Pragmatismus vs. Perfektionismus - wie die richtige Mischung finden?

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Sunny13
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Pragmatismus vs. Perfektionismus - wie die richtige Mischung finden?

Beitrag von Sunny13 » 02.08.2018, 11:39

Hallo liebe Doks,

nach eingehender Literaturrecherche, Exposéerstellung, Durchführung einer empirischen Erhebung inkl. erster Ergebnisdarstellung bin ich nun nach >3 Jahren in der "schönen Phase" (haha), die Inhalte und die Argumentation meiner sozialwissenschaftlichen Diss zu strukturieren und die entsprechenden Kapitel nach und nach zu schreiben.

Auf diese Phase hatte ich mich eigentlich gefreut, dachte ich doch, ich hätte zu diesem Zeitpunkt einen wunderbaren Überblick über mein Thema und die damit verbundenen Diskurse und mir würde die Argumentation nur so aus den Fingern fließen. Stattdessen sitze ich seit Wochen an der Gliederung, strukturiere sie alle paar Tage um und/oder verfeinere sie, ordne Quellen um und nähere mich so nur in langsamen Schritten der finalen Darstellung. Nach dem zu urteilen, was ich aus meinem Umfeld kenne und ich hier im Forum gelegentlich lese, scheint das nicht ungewöhnlich zu sein bzw. sogar eher zum Schreibprozess dazuzugehören. Eine schlüssige Argumentation mit rotem Faden zu entwickeln, den Forschungsstand umfänglich darzustellen und einzelne Erkenntnisse in Verbindung zueinander (und zum eigenen Vorgehen) zu bringen, ist nun einmal Kernstück wissenschaftlicher Arbeit und eine entsprechende Herausforderung.

Vielleicht ist es noch der "Schreibschock" (also zu merken, dass eben nicht alles aus den Fingern fließt), der mich zurzeit ziemlich herunterzieht:
  • Ich habe das Gefühl, nur sehr langsam voranzukommen und länger für diese Phase zu brauchen, als ich eigentlich dachte. Ich empfinde einen Zeitdruck, der in keinem Verhältnis zur Realität steht (mein Vertrag an der Hochschule läuft noch über eineinhalb Jahre, ich bin nicht überdurchschnittlich alt für die Promotion [und selbst wenn] und auch sonst gibt es keinen rationalen Grund zur Eile).
  • Ich habe Angst, zu perfektionistisch vorzugehen, mich in Details und das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren.
  • Gleichzeitig befürchte ich, dass zu viel Pragmatismus (auch mal fünf gerade sein lassen, lieber zügig fertig werden als ewig rumbasteln) zu einem Ergebnis führt, das meinen Ansprüchen an die wissenschaftliche Qualität nicht gerecht wird.

Diese negativen Gefühlen der Angst, Überforderung, Selbstzweifel und vor allem des irrationalen Zeitdrucks lenken mich vom konzentrierten Arbeiten ab, sodass ich alle 30 Minuten denke "Ich hasse die Diss" (obwohl ich daran bisher so viel Freude und Sinn empfunden habe, auch in Durststrecken). Viele Doks in meinem Umfeld wirken auf mich sooo gelassen, was die Frage der Zeit angeht - ob sie dieses, nächstes oder übernächstes Jahr fertig werden, ist ihnen einfach nicht wichtig; sie achten lieber auf Freude, Qualität, inspirierende Tagungen nach dem Sinne "Die Diss muss ja auch reifen". Ich wünschte, ich hätte diese Einstellung auch.

Kennt ihr die Gefühle, die ich bei mir beschrieben habe, so oder so ähnlich (gerade das mit dem irrationalen Zeitdruck)? Wenn ja, wie geht ihr damit um/seid ihr damit umgegangen?
Ich freue mich über jegliche Ideen oder Hinweise; aber es hat auch schon gut getan, meine Situation einfach einmal niederzuschreiben und mir so meiner gedanklichen Barrieren bewusst zu werden.

Sunny

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spirograph
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Re: Pragmatismus vs. Perfektionismus - wie die richtige Mischung finden?

