Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

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Alexander
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Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von Alexander » 16.07.2018, 21:03

Hallo alle zusammen,

vor 7 Jahren habe ich meinen Uni-Abschluss im Bereich Angewandte Informatik gemacht und seitdem bin ich als Software Entwickler tätig (ich bin aktuell 28 Jahre alt). In den vergangenen Jahren konnte ich einen recht soliden Skill-Set aufbauen, vor allem in Sachen Java EE Entwicklung, Enterprise Anwendungen, skalierbare und robuste Architekturen etc. Nun bin ich als Freiberufler unterwegs und habe keinerlei Probleme, mir Aufträge in diesem Bereich zu finden.
Was ich aber immer und immer merke - es wird mit der Zeit mehr und mehr langweilig, es dreht sich alles um ungefähr das gleiche… Und was ich mir sehr gerne wünsche ist eine Forschungstätigkeit / ein Forschungsprojekt. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass eine Promotion der richtige (Wieder)Einstieg in die wissenschaftliche Welt der Computer Science für mich wäre.
Allerdings gibt es folgende Punkte und potenzielle Probleme zu beachten:
1. Ich habe meine Uni, wie gesagt, vor 7 Jahren absolviert - das ist schon eine gewisse Weile… Von anderer Seite, ich habe in den vergangenen Jahren sehr gute praktische Erfahrungen gesammelt, was als ein großer Pluspunkt angesehen werden kann.
2. Ich habe kein konkretes Forschungsthema und muss mir eine finden / ausdenken. Meine Diplomarbeit war im Bereich Optimierung gewesen. Ich finde aber das Gebiet Künstliche Intelligenz und zwar Deep Learning unendlich interessant. Darüber hinaus bin ich von der Quanteninformatik total begeistert. In einem dieser Bereiche tätig zu sein wäre echt ein Traum für mich.
3. Ich habe einen ausländischen (aber in Deutschland vollkommen anerkannten) Abschluss mit Auszeichnung. Dies kann schon einige Hürden mit sich bringen. Das kann man aber auch positiv sehen, da ich eine der besten staatlichen Unis in Moskau mit einem recht starken Program absolviert habe. Ich kann also behaupten, dass ich einen starken mathematischen Background habe.
4. Ich muss auch finanzielle Aspekte in Betracht ziehen (ich habe eine eigene Familie und ein kleines Kind). Als freiberuflicher Entwickler verdient man in Deutschland ganz gut, sogar überdurchschnittlich - diesen Lebensstandard soll meine Familie und ich weiterhin behalten.

Was wären eure Meinungen / Tipps dazu? Wäre eine Promotion der richtige Weg für mich? Wenn ja, wie könnte ich in meiner Situation, wenn man also alle Aspekte in Betracht zieht, da einsteigen? Wenn nein, was könnte ein alternativer Weg sein?

Im Voraus vielen lieben Dank für alle sinnvollen Ratschläge und Unterstützung!

Viele Grüße
Alex

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FerdiFuchs
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Re: Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von FerdiFuchs » 17.07.2018, 08:59

Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
1. Ich habe meine Uni, wie gesagt, vor 7 Jahren absolviert - das ist schon eine gewisse Weile… Von anderer Seite, ich habe in den vergangenen Jahren sehr gute praktische Erfahrungen gesammelt, was als ein großer Pluspunkt angesehen werden kann.
Die praktischen Erfahrungen helfen dir nur weiter, wenn sie Berührungspunkte zum geplanten Forschungsthema aufweisen. Dann hast du ein Argument um einen potenziellen Betreuer von den Erfolgsaussichten deiner Promotion zu überzeugen.

Wenn du in dem Bereich noch nichts gemacht hast, kannst du ja ein oder zwei "Hobby-Projekte" aufsetzen (lässt sich heute ja schön auf Github stellen) und diese dann in der Bewerbung erwähnen.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
2. Ich habe kein konkretes Forschungsthema und muss mir eine finden / ausdenken. Meine Diplomarbeit war im Bereich Optimierung gewesen. Ich finde aber das Gebiet Künstliche Intelligenz und zwar Deep Learning unendlich interessant. Darüber hinaus bin ich von der Quanteninformatik total begeistert. In einem dieser Bereiche tätig zu sein wäre echt ein Traum für mich.
Wenn du auf einer WiMi-Stelle (wissenschaftlicher Mitarbeiter) promovierst, bist du meistens in einem bestimmten Projekt angestellt, das dann zugleich den thematischen Rahmen der Diss enger eingrenzt. Daher ist es nicht tragisch wenn du noch kein konkretes Thema hast.

