Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

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Mumann77
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Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von Mumann77 »

Hallo,
ich stecke im Moment in einem Dilemma. Ich habe nach dem 1. Staatsexamen mit der Promotion begonnen, dann kam mir die Familien- und Karriereplanung dazwischen (Haus, Kinder, 2. Staatsexamen), nun habe ich vor 2 Jahren meine Promotion wieder aufgenommen - jedoch ist mein Betreuer zwischenzeitlich verstorben, sodass ich es bei seinem Nachfolger probiert habe. Dieser nahm mich als Doktorand an, wir besprachen das Thema (er wollte es ein bisschen anders) sowie den Aufbau meiner Dissertation. Danach begann ich mit der Forschung und dem Schreiben…… knapp ein Jahr später war die Dissertation zu 75% fertiggestellt, ich bat meinen Betreuer um einen Blick darauf und entsprechende Rückmeldung….. er entschuldigte sich immer wieder, er habe keine Zeit, nahm dann schließlich 2-3 Seiten (von den über 400) und gab dazu ein paar Impulse…… ich arbeitete weiter, im Oktober 17 referierte ich über meine Forschungen im Kolloquium, im Dezember war die Arbeit so gut wie fertig. Immer noch warte ich auf konstruktive Rückmeldung. Ich händigte ihm den Stand meiner Dissertation aus und er versprach sich im Januar 18 zu melden. Mitte Februar immer noch nichts…… daraufhin suchte ich ihn in der Sprechstunde auf (er war darüber nicht erfreut), wieder nahm einer meine Dissertation zur Hand, sagte, er habe keine Zeit gehabt…..nun will er das Thema ändern! Ebenso hat diese Änderung Auswirkungen auf meine Dissertation, sodass ich diese zu einem Großteil um- bzw. neuschreiben muss.
Nun weiß ich nicht, wie es weiter gehen soll. Ich fühle mich nicht bereut sondern hingehalten..

Was würdet ihr mir raten? Es gibt an der Universität nur diesen einen Professor in dem Fachgebiet. Darf ich eigentlich meine Dissertation einem anderen Professor des Fachgebietes an einer anderen Universität einfach so vorlegen? Wie sieht es mit einem Wechsel des Betreuers aus, was auch einem Wechsel der Uni gleichkäme? - ganz zu schweigen von den Auflagen einer neuen Promotionsordnung, die ich dann erfüllen müsste, obwohl ich ganz woanders wohne. Ich wäre für guten Rat dankbar.

Gibt es denn nirgends Richtlinien für das Verhältnis Betreuer - Doktorand. In meiner Promotionsordnung ist auch nirgends vom Wechsel des Betreuers die Rede…..
Zuletzt geändert von Sebastian am 04.03.2018, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff etws sprechender gestaltet
donkeydoeshisphd
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von donkeydoeshisphd »

Hi,

oje, schwierige Situation, kann mich gut in dich hineinversetzen. Also klar, formal hängt alles von der Promotionsordnung deiner Uni oder anderen Unis ab, ob es da Richtlinien gibt oder wie ein Betreuerwechsel zu gestalten ist. Jenseits davon würde ich dir ganz unabhängig von formalen Aspekten/Argumenten von allem abraten, was Streit mit deinem DV nach sich zieht, da du im Zweifel den Kürzeren ziehen wirst. Deine Diss wird nicht einfach so jemand weiterbetreuen, denn die Profs kennen sich ja untereinander in einer Community und wenn jemand einen Doktoranden einfach "übernimmt" wird das als ganz persönlicher Angriff gewertet oder mindestens von anderen Profs äußerst misstrauisch beäugt. Wenn du irgendwo anfragst oder dich bewirbst kannst du auch damit rechnen, dass einfach dein Prof. angerufen wird. Wäre jedenfalls bei uns so, mein eigener DV hat mal von so einem Fall berichtet (zum Glück hat das mich nicht betroffen). Auch Ombudsstelle etc. was es da alles gibt, hilft dir herzlich wenig, wenn die Beziehung zum DV ruiniert ist. Daher würde ich immer versuchen so vorzugehen, dass dein DV an deiner Seite bleibt.

