Doktoranden in früheren Zeiten

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Sebastian
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Re: Doktoranden in früheren Zeiten

Beitrag von Sebastian » 26.10.2018, 14:50

Krass! :shock:
Ich hatte die beschriebenen Bemerkungen als harmlose Frotzelei verstanden und nicht als ernsthaften Versuch, das vereinbarte Gehalt zu verweigern.

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flip
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Re: Doktoranden in früheren Zeiten

Beitrag von flip » 26.10.2018, 16:41

Sorry, aber das, was du schreibst, passt doch hinten und vorne nicht.
Wenn du intern promovierst, hast du auch einen Arbeitsvertrag. Da können auch nicht einfach Gelder von deinem Gehalt abgezwackt werden und in Reisekosten "umgebucht" werden. Du musst schon ein wenig mehr zu der Situation schreiben. Was ist das für ein Vertragskonstrukt, dem du unterliegt? Das ist nicht Standard.

Die historischen Dinge spielen keine Rolle. Das Problem, dass es einerseits Doktoranden auf einer vollen Stelle gibt und andererseits Stipendiaten ohne Arbeitsvertrag ist nicht von gestern auf heute entstanden. Aber wie gesagt, dass ist eine ganz andere Baustelle im Vergleich zu deiner (abnormalen) Situation hier.

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Re: Doktoranden in früheren Zeiten

Beitrag von Nomen Nescio » 26.10.2018, 18:07

In deinem Arbeitsvertrag wird (ziemlich zu Beginn) eine Formulierung der Art stehen: Arbeits-(Projekt-)vertrag zum Zweck ... zwischen ..., im folgenden Arbeitgeber genannt, und Herrn/Frau marmens, im folgenden Arbeitnehmer*In genannt. Wer oder was wird als AG bezeichnet? Die Uni? Der Lehrstuhl? Dein DV? Ein Dritter? Desweiteren interessiert mich, wieso du jemanden (und wen) als Finanzgeber bezeichnest? Ich verstehe (in meinem Umfeld) unter Finanzgeber meist einen Drittmittelgeber, das scheint mir aus deinem Kontext nicht erlesbar. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass du deinen DV als Finanzgeber siehst, für mich wäre er eher ein Mittelverteiler, und wenn er einen Arbeitsvertrag anzettelt, für den er nicht die Mittel über die gesamte Vertragslaufzeit gewährleisten kann, zockt er mit anderer Leute Lebensumstände. Da hilft auch kein Hinweis aufs Mittelalter, in dem Lehrlinge ihre Meister bezahlten, in ähnlicher Form auch zu Beginn der Universitäten.
Ich bin im I von MINT beheimatet, also im weitesten Sinne auch Natwis. Die Drittmittelvertragsteile, die ich einsehen konnte, sahen im Kern im wesentlichen so aus:
Finanzierung von:
n Doktorand*Innen-/Post-Doc-stellen zu je xyz€ p.a. mal Laufzeit
m Masterstellen zu je ...
l Bachellor-/HiWi-stellen zu je ...
Notwendige Hardware voraussichtlich ...€ (subject to change je nach Projektverlauf)
Verbrauchsmaterial (geschätzt) ...
Notwendige/Als sinnvoll erachtete Reisekosten/Kongressteilnahmen (Abrechnung direkt über Drittmittelgeber)
Mitunter wurden Publikationskosten (teilweise/pauschal) übernommen
Etwaige Verträge über Boni/Sonderzahlungen an DV lagen mir nie vor. :lol:

PS Doktoran*Innen ohne AV soltle es in MINT kaum geben, alleine schon aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht. Wg. der Randbed. aus Stipendien habe ich mir mit einem weiteren Doktoranden eine halbe Stelle geteilt, passte dann mit den max 10 Std im wiss. Umfeld.
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Re: Doktoranden in früheren Zeiten

Beitrag von mantor » 26.10.2018, 20:30

Nur um das bisher Gesagte zu unterstützen:

1. Mittel sind zweckgebunden, sodass nicht einfach Personalmittel zur Reisemitteln umgebucht werden können. Wenn ich an irgendeinem Punkt mal zu viel von dem einen oder dem anderen ausgebe, meldet sich die Verwaltung sofort und sagt: "Sorry, aber die Reisemittel sind aufgebraucht". Anders sieht das bei einem Aversum aus: Da kann es die Klausel geben, dass man Mittel so und so verwenden kann. Aber aus Aversen werden meistens Hiwis bezahlt und keine Mitarbeiter.

2. Üblicherweise, so kenne ich es zumindest als Angestellter als auch als Lehrstuhlinhaber, rechnet die Personalabteilung sehr genau nach, wie lange ein Vertrag auf Grundlage der bewilligten Mittel laufen kann/darf/muss und bucht auch die Mittel enstprechend. Deshalb scheint es mir sehr seltsam, dass auf einmal kein Geld mehr kommen soll. Warst Du schon bei der Personalabteilung? Sie wäre Dein Ansprechpartner, schließlich verpflichtet sich die Universität (zumindest bei allen Drittmittelgeldgebern, die ich kenne) als Arbeitgeber aufzutreten und die ordnungsgemäße Verwendung der Gelder zu garantieren.

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Re: Doktoranden in früheren Zeiten

Beitrag von caipirinha11085 » 27.10.2018, 17:52

Marmens hat geschrieben:
26.10.2018, 12:52
Danke für die Antworten bisher!

