Erfahrungen der Historiker

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Jane
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Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Jane » 19.05.2018, 21:37

Hallo liebes Forum,

ich habe mich mit der Suchfunktion zum Thema "Historiker" im Forum belesen und festgestellt, dass doch einige hier dabei sind. Ich selbst promoviere seit 1 1/2 Jahren in Geschichte auf einem Stipendium, es läuft ganz gut soweit. Aber was mir für die Zukunft Angst macht, ist die Unsicherheit in diesem Bereich. Ich würde gern in klassischen Historikerbereichen arbeiten und habe auch einige Praktika gemacht, die ich toll fand. Was mir aber immer wieder zu schaffen macht, ist die örtliche Flexibilität, die gefordert wird, wenn man denn mal einen Job findet. Zwei Jahre hier, zwei Jahre dort...dazu bin ich (nicht mehr) bereit. Daher schaue ich mich jetzt schon nach Bereichen um, in denen Historiker einen Platz finden und auf ein wenig längerfristige Sicherheit hoffen können.

Wie erging es denn den Historikern hier im Forum nach der Promotion? Wo seid ihr gelandet und seid ihr zufrieden? Welche Umwege musstet ihr nehmen und hat sich das alles gelohnt? Eure Erfahrungen würden mich sehr interessieren!

P.S. Ja ich wusste von Anfang an, was mir als Historiker bevorsteht, aber wenn man jung ist sieht man das nicht so eng ;)

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Wierus
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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Wierus » 20.05.2018, 07:21

Jane hat geschrieben:Ich selbst promoviere seit 1 1/2 Jahren in Geschichte auf einem Stipendium, es läuft ganz gut soweit. Aber was mir für die Zukunft Angst macht, ist die Unsicherheit in diesem Bereich.
Wenn dir Sicherheit wichtig ist, dann kann ich dir nur raten, dich baldmöglichst mit einem Nebenjob finanziell abzusichern, denn die restlichen 1,5 Jahre Stipendium sind schnell vorbei und du siehst dich danach nolens volens vor die Frage gestellt, was nach dem Stipendium kommt. Es sei denn, du hast deinen Abschluss bis dahin unter Dach und Fach (was ich in den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften für geradezu utopisch halte).

Gruß

HDCraftY
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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von HDCraftY » 22.05.2018, 01:17

Sehr schwer als Historiker auch "historikerfachnah" eingesetzt zu werden. Bis auf Forschungseinrichtungen, Universitäten, Archive und Museen bleibt da ja nicht viel übrig.
Dafür ist natürlich der Dr. - Titel relevant, den du ja (noch) nicht hast, daher ist es schwer sich jetzt schon was zu suchen, außer, was du ja schon gemacht hast, über Praktika und dergleichen. Falls es in die akademische Richtung gehen soll, steht anschließend die Habilitation bzw. die Post-Doc Phase an. Da kann man aber wahrlich nicht von örtlicher Inflexibilität ausgehen. Das ist die Zeit in der man im Ausland an Universitäten Gastaufenthalte absolviert und Kontakte knüpft.
In meiner näheren Familie gibt es eine Historikerin, die jetzt als Hausfrau nebenher hobbymäßig lehrt und forscht, sagt aber selber, dass sie damit sich selbst, geschweige denn eine Familie nicht durchbringen könnte. Ihren Kommilitonen geht es ähnlich. Viele arbeiten mehr oder weniger fachfremd. Hauptsächlich im Medienbereich. Viele (gerade) Frauen, sind aber Hausfrauen geworden. Manche sind ins Ausland, wo es zum Teil einen besseren Mittelbau gibt und haben eine feste Stelle, verdienen aber kaum was.
In unserem Institut war die Sekretärin promovierte Historikerin. Nahm das aber recht locker und schien zufrieden. Daher muss man selbst wissen was man machen will oder nicht. Du sagtest ja selbst, dass du wusstest auf was du dich einlässt.

