Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Nalgene
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Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von Nalgene » 10.01.2018, 21:40

Hallo ihr Lieben,

ich bin zur Zeit am Ende meines Masterstudiums (M.Sc.). Damit kommt natürlich auch die Frage auf, ob ich direkt in die Wirtschaft gehen möchte, oder weiter an der Uni bleibe.
Ich arbeite zur Zeit als Werkstudent und meine Bachelorarbeit und Fachpraktikum habe ich in der Industrie absolviert. Praxiserfahrung ist also vorhanden.

Nun stehe ich erst mal vor der Wahl, ob ich die Masterthesis im Unternehmen oder an der Uni schreiben soll. Diese Entscheidung hat ja dann letztlich auch einen starken Einfluss auf meinen weiteren akademischen Werdegang. Seit ein Paar Monaten habe ich mich zudem ausgiebig mit dem Thema Promotion befasst und könnte mir das durchaus vorstellen. Meine Motivation der Promotion ist hauptsächlich die, dass ich mich in der wissenschaftlichen Arbeit bisher immer relativ wohl gefühlt habe und mich sehr gerne tief in interessante(!) Themen einarbeite.

Hier nun ein paar konkrete Fragen:

1) Falls ich mich dazu entscheiden sollte, zu promovieren, in welchen Bereichen kann ich das?
2) Was ist klüger? Als Werkstudent arbeiten oder eine Stelle an der Uni suchen, um mit Professoren in einem ansprechenden Bereich in Kontakt zu treten?
3) Natürlich anschließend die Frage, wo ich dann letztendlich meine Masterarbeit schreiben sollte (Uni oder Unternehmen)
4) Wie wichtig ist die Uni und deren Ruf ?

Vielen Dank im Voraus und
Herzliche Grüße
Zuletzt geändert von Nalgene am 18.04.2018, 22:41, insgesamt 1-mal geändert.

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flip
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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von flip » 11.01.2018, 22:15

Nalgene hat geschrieben:
Nun stehe ich erst mal vor der Wahl, ob ich die Masterthesis im Unternehmen oder an der Uni schreiben soll. Diese Entscheidung hat ja dann letztlich auch einen starken Einfluss auf meinen weiteren akademischen Werdegang.
Nein. Warum sollte das einen Einfluss haben? Professoren können es toll finden, wenn du m Unternehmen schreibst, oder nicht, oder sie interessieren sich nicht dafür. Pauschal kann man garnichts sagen.


1) Du nennst doch bereits Anhaltspunkte für deine Masterarbeit bzw. für ein Thema in deiner Diss später...
2) Die Frage ergibt keinen Sinn. Wenn du promovieren willst, bewirbst du dich auf Stellen, Graduiertenkollegs oder Stipendien. Der Werkstudentstatus wäre nur im Unternehmen wichtig, wenn es dich ausbeuten wolle.
3) Siehe oben.
4) Eine Promotion ist nicht gleich Studium, wo du einfach die Stadt oder Uni auswählst. Erst einmal brauchst du eine Stelle bzw. dein Thema, dann spricht du mit dem Prof über die Umsetzbarkeit und danach entscheidest du zwischen den Optionen, die du noch hast.

Wierus
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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von Wierus » 12.01.2018, 02:37

flip hat geschrieben:2) Die Frage ergibt keinen Sinn. Wenn du promovieren willst, bewirbst du dich auf Stellen, Graduiertenkollegs oder Stipendien. Der Werkstudentstatus wäre nur im Unternehmen wichtig, wenn es dich ausbeuten wolle.
Kommt darauf an. Wenn er beispielsweise 10€/h für einen einfachen - aber dennoch fachnahen - Werkstudentenjob bekommt wie ich damals kurz nach meinem Studium, dann sehe ich das Problem nicht.