Nur ungern möchte ich allerdings nähre Angaben zu meinem Umfeld machen. Es wurde ja vom Forum-Admin in einem anderen Thema erwähnt, dass man mit Daten sparsam sein soll und falls mein Finanzgeber hier rein schaut, könnte das unschöne Konsequenzen haben. Nur so viel noch zum Hintergrund: es handelt sich um eine naturwissenschaftliche Fachrichtung. Dass ich nicht extern promoviere, habe ich ja schon erwähnt, da ich einen Vertrag habe. Allerdings kam es trotz des Vertrages zu schwerwiegenden Gehaltszahlungsschwierigkeiten durch fehlende Drittmittel des Projektes. Die näheren Details und Hintergründe zu den Mauscheleien kann und dürfte ich hier allerdings nicht ausführen. Ich kann mir nur vorstellen, dass Gelder zwischen den Finanzposten "Reisemittel" und "Personal" verschoben wurden. Anscheinend als Ausrede kam dann der Satz, dass man früher ja auch nichts verdient hätte.

Zumindest weiß ich auch, dass zu DDR-Zeiten Doktoranden ähnlich zu wissenschaftlichen Angestellten behandelt wurden und verglichen mit Berufsanfängern manche sehr wenig, andere aber auch sehr gut verdient haben (z.B. als Aspiranten). Da man das auf von der damaligen Zeit mit den niedrigeren Lebenshaltungskosten, staatlichen Subventionen und der damaligen Mangelwirtschaft aber schlecht mit der heutige BRD-Zeit vergleichen kann, bringen nähere Gehaltsangaben aus der DDR nichts. Zumindest konnten Doktoranden in der DDR sich aber selbst versorgen, wie mir gesagt wurde. Ich weiß nur nicht, wie die Situation in BRD-Zeiten aussah, als mein Finanzgeber promoviert hat.
Es ist total egal, was früher angeblich Usus war oder auch nicht. Fakt ist, du hast nach eigenen Angaben einen Arbeitsvertrag und offenbar wird dir dein Gehalt daraus verwehrt. Ich würde mich juristisch beraten lassen statt die Ausflüchte deines Arbeitgebers historisch nachprüfen zu wollen.

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Re: Doktoranden in früheren Zeiten

Beitrag von Nomen Nescio » 27.10.2018, 22:44

Marmens hat geschrieben:
26.10.2018, 12:52
Danke für die Antworten bisher!

Nur ungern möchte ich allerdings nähre Angaben zu meinem Umfeld machen. Es wurde ja vom Forum-Admin in einem anderen Thema erwähnt, dass man mit Daten sparsam sein soll und falls mein Finanzgeber hier rein schaut, könnte das unschöne Konsequenzen haben. Nur so viel noch zum Hintergrund: es handelt sich um eine naturwissenschaftliche Fachrichtung. Dass ich nicht extern promoviere, habe ich ja schon erwähnt, da ich einen Vertrag habe. Allerdings kam es trotz des Vertrages zu schwerwiegenden Gehaltszahlungsschwierigkeiten durch fehlende Drittmittel des Projektes. Die näheren Details und Hintergründe zu den Mauscheleien kann und dürfte ich hier allerdings nicht ausführen. Ich kann mir nur vorstellen, dass Gelder zwischen den Finanzposten "Reisemittel" und "Personal" verschoben wurden. Anscheinend als Ausrede kam dann der Satz, dass man früher ja auch nichts verdient hätte.
Ich muss zugeben, dass ich mit mir ringe, ob meine sig greifen sollte. Die Absurdität, jmd geschuldeten Lohn/Gehalt nicht zu zahlen und auf unbewiesene Vergangenheitsrituale zu verweisen, scheint mir für ein mittelständisches Unternehmen wie eine Uni jenseits jedweder Realität.
Auf die Gefahr hin, in einen Fehler 1. Art zu laufen:
Wie lange läuft dein Vertrag noch? Wie weit ist deine Diss fortgeschritten?
Nach meinem Wissen verjähren Gehaltsanspräche nach 3 Jahren zum Ende des Jahres, in dem das Problem auftrat (oder der Arbeitnehmer*In hätte auffallen müssen, was wohl aufs gleiche herauskommt ;) ) Feinheiten wie Ausschluss-/Verfallsfristen sollte aber jemand mit mehr Sachkenntnis anhand deines Vertrages abklopfen, wie von @cai angeregt.
Wie @mantor schrieb, ist das Verschieben von Mitteln nicht so einfach, insbesondere stehen verbuchte Mittel nicht mehr als Verschiebemasse zur Verfügung. Insofern glaube ich nicht an "Mauscheleien" in diese Richtung.
Ansprechpartner für dich könnten aus meiner Sicht neben Personalabt./Anwaltskanzlei sein: Promo-Ombudsperson an der Uni oder dto bei DFG, dazu die Kolleg*Innen von (vermutlich) VER.DI. Gewerkschaften gewähren ihren Mitgliedern Rechtsschutz/-beratung, für deine Entscheidungsfindung mag wissenswert sein, dass der Mitgliedsbeitrag 1% vom regelmässigen Brutto beträgt. (Aus dem Kopf, www.verdi.de sollte die sicherere Quelle sein.)
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