Rat gesucht

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Rat gesucht

Beitrag von user0 » 21.07.2018, 20:04

Zum Gruß!

Also ich habe mich in eine etwas seltsame Situation gebracht und habe auch schon mehrere Menschen gefragt, wie ich vorgehen solle, aber das Feedback ist teilweise widersprüchlich. Daher dachte ich, es wäre eine gute Idee, einmal hier zu fragen.

Die Situation ist grob wie folgt:

Ich habe nach viel Mühe, aber auch mit hohem Interesse, einen sehr guten Master-Abschluss erhalten und habe in meiner Masterarbeit auch schon veröffentlichungswürdige, eher weniger kontroverse Resultate in Gebiet 1 meines interdisziplinären, naturwissenschaftlichen Faches erhalten. Die Masterarbeit liegt auf arXiv und ich beabsichtige, wenn ich irgendwann einmal Zeit dafür finde und Publikationen brauch, Papers aus ihr zu machen. Nun würde ich gern in meinem Fach in Gebiet 2 promovieren. Da es sich eher um ein Nischengebiet handelt, die wenigen Promotionsstellen hart umkämpft sind und ich relativ konkrete Vorstellungen vom Dissertationsthema habe, habe ich mich direkt an die wesentlichen Professoren des Faches in Deutschland gewendet und mich natürlich auch um die Stellen beworben. Leider hat beides aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, auch wenn ich in der Regel mit den Menschen persönlichen Kontakt gefunden habe.

Als ,,Haupthindernis'' habe ich folgendes identifiziert: Während meines Masterstudiums habe ich ohne Koautoren eine sehr kontroverse Publikation in Gebiet 2 in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, die sich - meiner Ansicht nach sehr gut argumentiert - für eine Abänderung der Grundlagen des Gebietes ausspricht. Die derzeitige Situation in dem Gebiet ist so, dass es mehrere Gruppen gibt, die sich schon seit längerer Zeit alle gegenseitig widersprechen, in Anbetracht diverser empirischer Ergebnisse aber mittlerweile etwas Bewegung in die Sache kommt (ob die Gruppen Schlüsse daraus ziehen steht auf einem anderen Blatt).

Nun mag ich die Arbeit in Gebiet 2 sehr und habe in meiner Freizeit, teilweise neben den Job, den ich aufgrund der Situation annehmen musste, eigenständig, weitere Forschungsergebnisse erreicht. Leider fehlt es mir jedoch an Zeit diese alle ordentlich zu veröffentlichen und die Frage ist, ob die weitere, alleinige Arbeit daran mich nicht wissenschaftlich noch mehr isolieren würde.

Da ich für das Gebiet brenne und auch schon einiges in der Hand habe, möchte ich natürlich dort weiter machen. Auch habe ich keine besonders hohe Motivation fachfremd zu promovieren - unter anderem, weil ich Sorge habe, dann nicht wieder in Gebiet 2 zu kommen oder gar vollständig aus dem Fach zu fliegen. Außerdem muss ich natürlich auch von irgendetwas leben, selbst wenn meine Ansprüche nicht sehr hoch sind.

Habt ihr einen Rat?

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Re: Rat

Beitrag von Papierturm » 22.07.2018, 18:50

Kryptisch und kurz: Die Geschichte von Hr. Semmelweis sehr aufmerksam studieren in Bezug auf Gruppendynamiken.

Weniger kryptisch, kurz erklärt. Hr. Semmelweis war ein Arzt und hat vor Entdeckung von Bakterien sich für Hygienestandards stark gemacht. Hier gelang auch eine Umsetzung, was die Sterblichkeitsrate deutlich reduzierte. Dummerweise nur hat er seine Kollegen weder emotional noch sachlich mit an Bord bekommen, weshalb die Geschichte meiner Erinnerung nach so ausging, dass er von seinem Posten gejagt wurde und verarmt und halb verrückt starb, und seine Hygieneideen von seinen Nachfolgern zurückgenommen wurden. Einige Jahre später wurden Bakterien entdeckt und plötzlich ergaben seine Methoden Sinn. Hat Hr. Semmelweis aber auch nicht mehr geholfen.

Radikale Akzeptanz der Realität! Leider bewegt sich der Erkenntnisgewinn der Wissenschaft manchmal im Tempo von tektonischen Platten vorwärts. Manchen (z.B. Einstein) gelingt es Ideen weit über deren Tempo einzubringen. Andere (z.B. Semmelweis) werden zermalmt.

Wenn ich in der geschilderten Situation stecken würde, würde ich sehr auf die inhaltspolitische Landkarte schauen. Hätte ich Möglichkeiten irgendwo unterzukommen, wo meine Position geteilt wird? Falls nicht, schauen, inwieweit sich der Ruf noch gerade biegen lässt.
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Re: Rat gesucht