Beitrag von spirograph » 02.08.2018, 12:48

Hi Sunny13,

beim Lesen deines Artikels dachte mein Hirn nur so: "Ahhhhhh", dann wieder "Ahhhhhhh". Du hast dein "Problem" oder Konflikt bereits in sehr treffende Worte gepackt, das zeigt mir, dass da ein hoher Auseinandersetzungsgrad, Gedankenreife, Selbstbeobachtung, Reflektion und eben sowas am Start ist als auch, ja, vorausgegangen ist bereits. Jedenfalls so offn Punkt, dass deine Worte meine Worte hätten sein können. Will sagen: Ich erkenne mich wieder; das hatte ich auch. Ich lese heraus, dass es vor allem das "irrationale Zeitding" ist, was Dich drückt. Bei mir war es das auch, genau so. Ich habe auch ähnliche Bedingungen wie Du gerade: Vertrag läuft, ich bin nun endlich in der Schreibpahse (ja, der "schönen Phase"), alles prima, alles macht Freude. Letztes Jahr im Sommer hatte ich da manchmal so irrationele Meltdowns, eben dieses Zeit-Druck-Nacken-Ding, was zur Folge hatte, dass ich auch sagte, dass ich meine Diss hasse. Aaaaaaber ich hab´s überwunden. Mit einer gewaltigen Integration von Informationen in meinen Kopf; die Informationen kommen aus Beobachtungen, Sich-selbst-gegen-fragen-Analysen, Gesprächen mit anderen, ja, normaler Lebenseinschätzung, sowas. Klingt kryptisch, aber ich will es Dir gern verbildlich.

Zum Einen besteht jede Art von Arbeit, gerade sowas wie Dissen aus Rezeption und Produktion. Das sind zwei verschiedene Modi. Bei ner Diss rezipiert man erst, selbst so eine Erhebung ist noch Rezeption von Daten, die in irgendeiner Weise geordnet werden, erst später, jetzt, folgt der Ergebnisbereicht, die Produktion. Ist wie beim Schreibenlernen von den Kids: erst Rezeption (so sieht n ´A´ aus, Affe, Ampel, Ananas, dann Nachschreiben, also irgendwann Produktion von einzelnen Wörtern, dann eigen ausgedachten Wörtern, Wortgruppen, Sätzen, Texte...), dann Produktion. Wir beiden sind on the edge of production! :-) Bei dem Wechsel braucht es ein wenig, es ist so, dass es naturally zäh geht an dieser Gelenkstelle. Das Geballte Aufgenommene muss vorab nochmal besonders behandelt, strukturiert, portioniert, geordnet werden, um sich in einzelnen Kapiteln dann zu produzieren bzw. produziert zu werden. Ist so ein Transitstadium, nicht ganz Rezeption, noch-nicht-Produktion. Aber ohne dass würde das zu-Produzierende, nun, länger dauern im Sinne, dass es dann evtl noch ein, zwei Schleifen gehen müsste, um den Informationsreichtum zu erhalten (quasi damit gespcikt zu werden), den es gehabt hätte, wenn man dies gleich vor-ab-mitgedacht-hätte.

