Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

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sz87
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Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

Beitrag von sz87 » 29.01.2018, 11:06

Hallo zusammen,
als 'stiller Mitleser' seit einer langen Zeit finde ich dies hier eine tolle, informative und hilfsbereite Community. Wir sitzen alle im selben Boot und es tut gut hier zu lesen, dass viele von uns alle Höhen und Tiefen einer Promotion kennen.

Nun habe ich mich angemeldet, weil ich selbst vor einer Zwickmühle stecke: Nach zwei Jahren als Wi. MA und bereits abgeschlossener Datenerhebung und Themenfindung/-eingrenzung ginge es ab den Semesterferien nun an die Ausarbeitung der Dissertation (Sozialwissenschaften). Ich liege somit eigentlich gut im Zeitplan, finde ich. Ich habe beschlossen, nach der Promotion aus der Wissenschaft auszusteigen, aus vielerlei Gründen. Nun hat sich relativ unverhofft eine ziemlich tolle Gelegenheit ergeben, in einem Umfeld als Referent zu arbeiten, das mich total reizt. Und meinem Lebenslauf würde das sicherlich noch einen entscheidenden anderen Schwerpunkt geben.

Aus eurer Erfahrung heraus...
1) Entsteht böses Blut, wenn man kündigen würde? Eigentlich hat man natürlich noch einen Arbeitsvertrag, ist eingeplant usw. Ich möchte die Dissertation in jedem Fall fertigstellen. Schon jetzt arbeite ich Vollzeit, insofern ist das alles ohnehin eher ein Wochenendvergnügen. Zumindest wäre bis April ausreichend Zeit Ersatz zu finden für die Lehre usw...
2) Wie sieht es im Lebenslauf aus? Man könnte die Promotion ja ggfs. separat aufführen?
3) Es gibt ja öfter diese Diskussionen über das "danach" bei der Promotion. So eine Stelle wie die ausgeschriebene habe ich selten gesehen. Man weiß nie, was zu Zeitpunkt X ist, aber mein Gefühl sagt mir einfach grade, dass das eine total gute Chance ist. Gleichzeitig bin ich ziemlich unsicher.

caipirinha11085
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Re: Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

Beitrag von caipirinha11085 » 30.01.2018, 08:36

Zum Lebenslauf: Könntest du in Berufserfahrung und Ausbildung trennen - also unter Beruflicher Werdegang oä deine Tätigkeit als WiMa aufführen und unter Ausbildung ua dein Studium und deine Promotion. Ich habe das so gemacht, obwohl ich bis zum Ende der Promotion WissMit war.

Wierus
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Re: Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

Beitrag von Wierus » 30.01.2018, 09:03

Bedenke bei all deinen Entscheidungen: Diss einreichen und Diss veröffentlichen (= offiziell abschließen) sind in vielen Fällen zwei sehr verschiedene Paar Schuhe! Die eingereichte Diss ist meist viel länger als die veröffentlichte, d.h. es steht mit Pech noch einiges an inhaltlicher Überarbeitung an. Ob man das ausgerechnet in einer Phase durchhält, in der man in ein neues Berufsfeld einsteigt und sich in eine neue Tätigkeit einarbeiten muss? Du magst durch jahrelange Vollzeit abgehärtet sein, vielleicht ist das in deinem Fall etwas anderes; aber allgemein rate ich zum endgültigen Abschluss, bevor weitere karrieretechnische Schritte eingeleitet werden.

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Re: Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

Beitrag von Eva » 30.01.2018, 12:17

Ich würde dir dringend zuraten! Mach es! Du willst nicht in der Wissenschaft bleiben und hast JETZT eine super Gelegenheit, einen Fuß in eine andere Tür zu bekommen. Was kümmert dich böses Blut (halte ich eh für unwahrscheinlich)? Im schlimmsten Fall benoten sie eine gute Arbeit schlecht, aber wenn du nicht in der Wissenschaft bleiben willst, zählt für dich am Ende (wenn überhaupt) nur der Titel, weniger die Note.