Wierus
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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Wierus » 22.05.2018, 06:24

@Jane:
Vorsicht, die zweite Antwort stammt von einem Troll-Account. Am besten nicht weiter beachten. :wink:
Leicht nachzuprüfen: viewtopic.php?f=1&t=6970&p=224882#p224882
Troll verlinkt auf rechtsextreme Verschwörungsblogs, äußert sich abwertend über Geistes- und Sozialwissenschaften und schwadroniert gerne über einen insgesamt "versifften Wissenschaftsbetrieb".

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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von praktikum » 22.05.2018, 11:40

Wierus hat geschrieben:@Jane:
Vorsicht, die zweite Antwort stammt von einem Troll-Account. Am besten nicht weiter beachten. :wink:
Leicht nachzuprüfen: viewtopic.php?f=1&t=6970&p=224882#p224882
Troll verlinkt auf rechtsextreme Verschwörungsblogs, äußert sich abwertend über Geistes- und Sozialwissenschaften und schwadroniert gerne über einen insgesamt "versifften Wissenschaftsbetrieb".
Der HDCraftY hat im verlinkten Thread etwas zitiert, was - wie oben - eben so allgemeines blabla ist. Das kann aber jeder halbwegs informierte Mensch erkennen. Du hast das aber interessanterweise als Inhalt eines solchen Blogs erkannt bzw. recherchiert und Deine Person hat dorthin verlinkt. Mit Deinem obigen Link bringst Du weitere User auf den zitierten Thread, in dem Du eben solche Webseiten verlinkt hast.
Dein Verhalten erscheint in dieser Angelegenheit also mehr als fragwürdig und richtet mehr Schaden an, als der von Dir als Troll bezeichnete User.

@Topic
Ich verstehe nicht so ganz, um was es Dir geht. Das eine sind die allgemeinen Berufsaussichten mit Deinem Abschluss, das andere ist die "örtliche Flexibilität". Zu letzterem muss ich Dir sagen, dass diese in den meisten Berufszweigen inzwischen eine große Rolle spielt. Anfangs kommt man daran einfach nicht vorbei und später muss man eben etwas Energie aufbringen, um davon wegzukommen. Deine Berufsaussichten sind aber begrenzt, wenn Du "örtliche Flexibilität" grundsätzlich ablehnst.

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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Jane » 22.05.2018, 14:29

Vielen Dank für eure Antworten! :blume:
Ich wollte mit meinem Thema einmal Erfahrungen von Historikern hören, wohin euch der Weg geführt hat und mir dabei möglicherweise Inspiration holen.
Ich höre immer wieder, dass man als Historiker sehr breit arbeiten kann, in der Unternehmensberatung zum Beispiel oder auch selbstständig. Die harten Fakten kenne ich, wüsste nur gern, welche Wege andere Historiker noch eingeschlagen haben. Es wird ja nicht jeder, der nicht in den klassischen Bereichen untergekommen ist, Lehrer geworden sein ;)
Ich schwanke immer wieder zwischen "Diss beenden, Volontariat, hoffentlich irgendwann mal ein fester Job, wo auch immer" und "hier und jetzt Sekretärin werden"...
man wird ja auch nicht jünger und ich hätte schon gern eine Familie, die einen festen Lebensmittelpunkt hat. Wie gesagt, die Diss werde ich beenden und was danach kommt wird sich zeigen. Mir ging es hier vor allem um eure Erfahrungswerte.

