Lehrauftrag: Veranstaltungen auflockern, aber wie?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Basti1234
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Lehrauftrag: Veranstaltungen auflockern, aber wie?

Beitrag von Basti1234 » 19.08.2018, 19:27

Hallo!

Leider habe ich keine Stelle im Forum gefunden, bei der es um Lehrveranstaltungen geht, daher poste ich hier.

Ich habe einen neuen Lehrauftrag im Wintersemester und mit der Fachhochschule vereinbart, dass ich die Stunden aufgrund der weiten Anreise (ich wohne in Berlin, die Fachhochschule liegt in Bayern) an Freitagen und Samstagen leiste. Ich kenne bisher nur 2stündige Veranstaltungen an der Universität. Meine Frau schlug nun vor, etwas zur Auflockerung zu machen und die Studenten mehr einzubinden, um die Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich könnte mir z.B. Gruppenarbeiten oder Erstellen von Flipcharts vorstellen.

Nun handelt es sich um eine Veranstaltung, in der es aber darum geht, Definitionen und Faktenwissen zu vermitteln und dann maximal kurze Aufgaben zu lösen. Teilweise geht da nicht mal, da man nur das gerade Gehörte abfragen könnte, was natürlich noch nicht sitzt und nur nachschlagen lassen in den Unterlagen, ist mir zu wenig. Ohne das Fachwissen kann man auch nichts diskutieren und man muss dabei auch immer die Definitionen einhalten, wo sie dann noch Anfänger sein werden und es fast nicht möglich ist, sinnvoll zu diskutieren.

Wie lockert man so eine Veranstaltung für sich und die Studenten auf? Gibt es Ideen, die zu jedem Stoff passen?

Vielen Dank :)
Basti
Zuletzt geändert von Sebastian am 22.09.2018, 21:48, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff für die Forensuche ergänzt.

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caipirinha11085
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Re: Lehrauftrag

Beitrag von caipirinha11085 » 19.08.2018, 19:57

Was spricht dagegen, vorher die Definitionen mit den Studenten durchzugehen und ihnen anschließend Zeit zu geben, die Aufgaben in "Stillarbeit" für sich zu lösen?
Fand ich immer am Sinnvollsten und mE war das auch für meine Studenten das, was am Effektivsten war. Außerdem kommst du so auch auf deine Pausen, die du bei einer Bockveranstaltung am Ehesten benötigen wirst.

Auflockern.. "lustige" Beispiele für die Definitionen, allgemein ein bisschen Humor, und immer alles Veranschaulichen. Man kann sie auch die Definitionen selbst erarbeiten lassen, das klappt ganz gut, wenn es um die Definition alltäglicher Begriffe geht (wie zB "Beruf"). Ich bin kein großer Fan von Gruppenarbeiten und würde das nur einbinden, wenn der Studiengang allgemein gruppenorientiert ist.

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Re: Lehrauftrag

Beitrag von spirograph » 19.08.2018, 19:58

Hi,

gibt zu allem Bums, was Lehre angeht, gute Büchers: https://www.amazon.de/Hochschuldidaktik ... uldidaktik. Schadet nichts, da mal reinzukieken.

Wenn ich Dir so die fern-kurz-Anleitung geben müsste. Würde ich Dir zunächst die Bloomsche Taxonmie nahelegen, einfach googeln. Die klassifiziert Lernziele. Bei Dir las ich was von:
Basti1234 hat geschrieben:
19.08.2018, 19:27
Definitionen und Faktenwissen zu vermitteln und dann maximal kurze Aufgaben zu lösen
das klingt nach Wissen, Verstehen, Anwenden, also eher "einfachere" Lernziele. Demgegenüber gibt es auch komplexere Lernziele, die komplexer zu vermittel sind, z.B. Synthese von Wissen, Analyse von etwas oder Evaluation betreiben. Mit dieser Klassifizierung kannst Du dein Tun und die Lernziele also einordnen und einschätzen.

Du könntest Materialien mitbringen (PowerPoints erstellen; Bücher-Scans in bestimmten Umfängen) und dazu Stationen bilden, die von den Studis selbstständig je einzeln oder in Partnerarbeit oder als Gruppen durchlaufen werden (freie Sozialformwahl). Sie bringen sich das quasi fast selbst bei. Mit Aufgabenzetteln "prüfst" Du das Wissen ab, sicherst Ergebnisse; Lösungszettel da haben (Selbstkontrolle) oder per PowerPoint an eine Wand werfen (auf Nachfrage anmachen; oder Laptop-Einblick geben) oder die Studis kommen gruppenweise zu Dir, ihr besprecht das; Du trittst hier als Berater, Moderator auf. Vor diesem Stationenlernen (auch Lernzirkel) kommt zumeist eine für verbindende pointierte Einführung von Dir, wo Du das Kommende flankierst und die Studis drauf vorbereitest. Danach, nach dem Durchlaufen der Stationen, ebenso, eine Reflektionsrunde, wo Ergebnisse ggf präsentiert werden ("Fertigt eine kurze PowerPoint an zu....!"). Wichtig ist: Vorbereitung, Flankieren // Reflektion, Ergebnisse sichern.