Der "irrationale Zeitdruck": selbstgemacht, selbst im Kopf, so war es bei mir; da lagen mir Annahmen über mich selbst, über das, was ich tue (Diss machen) zugrunde, die für den Druck gesorgt haben. Der Druck war die Konsequenz meiner Annahmen (sowas wirst Du auch haben), ggf. kann es sowas sein wie: Alle anderen sind och schon fertig; Die guten Stellen sind dann weg; Soll ich noch fünf Jahre hier rum leiden; Das wird doch alles nichts, alle sowas. Horche mal in Dich hinein, ganz schonungslos, auch mit Selbsteingeständnissen. Prüfe diese Annahmen; nun eigentlich ist es klar, dass keine davon wahr sind/sein können. Also: Ersetze sie durch wahre Aussagen oder mögliche Aussagen: Ich bin damit fertig, wenn ich damit fertig bin (wie Rocky: It aint over til its over); Es gibt IMMER tolle Stellen; Und wenn es 100 Jahre dauert, pfff; Es ist mein Thema und es gibt niemanden, der das Thema so gut behandeln kann wie ich! Na, besser? Einfach sich vergewärtigen, dass es zu aller Zeit alles gibt, was Du benötigst für dich und dein Leben und deinen weiteren Weg; Du "darfst" die Diss machen, Du "darfst" das Thema, genau dein Thema bearbeiten, kein Mensch kann das so gut, kein Mensch hat solche Daten je soweit unter deiner Fragestellung gepusht - SO, und so lange, wie es dauert, diesen tollen "Weitstand der Daten" in einen für alle lesebaren Bericht zu transferieren, liebe Welt, SO lange dauert es! :-) Beim Arzt muss ich och warten oder in der Warteschlange, beim Konzert anstehen, beim Frisör, da dreh ich auch nicht frei oder wer anderes. Es ist auch so, wie mein das Promovieren für sich interpretiert. Manche machen "nur" das. Ich habe aber noch einen Arbeitsvertrag, für 40h und 8 SWS mit Prüfungen und allen drum und dran, manchmal über 100 Hausarbeiten, mündliche Prüfungen, Semesterplanungen, dafür bekomme ich Geld, ich übe meinen Beruf aus (Lehre(rin)), so, dann erst kommt bei mir die Diss, eben wenn alles andere, das, was mein Leben hier in der Marktwirtschaft finanziert, getan ist. Für meine Diss bekomme ich kein Geld, die steht in dem Vertrag nur als Alibibefristungsgrund drin. So interpretiere ich mein Promovieren für mich: Erst Berufs ausüben, Leben absichern, dannnnn Diss. Nur Diss doesnt get me a paycheck. Es dauert bei mir dann "länger" - "länger" als who or what? Es ist mir egal, was andere Leute machen, das interessiert mich nicht. Tatsächlich. Nichts macht unglücklicher als andere Leute gucken oder in der Vergangenheit leben. Dafür habe ich tausend Jahre Lehrerfahrung, selbst wenn ich jetzt 16 SWS machen müsste, das wäre kein Sprung mehr, sondern Ruheroutine. Will sagen, ich sehe das alles relativ und relatiert zu anderen Sachen. Es ist sogar so, dass einige Leute, mit denen ich angefangen habe mit ihrer Diss fertig sind, dafür aber drei Jahre lang n Tausi Stipendium bekommen haben, nix eingezahlt und so und nun haben die eine halbe Projektstelle in erster Gehaltsstufe für 12netto, ich krieg n Lachkrampf, dann lieber brauche ich zwei Jahre länger und fasse jeden Monat 25netto ab, zahle ein und spare mir irgendwann mit anderen Beträgen finanzielle Freiheit an. Für mich ist das alles eine große Rechnungslegung, das ist eben meine Interpretation.

Manchmal macht mein Doktorvater Druck. Lässt so Spitzen, Kommentare durchkommen. Aber ich bin erwachsen und verhalte mich abgegrenzt zu seiner Interpretation seiner Lebenszeit: den Schuh ziehe ich mir nicht an. Er weiß ggf. Manches nicht, was ich erfahren habe. Manchmal sagte er, "Sie könnten ja neben ihrer Erhebung abends schonmal Theorie lesen!", ich denke: "Einen Scheiß muss ich!". Trotz. Mein Leben, meine Entscheidung, die Konsequenzen meines Tun (was auch immer das ist), kenne ich, nehme ich auf mich. Ich verhalte mich erwachsen und abgegrenzt. Buchempfehlung an der Stelle: https://www.amazon.de/Mythos-%C3%9Cberf ... rforderung . Ihn verblüfft das dann, dass ich nicht verblüfft bin, ich sage zu ihm sehr klar und bestimmt - ohne Rechtfertigung, dass es so lange bei mir dauert, wie es dauert. Keine Diskussion. Meine Lebenszeit, meine Entscheidung.

Perfektionismus: Interessant. Hat was mit Blickrichtungen auf den Träger des Perfektionismus zu tun. Das wäre bspw hier die Diss. Die soll perfekt sein, also den Perfektionismus tragen. Das Ding ist aber: Perfktionismus ist eine Zuschreibung, eine Einschätzung. Was für dich perfekt ist, ist für mich ggf nicht perfekt, noch nicht perfekt. Selbst wenn Du das nach deinem gusto perfekti machst, es kommt ein anderer und negiert das. Ggf. ist der am längeren Hebel als Betreuer oder was weiß ich. So einem Perfektionismus muss man auch Geltung verschaffen, selbst wenn man meint, das generiert zu haben. Will sagen: Wenn Du das dann halb-perfekt gemacht hättest, würde der andere das nicht noch als halb-noch-nicht-perfekt empfinden, sondern immernoch als "noch nicht perfekt". Ggf. hat er keine Ahnung, kanns nich einschätzen oder hat krasse Ahnung. Ich glaube, dass 70% reichen, um in die Nähe von perfekt zu kommen und um deiner Fragestellung gerecht zu werden und um zu zeigen, dass du eigenständig das alles machen kannst, was ja ein Zweck soner Diss ist. Es braucht nicht alle Artikel der Welt, um ein Kapitel deiner Diss in seiner Funktion für die Gesamtarbeit "voll" auszusatten, es reichen 15-20 Artikel. Im Methodenteil langen 5-10 Bücher, es reicht, um den einzelnen Beitrag des Kapitels für die overall-Diss zu erzeugen. Um nichts anderes geht es. Solche Unterkapitel sind keine Diss itself, die Innovation liegt in dem Mosaik der einzelnen Kapitel, was sich zu einem innovativen Ganzen zusammenfügt. Deine Diss ist Träger der Innovation, nicht die einzelnen Unterdinger.

