wenn das Studium hauptberuflich wäre) es schon gut begründen müsste, warum ich nochmals ein Studium angefangen habe in dem Alter. Daher dachte ich eher daran die Promotion hauptberuflich zu machen und nebenher einige Kurse in Jura. Dabei strebe ich eine Promotion in Völkerrecht an (gut erkannt :D ). Laut Studienfachberatung in Jura an der besagten Uni ist es kein Problem wenige Kurse zu belegen (keine Anwesenheitspflicht etc).

Bei mir kommt allerdings noch ein anderer Faktor hinzu: ich habe auch Familienaufgaben (Kind, 2 Jahre, geht 30 Stunden in den Kindergarten). Daher müsste ich mich schon genau entscheiden wie ich vorgehe. Alles nicht so einfach, ich will wohl zu viel :( Eine Berufstätigkeit anzufangen wäre natürlich auch eine Option und dann eventuell Teilzeit einzusteigen und eine der beiden Optionen nebenher anzufangen.
flip
Beiträge: 1107
Registriert: 02.11.2012, 02:50
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 32 Mal

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von flip »

Hmm. Also es gibt ja nun kein Studienfach "Migration", das heißt, du musst dich erst einmal entscheiden, in welch Richtung es gehen soll. Ich sehe nur, dass du viel zu generalistisch denkst. Soll die juristische, gesellschaftspolitische, soziologische oder gar wirtschaftliche Komponente im Vordergrund stehen. Oder was ganz anderes? Mehr als eine kannst du nicht bearbeiten, auch wenn sich das natürlich teilweise überschneidet.

Dann muss dir klar sein, dass das Thema zwar in den Medien "mega-aktuell" ist, aus Sicht des öffentlichen Dienstes aber sich faktisch schon erledigt hat. Das heiß, in ein paar Jahren, wenn du fertig bist, sind alle wichtigen Stellen im höheren Dienst schon längst besetzt bzw. die Kungelei hat die Oberhand gewonnen. Und ich bin mir nicht sicher, inwieweit man in dem Bereich gegen Juristen den Kürzeren zieht. Hinzu kommt, dass das Thema gerade in allen Disziplinen totgeforscht wird.

Wenn du wirklich noch Jura studieren willst, dann würde ich damit beginnen und dich evtl. parallel nach einer Promotionsstelle/-stipendium umsehen. Wenn du dann ein Zusage bekommst, dann kannst du noch einmal darüber nachdenken, Jura wieder aufzugeben. Aber solange du nichts in Aussicht hast, ist das ja keine Entweder/Oder-Frage.
caipirinha11085
Beiträge: 262
Registriert: 29.03.2016, 16:19
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von caipirinha11085 »

Das sinnvollste wäre mE zunächst einmal zu analysieren, welche Art von Job du später gerne hättest und welche Voraussetzungen du dafür mitbringen musst. Dein größtes Problem scheint ja bisher zu sein, dass du dir darüber noch nicht im Klaren bist. Wenn du am VG über Asylrechtsfälle entscheiden möchtest, musst du Volljurist sein. Wenn du gerne ins BAMF möchtest, würde ich mich zunächst einmal erkundigen, ob deine bisherigen Qualifikationen für Stellen, die dich ansprechen, nicht schon ausreichen oder auf einem Weg erreichbar sind, den du bisher noch nicht in Erwägung gezogen hast. Vielleicht erkundigst du dich auch nach Voraussetzungen über Stellen im auswärtigen Amt oder der EU?
Migrationsforschung betreibt man als Jurist an der Uni oder sonstigen Forschungsinstituten - und da stellt sich mir die Frage, ob sich das mit deinem jetzigen Studium nicht besser verwirklichen ließe.