Oder: Think-Pair-Share (googeln!) oder eine Lerntheke.

Ist eben mit Vorbereitung verbunden, das zugeschnittene Material muss da sein, Möglichkeiten der (Selbst-)kontrolle, die räumlichen Voraussetzungen (Flexibilität der Rauminhalte, Stühle, Tisch; Lautstärke?).

Die Form der Stationenarbeit ist so ein Mittelding zw Lenkung und gewissen Freiheitsgraden, z.B. in der Sozialform (mit wem?), Zeiteinteilung, Stationenablauf. Bewegliches Seminar quasi.

Sind die Lernziele dann komplexer, ggf im Verlauf deines Seminars, können die Studis für die Mitstudis solche Stationen zum Durchlaufen erstellen. Lernen von Inhalten und Methode! Der pädagogische Doppeldecker, quasi.

Viel Spaß Dir und deinen Schützlingen!

Alles Gute, spiro.
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Re: Lehrauftrag

Beitrag von Basti1234 » 20.08.2018, 14:08

Danke für eure Ideen.

Die Aufgaben in Lehrbüchern sind leider auch nur sehr kurz und decken dann mal 5-10 Minuten ab. Sonst finde ich Stillarbeit auch prima, da alle da noch mal den Stoff durchdenken können. Habt ihr Ideen, was man als Grundlage dazu nehmen kann?

Die anderen Methoden schaue ich mir mal an.

Postet gerne noch eure Erfahrungen, also was den Studenten Spaß macht und was gut funktioniert. :)

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Re: Lehrauftrag

Beitrag von spirograph » 20.08.2018, 15:05

Hi,

na, ggf Aufgaben selbst ausdenken; Anwendungsbeispiele parat haben; die Studis sollen sich gegenseitig Aufgaben stellen (Partnerarbeit) oder in einer Gruppe Anwendungsbeispiele finden, die dann im Plenum diskutieren....

:-)

spiro
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Re: Lehrauftrag

Beitrag von mm42 » 20.08.2018, 15:39

Basti1234 hat geschrieben:
19.08.2018, 19:27
Wie lockert man so eine Veranstaltung für sich und die Studenten auf? Gibt es Ideen, die zu jedem Stoff passen?
Ich spiele mit den Studis zur "Aktivierung" gerne eine Runde Kahoot: Das ist ein einfach zu bedienender Web-Dienst mit einer kostenlosen Variante, mit dem man vorher Multiple-Choice-Fragen anlegen kann. Die Fragen und Antwort-Optionen werden während des Spiel mit dem Beamer an die Wand geworfen; die Studis brauchen nur einen Browser (z.B. auf Smartphone) mit Internet-Zugang, um eine Antwort abzugeben. Nachdem die Zeit für eine Frage abgelaufen ist, wird die richtige Antwort angezeigt und eine Auswertung, wieviel Prozent der Antwort auf die einzelnen Antwort-Optionen entfallen sind; es wird auch nach jeder Frage angezeigt, welche drei Studis derzeit die meisten Punkte haben (je schneller man die richtige Antwort abgibt, desto mehr Punkte). Man kann an dieser Stelle auch kurz mit den Studis diskutieren, warum die einzelnen Antwort-Optionen wahr oder falsch sind.

Die Aufmachung von Kahoot ist zwar etwas kindisch, aber das scheint die Studis nicht zu stören. Und die nervige Computerspiel-Musik kann man ja abdrehen.

Ich verwende Kahoot hauptsächlich, um zu Beginn einer VL Fragen zum Stoff des letzten Termins zu stellen; aber man kann Kahoot auch zwischen zwei Kapitel einsetzen.

Das macht den Studis anscheinend recht viel Spaß; allerdings unterrichte ich relativ kleine Kurs, wo die Studis sich untereinander gut kennen, und deshalb sich leicht ein gewisser Ehrgeiz entwickelt. Theoretisch sollte Kahoot auch für große Vorlesungen mit einer dreistelligen Anzahl von Teilnehmern geeignet sein, aber ob das System dann auch noch stabil läuft und vernünftige Antwortzeiten liefert, habe ich selbst noch nicht ausprobiert.

Damit sich der Zeitaufwand, bis alle Studis sich angemeldet haben, rentiert, sollte eine Kahoot-Runde aus mindestens fünf Fragen bestehen.

Ein gewisses Problem bei Kahoot ist es, dass immer einige Studis auf die Idee kommen, anzügliche Nick-Names bei der Registrierung für ein Spiel einzugeben. Man kann solche Namen sehr einfach "rauswerfen" (einfach mit der Maus draufklicken), aber das kann für den Dozierenden peinlich sein, weil er damit zeigt, gewisse unanständige Wörter auch zu kennen. Man kann das Spiel auch mit vom System generierten Namen spielen, aber dann macht es viel weniger Spaß, weil die Teilnehmer nicht (gleich) wissen, wer die Spieler sind, die gerade führen. Peinlich kann es auch werden, wenn man einen Nickname nicht als anzüglich erkannt hat, und der entsprechende Spieler relativ gut ist, so dass der Nickname am Beamer erscheint.

