Promovieren mit 33J.

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Andreas84
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Promovieren mit 33J.

Beitrag von Andreas84 » 10.02.2018, 12:14

Hallo,

zu meiner Situation: Ich bin 33 und haben meinen Master-Abschluss in Elektro- und Informationstechnik berufsbegleitend
an der FernUni Hagen mit der Gesamtnote 2,9 gemacht. Irgendwie bin ich mit meinem Master-Abschluss unzufrieden (habe mich auch nicht wirklich angestrengt, aus den verschiedensten Gründen) und spiele mit dem Gedanken zu promovieren. Macht es überhaupt Sinn mit so einer schlechten Note eine Diss zu beginnen? Was kommt da auf mich zu? Hat jemand mit so einer "schechten Note" hier im Forum erfolgreich promoviert?

flip
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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von flip » 10.02.2018, 16:53

Zwei einfache Fragen:

1) Warum glaubst du, dass dich überhaupt jemand nehmen würde? Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?
2) Wenn du dich nicht angestrengt hast, dann hattest du wohl keinen Bock auf das Studium. Also warum genau jetzt eine Promotion?

Wierus
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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von Wierus » 10.02.2018, 17:23

Andreas84 hat geschrieben:Macht es überhaupt Sinn mit so einer schlechten Note eine Diss zu beginnen?
Klärt man es vorher mit den Betreuern und dem Promotionausschuss ab, dann ist im Prinzip alles möglich. Notfalls werden zusätzliche Kurse oder - im worst case - eine Promotionseignungsprüfung fällig. Allerdings halt nur wenn du einen DV findest, der dich voll und ganz unterstützt, wohl gemerkt.

Was ist denn die Note deiner Masterarbeit?

Andreas84
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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von Andreas84 » 10.02.2018, 17:54

Die Masterarbeit war mit 3,0 miserabel. Ich habe sie berufsbegleitend neben einer 40 Stundenwoche schreiben müssen...
war leider so (Fernstudium). Hätte ich sie in Vollzeit schreiben können, wäre sicherlich eine bessere Note rausgekommen. Die Masterarbeit hat mir den Schnitt erheblich nach unten korrigiert, da sie 2/3 der Gesamtnote ausmacht.

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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von praktikum » 10.02.2018, 22:28

Andreas84 hat geschrieben:Ich bin 33 und haben meinen Master-Abschluss in Elektro- und Informationstechnik berufsbegleitend
an der FernUni Hagen mit der Gesamtnote 2,9 gemacht. Irgendwie bin ich mit meinem Master-Abschluss unzufrieden (habe mich auch nicht wirklich angestrengt, aus den verschiedensten Gründen) und spiele mit dem Gedanken zu promovieren. Macht es überhaupt Sinn mit so einer schlechten Note eine Diss zu beginnen? Was kommt da auf mich zu? Hat jemand mit so einer "schechten Note" hier im Forum erfolgreich promoviert?
Ich gehe objektiv auf die einzelnen Punkte ein und fasse es dann zusammen.

Alter
Mit 33 ist es für eine Promotion nicht zu spät, also das alleine wäre kein pauschaler Ausschlussgrund.

Fernuni Hagen
Der große Nachteil an einer Fernuni ist der fehlende intensive Aufbau von Kontakten. Du triffst Mitstudenten, Assistenten, Übungsleiter und Professoren weniger oft persönlich, vom Officepersonal gar nicht zu reden. Wer an der "normalen" Uni eine Vorlesung mitgemacht hat, fällt irgendwann den betreffenden Menschen vor Ort auf. Man ist also als zugehörig bekannt und kann viel einfacher Kontakte knüpfen. Letztlich kann man einfach ohne Termin den Prof auf dem Flur ansprechen.
Mit externen Initiativbewerbungen ist das immer schwieriger, weil man möglicherweise schon von der Sekretärin abgewimmelt wird, falls der Prof gerade wenig Zeit "für so etwas" hat. Der Weg durch eine ausgeschriebene Doktorandenstelle ist auch möglich, aber da muss man ebenfalls durch einige Hürden durch.

Note
Eine 2.9 als Gesamtnote ist wirklich nicht so toll, wobei es hier noch auf den Fachbereich ankommt. In manchen Fachbereichen hättest Du mit der Note keine Chance mehr. In Elektro- und Informationstechnik wird es vielleicht gehen, aber da solltest Du schon irgendetwas vorweisen können oder Bezug zum Lehrstuhl haben. (Generell ist es unterhalb von 2.0 schwierig und ab 2.7 sehr schwierig, weil nicht mehr "gut".). Es ist nicht unüblich, dass man in solchen Fällen zumindest die Vorlesung des Doktorvaters mit einer guten bzw. sehr guten Note abschließen sollte. Das ist aber noch keine 100% Garantie auf eine Stelle und Du musst die VL erst einmal mit dieser Leistung schaffen. Alternativ ist relevante Praxiserfahrung ein gutes Einstiegsargument.