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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Wierus » 22.05.2018, 19:46

praktikum hat geschrieben:
Wierus hat geschrieben:@Jane:
Vorsicht, die zweite Antwort stammt von einem Troll-Account. Am besten nicht weiter beachten. :wink:
Leicht nachzuprüfen: viewtopic.php?f=1&t=6970&p=224882#p224882
Troll verlinkt auf rechtsextreme Verschwörungsblogs, äußert sich abwertend über Geistes- und Sozialwissenschaften und schwadroniert gerne über einen insgesamt "versifften Wissenschaftsbetrieb".
Der HDCraftY hat im verlinkten Thread etwas zitiert, was - wie oben - eben so allgemeines blabla ist. Das kann aber jeder halbwegs informierte Mensch erkennen. Du hast das aber interessanterweise als Inhalt eines solchen Blogs erkannt bzw. recherchiert und Deine Person hat dorthin verlinkt. Mit Deinem obigen Link bringst Du weitere User auf den zitierten Thread, in dem Du eben solche Webseiten verlinkt hast.
Ich habe auf eine Diskussion verlinkt, in der sich zahlreiche andere User sachlich mit diesen und anderen unhaltbaren Behauptungen auseinandersetzen. Die Webseiten sprechen für sich, kein ernsthafter User von doktorandenforum.de dürfte sie ernst nehmen (vgl. hierzu Verlauf der Diskussion).

Und ich bitte dich! Was bezeichnest du hier als "allgemeines blabla"? :shock:
"Leuten (...), die wirklich gar nichts arbeiten, was irgendwie von Nutzen wäre" - "solche Leute durchfüttern und finanzieren" - "Blutsauger" - "Negativposten" - "blankes Nichtstun" - "Niemals etwas sinnvolles" - "versiffter Wissenschaftsbetrieb"
Sind derlei Einsprengsel etwa das allgemeine Blabla in deinen Kreisen? In meinen definitiv nicht, und ich habe privat u.a. mit Ingenieuren, Verwaltungsbeamten, Bürokaufmännern und Facharbeitern zu tun. Niemand sondert so einen geistigen Sondermüll ab.

Angriffe auf Wissenschaften und zugehörige Pauschalisierungen wie "versiffter Wissenschaftsbetrieb" sind übrigens O-Ton von HDCrafty.
praktikum hat geschrieben:Dein Verhalten erscheint in dieser Angelegenheit also mehr als fragwürdig und richtet mehr Schaden an, als der von Dir als Troll bezeichnete User.
Wie bitte!? :shock:
Dein Problemverständnis in dieser Sache ist gelinde gesagt erschütternd, deine Argumentation in meinen Augen äußerst fragwürdig. Wenn das die Sichtweise eines "halbwegs informierten Menschen" sein soll, dann gute Nacht Deutschland!

Überlege doch selbst: Da ich nicht einfach so ins Blaue hinein einen anderen "User" als Troll-Account bezeichnen kann, muss ich das irgendwie belegen. Eben das habe ich durch den Link auf die gesamte Diskussion hier im Forum, die ohnehin jedermann zugänglich ist. Im übrigen ist diese(r) HDCrafty schon vorher mit solchen Äußerungen im Forum in Erscheinung getreten. Das kannst du leicht nachprüfen, denn es handelt sich nur um 18 Posts seit Registrierung, 80% davon entfallen auf die oben verlinkte Diskussion.

Naja, Willkommen im postfaktischen Zeitalter: Nicht das Vergehen ist das Problem, sondern der Hinweis auf das Vergehen. *kopfschüttel*

@Jane:
Ja, beende deine Diss, alles andere hättest du dir vorher überlegen sollen. Jetzt heisst es Augen zu und durch! Denn jetzt hast du eine Betreuungsvereinbarung, ein Stipendium und außerdem bereits 1,5 Jahre in deine Diss investiert. Viele Geistes- und Sozialwissenschaftsstudenten wären liebend gerne an deiner Stelle und würden sich dafür zerreissen, deine Sorgen zu haben.

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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von praktikum » 22.05.2018, 22:34

Wierus hat geschrieben: Sind derlei Einsprengsel etwa das allgemeine Blabla in deinen Kreisen?
Nein und ich lasse mir sowieso von Dir keine solche Diskussion aufdrücken. :)
Ein Thread ist doch sowieso versaut, wenn Du einen User hier als Troll bezeichnet und alte Kamellen aufwärmst. Offensichtlich wurde der Account nicht gelöscht. Was sagt denn unser Admin zu dem Thema?

