Stipendium: Vierte Absage von Stiftungen

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Jala
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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von Jala » 08.11.2017, 12:44

Danke Llama, vielleicht betone ich das nochmal deutlich...

caipirinha11085
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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von caipirinha11085 » 08.11.2017, 16:21

Was ist denn mit Jobs an Lehrstühlen?

Sich jahrelang auf Stiftungen zu bewerben ist ja nicht gerade zielführend..

praktikum
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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von praktikum » 08.11.2017, 16:58

flip hat geschrieben: Achja, die einfache Antwort auf die Frage, warum es nicht klappt ist: Es gibt zuviele Bewerber.
Viele Absolventen haben einfach nicht gemerkt, dass die sich die Konkurrenzsituation im wissenschaftlichen Bereich in den letzten 10 Jahren massiv verändert hat. Da erweckt man mit 30+ und "nebenbei gearbeitet" einfach kein Interesse mehr. Mit Krankheitsgeschichten aus D schon einmal gar nicht.

Paulchen
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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von Paulchen » 08.11.2017, 20:18

Viele Absolventen haben einfach nicht gemerkt, dass die sich die Konkurrenzsituation im wissenschaftlichen Bereich in den letzten 10 Jahren massiv verändert hat. Da erweckt man mit 30+ und "nebenbei gearbeitet" einfach kein Interesse mehr. Mit Krankheitsgeschichten aus D schon einmal gar nicht.
Ich war mit Mitte 20 auch so, dass ich blind nach dem Motto "klappt schon irgendwie" in die wissenschaftliche "Karriere" gestartet bin. Ich hatte auch ein gesellschaftlich relevantes Thema, habe mich bei allen möglichen Stiftungen beworben und es ist nichts geworden. Das habe ich auch immer persönlich genommen, vor allem wenn man weiß, was da teilweise für unsinnige Arbeiten gefördert werden. Aus heutiger Sicht kann ich nur zwei Sachen sagen:
1. Das darf man nicht an sich ranlassen. Es spielt häuft eben nicht das Thema eine Rolle, sondern auch die üblichen Netzwerke in der Wissenschaft.
2. Liebe Jala, warum willst du promovieren, wenn du keine wissenschaftliche Karriere anstrebt (die, da stimme ich Flip zu, mit deinem Hintergrund äußerst schwierig wird. Eine Promotion soll der Nachweis eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit sein. M.E. sollte man nur dann promovieren, wenn man auch wirklich in die Wissenschaft will. Dass das anders kommen kann, keine Frage. Aber wenn du nicht in die Wissenschaft willst, dann tu dir sowas wie eine Diss doch nicht an, zumal Kinder, ein glückliches Berufsleben und Freizeit wirklich viel wichtiger sind als die zwei Buchstaben vor dem Namen.

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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von Wierus » 08.11.2017, 21:04

flip hat geschrieben:Die Frage ist, die du überhaupt nicht beantwortest ist, was du überhaupt später machen willst. Oder aber, was du dir von der Diss erhoffst.
"Ach geh', was willst'n überhaupts mit deiner komischen Promotion?" :)

Es gibt für alle fachlichen Sparten und Richtungen so viele unterschiedliche Berufe die eine (vertiefte) wissenschaftliche Vorbildung voraussetzen, dass ich deine Frage fast schon übergriffig finde. Nicht böse sein, ist nur mein ganz persönlicher Eindruck.

[Selbiges geht im Grunde auch an den User Paulchen]

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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von LLama » 08.11.2017, 21:43

Ich hatte auch ein gesellschaftlich relevantes Thema, habe mich bei allen möglichen Stiftungen beworben und es ist nichts geworden. Das habe ich auch immer persönlich genommen, vor allem wenn man weiß, was da teilweise für unsinnige Arbeiten gefördert werden.
Was gesellschatlich relevant ist und was nicht, ist ja wohl nicht eindeutig definiert. Die Abwertung der geförderten Arbeiten, weil es bei einem selbst nichts geworden ist, finde ich nicht besonders konstruktiv.