Hast du dich denn schon beworben und eine Einladung/Zusage oder überlegst du bislang nur, dich zu bewerben? Vielleicht könntest du ja 1-2 Monate späteren Arbeitsbeginn aushandeln, an der Uni aber schon früher aussteigen, und die Zeit komplett in die Diss stecken, damit du einen größeren Schritt vorankommst, bevor du sie vielleicht erstmal zurückstellen musst, um dich einzuarbeiten?

Johannes87
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Re: Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

Beitrag von Johannes87 » 04.02.2018, 22:17

Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen: Überlege es dir gut.

Genauer:
(1): Willst du wirklich nicht in Wissenschaft/Forschung/Lehre an der Universität bleiben?
(2): Fußt deine Entscheidung in (1) vielleicht nur auf einer akuten Unzufriedenheit?
(3): Ist die neue Stelle wirklich so unglaublich gut oder projizierst du darauf nur die fehlende Aspekte der Uni-Arbeit?
(4): Hast du selbst die Motivation, ohne die Uni-Umgebung an der Arbeit zu schreiben?

Bei mir hat solch eine Entscheidung für eine neue Stelle, den Abschluss deutlich verzögert. Und es hat auch nur geklappt, da ich die neue Stelle nur auf Teilzeit (80%) betrieben habe. (Wobei ich immer noch nicht ganz fertig bin, muss ich zugeben :? )

Du solltest dir überlegen, wie wichtig dir deine Doktorarbeit wirklich ist und dir die neue Stelle vielleicht auch etwas kritischer anschauen.

sz87
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Re: Promotion nebenberuflich beenden (Berufserfahrung)

Beitrag von sz87 » 07.02.2018, 10:15

Vielen Dank für die vielen Meinungen zunächst einmal! Allerdings sind diese sehr unterschiedlich und mir zeigt sich daran, dass das keine einfache Wahl wird.
Hast du dich denn schon beworben und eine Einladung/Zusage oder überlegst du bislang nur, dich zu bewerben? Vielleicht könntest du ja 1-2 Monate späteren Arbeitsbeginn aushandeln, an der Uni aber schon früher aussteigen, und die Zeit komplett in die Diss stecken, damit du einen größeren Schritt vorankommst, bevor du sie vielleicht erstmal zurückstellen musst, um dich einzuarbeiten?
Ja, ich wurde eingeladen zum Gespräch! :)
(1): Willst du wirklich nicht in Wissenschaft/Forschung/Lehre an der Universität bleiben?
(2): Fußt deine Entscheidung in (1) vielleicht nur auf einer akuten Unzufriedenheit?
(3): Ist die neue Stelle wirklich so unglaublich gut oder projizierst du darauf nur die fehlende Aspekte der Uni-Arbeit?
(4): Hast du selbst die Motivation, ohne die Uni-Umgebung an der Arbeit zu schreiben?


Das ist ein schwieriges Thema. Die Arbeit an der Uni mache ich gerne (insbesondere Lehre und die vielen Veranstaltungen, die wir organisieren), ich würde heute aber wahrscheinlich sogar ein anderes Fach studieren, auch wenn ich viele Fragestellungen nach wie vor interessant finde. Interessant ist aber eben nicht Leidenschaft und das macht es ohnehin nicht leichter. Du hast aber Recht mit Punkt 4, das wird tatsächlich wohl die größte Hürde. Ich ziehe gewöhnlich aber Dinge durch, die ich anfange, und sehe die Promotion als gute Chance für viele Berufszweige, die mich interessieren. Mein Lebenslauf ist halt schon bisher eher "wissenschaftslastig", und mit der anderen Stelle würde ich mir einen anderes Berufsfeld erschließen, gleichzeitig macht man natürlich ein anderes komplett zu. Die Stelle wäre übrigens 75%, gerade deshalb finde ich sie ja auch gut, allerdings nicht unbefristet, das muss ich ehrlich dazu sagen... Das meintest du vermutlich mit "kritisch" anschauen.

Seht ihr das mit dem bösem Blut gar nicht als Gefahr?

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