Beitrag von user0 » 24.07.2018, 18:11

Papierturm hat geschrieben:
22.07.2018, 18:50
Kryptisch und kurz: Die Geschichte von Hr. Semmelweis sehr aufmerksam studieren in Bezug auf Gruppendynamiken.
Vielen Dank für den Hinweis, ich habe das darauf hin auch gemacht. Anscheinend spielten auch politische Differenzen eine Rolle in der Geschichte, im Großen und Ganzen hat es sich aber wohl wie hier beschrieben zugetragen.
Papierturm hat geschrieben:
22.07.2018, 18:50
Dummerweise nur hat er seine Kollegen weder emotional noch sachlich mit an Bord bekommen
Diejenigen ausgenommen, die sich grundsätzlich nicht ,,an Bord bringen lassen'' wollen, wie schaffe ich das? Mir ist natürlich klar, dass ich Aussagen a la ,,das stimmt nicht, da Aussagen a) und b) nicht zutreffen, lies Abschnitt so und so meiner Arbeit'' gut verpacken muss, aber erfahrungsgemäß führt das trotzdem schnell dazu, dass die andere Person abschaltet. Vielleicht ein sokratischer Zugang, sodass das Gegenüber mit Hilfe selbst drauf kommt?
Sicherlich bin ich auch nicht unfehlbar und lerne auch viel aus Gesprächen mit Menschen aus dem Gebiet (auch deren Arbeiten), aber teilweise lese/höre ich so einen ausgemachten Unsinn in meinem Fachgebiet, dass ich nicht weiß, wie ich da ein konstruktives Gespräch anfangen soll, ohne dass die Situation explodiert - also halte ich hier in der Regel den Mund.
Papierturm hat geschrieben:
22.07.2018, 18:50
Wenn ich in der geschilderten Situation stecken würde, würde ich sehr auf die inhaltspolitische Landkarte schauen. Hätte ich Möglichkeiten irgendwo unterzukommen, wo meine Position geteilt wird?
Das habe ich bereits relativ tiefgründig getan, vielleicht muss ich noch weiter in dieser Richtung suchen. In Deutschland sieht es schlecht aus, ich habe einen mitstreitenden Professor im europäischen Ausland gefunden, aber leider kann er aus finanziellen und verwaltungsrechtlichen Gründen nicht mein Doktorvater sein. Dann habe ich noch ein Angebot aus den USA, nur hier würde ich mich vollständig entwurzeln um in ein Land zu gehen, was meiner Ansicht nach sich politisch und akademisch noch mehr in die falsche Richtung entwickelt als dieses hier und dann habe ich noch die Sorge, dass ich mich irgendwann mit dem Professor dort wegen fachlicher Kleinigkeiten im Zusammenspiel mit einer aufkommenden Konkurrenzsituation zerstreite - und dann hänge ich da fest :-tomate:
Papierturm hat geschrieben:
22.07.2018, 18:50
Falls nicht, schauen, inwieweit sich der Ruf noch gerade biegen lässt.
Schade ich ernsthaft meinem Ruf, wenn ich eine saubere wissenschaftliche Arbeit vorlege, deren einziges Verbrechen der Widerspruch zu etablierten Aussagen ist? Wie soll ich in einem solchen Umfeld gute, relevante Forschung betreiben?

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Re: Rat gesucht

Beitrag von Papierturm » 26.07.2018, 18:00

user0 hat geschrieben:
24.07.2018, 18:11
Papierturm hat geschrieben:
22.07.2018, 18:50
Dummerweise nur hat er seine Kollegen weder emotional noch sachlich mit an Bord bekommen
Diejenigen ausgenommen, die sich grundsätzlich nicht ,,an Bord bringen lassen'' wollen, wie schaffe ich das? Mir ist natürlich klar, dass ich Aussagen a la ,,das stimmt nicht, da Aussagen a) und b) nicht zutreffen, lies Abschnitt so und so meiner Arbeit'' gut verpacken muss, aber erfahrungsgemäß führt das trotzdem schnell dazu, dass die andere Person abschaltet. Vielleicht ein sokratischer Zugang, sodass das Gegenüber mit Hilfe selbst drauf kommt?

[...]

Schade ich ernsthaft meinem Ruf, wenn ich eine saubere wissenschaftliche Arbeit vorlege, deren einziges Verbrechen der Widerspruch zu etablierten Aussagen ist? Wie soll ich in einem solchen Umfeld gute, relevante Forschung betreiben?
Ich denke hier auf einem sehr allgemeinen, abstrakten Niveau. Da ich nicht weiß, wie heiß das Thema umkämpft ist. Wie viel "Dogma" darin steckt. Daher kann ich wieder nur so geschichtliche Erfahrungsberichte anbieten.

Im Grenzbereich zwischen meinem Fachgebiet und einer weiteren galt lange Zeit, dass es "N." nicht gibt. Über 20 Jahre lang haben alle Forscher, die Hinweise auf "N." fanden, und ihren Ruf nicht beschädigen wollten, geschrieben "wir haben da seltsame Entdeckungen gemacht. Das waren die Ergebnisse. Wir können diese nicht erklären."

(Um der Ironie die Krone aufzusetzen ist das nicht einmal, sondern zweimal im Abstand von ca. 40 Jahren passiert. Beide Begriffe fingen mit "N" an.)

Ich wünschte, die Wissenschaft wäre mehr... nun ja, wissenschaftlicher. Weniger an Dogmen, an Cargo-Kulten, an Politik, an wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet. Ich wünschte das sehr. Da ich kein politischer Mensch bin. Und es einfach spannend finde den Wissenspool auszudehnen. Ich erzähle jedem, der es hören oder nicht hören möchte, dass ich deshalb ein nahezu überhaupt nicht erforschten Themenbereich als Diss-Thema wählte. Trotzdem musste ich an einer Handvoll Stellen schreiben "also in dem Bereich gab es seltsame Ergebnisse..."

Ich glaube Einstein war es, der sehr fatalistisch meinte, man überzeugt keine Leute, sondern wartet, bis die Generation wechselt. So fatalistisch bin ich nicht. Sokratisches Vorgehen ist immer gut, nur wie das in Veröffentlichungen nutzen?