Bei künstlicher Intelligenz dürfte es generell machbar sein, eine passende Stelle zu finden, das ist ja ein riesen Hype-Thema momentan. Quanteninformatik ist da natürlich viel spezieller.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
3. Ich habe einen ausländischen (aber in Deutschland vollkommen anerkannten) Abschluss mit Auszeichnung. Dies kann schon einige Hürden mit sich bringen. Das kann man aber auch positiv sehen, da ich eine der besten staatlichen Unis in Moskau mit einem recht starken Program absolviert habe. Ich kann also behaupten, dass ich einen starken mathematischen Background habe.
Würde ich im Anschreiben und Lebenslauf exakt so betonen.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
4. Ich muss auch finanzielle Aspekte in Betracht ziehen (ich habe eine eigene Familie und ein kleines Kind). Als freiberuflicher Entwickler verdient man in Deutschland ganz gut, sogar überdurchschnittlich - diesen Lebensstandard soll meine Familie und ich weiterhin behalten.
Als Doktorand in der Informatik bekommst du in der Regel eine volle E13-Stelle. Als kinderloser Single waren das damals bei mir etwa 1850 Euro netto im ersten Jahr, 2100 im zweiten Jahr und mit der Zeit automatisch mehr.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
Was wären eure Meinungen / Tipps dazu? Wäre eine Promotion der richtige Weg für mich? Wenn ja, wie könnte ich in meiner Situation, wenn man also alle Aspekte in Betracht zieht, da einsteigen? Wenn nein, was könnte ein alternativer Weg sein?
Für den Einstieg gibt es viele hilfreiche Infos im redaktionellen Teil dieser Seite: hier.

Da du explizit nach Finanzierung gefragt hast, ging ich davon aus, dass du auf einer Mitarbeiterstelle promovieren willst. Eine Alternative wäre, extern zu promovieren, d.h. du würdest die Diss neben deiner eigentlichen Arbeit nebenbei machen. Das hat dann natürlich eigene Vor- und Nachteile, z.B. müsstest du nicht umziehen. In jedem Fall musst du einen Prof. davon überzeugt kriegen, dass er dich betreut.

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Re: Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von mm42 » 18.07.2018, 11:50

FerdiFuchs hat geschrieben:
17.07.2018, 08:59
Als Doktorand in der Informatik bekommst du in der Regel eine volle E13-Stelle. Als kinderloser Single waren das damals bei mir etwa 1850 Euro netto im
Ich hatte als Doktorand im Bereich der angewandten Informatik/Wirtschaftsinformatik zunächst auch eine volle WiMi-Stelle, aber später wegen Finanzierungsproblemen teilweise nur eine halbe Stelle (und einmal nur mit Vertragsverlängerung von sechs Wochen). Aus meiner Erfahrung heraus sehe ich insb. Drittmittel-WiMi-Stellen als prekäres Arbeitsverhältnis, die man nicht als "Haupternährer" oder gar "Alleinernährer" einer Familie annehmen sollte ... außer man gehört zu den Leuten, die gerne mal Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen wollen (ein damaliger WiMi-Kollege, der zweifacher Vater und auch Haupternährer seiner Familie war, hat mir als Antwort auf die Frage, ob wir wegen auslaufender Projektmittel nicht mal wieder Projektakquise machen wollen, vorgerechnet, wie toll viel Arbeitslosengeld er bekommen würde). Ich habe am Rande auch einen Fall am Institut mitbekommen, wo ein Drittmittel-WiMi die Promotion abgebrochen hat, weil ihm als Haupternährer seiner Familie der Job einfach zu unsicher war.