Ich weiß nicht, warum in diesem Forum immer wieder so schnell ein unangenehmes Klima entsteht.
I wanna be a Schwa. It's never stressed.

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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von Wierus » 08.11.2017, 21:50

LLama hat geschrieben:Ich weiß nicht, warum in diesem Forum immer wieder so schnell ein unangenehmes Klima entsteht.
Den Eindruck habe ich auch hin und wieder. Das fängt in diesem Thread doch schon mit der ersten Antwort an... :lol:

Mach dir einfach nichts draus, das Internet ist "böse". :coffee:

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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von flip » 08.11.2017, 22:29

Wierus hat geschrieben: Es gibt für alle fachlichen Sparten und Richtungen so viele unterschiedliche Berufe die eine (vertiefte) wissenschaftliche Vorbildung voraussetzen, dass ich deine Frage fast schon übergriffig finde. Nicht böse sein, ist nur mein ganz persönlicher Eindruck.
Abgesehen davon, dass ich einmal bezweifle, dass eswirklich viele Berufe gibt, wo man tatsächlich eine Promotion benötigt (das Thema hatten wir erst neulich): Meine Anregung war nicht, dass sich ein bestimmter Beruf ausgesucht wird, sondern allgemein die Frage Wissenschaft, Arbeit mit Diss-Relevanz, Arbeit ohne Diss-Relevanz, Kinder, usw.

Ich sehe, dass das hier nicht der Fall ist, also ist das wichtigste, erst einmal eine persönliche Reihenfolge festzulegen. Und Wissenschaft sollte dabei nunmal an letzter Stelle stehen.

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang:
Wenn ich in einen bestimmten Bereich gehe wo eine Promotion "verlangt" wird, beruht das dann auf Inhalten, oder weil es halt so viele Bewerber gibt. Wenn es so viele Beweber gibt, was bringt mir die Promotion, wenn ich danach wieder eine von vielen bin? Wie kann ich mich von den anderen abheben? Benötige ich dafür evtl. gar keine Diss?

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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von Wierus » 08.11.2017, 22:48

flip hat geschrieben:Ganz wichtig in diesem Zusammenhang:
Wenn ich in einen bestimmten Bereich gehe wo eine Promotion "verlangt" wird, beruht das dann auf Inhalten, oder weil es halt so viele Bewerber gibt. Wenn es so viele Beweber gibt, was bringt mir die Promotion, wenn ich danach wieder eine von vielen bin? Wie kann ich mich von den anderen abheben? Benötige ich dafür evtl. gar keine Diss?
Du hast schon recht damit, dass eine Promotion selten zwingend ist. Aber was ist schon zwingend? In der Politik muss man auch keinen Doktortitel haben, aber schau dir mal allein die ganzen Plagiatsfälle an und du weißt, welche Bedeutung der Nachweis einer vollen wissenschaftlichen Ausbildung in bestimmten Bereichen haben kann.

Aber das Problem ist doch folgendes: wir leben im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung und steigender Anforderungen an den Einzelnen. Der Hauptschulabschluss ist nicht erst seit Neuestem ein "No-Go", auch der Realschulabschluss hat massiv an Prestige eingebüßt. Das Abitur wird, ganz sachlich betrachtet, langsam zum Regelabschluss. Hinzu kommt die Ablösung von Teilen der Berufsausbildung durch das duale Studium. Dazu kommt außerdem, dass es mit dem Bachelor ja eine Masse von Hochschulabsolventen gibt, die mit den eigentlich höherwertigen Masterabsolventen direkt konkurrieren. Das und die ingesamt wachsenden Absolventenzahlen führt dazu, dass sich viele Masterabsolventen für die Promotion entscheiden, die damit allmählich zum universitären Regelabschluss "absinkt".