Vielleicht (nur als Idee) kannst du deinem DV kommunzieren, dass du dir Sorgen machst, dass du deine Diss nicht zu Ende schaffst, auch wenn du natürlich seine Anmerkungen verstehst. Und du bittest ihn um seinen Rat. Hintergrund dahinter ist, dass "Rat bitten" nicht als Angriff gewertet werden kann und gleichzeitig kein Prof. Promotionsabbrüche will.

Ist nur so meine Einschätzung.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und drücke dir die Daumen, halte uns doch hier ein wenig auf dem Laufenden
Mumann77
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von Mumann77 »

Hallo, danke für die Antwort!

Im Klartext bedeutet das ein Weiterarbeiten, bis die Diss nach meinem Gutdünken in Ordnung ist und dann gibt es zwei Möglichkeiten: er nimmt sich wieder drei Seiten und beschäftigt mich weiter, oder ich gebe sie (ohne jegliche Betreuung vorher) ab und er lässt sie dann wohl durchfallen.
Mich ärgert am meisten, dass die Arbeit von ihm nicht mal ansatzweise gelesen wurde.
flip
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von flip »

Naja, ich bin mir nicht sicher, ob du mal deine Herangehenweise überdenken solltest.
Du erbringt ja gegenüer dem Prof keinerlei Gegenleistung, sondern "knallst" ihm dein 400 Seiten Werk vor die Nase mit der Bitte um Korrektur.

Es ist jetzt nicht verwunderlich, dass ich als Prof, ohne vorherigen Einfluss, nicht sonderlich erpicht darauf bin, dass zu lesen. Oder mit anderen Worten, du wirst es wohl geduldig aussitzen müssen.
Wa soll ein erneuter "Wechsel" zu einem anderen Prof bringen -> selbe Ausgangslage.
caipirinha11085
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von caipirinha11085 »

Naja, ich bin mir nicht sicher, ob du mal deine Herangehenweise überdenken solltest.
Du erbringt ja gegenüer dem Prof keinerlei Gegenleistung, sondern "knallst" ihm dein 400 Seiten Werk vor die Nase mit der Bitte um Korrektur.

Es ist jetzt nicht verwunderlich, dass ich als Prof, ohne vorherigen Einfluss, nicht sonderlich erpicht darauf bin, dass zu lesen. Oder mit anderen Worten, du wirst es wohl geduldig aussitzen müssen.
Wa soll ein erneuter "Wechsel" zu einem anderen Prof bringen -> selbe Ausgangslage.
Klingt mir nach einer juristischen Promotion und da ist es nicht unbedingt ungewöhnlich, dass man still vor sich hinpromoviert, bis man eines Tages einreicht, ohne dass der Prof Zwischenstände liest.
Auch finde ich es befremdlich, wenn sich ein Prof über mehrere Monate hinweg bitten lässt, sein Feedback zu geben. Allerdings kann man mE nicht erwarten, dass er die Arbeit im Gesamten vorkorrigiert und absegnet (ist zwar ebenfalls durchaus üblich, aber man hat keinen Anspruch darauf, insbesondere nicht darauf, dass das Maß des "notwendigen" Feedbacks nicht mitbewertet wird), aber falls tatsächlich überhaupt keine Betreuung erfolgte (zumindest klingt es so, als sei das im Vorfeld zur Komplettabgabe der Fall gewesen), ist man als Doktorand zurecht verärgert. Eine vollständige Korrektur binnen 2-3 Monaten zu erwarten ist aber natürlich utopisch.

Ich sehe einen Betreuerwechsel auch kritisch - das würde ich nur machen, wenn du eine gute Beziehung zu einem potentiellen anderen Betreuer hast und er kein Problem damit hat, den anderen Prof vor den Kopf zu stoßen.

