Strukturiertes Arbeiten

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Autumlove
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Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Autumlove » 15.11.2017, 11:40

Hallo,

Ich habe vor ein paar Monaten meine Stelle als Doktorandin angenommen, mein Thema gesucht und gefunden und einiges an spezifischer Literatur gesucht. Da ich im Bereich des Strafrechts promoviere und in meiner Arbeit auf allgemeine Fragen der Handlungs- und Schulddogmatik eingehe, bin ich erstmal damit beschäftigt, Lehrbücher über StrafR AT und Kommentare zu welzen.
Dabei stößt man relativ schnell auf Fußnoten und weitere Nachweise. Ich verliere mich momentan in den Nachweisen und weiß nicht, wie ich strukturierter damit umgehen kann. Ich lese etwas über die allgemeine Schuld, schreibe dazu was runter und lese im nächsten Satz was über verminderte Schuldfähigkeit und schreibe sodann dazu was, obwohl ich die allgemeine Schuld noch nicht fertig habe.

Mich würde einfach gerne interessieren, wie andere Dokotranden damit umgehen und ob es da vielleicht einige Hilfestellungen gibt, die ihr versucht habt.

Liebe Grüße und Danke

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Green Goddess
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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Green Goddess » 15.11.2017, 13:42

Zunächst möchte ich sagen, dass mMn wohl in (fast) jedem Fach der Weg in die Tiefe über eine breite Basis geht oder gar gehen muss, insofern dürfte deine Situation kaum jmdem im Forum gänzlich unbekannt sein.
Das Tool, das ich verwende, ist WIKI. Mein Rat wäre, dich bei Tante google nach "Wiki software vergleich" zu informieren, um so schauen, was -if any- für dich passt. Wikis sind praktisch die Zettelkästen des letzten Jahrtausends in "Neuland"-Implementierung, und darauf ausgelegt, bereits in der Befüllungsphase zu funktionieren. Alle Beiträge im Forum über "Mein <Lit-Soft> funktioniert nicht mehr, seit ich aus Versehen die 1000 Einträge überschritten hatte" können Wiki-Nutzerinnen getrost übersehen. Mein Wiki steht nach gut 3 Jahren bei geschätzten 2000-2500 Seiten "and still going strong". U.a. ist MediaWiki frei erhältlich, die Leistungsfähigkeit lässt sich mit dem Hinweis belegen, dass MW die engine hinter Wikipedia ist.
Wiki mag für dich passen oder auch nicht, aber anschauen solltest du es dir.

Weiterhin Viel Spass beim Fussnoten sammeln! ;)

Agriwis
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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Agriwis » 18.11.2017, 19:36

Ich kenne das Problem auch nur zu gut!

Ich habe mich in den letzten Tagen mehr in Citavi (welches ich schon vorher einfach als reines zitierprogramm verwendet habe) beschäftigt und festgestellt, dass es einige echt geniale Funktionen hat, die ich vorher gar nicht benutzt habe. Ich denke, das könnte dir vielleicht auch helfen.
Ich denke es ist insbesondere dann praktisch, wenn man hauptsächlich mit pdf Dateien und nicht mit Büchern im Papierformat arbeitet. Ich arbeite zum Glück fast gar nicht mit Büchern.
Über Citavi kann man die pdfs lesen und wenn man was interessantes liest, von dem man meinen könnte, das möglicherweise zitieren zu wollen, kann man es in einer bestimmten Farbe markieren und dann gleich als direktes/ indirektes Zitat speichern, welches man dann in der schreibphase per Knopfdruck inklusive Quellenangabe in sein Textverarbeitungsprogramm kopieren kann. Dann noch ein bisschen umformulieren, ein paar Sachen streichen und schon ist die Doktorarbeit geschrieben :wink: (zumindest ein kleiner Teil). So hast du zumindest weniger nicht das Problem, dass du irgendwann in nem halben Jahr denkst, dass du ja irgendwo mal was da und dazu gelesen hast. Am sinnvollsten ist es, wenn du dir schon viele Gedanken über die Gliederung gemacht hast. Dann fügst du die ganzen Zitate nämlich schon gleich einem Gliederungspunkt zu. Das kannst du aber natürlich jederzeit noch ändern.