Kahoot ist im wesentlichen auf Multiple-Choice-Fragen beschränkt (es gibt auch noch einen Frage-Typ, wo man bis zu vier Optionen in die richtige Reihenfolge bringen muss), aber MC-Fragen sollte man mit etwas Kreativität zu praktisch jedem Wissensgebiet formulieren können.

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Re: Lehrauftrag

Beitrag von Basti1234 » 20.08.2018, 17:40

danke, kahoot gefällt mir. ist das kostenlos und darf für die lehre genutzt werden? auf der internetseite steht etwas von preisen? ist das sonst irgendwie rechtlich kritisch, wenn man die studenten anregt, die app herunterzuladen? kenne mich damit nicht aus.

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Re: Lehrauftrag

Beitrag von mm42 » 20.08.2018, 20:04

Basti1234 hat geschrieben:
20.08.2018, 17:40
danke, kahoot gefällt mir. ist das kostenlos und darf für die lehre genutzt werden? auf der internetseite steht etwas von preisen?
Ich bezahle nichts für mein Nutzer-Konto bei Kahoot (um an einem Spiel teilzunehmen braucht man keinen Account). Auf der Homepage kahoot.com steht: "Free for teachers & personal use". Wenn man ein Kahoot (=Sammlung von Fragen) anlegt, dann kann man als Zielgruppe u.a. "University" angeben; diese Angabe ist aber wohl hauptsächlich für die Kategorisierung von öffentlich bereitgestellten Kahoots (man kann auch von anderen Autoren veröffentlichte Kahoots verwenden); die Veröffentlichung eines Kahoots ist natürlich freiwillig.

Der kostenpflichtige Account sind anscheinend nur für Firmen, die Kahoot für Weiterbildungsmaßnahmen u.ä. verwenden wollen.

Basti1234 hat geschrieben:
20.08.2018, 17:40
ist das sonst irgendwie rechtlich kritisch, wenn man die studenten anregt, die app herunterzuladen?
Zum Mitspielen braucht man nur einen Browser, und soweit ich mich erinnere, bringt die App kaum Vorteile für das Mitspielen. Die App ist wohl eher dann interessant, wenn man die von der "Community" veröffentlichten Kahoots durchsuchen will. Man darf Studierende natürlich nicht dazu zwingen, auf einem privaten Computer eine bestimmte Software zu installieren; aber wenn man Studierende auf eine Software hinweist oder diese erwähnt, und einige dann freiwillig diese Software installieren, dann spricht m.E. nichts dagegen (sonst dürfte man in keiner Vorlesung irgendwelche Software erwähnen, weil man das immer als Anregung an die Studis, diese Software zu installieren, verstehen könnte).

Das rechtliche Problem sehe ich eher darin, dass dabei "Prüfungsergebnisse" in der "Cloud" (nämlich auf den Servern von Kahoot, die für europäische Nutzer wohl in Norwegen stehen) gespeichert werden. Deshalb sage ich den Studis vor dem ersten Spiel immer, dass sie auf keinen Fall ihren richtigen (vollen) Namen oder gar ihre Matrike-Nummer eingeben sollen, sondern nur einen "Nickname" (was allerdings zu dem Problem mit anzüglichen Nicknames führt). Wenn die Studis als Nickname aber nur ihre Vornamen oder Initialen eingeben, dann sollte es sich bei den Kahoot-Ergebnisse nicht um "personenbezogene Daten" handeln, da diese pseudonymisiert sind. Und letztendlich ist die Teilnahme natürlich freiwillig, man kann keinen Studi zwingen, irgendwelche Daten an die Kahoot-Server zu schicken.

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Re: Lehrauftrag

Beitrag von Basti1234 » 20.08.2018, 20:39

Danke, kannte das nur noch nicht und werde mich da mal anmelden.

Das mit den anzüglichen Namen scheint ein Problem zu sein. Hast du Erstis? :)

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Re: Lehrauftrag

Beitrag von mm42 » 20.08.2018, 21:54

Basti1234 hat geschrieben:
20.08.2018, 20:39
Das mit den anzüglichen Namen scheint ein Problem zu sein. Hast du Erstis? :)
Nein, die sind schon ein wenig älter.

Wenn das mit den anzüglichen Namen zu schlimm wird, dann kannst Du auch mal Kahoot mit vom System generierten Namen spielen. Die Studis werden dann merken, dass es damit viel weniger Spaß macht. Du kannst den Studis danach sagen, dass Du in Zukunft mit ihnen Kahoot nur noch mit den Namen vom System spielst, wenn sie das mit den anzüglichen Namen (und Icons) nicht lassen.

Für meine nächste Vorlesung wollte ich es mal so ausprobieren, dass ich den Studis sagen, sie sollen ihren Vornamen oder Initialien als Nickname nehmen, weil dann das Spiel mehr Spaß macht. Evtl. kommen Sie dann nicht auf die Idee mit den anzüglichen Namen.

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