Was mich interessieren würde: Wieso möchte dein Prof überhaupt das Thema ändern und hat er denn die 400 Seiten nun gelesen? Wie hat dein Prof denn darauf reagiert, dass du die ganze Diss umschreiben musst? Lässt sich hier ein Kompromiss finden, indem du - zB - ein wenig umstrukturierst / ein neues Kapitel einfügst und somit seinen Ansprüchen mit geringem Aufwand gerecht wirst? Kann dir dein Zweitbetreuer hilfreiches Feedback geben bzw sieht er denn deine Arbeit genauso kritisch wie dein Erstbetreuer?
Zuletzt geändert von caipirinha11085 am 05.03.2018, 16:07, insgesamt 2-mal geändert.
Wierus
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von Wierus »

flip hat Recht: es könnte sein, dass du womöglich etwas vorschnell agierst.
im Dezember war die Arbeit so gut wie fertig. Immer noch warte ich auf konstruktive Rückmeldung. Ich händigte ihm den Stand meiner Dissertation aus und er versprach sich im Januar 18 zu melden
Du drängst deinen neuen DV geradezu. Eine 400seitige Arbeit innerhalb von einem Monat zu lesen - als vielbeschäftigter Professor wohlgemerkt - erscheint fast schon utopisch. Insbesondere, da wir in der Post-Guttenberg-Ära leben, in der man als Gutachter genauer hinschaut. Vielleicht hast du deinen DV verärgert? Ich an deiner Stelle würde jetzt alles radikal auf Deeskalation setzen. Alles andere macht deine Situation nur schlimmer, denn du hast (man hat) absolut keine Macht als Doktorand. Schließlich ist dein neuer DV in dieser Sache ja nicht einmal mehr "freundschaftlich" verpflichtet, da sein Kollege - dein alter DV - leider verstorben ist.
donkeydoeshisphd
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von donkeydoeshisphd »

Was mich interessieren würde: Wieso möchte dein Prof überhaupt das Thema ändern und hat er denn die 400 Seiten nun gelesen? Wie hat dein Prof denn darauf reagiert, dass du die ganze Diss umschreiben musst? Lässt sich hier ein Kompromiss finden, indem du - zB - ein wenig umstrukturierst / ein neues Kapitel einfügst und somit seinen Ansprüchen mit geringem Aufwand gerecht wirst? Kann dir dein Zweitbetreuer hilfreiches Feedback geben bzw sieht er denn deine Arbeit genauso kritisch wie dein Erstbetreuer
Da würde ich mich dem hochprozentigen Kollegen anschließen. Ich persönlich habe ganz am Anfang von der Promotionszeit den Tipp von einem Postdoc bekommen, dass man bei den Feedbackschleifen einfach zeigen muss, dass man das Feedback irgendwie berücksichtigt. Man muss nicht gleich die ganze Arbeit umschmeißen, außer das wird wirklich so explizit gefordert. Ich selbst habe auch immer versucht, die Änderungsvorschläge, die ich dann auch selbst gut und wichtig fand einzuarbeiten und bei den übrigen Hinweisen, habe ich den absoluten Minimalaufwand betrieben um hinterher sagen zu können, dass ich die Kritik berücksichtigt habe. Kommt natürlich auf den Prof. an, mein DV war jetzt auch niemand, bei dem ich jetzt hätte sagen können "Nein, das ist nicht sinnvoll, was Sie mir hier sagen", aber mit einer teils Minimalumsetzungsstrategie liefs ganz gut.... :D Ferner hab ich auch meine Arbeit fast vollständig geschrieben gehabt, bevor mein Betreuer sie das erste Mal gesehen hat. Ein Kollege von mir, der fachlich sehr stark ist, hat hingegen jeden kleinen Teil mit dem DV abgestimmt und schreibt jetzt leider immer noch - Ende offen, da dem DV immer wieder was einfällt. Von daher, so schlecht finde ich dein Vorgehen gar nicht, aber jetzt heißt es deeskalieren und gleichzeitig, wo es geht, davon wegkommen, dass du die ganze Arbeit umschreiben musst.
Mumann77
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von Mumann77 »