Wenn ich lese und eine interessante Quelle finde, dann kann ich diese als Aufgabe, diese zu prüfen, markieren und dann lese ich weiter. Wenn ich fertig gelesen habe schaue ich nach, welche Aufgaben ich mir dazu erteilt habe und schlage die Quellen nach.
Bis vor kurzem habe ich das auch noch anders gemacht, das hat mich auch extrem genervt, weil ich nicht mehr durchgeblickt habe, welche Quelle ich eigentlich gerade lese und was ich wo interessantes gefunden habe. Ich hatte nur tausend Informationsfetzen im Kopf die ich nicht mehr zuordnen konnte, geschweige denn aufs Papier bringen. Und man springt nicht ständig von Program x nach y und z. Ich hoffe das funktioniert jetzt, wo ich mich endlich mal weiter in Citavi eingearbeitet habe, besser.
Vielleicht ist das ja auch was für dich.

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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Autumlove » 21.11.2017, 10:50

Danke für eure Antworten. Allerdings ging es mir nicht um ein Programm, was mir eventuell die Arbeit erleichtert. Ich arbeite viel mit Büchern, da in Jura vieles eben ältere Literatur ist und man diese digital gar nicht erhält.
Mir ging es eher darum, wie man damit zurecht kommt, dass überall extrem viele Verweise sind, die man sich anschauen muss. Ich habe einen Beitrag mit bspw. 140 Fußnoten. Jede Fußnote ist mindestens ein Werk, was dann für den Abschnitt erneut ettliche Fußnoten und Werke enthält. Da verliere ich teilweise einfach schnell den Überblick, da ich noch keine geeignete Methode (und diese nicht im virtuellen Bereich) gefunden habe, wie ich am besten vorgehe. Ob man alle Fußnoten direkt nachschaut oder ob man diese sammelt und am Ende des Beitrags alle nachschaut.

Darum ging es mir eher, als um ein Programm, was ich nutzen könnte. Hilft mir leider gar nicht

Green Goddess
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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Green Goddess » 21.11.2017, 16:45

Wie du vorgehen sollst, wird dir niemand sagen können, denn du solltest dich und insb. deinen Lernstil besser kennen als jedes Forumsmitglied. Zudem weiss niemand, wie du bisher gelernt hast, insofern auch keine Möglichkeit zu Analogiehinweisen.
Die Diskussion ob Wiki ein JAP (Just another program) ist oder ein Tool, das einen Arbeitsstil fördert oder gar vorgibt, will ich nicht starten, ebensowenig wie die Strapazierung der Frage, ob das Sein das Bewusstsein bestimmt, was mich zu der Behauptung bringen würde, dass dir, falls alles, was du an Werkzeugen hast, Hämmer unterschiedlicher Grösse und Ausprägung sind, die ganze Welt wie eine Ansammlung von Nägeln vorkäme.
Aber es ist dein Arbeitsstil, bei dem ich dir (s.o.) nicht weiterhelfen kann. Ich habe mein Tool für die nächsten Jahre gefunden, YMMV.

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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Agriwis » 21.11.2017, 17:05

Ich habe oben schon empfohlen, die wichtigen Verweise rauszuschreiben und erstmal fertig zu lesen, bevor man vom 100. ins 1000. kommt. Meine persönliche Meinung.
Ich finde es ebenfalls auch super interessant wie andere das machen und finde diesen Thread super, schade nur, dass sich so wenige dran beteiligen.
Ich würde mir wirklich einen längeren Thread wünschen, in dem genau das diskutiert wird (Sortierung der Materialien, lesen etc.) und jeder erzählt wie er es macht.
Natürlich ist denke ich jedem klar, dass Menschen unterschiedlich sind und daher nicht jeder alles eins zu eins kopieren kann, aber überhaupt eine Vorstellung zu bekommen, wie andere das handhaben, ist doch schon sehr interessant.

Ich würde mich daher jedenfalls freuen, wenn noch andere einfach von ihrer Vorgehensweise berichten, egal ob er meint, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben oder noch Probleme hat.

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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von caipirinha11085 » 21.11.2017, 17:29

Ich habe mir zur Beginn der Diss eine lange Einlesephase 'gegönnt', in der ich erst einmal nur gelesen habe, was das Zeug hält und mir Notizen zu den Beiträgen gemacht habe. Irgendwann - selbst im Strafrecht ;) - kommt man an den Punkt, in dem man die zitierten Beiträge wieder erkennt bzw. man merkt, dass sich alle gegenseitig zitieren. D.h., du solltest auf jeden Fall jeden Beitrag fertig lesen und dann nur die interessanten Aussagen im Text weiterverfolgen (und nicht, völlig überzogen gesagt, jedes Zitat zu einer Definition einer einfachen vorsätzlichen KV nachschlagen). Man muss auch nicht jeden Beitrag komplett durchlesen, man wird irgendwann immer schneller darin, zu bewerten, wie wertvoll der Beitrag ist. Im Übrigen wird man generell immer schneller darin, Beiträge zu lesen, weil man irgendwann alles schon einmal irgendwo gelesen hat.
Auf Lehrbücher habe ich iÜ weitgehend verzichtet, die sind mE für Studierende und nicht für Doktoranden interessant.