Vielleicht als andere Idee. Stelle dir ein rotes Blatt mit grünem Punkt in der Mitte vor, dazwischen einen graduellen Übergang von Grün über viele Gelbtöne zu Rot. Grün ist das Dogma. Darin zu bleiben wäre sicher, aber wissenschaftlich unsauber. Rot, Wissen ganz weit jenseits der Grenzen des Dogmas. Arbeiten in der gelben Zone, gerade in der grüngelben Zone, könnten vielleicht akzeptabler sein.

Gruppendynamiken und Politik macht leider vor dem Universitätsbetrieb nicht halt.

:(
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Re: Rat gesucht

Beitrag von user0 » 28.07.2018, 14:37

Vielen Dank für deine Antwort, sie hat mir definitiv geholfen die Situation noch einmal aus einer anderen Sichtweise zu sehen und ich behalte mir das mal im Hinterkopf. Es scheint wirklich eine tiefe Kluft zwischen dem öffentlich propagierten Wissenschaftsideal und der Realität des Wissenschaftsbetriebes zu existieren, was mich wütend und zugleich auch traurig macht. Die gesellschaftlichen Probleme dahinter (Kontrollausübung über Existenz- und Abstiegsängste, Unterfinanzierung, Gruppendenken, ...) scheinen aber zu einem Großteil von Außerhalb zu kommen - auch wenn Kämpfe immer an Ort und Stelle geführt werden (müssen).

So ganz raus geworfen aus der organisierten Wissenschaft habe ich mich mit der vorherigen Forschung zum Glück nicht. Ich habe ja durchaus Wissenschaftler (es waren immer Männer) getroffen, die meinen Positionen aufgeschlossen gegenüber waren und in einigen Fällen sogar selbst die gleichen Schlüsse aus der Sachlage gezogen haben - nur ist dieser Kreis von Menschen derzeit noch überschaubar. Also mal schauen, inwiefern ich dort anknüpfen kann. :trost:

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Re: Rat gesucht

Beitrag von Leolina » 30.07.2018, 11:44

Ich glaube, mit Empathie ist hier viel gewonnen. Stell Dir mal vor, Du arbeitest als Prof seit 25 Jahren zu einem Thema, bist anerkannt und hast einiges erreicht. Plötzlich kommt ein Student und erzählt Dir, dass alles ganz anders ist. Das erzeugt begründete Zweifel bis hin zu Reaktanz.

Ich kenne Dein Fachgebiet nicht, und Deine Angaben sind sehr vage, aber wenn ich in der Wissenschaft etwas gelernt habe, dann dass es sehr selten so ist, dass es ein Richtig-oder-Falsch gibt. Deine Aussagen wirken ein bisschen wie "lauter Geisterfahrer"...aber kann es nicht auch sein, dass Du selbst auch ein bisschen auf der falschen Spur bist? Wieso solltest denn Du es, im Gegensatz zu allen Koryphäen auf Deinem Gebiet, als einziger besser wissen?

Die Lösung sehe ich hier darin, wie Du das verkaufst. Wenn Du auftrittst à la "Ihr seid dumm - alles ist falsch, was ihr sagt!" (was auch ein bisschen in Deinen Posts durchklingt), kann ich durchaus nachvollziehen, warum Du keine Stelle bekommst...jeder Prof mit Führungsqualitäten wird einen noch so genialen Kopf, der aber sein Team komplett sprengt, ausschlagen.

Wenn Du aber begeistert von Deinen Befunden auftrittst, und eine gewisse Liebe und Respekt für Dein Forschungsgebiet durchklingen lässt (z.B. "mir hat XY keine Ruhe gelassen...ich habe viel Zeit auf dieses Problem investiert...und bin auf der momentanen Datenlage zu dem Schluss gekommen, dass...ich würde gerne weiter zu diesem Befund forschen, um es zweifelsfrei belegen oder verwerfen zu können, da ich das als zentrale Fragestellung in dem Gebiet erachte..."), sehen Lehrstühle, dass Du kein Querulant, sondern ein extrem motivierter Doktorand bist, der eigenständig denkt und arbeitet und dem Erkenntnisgewinn (und nicht seinem eigenen Ego) dienen will.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!
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Re: Rat gesucht