Das Problem ist vielmehr der Werkstudentenstatus selbst, denn eigentlich gelten Promotionstudenten nicht mehr als Studenten.
Das können manche Unis/Kooperationen relativ eng sehen, von daher auf jeden Fall im Vorfeld genau abklären.
Nalgene hat geschrieben:Was ist taktisch klüger?
Das Klügste aus meiner Sicht wäre, möglichst bald eine Finanzierung zu finden, die dich mindestens (!) drei Jahre lang sicher über Wasser halten kann; und die dir gleichzeitig den nötigen Freiraum für deine Promotion lässt. Je fachnaher, desto besser, das ist klar.

In Sachen Finanzierung sollte man aber nicht zu wählerisch sein. Sicherheit bzw. Kontinuität geht vor Prestige - denn was nützt der bestbezahlte Nebenjob mit Prestige, wenn man nur für 6 Monate befristet wird und danach im Regen steht?

Freiraum geht vor Kontinuität, Kontinuität geht vor Bezahlung, Bezahlung geht vor Prestige - das wäre meine Faustregel.

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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von Green Goddess » 12.01.2018, 07:52

Ich mache es mir einfach und schliesse mich beiden vorrednern/-schreibern an, auch in Frage 2. ;)

ad 2) Es geht nicht um Taktik, sondern um Strategie. (s. Wierus) Eine Promotion ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf, den ohne finanzielle Unwetter zu verfolgen, durchaus beruhigend und damit performancesteigernd ist. Mein Rat wäre, dass du dir Lehrstühle/Profs anschaust und deine Frage(n) dort stellst. Die beste Strategie verschiebt sich in der Wertung, wenn der/die Prof deiner Wahl eine deutlich abweichende Einstellung vertritt.
ad 4) Ja, der Ruf der Uni kann wichtig sein, aber wir reden an dieser Stelle nicht über Harvard/Princeton/Yale oder Oxbridge/London, oder? Jenseits dieser Marker ist Betreuung deutlich wichtiger als Prestige, und Top 10 bei Prestige muss nicht deckungsgleich mit Top 10 bei Betreuung sein.

Nalgene
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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von Nalgene » 12.01.2018, 09:56

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.
flip hat geschrieben: 1) Du nennst doch bereits Anhaltspunkte für deine Masterarbeit bzw. für ein Thema in deiner Diss später...
Vielleicht habe ich die Frage falsch formuliert. Mir ging es eigentlich darum, inwiefern der Studiengang und das Thema zusammenpassen müssen.
flip hat geschrieben: 4) Eine Promotion ist nicht gleich Studium, wo du einfach die Stadt oder Uni auswählst. Erst einmal brauchst du eine Stelle bzw. dein Thema, dann spricht du mit dem Prof über die Umsetzbarkeit und danach entscheidest du zwischen den Optionen, die du noch hast.
Der übliche Prozess wäre also, ein Thema vorzuschlagen und dann zu hoffen, dass ich am Lehrstuhl als wissenschaftliche Hilfskraft/Mitarbeiter über den gesamten Promotionsprozess arbeiten kann?
Green Goddess hat geschrieben:Ja, der Ruf der Uni kann wichtig sein, aber wir reden an dieser Stelle nicht über Harvard/Princeton/Yale oder Oxbridge/London, oder? Jenseits dieser Marker ist Betreuung deutlich wichtiger als Prestige, und Top 10 bei Prestige muss nicht deckungsgleich mit Top 10 bei Betreuung sein.
Nein, wir reden hier nicht über internationale Elite-Unis. Vor dem Master hatte ich überlegt, allein aus Prestige Gründen die Uni zu wechseln. Jetzt stehe ich am Ende meines Masters und stelle mir die gleiche Frage erneut.
Zuletzt geändert von Nalgene am 18.04.2018, 22:47, insgesamt 2-mal geändert.