Man kann diese Zustände beklatschen, beschreien oder auch konkret Leute wie Jala indirekt dafür angreifen, die Realität schafft man dadurch nicht ab: ALLE Abschlüsse verlieren langsam an Wert. Fächer wie Biologie und Chemie geben die Richtung schon seit Jahren - Medizin sogar schon seit Jahrzehnten - vor.

Dass Jala also ihren Marktwert durch eine Promotion steigern möchte ist mehr als verständlich. Und dass sie ihn dadurch steigern wird, ist auch sehr wahrscheinlich. Die eigentliche Frage lautet doch, wird sich das für sie am Ende "rechnen"? Und auch dann noch, wenn sie kein Stipendium ergattert?

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Re: 4. Stiftungsabbsage...

Beitrag von mantor » 09.11.2017, 00:53

Jala hat geschrieben: Danach habe ich begonnen mich ehrenamtlich zu engagieren und tja, von 31 bis 33 halt das Gequengel mit den Stiftungen.
Der Hinweis kommt für Dich vielleicht zu spät, aber ich habe mir damals einfach eine politische und eine konfessionelle Stiftung ausgesucht, außerdem noch die Studienstiftung – und habe die Bewerbungen dann parallel laufen lassen. Ganz ehrlich: Das ganze Prozedere dauert von der Einreichung bis zur Entscheidung manchmal fast ein Jahr, berücksichtigt man noch, dass manche Stiftungen nur zwei Mal im Jahr die Bewerbungen sammeln, kann es fast anderthalb Jahre dauern. Ich habe die Parallelbewerbungen immer angegeben und immer auch erklärt, dass ich von einem Hiwi-Job lebe und es mir nicht leisten kann, ewige Zeiten ohne einen richtigen Job zu bleiben. Für dieses Argument hatten alle Stipendiengeber Verständnis! Bei zweien hat es dann auch mit der Zusage geklappt.

Was Deinen persönlichen Fall angeht, habe ich zwei Fragen:

1. Gehst Du in den Unterlagen auf Deinen komplizierteren Lebensweg ein? Es gibt die Vorgabe, so etwas als Gutachter zu berücksichtigen. Oftmals aber, das ist meine Erfahrung als Gutachter, weisen gerade diejenigen, die es (aus welchen Gründen auch immer) wirklich schwerer hatten im Leben, nicht auf diese Problematik hin, sondern spielen es herunter oder verschweigen es gar. Und als Gutachter kann man so etwas nur berücksichtigen, wenn es auch aus den Unterlagen hervorgeht.

2. Wie verhandelst Du in Deinem Lebenslauf diese zwei Jahre Bewerbungszeit? Bist Du als Promotionsstudent eingeschrieben? Steht die Promotion vielleicht sogar mit "ab 2015: Promotion im Fach XY" in Deinem Lebenslauf? Du schreibst an einer Stelle von einem Job, den Du seit einem Jahr an der Uni hast. Hintergrund der Frage: Wenn das so wäre und aus den Unterlagen nicht hervorgeht, dass Du eigentlich Vollzeit arbeitest und nicht zum Diss.-Schreiben kommst, kann man Dir das natürlich zum Nachteil auslegen. Anders gesagt: Wenn der Gutachter ein Exposé in der Hand hält, das von jemandem geschrieben ist, der seit zwei oder drei Jahren mit dem Master fertig ist und vielleicht sogar laut Lebenslauf schon an der Diss. sitzt und dazu noch an der Uni arbeitet, bewertet er kleinere Schwächen oder Ungereimtheiten vielleicht strenger. Oder ganz radikal: Da die meisten Stipendien erst einmal für zwei Jahre vergeben werden, kann sich der Gutachter auch fragen, warum Du nicht schon fast fertig mit der Diss. bist. Wie gesagt: Das kann man alles argumentativ einholen – aber das muss man eben auch machen …

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