Beitrag von spirograph » 30.07.2018, 13:37

Hi user0,

beim Lesen des Fadens fiel mir eine passende Erinnerung ein: Ich war vor Jahren auf einer Abschiedsvorlesung von einem Prof, bei dem ich gern Vorlesungen gehört habe, ganz freiwillig, fachfremd und, ich habe mich da einfach reingesetzt. Nun er war Literaturwissenschaftler und in seiner Abschiedsvorlesung sinnierte er so über seine beruflichen Anfänge, wie er als Jungspund auch mal ein Dogma in seinem Bereich brach. Ich glaube mich zu erinnern, dass er damals den "Faust", was gemeinhin als das klassische Werk galt (erfüllt alle Epochenmerkmale), klassisch in Form, Einheit aus Ort, Zeit, Dramatik, als eben total "unklassisch" deklariert hat, nämlich zerissen in Form und Zeit, mit vielen Schauplätzen, es geht hin und her, Faust sei kein Held, sondern ein Abdampfer, jemand, der gelenkt wird...er meinte, dass er die Reaktion auf seinen Ansatz damals gar nicht einschätzen/antizipieren konnte, es ging ihm damals "lediglich um Aufklärung, Fortschritt im Wissbaren", also wie bei Dir, er hatte als er jung war noch keine Ahnung von Politik und Wissenschaft...das hätte ihm damals "fast die Karriere gekostet"...
user0 hat geschrieben:
28.07.2018, 14:37
Vielen Dank für deine Antwort, sie hat mir definitiv geholfen die Situation noch einmal aus einer anderen Sichtweise zu sehen und ich behalte mir das mal im Hinterkopf. Es scheint wirklich eine tiefe Kluft zwischen dem öffentlich propagierten Wissenschaftsideal und der Realität des Wissenschaftsbetriebes zu existieren, was mich wütend und zugleich auch traurig macht. Die gesellschaftlichen Probleme dahinter (Kontrollausübung über Existenz- und Abstiegsängste, Unterfinanzierung, Gruppendenken, ...) scheinen aber zu einem Großteil von Außerhalb zu kommen - auch wenn Kämpfe immer an Ort und Stelle geführt werden (müssen).
Äh, ja, die "Kluft" ist auf jeden da! Es gibt diesen Schein nach außen, Nimbus, Zuschreibung, weiße Weste, redlich, integer, lauter und der ganze Bums. Nach innen, in da back, Korruption, Bevorteilung, Glattziehen, Mobbing, Bossing, Lästereien, Diffamierungen, Seilschaften, Rechtsbeugung, Liebschaften, Kalkül. Ich hatte hier schon überlegt mal n thread aufzumachen: "Dinger, die ich inner Wissenschaft erlebt habe...", mal sehen. Heute sehe ich das so - und dies hilft mir als Anwendungsansatz für mich UND auch als Erklärungsansatz für das Verhalten von Anderen in dem ganzen Uni-Mumpitz - ,dass die Leute (und auch ich) sehen, dass sie das Möglichste aus (!) dem Uni-Bums für sich mitnehmen; sei es Geld, sei es Erfahrungen, sei es mglst nett verbrachte Lebenszeit, was auch immer. Mit dem Narrativ "aus dem Uni-Bums" finde ich es zutreffender, das, was ich sehe und mitbekommen habe, zu klassifizieren, wirklich kausal herzuleiten, zu deuten. Wenn ich mit dem Narrativ (Kontrastfall als Schärfung) "in dem Uni-Bums" oder "mit dem Uni-Bums" komme, trifft es das für mich nicht. Jede Situation da, ob Dienstsitzungen, Arbeitsbereichsversammlungen, Fakultätsrat...da sitzen Leute, die das Meiste "aus dem Bums" für sich mitnehmen wollen. Egal wie. Wie Fruchtfliegen über einer Obstschale.

Ein Wort zu Existenz- und Abstiegsängsten. Ich bin froh, dass ich Lehramt studiert habe; ich bin auf Uni-Stellen nicht angewiesen. Wenn ich morgen kündige und meinen Resturlaub nehme, kann ich in einem Monat irgendwo anders anfangen. Mir ist es wirklich hupe. Das macht und hält mich frei. Wirklich. Ich verbinde mit Uni keinen Nimbus mehr. In den Jahren starb da was in mir. Aber es ist, wie es ist. Letztens wollte mir jmd erzählen, dass man dann wenn man promoviert ist, zur "Scientific Community" gehört, ich habe grade nen Zug vom Hasseröder genommen als ich das hörte und prustete es leider aus...das Zeug ist kostbar. Ich wusste nicht, ob er das ironisch meint, weil es für mich nur ironisch geht. Sowas kann man nicht ernst meinen. Lieber gehöre ich zum Verein Kaninchenzucht Ufftrungen e.V. als zu dem Schwafel. Ich kann nur jedem raten, sich einen guten Plan B zu überlegen und sich da langfristig ranzutasten und das zu verfestigen. Wenn es das Relativ zum Plan B gibt, hebt es einen nicht so an, was die Leute an der Uni für einen entscheiden oder nicht. Man fällt weich. Das macht innerlich frei und leicht. Man kann gut schlafen. Was Abstiegsängste angeht, mmmh, ist alles, was nicht-Uni ist dann Abstieg? Ausstieg? Bei uns wird manchmal gesagt: "Der und der ist jetzt nicht mehr an der Uni, der ist wieder an der Schule", "ahja, da hatter er also aufgehört" [freut sich]...da könnte ich immer aus der Haut fahren, der hat nicht aufgehört (wie bei ner Sekte!!!!), der macht woanders genauso gut weiter!!! An der Uni sind viiiiile Leute mir Anerkennungs- und Wertigkeitsproblemen, die die mit sich selbst haben und sowas weitergeben, deswegen müssen sie so ne Ranghierarchie und Ausleseapparat machen wie es Uni eben ist und dass dann als iwie besonders verkaufen. Pffff, glaubt denen nicht, Durchschaut das, guckt Euch diese Leute genau an, studiert jene und die Narrative und Implikationen und Kommunikate, die sie unterhalten und in eure Köpfe implantieren! Ich kann nur sagen, macht Euch davon frei. Genießt Eure Tätigkeiten dort, aber distanziert Euch von allen unreflektierten Einflüsterungen. Thats it.

Alles Gute,

spiro, für die ein Buch so gut ist wie ein Ziegelstein
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Re: Rat gesucht