Master Thesis
Die Masterarbeit fällt bei Dir als Einstiegsargument weg und ist leider einer Deiner letzten Einzelleistungen. Wenn Du mit 32/33 bei der wichtigen Abschlussarbeit nicht über 3.0 hinauskommst, wieso sollst Du dann zukünftig im 1er Bereich arbeiten können? Das wird jeder Prof. so oder so ähnlich denken.

Zusammengefasst wird es schwer für Dich mit einer Promotion werden, weil Dein Alter die Zeit für eine Erstellung von Boni für die schlechte Note verkürzt. Außerdem fehlen Dir vermutlich erste Kontake, die einen Einstieg erleichtern. Am ehesten bietet sich bei Dir eine Arbeitsstelle in einem Bereich an, in welchem Du promovieren möchtest. Dann kannst Du einen potentiellen DV noch mit sehr guter Arbeit bei Einzelprojekten überzeugen oder dort eventuell etwas veröffentlichen. Eine entsprechene Stelle zu finden, wo das möglich ist, ist natürlich nicht trivial. Die Leistung musst Du auch erst einmal bringen.

Dell
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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von Dell » 11.02.2018, 00:23

Andreas84 hat geschrieben: Macht es überhaupt Sinn mit so einer schlechten Note eine Diss zu beginnen?
Die Frage ist wohl eher ob du dazu überhaupt die Chance erhältst. Für eine klassische wiss. Mitarbeiter Promotionsstelle an der Uni sehe ich schwarz.

Andreas84
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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von Andreas84 » 15.02.2018, 14:53

Die Prüfung in dem Bereich, in welchem ich promovieren möchte, war eine 1,7. Wäre vllt noch ein sehr gutes Zertifikat einer anderen Uni nützlich?

Dell
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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von Dell » 15.02.2018, 21:13

Was versprichst du dir denn von einer Promotion?
An einem guten Lehrstuhl hast du mit einem Fernstudium und einer 3 realistisch kaum Chancen.
Bis du fertig wirst bist du wohl 37-38 Jahre alt. Das ist viel zu alt für Uni und Privatwirtschaft.

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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von Wierus » 15.02.2018, 22:02

Dell hat geschrieben:Bis du fertig wirst bist du wohl 37-38 Jahre alt. Das ist viel zu alt für Uni und Privatwirtschaft.
Abgesehen davon, dass deine Aussage im Grunde nichts anders als "Altersdiskriminierung" darstellt, sprichst du damit all jenen, die sich nach sechs Jahren Postdoc-Phase nicht in der Wissenschaft halten können jegliche Existenzberechtigung auf dem Arbeitsmarkt ab. Die meisten werden dann nämlich um die 40 sein (und wohl eher 40+). Witzig.

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Re: Promovieren mit 33J.

Beitrag von mantor » 15.02.2018, 23:05

Wierus hat geschrieben:
Dell hat geschrieben:Bis du fertig wirst bist du wohl 37-38 Jahre alt. Das ist viel zu alt für Uni und Privatwirtschaft.
Abgesehen davon, dass deine Aussage im Grunde nichts anders als "Altersdiskriminierung" darstellt, sprichst du damit all jenen, die sich nach sechs Jahren Postdoc-Phase nicht in der Wissenschaft halten können jegliche Existenzberechtigung auf dem Arbeitsmarkt ab. Die meisten werden dann nämlich um die 40 sein (und wohl eher 40+). Witzig.
Ich kann Deinen Ärger verstehen. Das Problem ist aber, dass diese Altersdiskriminierung Fakt ist. Es ist halt schon so, dass sich die 'Zahlen‘ an der Uni gerade drehen: Ich habe vor fünf, sechs Jahren promoviert – und da war es in meinem Fach noch vollkommen normal, dass die Leute mit 32,33,34 fertig wurden, weil die meisten 10, 12, auch 14 Semester studierten. Mit Bachelor und Master, Wegfall des Wehrdienstes und G8 sind die Doktoranden in meinem Fach jetzt 25,26, 27. Die 30 kratzt da fast niemand mehr. Entsprechend konkurriert man dann im Post-doc-Bereich um Stipendien und Stellen mit Leuten, die zehn Jahre jünger sind, meist noch keine Familie haben (ergo flexibler sind), etc. Das ist schon ein Faktor, den man in die Entscheidung zu promovieren einbeziehen sollte. Das allerdings nichts unmöglich ist, zeigt eine Kollegin: Die hat mit 40 promoviert und ist praktisch von der Disputatio auf eine Post-doc-Stelle gewechselt.

Andererseits wäre es ja nicht so, dass der TE mit 37 oder 38 zum ersten Mal auf dem Arbeitsmarkt aufschlägt, schließlich lief das Studium ja auch schon berufsbegleitend. Da müsste man halt schauen, ob man vielleicht eine Industriepromotion angeht?

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