Hallo, danke für die Feedbacks!
Ohne zuviel preiszugeben: es handelt sich um eine Promotion an der philosophischen Fakultät!
Ich hab inzwischen die Einleitungskapitel überarbeitet, in denen ich auf meine Vorgehensweise zu sprechen komme ( also immer dort vertiefend erkläre, wo es am
konkreten Beispiel notwendig ist, so komme ich seiner Bitte nach und erspare mir aber eine komplette Umschrift....
Was ich nicht verstehe: er hat das Thema damals mit einigen Hinweisen, die ich alle beachtet habe, akzeptiert, ich habe mit diesem Thema gearbeitet, auch im Kolloquium referiert, und jetzt solls geändert werden..... naja.
Ich habe ihm - wie gewünscht- die geänderten Kapitel gemailt, er schrieb, er melde sich in den nächsten Tagen, jetzt gut eine Woche her.... bin gespannt.
Ich fand es auch seltsam, immer gesagt zu bekommen, dass ich ja (ohne Dr. Titel) schon mehr verdiene als sein Akademischer Rat am Institut.....
praktikum
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von praktikum »

Mumann77 hat geschrieben: Was ich nicht verstehe: er hat das Thema damals mit einigen Hinweisen, die ich alle beachtet habe, akzeptiert, ich habe mit diesem Thema gearbeitet, auch im Kolloquium referiert, und jetzt solls geändert werden..... naja.
Bist Du vielleicht einmal auf die Idee gekommen, dass der damalige Nachfolger gar nicht so wild darauf war, irgendwelche Altlasten vom Vorgänger zu übernehmen? Der hat damals vermutlich mit den paar groben Hinweisen erst einmal auf Zeit gespielt, damit er besser an die Stelle kommt. Wozu auch in den ersten Monaten Krach mit einem Altdoktoranden anfangen, der vor Ort vermeidlich etabliert ist, und sich den Ruf versauen.
Du hast Dich bewusst entschlossen, bei ihm weiterzumachen. Mit der Vorgabe "Prof tot" hättest Du auch woanders unterkommen können. Er dagegen hat Dich nicht ausgesucht, sondern "musste" Dich sozusagen übernehmen, weil das bei Lehrstuhlübernahme mehr oder weniger üblich ist.

Mumann77 hat geschrieben: Ich fand es auch seltsam, immer gesagt zu bekommen, dass ich ja (ohne Dr. Titel) schon mehr verdiene als sein Akademischer Rat am Institut.....
Du machst Dich mit dem Satz deutlich erkennbarer, ohne hilfreiche Infos zum Thema zu geben. Was trägt das zur Sache bei?
ReinersLicht
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Re: Lange Bearbeitungszeit und Betreuerwechsel: Wie weitermachen?

Beitrag von ReinersLicht »

Ich stecke genau in der selben Situation - bin jetzt schon einige Jahre dabei und mein DV macht einen auf Hinhaltetakrik.
Ich werde dazu einen separaten Post verfassen - was kann ich Dir raten bzw. wie verhalte ich mich
1. Sprich mal mit dem Ombudsmann der Fakultät bzw. der Uni
2. Versuche eine Betreuungsvereinbarung zu vereinbaren - das ist häufig Standard an den Unis zu Guter wissenschaftlicher Praxis und hilft beiden!
3. Gehe ins Gespräch und kläre die Situation - zeige Ihm die Vorteile - ggfs. biete Ihm Dienste an bspw. Artikel schreiben, Recherche, etc.
4. Er sollte sich auf jedenfall dazu committen - andererseits Dir nicht die Türe zu machen, wenn Du einen anderen DV suchst
5. 4. ist nicht unüblich - und lass Dir keine Angst machen - andere DVs verstehen das besser als man denkt - so viel Kungelei ist da gar nicht
6. Kontaktieren "Thesis e.V.", DFG, etc. - da gibt es Hilfe und Gleichgesinnte
7. Der DV kann sich auch nicht alles erlauben - auch er hat einen Ruf zu verlieren - auf jedenfall kannst Du mit Ihm vereinbaren, dass er Dir keine Steine
in den Weg legt.

Gerne auch weiteres per Boardmail.
Zuletzt geändert von Sebastian am 14.03.2018, 16:22, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Post verlinkt
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