Agriwis
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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von Agriwis » 12.01.2018, 15:38

Für eine wissenschaftliche Karriere ist wohl das Prestige der Uni völlig irrelevant, zumindest in Deutschland. Viel wichtiger ist das Prestige des Profs! Das kann möglicherweise Hand in Hand gehen, muss aber keinesfalls zwingend sein und meiner Erfahrung nach geht es selbst in Harvard oder Yale nicht zwingend Hand in Hand (sollte ich die größten derzeitigen Koryphäen in meinem Gebiet weltweit aufzählen, würde ich weder jemanden von Harvard, noch von Oxford oder wenigstens der ETHZ aufzählen).
Ob eine Koryphäe gut betreut, können wir natürlich nicht beurteilen. Sie muss aber keineswegs automatisch schlecht betreuen, ebenfalls betreut ein kleiner unbekannter Prof nicht automatisch gut.
In der freien Wirtschaft ist das Prestige der Uni denke ich auch nicht wichtig. Falls es wichtig ist, dann eher das Prestige der Masteruni, aber jeder weiß doch, dass die Promotion dann letztlich größtenteils mit einem einzigen Prof fällt und steigt.
Allerdings zeugt ein Lebenslauf an nur einer Uni, vom Bachelor bis Promotion, möglicherweise sogar noch das Abi in der gleichen Stadt, nicht gerade von Flexibilität. Ich bin mir sicher, dass ein Uniwechsel zwischendurch fast nie schlecht ankommt, weder in der Forschung noch in der Wirtschaft. Aber zwingend nötig um wirklich gut dazustehen, muss er auch nicht sein.

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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von flip » 12.01.2018, 21:08

Noch einmal: Der sinnvollste Weg ist, die Promotion über eine Stelle zu finanzieren. Ich habe das Gefühl, du hast das immer noch nicht verstanden. Das heißt, die TU Darmstadt schreibst eine Stelle aus, du bewirbst dich. Dein Lehrstuhl vor Ort schreibt eine Stelle aus, du bewirbst dich.

Du kannst zu einem Prof gehen und ihm etwas vorschlagen. Dann kann er "ja" sagen, hat aber keine Stelle und du keine Finanzierung.

Der Studiengang ist in den meisten erst einmal egal Fällen egal. Willst du machinelles Lernen anwenden (oder zumindest ein wenig modifizieren), dann ist es vollkommen egal. Das habe ich auch gemacht und ich bin auf dem Papier Volkswirt. Wenn du sie weiter entwickeln willst, ist die Frage, was für Vorkenntnisse du hast.
Du kannst nicht ohne Vorkenntnisse an einen Informatik Lehrstuhl gehen und sagen "ich mache mal da mit der Forschung weiter". Du würdest von dem Prof garnicht erst akzeptiert werden. Das wäre auch eher etwas für jemanden mit Mathe- oder Statistik-Studium.

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Re: Kurz vor Masterarbeit, Werkstudent... promovieren?

Beitrag von praktikum » 13.01.2018, 03:47

*Gähn.

Man sollte sich als Studi nicht selber in der Schraubstock nehmen, zumal 2018/2019 noch viel passieren kann und die Interessen nicht 100% klar sind. Da lohnt es sich nicht, eine starre Bahn einzuschlagen, nur weil das theoretisch "besser" ist. Nachher liest man sich 3 Monate in die Materie ein und hasst den Spezialzweig.
Studium machen und möglichst viele Vorlesungen besuchen, ein Blick über den Tellerrand lohnt auch. Die Masterarbeit macht man am besten an der Uni und eventuell muss man dazu entsprechende Vorlesungen beim Prof belegen.

Bachelor/Masterarbeit in der Industrie klingt cool, in Wahrheit ist das in vielen Fällen der letzte Mist, bei dem man sich ständig gegen Ausbeutung wehren muss. Da kenne ich genügend Fälle. Außerdem sind Abschlussarbeiten in der Industrie hinterher gerne unter Verschluss, so dass man sie nicht vernünftig vorzeigen kann.

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