Es ist, ein letztes Wort, wichtig m.E. im Leben, dass man auf lange Sicht - wir müssen hier alle arbeiten bis 70, 75? - arbeits- und lebensfähig bleibt. Bevor ich frühs anfange zu arbeiten, kommt Trinken offn Tisch, Fenster auf, lüften, Rolläden schick, PC hochfahren, Mails, Post gucken, so, dann erst bin ich arbeitsfähig - und das verteidige ich auch mit Päusen, frischen Essenssachen, nicht ganz so lange Arbeiten usw., eben so, dass ich morgen auch noch am Start bin. Wenn ich freidrehe und mich vergrabe, ist keinem geholfe, mir auch nicht. Und die Welt? Dankt einem das nicht. Versuche im Alltagsleben vieles zu beobachten, mir half das, mein Tun zu relativieren: Im Wartezimmer, was brechend voll ist am Montagmorgen bei meiner Hausärztin, haben die Sprechstundenhilfen trotzdem n Kaffeepot im Anschlag, weil die von 8-18 Uhr da noch durchhalten müssen und das als Maßnahme brauchen, is klar. Keinem ist geholfen, wenn die da einen nach dem anderen hardcore abfertigen wie am Fleißband, so machen sie es bisschen gechillter für sich - und es geht auch. Sie noch alle gesund geworden oder zumindest mit gelbem Schein. Ich bin btw in der Provinz groß geworden und habe nun häufig in Berlin zu tun: Manchmal komme ich hier noch einem laaaaangen Tag an am HBH, steige um, fahre nach Wedding, steige dort aus, was sehe ich? Viele Leute, die einfach mal abhängen, wahrscheinlich schon den ganzen Tag - und? Manche liegen da mit heruntergelassener Buchse, wahrscheinlich im Vollsuff oder Anderes, es gibt Leute hier, die in der S-Bahn zu Mukke tanzen, die keiner hören kann, alle haben große Fresse ("Berliner Schnauze") - und machen sich mal so überhaupt nicht heiß. Die Sonne scheint über die und über mich und über alle anderen och. Didumm. Alle atmen, alle essen irgendwas, alle lachen mal, alle ärgern sich mal, alle können sich sonnen, ob Du nun Vollgas gibst oder halblang machst. Es ist eine Sülze.

Ich glaube, die größten Helfer in deiner Situation könnten sein: Abgrenzung, Relation, Reflektion und Besinnung.

Alles Gute,

spiro
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Re: Pragmatismus vs. Perfektionismus - wie die richtige Mischung finden?

Beitrag von Sunny13 » 02.08.2018, 13:19

Hallo spirograph!

Was ein Herzensbeitrag von dir, der hat genau meine "fiesen Stellen" im Denken getroffen und ist ihnen mit umwerfender Gelassenheit und Relativierung begegnet - ich fühle mich gerade im wahrsten Sinne erleichtert.

Erst einmal hat gut getan, wie gut du meine Ausführungen nachvollziehen konntest und dass du die Situation von dir selbst kennst. Die Unterscheidung von Rezeption und Produktion und die vorprogrammierte Zähheit am Übergang der beiden hat genau das verbalisiert, was ich die ganze Zeit, ohne es näher beschreiben zu können, als furchtbar anstrengend empfinde. Sich das einmal so deutlich zu machen - dass es hier um unterschiedliche Prozesse der Arbeit geht, die nur dann ineinandergreifen, wenn sie mit viel Hirnmuskeln bearbeitet und zueinandergeführt werden - macht mein "Problem" deutlich greifbarer.