Zum Jurastudium generell:
Jura bietet natürlich viele Möglichkeiten und als Volljurist sind die Jobchancen nicht schlecht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass du mit zwei guten Examina später mal eine Stelle in der Verwaltung bzw am VG bekommst, wo du Fälle aus dem Asylrecht bearbeitest (falls das überhaupt das ist, was du möchtest). Auch wärst du als Jurist mit Mitte 30 nicht unbedingt ein auffällig alter Berufseinsteiger.

Aber: Jura ist ein sehr langes Studium - wenn du unter der Regelstudienzeit bleibst und alles richtig durchziehst, dauert es dennoch etwas über 6 Jahre, da du ja auch noch das Referendariat machen musst. Schwer zu sagen, wie die Situation in dem Gebiet dann ist.
Zudem wirst du mit deiner gewünschten Fachrichtung erst im Schwerpunktstudium in Kontakt kommen, also etwa ab dem 5. Semester. Das setzt voraus, dass deine Wunschuni einen entsprechenden Schwerpunkt überhaupt anbietet. Zu viel kannst du dich dann aber auch nicht darauf konzentrieren, da es kein Pflichtfachstoff fürs Examen ist und du dich viel mit anderen Fächern beschäftigen musst.

Der Ruf der Uni ist in Jura nicht so entscheidend und nicht gleichbedeutend mit guter Lehre. Wichtig ist in Jura am Ende deine Note im Examen und ob du zuvor in einer der großen, bekannten Unis studiert hast oder an einer der neueren, weniger bekannten Fakultäten, interessiert niemanden mehr. Wie Vollkornpizza schon sagte, ist es deswegen sinnvoller, sich die Uni danach auszusuchen, wie die Lehrveranstaltungen sich mit deinen sonstigen Plänen vereinbaren lassen.

Ich kann mir schwer vorstellen, wie man Jura und Promotion nebenher sinnvoll verwirklichen kann. Ich finde zwar die Gruselgeschichten um das Jurastudium immer etwas übertrieben, aber die Energie aus der Promotion würde ich lieber investieren, um frühzeitig Zusammenhänge zu verstehen, die einem in der Lehre oft nicht vermittelt werden (können).
jpj
Beiträge: 3
Registriert: 01.11.2018, 13:56
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von jpj »

Vielen Dank für deine Einschätzung!

Den letzten Satz habe ich nicht ganz verstanden. Du meinst du würdest die Energie lieber ganz in die Promotion stecken oder diese lieber nicht verfolgen in meinem Fall?
spirograph
Beiträge: 181
Registriert: 21.02.2018, 15:58
Status: gut dabei
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 29 Mal

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von spirograph »

Hi,

mmmh, ich habe viele Studierende in meinen Seminaren sitzen, die Lehramt als Zweitstudium machen. Aber: Weil sie vorher iwas studiert habn, was nicht derart arbeitsmarktgängig gewesen ist. Meist haben Sie sich 1 Jahr gegeben, zwischen Abschluss Erststudium und dem ersten Semester Lehramt. Oder es sind Leute, die vorher ne Ausbildung bspw. zur Ergotheurapeutin oder Logopädin machten und sich quasi weiter- bzw höherqualifizieren wollen.

Wenn Du nun deinen frischen guten Master hast in IB, dann probiere doch erstemal aufm Arbeitsmarkt aus, ob Du eine gute Stelle ergattern kannst. Interamt.de, bund.de hsozkult.de sind tolle Portale zum expliziten Suchen. Guck da mal rinn jeden Tag. Dort werden, gerade bei interamt.de, jeden Tag die Stellen ausm ÖD ausgeschrieben, kannst ne tolle Suchmaske für Dich da bilden. Guck doch ersteinmal n halbes Jahr, was sich ergibt. Jetzt von einem Studium in ein neues Studium zu gehen, ich weiß nicht. Die vermutete Spezialisierung kannst Du dir mit der Kombi aus passendem Job + Diss mit Migrationsthema "besorgen". Plus, die machst deine erste Ausbildung zu Geld, bist abgesichert, sammelst Erfahrungen am Arbeitsmarkt und treibst die Diss voran. Ich nach meiner Meinung erachte ein Zweitstudium da als unnötige Schleife, wie ein Aufschub, bisschen Redundanz. Du bist 28, der nächste tatsächliche Schritt nach vorn wäre ne gute Stelle und ggf. Diss. Ggf thematisch verbunden. Damit schärfst Du dein Profil und treibst deine Berufsbiographie tatsächlich voran.