Ich kann also den Weg, erst einmal sich einzulesen und erst nach einiger Zeit zu schreiben, sehr empfehlen.

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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von daherrdoggda » 22.11.2017, 08:52

1. Bei Google und Pubmed nach Stichworten gesucht und so Paper gefunden
2. Bei allen zuerst abstract gelesen - passt es ueberhaupt zum Thema?
3. Wenn ja, paper gelesen. Dabei wichtige Stellen markiert.
4. Referenzen zu den markierten Stellen rausgesucht, Wiederholung von 2-4 bei den referenzierten papers.
5. Wenn bis zur ersten Referenz durchgedrungen, gelesene paper beiseite gelegt.
6. Bei fertigem Stapel: Alles angestrichene als Stichpunkte in eine formlose Liste geschrieben, dabei gekuerzt und umformuliert (und Referenz zu jedem Punkt behalten!).
7. Liste sortiert nach sinnvoller Reihenfolge.
8. Liste getrennt in thematische Bloecke
9. In jedem Block aus den Stichpunkten einen Satz bzw. Absatz gemacht.
---Fertig!---

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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von Autumlove » 22.11.2017, 14:36

Danke für eure Antworten. Das mir niemand eine Arbeitsweise vorgeben kann weiß ich. Es soll auch niemand versuchen. Ich finde es nur interessant, wie andere mit dem Problem - was ja jeden Doktoranden trifft - umgehen und wie sie damit zurecht gekommen sind.
Dass Lehrbücher nur was für Studenten seien, kann ich so nicht unterschreiben, da ich auch vieles zur allgemeinen AT-Dogmatik schreibe und da Lehrbücher als Grundlage, um an weiterführende Literatur zu gelangen, gar nicht so schlecht sind für mich.

Ich habe momentan die Taktik, dass ich einen Beitrag lese und interessante Passagen direkt abtippe und belege. Manchmal auch in mehreren Sachen nachschaue, um diesen einen Satz zu belegen. Das ist allerdings, habe ich nun die letzten zwei Wochen gemerkt, sehr aufhaltend und frustriert einen, wenn man am Ende vom Tag nur einen oder zwei Sätze geschrieben hat. Man lenkt sich auch irgendwann selbst ab.
Bei meiner Examenshausarbeit habe ich es dahingegen ganz anders gemacht und alles ausgedruckt (was ich jetzt auch noch mache), gelesen und kleine Zettel beschrieben mit dem wesentlichsten Inhalt und erst am Ende zusammengeschrieben. Ich glaube, das strukturiert meine Gedanken am besten und wie es bereits gesagt wurde, merkt man irgendwann, dass sich alles wiederholt. Ich glaube ich fange jetzt auch mit Aufschreiben an :)

Danke euch

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Re: Strukturiertes Arbeiten

Beitrag von caipirinha11085 » 22.11.2017, 16:04

Ich finde Lehrbücher nur ganz für den Anfang interessant. Zitiert habe ich aus ihnen nie, dafür sind Kommentare und Dissertationen sowie Zeitschriftenbeiträge mE deutlich ertragreicher. Aber vielleicht ist das im StR AT anders, oder ich habe dich falsch verstanden und du verwendest die Lehrbücher nur zum Einlesen. Dafür sind die natürlich uU ganz nützlich, wobei ich hier auch skeptisch bin, wie hilfreich es ist, gleich mehrere Lehrbücher heranzuziehen.. aber Strafrecht und seine Dogmatik sind wirklich sehr speziell, vielleicht schätze ich das einfach falsch ein.

Das Wichtigste ausdrucken kann ich auch empfehlen. Ich habe die Beiträge, die ich dann auch verwendet habe, immer ausgedruckt und geordnet und mit Post-Its versehen.
Was ich noch empfehlen kann ist: Alles, was dein DV bzw. deine DM in die Richtung gemacht hat, als erstes lesen. Das hast du vermutlich ohnehin schon gemacht.

Im Übrigen bleibe ich dabei, dass mir deine bisherige Taktik, alles sofort abzutippen, nicht sehr sinnvoll erscheint. Du wirst es nur immer wieder ändern müssen. Auch hier ist natürlich jeder anders, aber ich denke, man darf zu Beginn der Promotion ruhig den "Mut" haben, auch mal ein paar Wochen gar nichts zu schreiben und sich nur damit zu beschäftigen, die bisherige Literatur zum Thema in- und auswendig kennen zu lernen.

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