Beitrag von Grounded » 31.07.2018, 14:38

Liebe Spirograph,

eins vorab: Ich finde deine direkte Art und deine kritische Einstellung dem "Uni-Bums" gegenüber klasse und teile sie. Beim Lesen deines posts sind mir einige Gedanken durch den Kopf gegangen, die ich dir nicht vorenthalten will. Um den Hintergrund deins posts zu verstehen müsste ich noch wissen, ob du auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebs gearbeitet hast - Studentenjobs ausgenommen. Ich will trotzdem ein paar Anmerkungen schreiben.
spirograph hat geschrieben:
30.07.2018, 13:37
Äh, ja, die "Kluft" ist auf jeden da! Es gibt diesen Schein nach außen, Nimbus, Zuschreibung, weiße Weste, redlich, integer, lauter und der ganze Bums. Nach innen, in da back, Korruption, Bevorteilung, Glattziehen, Mobbing, Bossing, Lästereien, Diffamierungen, Seilschaften, Rechtsbeugung, Liebschaften, Kalkül.
All das lässt sich nicht nur in Universitäten beobachten. All das findest du in unterschiedlichen Ausprägungen und auf unterschiedlichen Niveaus überall im Berufsleben. Ich gehe zurzeit den Weg von einer langjährigen Tätigkeit außerhalb des Wissenschaftsbetriebs in Richtung Promotion und - wenn alles gut geht- in Richtung Professur. Was du da aufzählst, habe ich dort auch erlebt, und zwar in einem Bereich, in dem man das Befolgen gewisser berufsethischer Prinzipien vorausstzen müsste - auch im Umgang der Kolleg*innen miteinander. Pustekuchen! "Korruption, Bevorteilung, Glattziehen, Mobbing, Bossing, Lästereien, Diffamierungen, Seilschaften, Rechtsbeugung, Liebschaften, Kalkül" gab und gibt es da auch.
Deshalb bin ich für mich zu der Schlussfolgerung gekommen, dass dieses zweifelhafte "Netzwerken" offenbar zum Berufsleben dazu gehört und ich meinen Umgang damit finden will.
spirograph hat geschrieben:
30.07.2018, 13:37
Ich hatte hier schon überlegt mal n thread aufzumachen: "Dinger, die ich inner Wissenschaft erlebt habe...", mal sehen.
Wäre klasse, wenn du dazu etwas schreiben würdest. :) Vielleicht würde mir dann der Unterschied zwischen den Missständen an der Uni und in der Wirtschaft klarer.
spirograph hat geschrieben:
30.07.2018, 13:37
Heute sehe ich das so - und dies hilft mir als Anwendungsansatz für mich UND auch als Erklärungsansatz für das Verhalten von Anderen in dem ganzen Uni-Mumpitz - ,dass die Leute (und auch ich) sehen, dass sie das Möglichste aus (!) dem Uni-Bums für sich mitnehmen; sei es Geld, sei es Erfahrungen, sei es mglst nett verbrachte Lebenszeit, was auch immer. Mit dem Narrativ "aus dem Uni-Bums" finde ich es zutreffender, das, was ich sehe und mitbekommen habe, zu klassifizieren, wirklich kausal herzuleiten, zu deuten. Wenn ich mit dem Narrativ (Kontrastfall als Schärfung) "in dem Uni-Bums" oder "mit dem Uni-Bums" komme, trifft es das für mich nicht. Jede Situation da, ob Dienstsitzungen, Arbeitsbereichsversammlungen, Fakultätsrat...da sitzen Leute, die das Meiste "aus dem Bums" für sich mitnehmen wollen. Egal wie. Wie Fruchtfliegen über einer Obstschale.
Was die Intentionen angeht, die du hier benennst: da kann ich nur das wiederholen, was ich ganz oben geschrieben habe. Den "Uni- Bums" kannst du beliebig mit jedem anderen "Bums" ersetzen :D


Liebe Grüße

Grounded

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Re: Rat gesucht

Beitrag von Nomen Nescio » 31.07.2018, 15:40

Zustimmung! Ich sehe ebenfalls keinen sittlichen Nährwert im einseitigen Hochschul-Bashing. Alles Aufgeführte findet in evtl. leicht abgewandelter Form in wohl jeder Hierarchie statt, und jede(r) bestimmt selbst, ob er/sie Radfahrer*in wird. ;) Wer zählt die Meetings, in denen lediglich noch darüber diskutiert wird, ob der Status des Projekts noch von Grün auf zumindest Gelb gesetzt werden sollte, bevor es absehbar gegen die Wand kracht? Leidlich die Schmerzensgelder fallen in der Privatwirtschaft üppiger aus, bis auf die sehr wenigen oberen Ränge ind den übersichtlich vielen solventen Fakultäten.
Trollschutzerklärung: Ich halte mich aus threads mit erhöhtem Trollpotential heraus. Im Fehlerfall möge der Troll bitte "NEIN, ich bin nicht einverstanden." drücken.

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Re: Rat gesucht

Beitrag von spirograph » 31.07.2018, 16:36

Hi Grounded,

ha - da liegen zwei Frequenzen überlagernd und wir "raffen" einander! Cool! Es gibt solche Menschen und solche Momente. Danke, dass Du mir positive Spiegelung gibst. Ich werde Dir alles beantworten und noch Einiges im Nachschub differenzieren müssen, auf dass ich nicht falsch verstanden werde:

Meine Tätigkeiten, mit denen ich dankenswerterweise betraut worden bin anner Uni, die 8SWS Lehre, die zig begleiten und echt betreuten Abschlussarbeiten, den Rat, den ich auf Gängen, in Klos im Unigebäude, in der Bibo, in der Cafeteria geben durfte, das Empowerment an die Leute, in ihren vulnerablen Ausbildungsabschnitten...all das liebe ich, es ist Teil meines Selbst geworden. Das kann mir keiner nehmen, egal, was mit mir wird. Ob Leute sagen, ich wäre dope, ob sie ihre Blicke senken. Es ist ein in-mir-Schatz geworden, wie Gollum und sein Ring. Letztens, um das mal plastisch zu machen, kam ein Student zu mir und suchte wen, bei dem er seine Abschlussarbeit (Grundschullehramt) schreiben kann. Kein Ding, sagte ich. Er meinte aber, dass er in der Zeit/der Frist der Bearbeitung für 4 Wochen ins Krankenhaus muss wegen einer neuen Neurodermitisbehandlung. Seine Krankheit und die entsprechenden Symptome sind äußerlich ersichtlich, charakteristische Symptome der Haut an allen sichtbaren Stellen, Hand, Gesicht, Hals. Er meinte, dass das bei anderen angefragten Mitarbeitenden ein Problem sei, weil er ja dann für vier Wochen weg ist und ihm die Bearbeitungszeit fehlt...ich: "Mmmh. Kann ich mir vorstellen. Da machmer jetzt kein Ding draus. Sie bleiben bei mir. Gehen Sie ihren ärztlichem Rat nach, gehen Sie ins Krankenhaus, lassen Sie sich gut behandelt. Lassen Sie sich eine Prognose, schriftlich, geben und einen Liegenschein. Den geben Sie sofort zum Prüfungsamt, das ist FrauXY, mit Mail-cc an mich. Das die klar sieht. Falls es da beef gibt, Mail an mich weiterleiten.", Er: "Und wie soll ich das aufholen?", ich: "Sie sollen gesund werden und es soll Ihnen besser gehen, die Liegenzeit ihres Krankenhausaufenthaltes wird Ihnen drangehangen!", er: "Aber da kann ich nicht im WS 2018/2019 abschließen!", ich: "Doch. Sie erarbeiten das nach ihrem Krankenhausaufenthalt in aller Ruhe, bei Rückfällen, sofort Arztattest, dass Sie organisatorisch abgesichert sind. Alle Zeiten werden angehangen. Prüfungsamt-Mail-CC und an mich. Ich brauche für die Kontrolle ihrer Arbeit mit Gutachten 3-5 h, das mache ich an dem Tag des Einreichens sofort fertig. Egal, wo ich bin, senden Sie mir auch eine pdf-Version ihrer Arbeit. Damit entstehen Ihnen zeitlich keine Nachteile. Ob Sie 2 Monate später abgaben aus Gründen oder ob die Arbeit bei mir 3 Monate liegt...verstehen Sie?", er: "Und inhaltlich? Ich kann keine Bücher groß mitnehmen in die Klinik, muss Fahrten und Stress reduzieren", ich: "Ich verstehe das schon. Wenn es ihr Zustand zulässt. Gucken Sie mal hier. Das ist ein Scanner. Damit kann man Auszüge aus Bücher und Zeitschriften scannen und mobil mitnehmen!", seine Augen wurden groß, ich: "Vieles habe ich schon parat, es gibt tolle Springer-Online-Links im Opac der Bibo hier. Da gucken wir mal rein. Lassen Sie und mal einen Stick zusammenstellen und wenn Sie Muße und Kraft haben, dort zu lesen, dann können Sie das unabhängig von Zeit und Raum dort im Krankenhaus machen." DAS ist für mich Klientenbezug. Gelebte Pädagogik. Den habe ich, glaube ich, voll aufgefangen. Echter Nachteilsausgleich. Der war dankbar und kann abschließen wie alle anderen auch. Das liebe ich.