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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Eva » 23.05.2018, 08:58

Um den Thread auf das ursprüngliche Thema zurückzubringen... ( :roll: )

Ich habe in Geschichte promoviert und WÄHREND der Diss den Einstieg in einen der klassischen Bereiche Archiv/Bibliothek/Museum geschafft, durch einen Nebenjob, aus dem nach der Diss eine volle (Projekt-)Stelle wurde. Bin jetzt seit 8 Jahren dabei (gleicher Arbeitgeber, gleicher Ort), aber immer noch befristet auf Projektstellen, weshalb ich aktuell einen 4-semestrigen Master in dem Bereich mache, um mich für den Beruf noch "ordentlich" zu qualifizieren. Sonst bliebe ich ewig Quereinsteigerin und könnte bei Bewerbungen schlecht mit den Qualifizierten konkurrieren. So viel zu mir.

Was deine Situation angeht: Ich verstehe, dass du nicht mehr ewig den Wohnort wechseln willst. Lebst du denn aktuell an einem Ort, der dir erlaubt, dich bei der Stellensuche auf diesen festzulegen? Es macht ja einen Unterschied, ob du in Berlin/Köln/München/Hamburg sitzt und sagst "Ich will hier nicht mehr weg" oder in einer kleinen Provinzstadt, wo es außerhalb der Uni für Historiker keine Stellen gibt. Nächste Frage: Wie alt bist du? Unter 30, drüber? Hast du (aus nachvollziehbaren Gründen) einfach keine Lust mehr, noch mal woanders neu anzufangen, oder wäre das aus strategischer Sicht noch einmal drin? Das macht ja alles einen Unterschied für deine Entscheidungen, wie es weitergeht.

Mein genereller Tipp, den ich in solchen Threads gerne wiederhole: Versuch möglichst, noch während der Diss den Einstieg irgendwo zu finden! Zumindest so, dass du Berufserfahrung in dem Bereich sammelst, in den du willst. Es bewirbt sich nachher deutlich leichter (auch auf ein Volontariat oder Referendariat), wenn du in dem Bereich schon etwas vorzuweisen hast, mindestens Praktika, noch besser Nebenjob-Erfahrung. Das ist m.E. die Krux am Promovieren auf Stipendium: dass es einem so leicht gemacht wird, sich tatsächlich nur auf die Promotion zu konzentrieren. Danach hast du dann einen Lebenslauf, der aus Schule, Studium und Promotion besteht (mit vielleicht noch 2-3 Praktika) - und bewirbst dich damit auf Stellen, für die Berufserfahrung verlangt wird, oder auf solche, für die du mit Promotion formal überqualifiziert bist. :?

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Re: Erfahrungen der Historiker

Beitrag von Wierus » 23.05.2018, 09:53

Es ist generell schwer, in so einem Fall wirklich hilfreiche Tipps zu geben. Niemand kann sagen, wie schnell die Fragestellerin mit ihrer Dissertation vorankommt. Der Tipp mit dem vorzeitigen Einstieg in den "klassischen Bereich" (Museen, Archive) klingt sehr vernünftig, aber dieser Einstieg läuft meist über sechswöchige Vollzeit-Praktika. In dieser Zeit macht man kaum etwas für die Diss, weil man sich auf etwas Neues konzentrieren muss. War zumindest bei mir so und ich hätte die Zeit lieber in Diss-freien Urlaub stecken sollen, als mich irgendwo neu einzuarbeiten und darauf zu hoffen, dort für ein kleines Zubrot weitermachen zu dürfen (natürlich ausschließlich auf wenige Monate befristet, damit es immer spannend bleibt). Nach den ersten drei Monaten hatte ich genug davon. Andere kommen gut damit aus, aber wenn es einem selbst in erster Linie um Sicherheit geht, dann halte ich das für den falschen Weg.

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