Es gibt natürlich Lehrstühle/Institute, wo die Drittmittel-Einwerbung so gut läuft, dass man sich auch als Drittmittel-WiMi keine Sorgen um seine Weiterbeschäftigung zu machen braucht (auch dann nicht, wenn die Promotion ein paar Jahre länger als ursprünglich geplant dauert), aber das ist vorher als Externer nur schwer abzuschätzen.

FerdiFuchs
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Re: Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von FerdiFuchs » 18.07.2018, 14:20

@mm42: Tut mir leid, dass du diese Erfahrung machen musstest. Meine eigenen Erfahrungen sind sehr anders: An zwei Fachbereichen in der Kerninformatik hab ich von keinem Fall gehört, in dem ein Mitarbeiter keine Anschlussfinanzierung bekommen hat um die Diss im normalen zeitlichen Rahmen (3-4 Jahre) zu beenden.

Lediglich an einem Fachbereich gab es eine Arbeitsgruppe, in der manche Doktoranden von vornehinein mit 50% abgespeist wurden - das würde ich mir nicht geben.

Vermutlich wird es Sinn machen sich vorab unter den Alumni der jeweiligen Arbeitsgruppe umzuhören.

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Re: Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von Nomen Nescio » 18.07.2018, 14:52

Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
Hallo alle zusammen,

vor 7 Jahren habe ich meinen Uni-Abschluss im Bereich Angewandte Informatik gemacht und seitdem bin ich als Software Entwickler tätig (ich bin aktuell 28 Jahre alt). In den vergangenen Jahren konnte ich einen recht soliden Skill-Set aufbauen, vor allem in Sachen Java EE Entwicklung, Enterprise Anwendungen, skalierbare und robuste Architekturen etc. Nun bin ich als Freiberufler unterwegs und habe keinerlei Probleme, mir Aufträge in diesem Bereich zu finden.
Was ich aber immer und immer merke - es wird mit der Zeit mehr und mehr langweilig, es dreht sich alles um ungefähr das gleiche…
Langeweile ist das eine, das in deinen Stunden- oder Tagessatz eingepreiste Schmerzensgeld ist das andere. ;) Ob dir die speziellen Erfahrungen ausserhalb der Softwaretechnik viel nutzen würden/werden, ist ungewiss. Java ist mehr eine Glaubensfrage, und die Akzeptanz deiner Skills hängt von den Vorlieben der örtlichen Platzhirsche ab.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
Und was ich mir sehr gerne wünsche ist eine Forschungstätigkeit / ein Forschungsprojekt. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass eine Promotion der richtige (Wieder)Einstieg in die wissenschaftliche Welt der Computer Science für mich wäre.
Langeweile im bisherigen Aufgabenspektrum ist aus meiner Sicht kein ausreichend guter Grund für die Aufnahme einer Promotion, aber es steht vor den Fragen, also akzeptiere ich es als DEINEN Grund.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
1. Ich habe meine Uni, wie gesagt, vor 7 Jahren absolviert - das ist schon eine gewisse Weile… Von anderer Seite, ich habe in den vergangenen Jahren sehr gute praktische Erfahrungen gesammelt, was als ein großer Pluspunkt angesehen werden kann.
s.o. zur hochschulseitigen "Anrechenbarkeit" deiner Erfahrungen.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
2. Ich habe kein konkretes Forschungsthema und muss mir eine finden / ausdenken. Meine Diplomarbeit war im Bereich Optimierung gewesen. Ich finde aber das Gebiet Künstliche Intelligenz und zwar Deep Learning unendlich interessant. Darüber hinaus bin ich von der Quanteninformatik total begeistert. In einem dieser Bereiche tätig zu sein wäre echt ein Traum für mich.
Als Externer wirst du kaum die Möglichkeit haben, in KI (mit machine bzw deep learning) einerseits und Quanteninformatik andererseits reinzuschnuppern, also wirst du wahrscheinlich deine Festlegung vorher treffen müssen. KI boomt z.Z. und an vielen Lehrstühlen besteht das Problem darin, ausreichend viele und gleichzeitig qualifizierte Doktorand*innen zu finden, die nicht dem Götzen Mammon huldigen und als kurzfristiges Lebens-/Berufsziel "erstmal 5-10 Jahre freiberuflich durch die Projekte der Republik tingeln, damit (je nach Größe, Ausstattung und Lage) das Häuschen solide (an)finanziert ist" wählen. (Keine Kritik an der Stelle beabsichtigt, ich surfe auf einer ähnlichen Welle. ;) )
Am Beginn sollte für dich die Suche nach Lehrstühlen/Profs aus dem Bereich sein, evtl verstärkt in der augenblicklichen Umgebung, gefolgt von Feinarbeit beim Durchforsten ihrer Veröffentlichungen. Am Ende wird dein Thema "Verhandlungssache" sein, schliesslich wird es sich in die laufenden Projekte einfügen müssen.

Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
3. Ich habe einen ausländischen (aber in Deutschland vollkommen anerkannten) Abschluss mit Auszeichnung. Dies kann schon einige Hürden mit sich bringen. Das kann man aber auch positiv sehen, da ich eine der besten staatlichen Unis in Moskau mit einem recht starken Program absolviert habe. Ich kann also behaupten, dass ich einen starken mathematischen Background habe.
Ich sehe keine sonderlichen Schwierigkeiten, wenn du ein Diplom von Lomonossow oder TU Moskau hast statt von der Katholischen Universität Erzgebirge-Nord. ;) Insbesondere die Mathematikausbildung naturwissenschaftlich-technischer Studiengänge in Russland wird a prioi nicht angezweifelt. Dazu ist ein starker math. Background verbunden mit Optimierungserfahrungen nicht der schlechteste Einstieg in KI.
Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03
4. Ich muss auch finanzielle Aspekte in Betracht ziehen (ich habe eine eigene Familie und ein kleines Kind). Als freiberuflicher Entwickler verdient man in Deutschland ganz gut, sogar überdurchschnittlich - diesen Lebensstandard soll meine Familie und ich weiterhin behalten.
Du hast dir den wahrscheinlich größten Blocker für den Schluss aufgehoben. TVöD/TVL 13 ist selbst in 100% Ausführung wahrlich nicht geeignet, den gewohnten Lebensstandard aus freib. Beratertätigkeit zu halten. Ich teile mir mit einem anderen Doktoranden eine 50% Stelle, einzig aus versicherungsrechtlichen Gründen und um die Rentenanwartschaft zu pushen. Aus finanzieller Sicht ist das ein Minusdeal. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich durch 4-5 Monate freib. Entwicklung, hard- und softwareseitig. Somit kenne ich die derzeitigen Tarife größenordnungsmäßig und prophezeie dir einen Abgrund des Grauens, wenn du auf TVöD 13 netto schaust. :twisted:

Hast du schon daran gedacht, dich auf deinen freib. Stationen nach interessanten Feldern im Bereich KI umzuschauen? Als quasi Interner solltest es eine Spur leichter fallen als aus einer "fachfremden Blindbewerbungsposition". Die Frage, die wohl niemand beantworten kann, ist die nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit einer Promotion, die dich ja 2 1/2 bis 5 Jahre TVöD 13 kostet. Aufgerechnet gegen 100% freib. Auslastung komme ich an der Stelle auf eine Differenz von ca. 100k+ € brutto per anno, also sei froh über die Abzüge, dadurch verlierst du netto nicht so viel. :lol: Niemand kann dir sagen, wie die Situation in dem Sektor in 5 Jahren aussieht und welche Sau dann durchs Dorf getrieben wird. ;)

BTW arbeiten wir statistisch seit heute nicht mehr für Vater Staat, Mutter Bundesland und popelige Verwandschaft Kommune, sondern für uns selbst. :lol:

Edit
@mm42 Aus welcher Zeit stammen deine Erfahrungen? Ich kenne derzeit keine Mitdoktorand*innen, denen keine 100% Stelle angeboten wurde.
Trollschutzerklärung: Ich halte mich aus threads mit erhöhtem Trollpotential heraus. Im Fehlerfall möge der Troll bitte "NEIN, ich bin nicht einverstanden." drücken.

flip
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Re: Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von flip » 19.07.2018, 18:16