Was ich nicht soooo gut finde, sind die von mir oben aufgezählten Dinge. Vorab, ja ich habe auch außerhalb der Uni gearbeitet, 7 Jahre in einem der größten Deutschen Kulturverbände. Genau der gleiche Bums. Hacken, Anscheißen, Ausstehen, Miesmachen, Auge machen, Abgraben wegen den paar Kröten...schlimm. Solche Maden teilweise. Die sind für mich wie Timm Thaler, haben ihr Lachen und ihre Freude verloren. Wenn ich sage, dass es mich freut, wenn er/ sie dies und das macht, meine ich das so. Ich kenne keinen Neid. Der Kuchen ist soooo groß, dass er für alle reicht und wenn es sein muss, werden auch 5000 an nem See damit verköstigt. Es reicht für alle. Ich verstehe Verteilungskämpfe nicht. Ich weiß nicht, wie es ist hungrig, unfreiwillig und nicht den momentanen Umständen geschuldet, ins Bett zu gehen. Ich kenne Mangel nicht. Aber ich kenne und erkenne <Handeln aus Mangel>. Neid, Missgunst, Boshaftigkeit, Schmallippigkeit, Stock im Arsch, Kackwurst sein, besonders an den Unis, wo ich war und bin. Aber es ist ok. Ich bekomme Geld. Ich darf Leuten in dem small spot, wo ich bin, helfen, wirklich. Ich setze mich ein, ich scheiße auf Reputation. Erzeloquente Mails gibts von mir, mit fetten cc-Setzungen bis hoch zum Kanzler, zum Präsi. Da kenn ich nix. Ich bin Lehrkraft, ich kann in zig Bundesländern mehr als genug verdienen und dort wirken und den Kids helfen. Was ich erlebt habe, warum ich >so> bin: Das erste Ding war 2 Wochen nach meiner ersten Anstellung, ich saß in der Mensa mit zwei Kollegen, die neben essen, übelst gelästert haben: "Ah, die soll ja mit...die ist jetzt bei dem, die hat ja große Hupen, er kriegt wohl jetzt die Juniorprofessur, der sieht man ihren Lebenswandel ja auch an...." usw, das fing da an und dauert die Länge meiner Beschäftigung dort an. Für die beiden, alle in hellblauben Hemd, Leder-Gallan-Schuhe, passend zum Gürtel, zur Armbanduhr, ausrasierter Nacken, gegelt, Autoschlüssel am Schlüsselbund, alles da, ich dachte nur: "Hier gehts ja zu wie in nem barocken Hofstadt! Der hat ja mit der, huhuhuhu, weißte schon dies, weißte schon das!". Das war das Erste. Das zweite war, ich hatte dort eine Kollegin, die damals Lehramt studiert hat, ganze 7 Semester und wollte promovieren, dazu fehlten ihr aber die formalen Voraussetzungen, heißt ein vollakademisches Studium von mindestens acht/neun Semestern. Das war kein Ding, weil die mit dem Chef auf gut stand, auf Konferenzen tanzten die zusammen und die Hand lag auf dem Bein von dem. Er setzte n Brief auf, es wurde glattgezogen und die konnte das machen, keine zusätzlichen Vorlesungen, Seminare, Statistikkurse oder sonst was. Einfach mal glattgezogen. Ganz easy. Ich weiß ferner, dass Teile ihrer Diss aus der Feder ihres Betreuers/Chefs kommen, ungekennzeichnet. Dort ging es nicht rechtens und lauter zu. Unzählige andere Beispiele folgten. In meiner gegenwärtigen Arbeitssituation ist es so, dass es einen hochgelobten "Starwissenschaftler" bei uns gibt, der in 9 Jahren mit seiner Diss soweit ist, dass er im Kolloquium erzählen kann, wie er sein Sample plant, zusammensetzen. Sonst ist da nix gelaufen, keine Erhebung, kein Kapitel, der wird voll alimentiert, da er 4 Kinder hat und sich das WissZeitgesetz da wie Gummi bläht. Und er wird hochgefeiert. Macht die Hälfte von meinem Lehrdeputat und immer die gleichen Seminare, keine Innovation, bekommt gleiches Geld, chillt sich da einen ab und macht ganz slow mit vielen Päuschen. Wenn ich DAS sehe und höre bei den "Teamsitzungen". Ich reiße 8 SWS ab, immer neue Seminare, Innovation, ich mache private Weiterbildungen, bringe das ein, mit meiner Diss befinde ich mich in der Abfassung, also im Schreibprozess. Also normales Vorgehen, normale Widmung. Naja. Plus, der Typ hält sich für dope und kundig, er ist auch schon Ende 40, immerhin. Ihm wird trotz Ansturm auf die Lehramtsstudiengänge kein weiteres Seminar aufgebürdet. Das müssen andere machen: Als ich frug, warum ich 8 SWS mache, statt 4 wie es die Landeslehrveranstaltungsverordnung vorsieht, musste ich an dem Tag noch zum Dekan! Für den ÖD ist das echt ma fast! Ich hatte in der Kürze der Zeit keine Zeit den Personalrat mitzunehmen (noch so ne Farce, forget it), der hat mich rund gemacht, unter Druck gesetzt wie ein Stasi-Verhöre, ganz, ganz eklig. Diese feinen Herren! Wer hätte das gedacht, dass der Junge Qualitäten aus dem "Leben der Anderen" hat. Aber ich weiß, dass es menschlich für solche Aktionen an anderen Menschen noch eine andere Gerechtigkeit gibt. Mein Chef war dabei, ich wurde als faul und arbeitsscheu hingestellt. Ich wurde gezwungen dem "Kompromiss" zuzustimmen ("wir halten das hier so; sonst sind das LfBA-Stellen, da bewirbt sich keiner"), also weiterhin das doppelte Lehrdeputat zu machen. Bidde erzählt mir nichts von weißer Weste Wissenschaft! Ich kann damit umgehen, wie gesagt, ich bin innerlich und äußerlich frei. Ich brauche deren Jobs nicht. Was im WS 2018/2019 ist, lasse ich offen, es gibt derzeit viiiiele tolle Bewerbungsmöglichkeiten....räusper. Mein Resturlaub sind genau 6 Wochen = Kündigungsfrist. Die können Kalkül, kannsch och. Sobald wer anbeißt, binsch weg. Didumm.


Immer wenn ich höre, Kolumbien, Südamerika, Korruption ist hoch usw., aldor, mir drehen die Augen hohl. Der ÖD/Uni hier ist ein Geschmeiß, ein Klüngel. Ich verstehe die Uni für mich als "Industrie", so werden diese ganzen hässlichen Sachen für mich folgerichtig und plausibel. Es schockt mich nicht mehr. Weil es ja so sein muss, im "universitären Betrieb". Ist immanent, systemisch, erwartbar. Was meinen Umgang >damit> an geht, ich habe viele Copingstrategien:

- da, wo ich positiv für andere wirken kann, mache ich das: Momente des Gebens und Weitergebens, Empowerment, Mut machen
- korrekte Leute im Privaten, mit denen ich mich über den ganzen Bums totlache und mit denen ich auf den music boxen der Nation abtanzen kann: Abschütteln, Lächerlich machen, zurück ins Kleine bringen, denn das ist es, >Handeln aus Mangel>
- Sport machen, Gewichte pumpen, beim Kreuzheben diese Sachen dort lassen; geistig und körperlich stark sein u bleiben, dass das wie ein Schutzschild is ("die können dir gar nichts; lasse rankommen, dein Blick bleibt grade, keine Wimper zuckt"): dicker Pelz
- gläubig/ spirituell sein; der an den ich glaube, lenkt meinen Weg, daran habe ich keinen Zweifel; ich weiß wo ich hingehe, ich weiß, wo ich herkomme, ich weiß, was ich brauche und was ich nicht brauche: Klarheit und Stärke
- Widerstandskraft, Resilienz: Es gibt im Kongo Männer, die sich Sapeurs nennen (https://www.youtube.com/watch?v=W27PnUuXR_A). Trotz Armut ziehen die tolle Sachen an, um sich gut zu fühlen, schick in ihren Schuhen laufen sie auf Straßen ohne Asphalt; sie erheben sich aus den Umständen, schaffen für sich etwas Positives. So handhabe ich das auch. Immer schick, gepflegt, Hose sitzt, einfache aber hochwertige Bluse an, einen Armreif, kein Mensch weiß manchmal, dass ich auch struggle, ich versuche mich davon immer zu entheben. Wenn nicht immer innerlich gleich, aber äußerlich. Selbst wenn es heißt, ich sei faul, knicke ich nicht ein, ich bleibe aufrecht und schick wie die Sapeurs im Kongo laufe ich über das, was mir da vorgeworfen wird: Enthoben, untouchable
- ich versuche das Schlechte und Ungerechtfertigte mit Gutem zu begegnen: Mein Chef sagte ich sei faul, ok, bei der nächsten Mail frug er, ob jemanden ihm beim Prüfen helfen kann, keiner meldete sich, ich meldete mich, bot mich an; ich weiß, dass er nicht den geistigen Horizont hat, das zu raffen (er nannte mich auch schon einmal "Hexe" vor einer Kollegin, so geht es zu "bei uns"), es verunsichert ihn, aber da muss er durch: frei sein und bleiben, unbeschwert. Der Kollege von oben redet schlecht beim Chef über mich, sagt ich sei "überengagiert und zu sehr bei der Diss", ich biete ihm wertvolle Scans an für seine Seminare, für die Studierenden zum Hochladen, ich versuche das Aufzulösen, um es dort zu lassen, ich will deren >package> nicht, das ist meine Praxis den Bums sofort dort zu lassen
- ich spare Geld; von 25 netto jeden Monat lege ich 17/18 zurück; im Jahr sind das ca 20000 Euro, davon kann ich auch ohne Anstellung eine Zeit leben, auch der Gedanke macht mich frei, "man kann mir wirtschaftlich nichts", wenn es zu krass für mich wird, beende ich das nach einer Zeit, ich bin abgesichert, habe Zeit gewonnen für Erholung, Neustart, just in case
- ich mache mich mental frei, was "zu müssen", um stimmig zu sein: ich muss kein Professor sein, ich muss keine Dr-Arbeit schreiben, ich bin bereits heute, jetzt, ok. >human BEING>, ich BIN ok. Ich habe einen Beruf gelernt, ich bin Lehrerin. Reicht. Die Pflicht ist getan. Der Rest ist freiwillig und der Zuckerguss, die Kür. Ich brauche das nicht, um mich gut zu fühlen, ich fühle mich heute bereits gut. Ich bin dankbar, dass ich Leuten, meinen Studierenden in ihrem verletztlichen Ausbildungsabschnitten ("schaffe ich das?", "Bestehe ich alles?") zur Seite stehen kann. Das allein würde reichen. Mir reichen. Wer war mit mir auf meinem Krankenbett, als ich die Tumordiagnose damals bekam? Keine Uni, keine Doktorarbeit, keine Karriere, keine Kohle, keine Anerkennung von irgendwelchen Dritten, ihr bla-bla. Da sitzte man allein. Für sich. Als ich allein im Warteraum vor dem MRT saß im Keller des Krankenhauses, da kam wie ein Hologramm, wie ein Geist mein bester Freund um die Ecke mit Muffins von McDonalds in seiner Hand. Schoko und Blaubeer. Ich dachte, dass muss eine Erscheinung sein. DAS, meine Freunde, bleibt irgendwann im Grill eures Lebens hängen. Das ist die Essenz, glaubt mir. Wenn man durch nix durch ist, rafft ihr das nicht. Wenn ihr Turbulenzen erlebt habt, könnt ihr das verstehen. Auf dem Krankenbett saß ich allein, nachts wenn die Zeit laaang ist, guckte ich die Wände an, dann die Decke, dann wieder die Wand, mit 12 Kg weniger als jetzt, lebenswichtiger Hormonmangel, Ausfall durch einen Tumor, ich dachte damals, ich sterbe. Selbst da habe ich Mails von meinen Studierenden beantwortet, mit Handy und Krankenhaus-W-lan. Hehe. Das war kein Picknick, anyway. Der Arsch geht auf Grundeis, wenn dann zwei Stunden später eine Entourage an Ärzten ins Zimmer kommt und alle so eigentümlich betreten eintreten. Ich sagte damals zu meinem besten Freund im MRT-Warteraum, dass wenn ich wieder Kraft habe, ich das Gleiche für Andere versuche zu geben, was er gerade für mich gemacht hat. So, thats my story i´m sticking to. Jetzt isses raus. Ich spreche und schreibe nicht ohne Grund so zackig, direkt, der Bordstein spricht aus mir, die Untiefen und Täler des Lebens.

Wenn es in Eurer Macht steht also, in eurer Situation, hebt Leute an und hoch. Helft denen in und auf ihrem Weg. Empowert Eure Studierenden! Gebt Rat "unter dem Ladentisch" weiter! Nehmt Ängste, statt sie zu schüren, unreflektiert. Macht Hoffnung und gebt praktische Anleitung, so dass alle weiterkommen, tut Dienst in Eurem Dienst! Was passiert: Alles, was ihr weitergebt, wird Euch gegeben, es multipliziert sich in euren Händen für Euch für Andere. Weitergeben - bekommen - weitergeben - bekommen wir ein Durchlauferhitzer. Wer zurückhält ("nee, dazu weiß ich nichts", Finger gekreuzt), wird zurückgehalten, Handeln im/aus Mangel. That´s it für heute.

Jau. Alles Gute, spiro

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