Was die Zeitfrage angeht - ja, du hast in allem Recht, beim Friseur erwarte ich auch nicht, dass meine Haare nach 10 Minuten geschnitten sind, im Bus warte ich auch, bis ich ankomme, und ein gutes Pils braucht 7 Minuten, um gezapft zu sein. Vielleicht tut mir hier auch etwas Achtsamkeit gut; nicht nur immer auf das Ziel schielen, auf den Wunschzustand, sondern sich auf einen Schritt nach dem anderen konzentrieren. Mein Doktorvater ist lustigerweise genau dieser Typ "Der Weg ist das Ziel", bei ihm würde ich damit offene Türen einrennen und er hat mich auch schon öfter zur "Rast" angehalten. Da werde ich künftig ein bisschen besser hinhören.

Die Perfektion beziehe ich ganz klar auf meine Anspruch von Perfektion; dass meine Diss von einigen Leuten zerrissen wird, von anderen gelobt und von den allermeisten gar nicht erst gelesen, ist mir klar und sogar ziemlich egal. Aber das macht es schon leichter; ich muss den Anspruch nur mit mir selbst aushandeln. Und wenn ich die Zeitfrage mit meinem hetzenden Hirn hin zu einer größeren Gelassenheit und Achtsamkeit auflöse, wird auch die Frage nach der Perfektion mit deeskaliert...

Also: Relativierung, Abgrenzung, Reflexion - unterschreibe ich alles, am besten druck ich mir die Worte groß und fett aus und hänge sie an die Wand hinter meinem Schreibtisch. Nachher werde ich mal am Badesee vorbeischauen und mich davon überzeugen, wie schön die Sonne auf mich scheint wenn ich einfach nur daliege und nix tu ;). Danke, spirograph, für deine fabelhaft treffenden Worte!

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Re: Pragmatismus vs. Perfektionismus - wie die richtige Mischung finden?

Beitrag von spirograph » 02.08.2018, 13:49

Yeah,

you see what I am talking about. Sometime I preach a little bit. Anyway. You got it! :D Es gibt bei den Kids, wenn die Fremdsprachen lernen, so eine "Gelenkstelle", einen Transit, Tunnel, einen Hiatus, einen Passus: Wenn Sie dauernd bspw. Englisch hören (Rezeption), aber noch nicht anfangen, das nachzusprechen (Produktion), das nennt sich "silent period". Sie sprechen da noch nicht, aber fassssssst. Da prozessiert unser Hirnschrank. Und datt Beste, was man machen kann, ist den prozessieren zu lassen (ich komme meinem Hirn nicht mehr mit meinem bewusst gemachten Zeidruck, Faktenbums; ich sehe an meinem Output in der Bilanz, an dem, was schon erfolgreich lief, dass ich auf mich vertrauen kann. Unaufgeregt. Hat immer alles geklappt bislang. Auch ditte klappt. Ansonsten wäre es das Erste, was schieflaufen würde, würde mich wunder). Am Badestrand, auf den Tanzflächen der Republik, offn Festival, einfach, kurzum, "nichts machen". In so einem Passus sind wir beide gerade. Nun kannst Du es besser etikettieren. Ich arbeite gefühlt immer und nie, ich mache auch häufig nichts, um dann den Wall am Zeug, was sich in mir gebraut, aufprozessiert hat, bei passender Gelegenheit auszuspeien. Dann gibts eine komplette Seminarvorbereitung in 2 Wochen, fullspeed. Und dann: leer, getan. Pause, "nichts machen", und dann wieder den Brennstäben im Schädel den Damm öffnen...ich komme mir manchmal wie ein Transistor-Radio vor, was öfters mal rauscht und auch empfangen kann, wenn es nicht Mukke dröhnt, nur um dann irgendwann zu einem Punkt offde richtige Frequenz zu kommen und dann: the only good system is a soundsystem.....

Es geht auch um Vertrauen in sich, dass man alle Fähigkeiten, die es broocht, um die Diss oder was auch immer, gut fertig zu machen, schon tausendfach bewiesen hat und damit erfolgreich war. Warum dem jetzt mit Zeitdruck, Zweifel, Angst - und Unsicherheit kommen? Was soll einem das selbst sagen? Nee, nee, Sicherheit in sich und Abgrenzung: Ich mache das so und so. Bam. Schritt für Schritt. Und zu einem Zeitpunkt in der Zukunft wird das Ding fertig sein. Die Welt dreht sich. Immernoch. Auch wenns zwei Wochen später wäre. Oder drei Monate früher. Aaaaaber: In der Zwischenzeit dafür sorgen, dass der Spassssss nicht zu kurz kommt!


Ohne Spassss bleibt Dissssss blasssss! :-) :-) :-)

Stromberg-spiro!

Viel Fetz am See!!!

spiro
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