Alexander hat geschrieben:
16.07.2018, 21:03

2. Ich habe kein konkretes Forschungsthema und muss mir eine finden / ausdenken. Meine Diplomarbeit war im Bereich Optimierung gewesen. Ich finde aber das Gebiet Künstliche Intelligenz und zwar Deep Learning unendlich interessant. Darüber hinaus bin ich von der Quanteninformatik total begeistert. In einem dieser Bereiche tätig zu sein wäre echt ein Traum für mich.
3. Ich habe einen ausländischen (aber in Deutschland vollkommen anerkannten) Abschluss mit Auszeichnung. Dies kann schon einige Hürden mit sich bringen. Das kann man aber auch positiv sehen, da ich eine der besten staatlichen Unis in Moskau mit einem recht starken Program absolviert habe. Ich kann also behaupten, dass ich einen starken mathematischen Background habe.
1. Also, fassen wir zusammen:
Dir ist langweilig bzw. Unterforderung im Job, also denkst du über eine Promotion nach. Du weißt aber nicht worüber.
Nun, der erste Schritt wäre also, aus dem Alltagstrott herauszukommen und darüber nachzudenken. Das hat sehr viel mit Selbstständigkeit zu tun und ist das erste, was man in der Wissenschaft lernt. Wenn du daran scheiterst, dann haben all deine anderen Vorüberlegungen keinen Sinn.

2. Ein "vollkommen" anerkannter Abschluss bringt keine Hürden mit sich. Ergo redest du (in einem anonymen Forum!) um den heißen Brei herum. Warum?

spirograph
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Re: Einstieg in die Forschung nach ein paar Jahren in der Industrie (Bereich Informatik)

Beitrag von spirograph » 27.07.2018, 15:36

Hi Alexander,

deinen Standpunkt glaube ich zu kennen bzw. wiederzuerkennen: Viele meiner Mitstudierenden von damals, aber auch andere Leute, die mit ihrem Studium "fertig" werden wollten, um mglst zeitnach in "richtige" Arbeit zu kommen, um Kohle zu sehen, tun dies ein paar Jahre, 4,5,6,7 Jahren, so lange bis sie die Routinen durchschaut haben und sich ob derer und der iterativen Durchdeklination dieser gähnend langweilen. Ein oller Literat sagte mal, dass ein Mensch glücklich sei, solange er werdend ist. "Werdend", also sich in Entwicklung sehend, begreifend, sich in einem Kontinuum, einem Prozess ortend und den selbst vorantreibend. Für viele meiner Bekannten war das dann zeitlich der Punkt Kids zu kriegen. Ich kenne auch eine, die hat neben dem Vollzeit Job promoviert (in der Zeit, in der alle anderen btw Vollzeit promovieren, also 6 Jahre!) und konnte dank ihrer werdenend Diss den Brotjob ertragen. Jetzt ist sie promoviert und kotzt auf Arbeit nur noch ab, plant schon die Habil. Will sagen, ich kenne und erkenne, was Du meinst, wo Du dich befindest. Ich mache nun schon einige Zeit Lehre an der Uni, in einem vollen Deputat, da ich Lehramt studiert habe, kenne ich die Mittel der pointierten Vorbereitung, Aufbereitung und Nachbereitung von dem ganzen Bums zur Genüge. Ich muss ehrlich sagen, hätte ich nur die Lehre würde ich mich langweilen, weil ich die Routinen schlicht kenne, durchschaut habe und anwende. Durch die Diss geht es, denn das ist mein "unabsehbares" Moment. Meine im-werden-Ding. Es ist wirklich so. Gerade auch wenn man ggf ein oder zwei Kerzen mehr aufm Kuchen brennen hat, hilft so ein unter den Händen werdendes Ding die am Brennen zu halten ohne das der ganze Kuchen abfackelt.....


Das soll Dich dazu ermutigen Deine Ambitionen erstens gespiegelt zu sehen und zweiten Dich ggf auf den konkreten Weg zu machen. Was die Finanzierung angeht: ich verdiene ne E13, in einer höheren Stufe in Vollzeit, macht ca. 25netto jeden Monat. Ich weiß nicht, welche Lebenserhaltungskosten Du hast, aber ich lege jeden Monat 1800/1700 Ois zurück. Miete ist bei mir wenig, WG eben, keine krasse Stadt jetzt, kein Auto, gaaaanz minimalistisch, bei zu viel Zeug inner Bude drehe ich durch. :-) Viele hier in Deutschland kriegen leider jeden Monat nicht die Kohle, da, wo ich herkomme verdienen die meisten voll 1300-1500 E in Vollzeit. :-(

interamt.de; bund.de; ZEIT/Stellenangebote dort kannst Du toll für dich recherchieren nach passenden Arbeitsstellen. Ggf. hast Du noch Kontakt zu deiner Uni in Russland oder Du kennst n Prof, den Du besonders mochtest oder bei dem Du deine Abschlussarbeit geschrieben hast. Mail dem doch mal, erkläre deinen Background und deine Ambitionen. Ggf. hat der Junge connections zu ner Uni hier oder kennt wen Hilfreiches, n Kollegen oder so und an der Kaskade hangelste Dich lang....so läufts doch.

Und was dine in der Praxis gelernten skillz angeht: Lass Dir nie glaubhaft erzählen, "dassde das voll vergessen kannst anner Uni". Alles, was Du kannst, dient Dir! ALLES. Ich bin in einer Gaststätte aufgewachsen, von klein auf habe ich bedient, gedeckt, abgewaschen, ausgeschenkt usw, der ganze Bums eben, bis tief in die Nacht, nunja, letztens galt es bei uns anner Uni eine Feier auszurichten für die ganze Fakultät. Alle haben da n Drama draus gemacht, wussten nicht, wie man die Tische stellen soll usw, bis Mutti kam! In 30 min war mit den vorhandenen Mitteln ein drei-Sterne-Vorbereitung dekoriert. Mutti hat n schönes U gestellt, Servietten gefaltet, Besteck offde Teller gekreuzt, Blümchen besorgt, Kerzchen aufgestellt und das Ding lief. Als ich dann noch die Leute mit Sekt am frühen Morgen schwippus machen konnte, war ich glücklich: Jenau mein Ding! Leute mit Alk hochbezahlt verarzten! Besser gehts nicht. Der Institutschef war begeistert, ich wurde gelobt und mir wurde applaudiert, siehst dank Arbeiterklassenhintergrund seit frühster Kindheit konnte ich 25 Jahre später "glänzen". Hat mich exakt dreißig Minuten hochbezahlte Arbeitszeit gekostet, pffff. Und: Ich weiß nie, wann mir mein guter Eindruck noch einmal nützt. Ich habs aber gern gemacht, kein Ding. Will sagen: Deine mehrjährige Berufserfahrung kann Dir niemand wegnehmen und jene fachlichen wie orga-Dinge werden Dir immer dienen und mit denen kannst Du dich vor den nur-Uni-Niffs ma schön absetzen! Die homies, die sagen, dassde das vergessen kannst, sind leider der Propheterie dann doch nicht mächtig. Kein Mensch weiß genau, was Du in den Jahren gemacht hast und welche Aufgaben Dir zukünftig betraut werden, also: Verkauf Dich schön! Du bist nicht nur Informatiker, sondern auch Unternehmer, da kommt einiges an geballtem Wissen zusammen über die Jahre.

Und was Gründe für die Diss angeht. Nun: bei mir oszilliert das von "ich zieh den Mumpitz jetzt durch" über "das ist genau mein Ding, Advokat meines Themas, ja!" bis "ohne das würde mir was fehlen"....manchmal gleichzeitig, manchmal sich ablösend, sich ersetzend je weiter ich voran schreite. Du hast deine Gründe, die Dich starten lassen, jene werden sich ändern, je weiter Du fortschreitest. Alles akzeptabel. Und so manche, die sich als erste Maßnahme als wissenschaftlich Angstellte erstma n Jacket mit Lederabnähern an den Ellenbogen kaufen, ne Foto-Firma engagieren, um schwarz-weiß-Intellektuellen-Stimmungsbilder vorm Bücherregal machen für die Uni-Webpage und mir dann erzählen, dasse das alles uneitel und aus reinstem Eifer usw weiter......ja, komm. Lass Dir nichts erzählen! Geh deinen Weg.

Dir alles Gute.

spiro
Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumiere“ (Das Leben ist ein großes Abenteuer zum Lichte hin)

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