Die Kombi aus Job und Diss, die nicht verlinkt sind, ist gar nicht so übel. Ich habe das so, wenn meinem Betreuer iwas mit der Diss nich gefällt, kann ich souveräner damit umgehen. Die Kohle kommt trotzdem jeden Monat, DAS is erstmal wichtiger. Ne Seite is in 30min schnelle umgestellt, aber erste mal de wirtschaftl Existenz. Wenn ich mit Job und Diss an meinem Betreuer hängen würde.....brrrrrrr, neee, nich so.

Iwann mit dem Übertritt der mitte-20-Grenze war ich auf jeden Fall studienmüde, nicht lernmüde, aber so formal-Studiums-Prüfungen-abgenommen-bekommen-müde. Ich war den Schuhen eines klassischen Studenten entwachsen. Ich hatte kinnen Bock mehr mit 20jährigen in einer Reihe zu sitzen (obwohl es immer, siehe oben, ältere Leute gibt). Heute unterrichte ich die, übe meinen Beruf aus, das fühlt sich stimmiger mit meinem Alter u Lebenserfahrung an.

Dir alles Gute! :-)

spiro
Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumiere“ (Das Leben ist ein großes Abenteuer zum Lichte hin)
xa
Beiträge: 52
Registriert: 28.11.2007, 21:22
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von xa »

Man glaubt es kaum, ich muss meiner Vorrednerin ausnahmsweise Recht geben.
Mit dem Master kann man durchaus den Einstieg in den Job wagen...
caipirinha11085
Beiträge: 262
Registriert: 29.03.2016, 16:19
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Re: Promotion oder Zweitstudium?

Beitrag von caipirinha11085 »

jpj hat geschrieben:
02.11.2018, 09:14
Vielen Dank für deine Einschätzung!

Den letzten Satz habe ich nicht ganz verstanden. Du meinst du würdest die Energie lieber ganz in die Promotion stecken oder diese lieber nicht verfolgen in meinem Fall?
Ich würde entweder eine Promotion oder ein Studium beginnen und mich auf eines konzentrieren. Allerdings hatte ich deine Postings gestern irgendwie nicht gesehen. Ein paar Kurse im Völker- und Europarecht sind natürlich sehr sinnvoll und v.a. auch gut ohne jahrelanges Jura-Grundstudium zu bewältigen.
Meine Bedenken bei Jura sind eher die, dass ich (wenn das Studium hauptberuflich wäre) es schon gut begründen müsste, warum ich nochmals ein Studium angefangen habe in dem Alter. Daher dachte ich eher daran die Promotion hauptberuflich zu machen und nebenher einige Kurse in Jura. Dabei strebe ich eine Promotion in Völkerrecht an (gut erkannt :D ).
In Jura zählen nur deine Noten aus den Examina. Wenn du dich mit zweimal "VB" oder gar besseren Noten bewirbst, dann fragt man dich vielleicht aus Höflichkeit, warum du noch mal neu studiert hast, aber wirklich interessieren wird das niemanden.
Umgekehrt bedeutet das leider, dass man mit zwei eher mauen Examina es bei der Jobsuche eher schwieriger hat und du deine jetzige Position damit nicht unbedingt verbessern würdest. Deswegen ja auch der Hinweis, dass eine "renommierte" Uni für die späteren Jobaussichten bei Jura kein großes Gewicht hat.
Es kommt mE wirklich darauf an, was dein eigentliches Ziel ist und ob man dafür unbedingt Volljurist sein muss bzw. ob du denn sehr gerne Volljurist werden möchtest.
Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag