Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

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muhkuh
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Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von muhkuh » 06.10.2017, 22:36

Hallo, vielleicht kann mir einer weiterhelfen.
Ich hab erst vor ca 2 Monaten mit meiner Diss begonnen.
Ich komme mit meiner Literverwaltung nicht klar. Nicht nur, dass Endnote bei mir immer wieder abstürzt/ hängt und sich nicht speichert oder synchronisiert auch weiß ich nicht, ob Endnote

a) das richtige für mich ist oder ich
b) ich falsch ran gehe.

Meine Arbeit besteht aus der Entwicklung eines Diagnostik-Assay zu einer bestimmten Erkrankung (Medizin).
Dafür suche ich
a) Literatur über die Krankheit ( Ätiologie, Inzidenz, Pathologie auf genetisch, molekularer, physiologischer und morphologischer Ebene, Behandlungsansätze, und -erfolge) als auch
b) bereits entwickelte Assays für diese Erkrankung oder auch ähnliche Erkrankungen.

Ich habe angefangen PUBMED zu durchsuchen und für mich relevante Paper in meine Bibliothek aufgenommen und entsprechenden Gruppen (wie oben : Erkrankung -> Ätiologie /Pathologie / Therapie ; Assays -> Aufbau der Assays; Assays->sortiert nach Krankheiten) zugeordnet.
Dann hab ich angefangen die Paper zu lesen und hier kam das erste Problem: Fast immer stoße ich während des Lesens auf Referenzen, die ich dann ebenfalls in Pubmed suche und in meine Library mit aufnehmen will, weil sie zum einen wichtig fürs Zitieren sind zum anderen weitere wichtige Infos enthalten/enthalten könnten.
Ich hab anfänglich immer für jedes Paper hierzu wieder eine extra Gruppe angelegt.
Ebenfalls starte ich oft, ausgehend vom Wissen/ Inhalt des Papers, neue Suchen in Pubmed, deren für mich relevante Quellen ich dann ebenfalls in meine Library übernehme (Ich lese z.b. ein Paper über die Krankheitsentstehung und suche dann Paper, die sich mit einem bestimmen Enzym innerhalb des Krankheitsgeschehen beschäftigen usw… )

Das Ende vom Lied ist momentan, dass meine Endnotebibiolthek fast aus allen Nähten platzt (980 referencen), massiv langsam ist, sich nicht mehr speichert und synchronisiert. Da ich ja erst am Anfang bin, glaube ich, dass ich so nicht weiter machen kann. Auch traue ich mir nicht Duplikate zu löschen, da ich die Bibliothek bereits in einem Worddok zum zitieren benutzt habe.Da ich die synchronisation nutzen will, kommt die nutzung zweier Bibliothekn auch kaum in Frage....

Ist meine Herangehensweise falsch?

Wie macht ihr das, wenn Ihr beim Lesen auf eine wichtige Referenz stoßt, lest Ihr sie sofort, nach dem Paper oder nur dann wenn Ihr die Quelle später wirklich zitieren wollt ? Mir fällt es oft schwer ein Paper komplett zu lesen, weil ich dann von Referenz 1 wiederrum auf andere Referenzen komme und das Ausgangspaper dann erstmal „still liegt“, ebenfalls weil ich dann noch mal im Detail nach Papern suche, wenn beispielweise wichtige Krankheitserreger angesprochen werden etc..

Habt Ihr einen Tipp für mich, wie ich generell besser vorgehen kann? Ich glaube ich habe uch sehr viel "Bullshit"in den 980 Referencen aber die jetzt alle erst mal durchzuforsten dauert ja ewig...

Danke für alle Tipps!!!

flip
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Re: Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von flip » 07.10.2017, 11:02

Naja, typisches Anfangsproblem. Man ist nicht in der Literatur also liest man erst einmal so viel wie möglich. Ist vollkommen normal. Mit der Zeit lernt man dann zu filtern, das heiß, die unwichtigen Dinge liest man garnicht mehr und Artikel versucht man auch erst garnicht komplett zu lesen, da viel zu zeitaufwendig.

Du schreibst ja selber, dass alles nicht wichtig ist, sondern es viel Bullshit gibt Ergo liest du den Bullshit auch nicht. Auf wichtige Papiere wird immer und immer wieder verwiesen.Auf unwichtige nicht.

caipirinha11085
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Re: Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von caipirinha11085 » 07.10.2017, 12:19

Ich habe erst einmal die relevantesten Aufsätze gelesen, mir entsprechende Referenzen markiert, die herausgesucht und die gelesen, entsprechende Referenzen markiert, usw. Schon nach wenigen Tagen fiel mir auf, dass sehr häufig auch immer dieselben Autoren und dieselben Paper zitiert werden.

Am Anfang habe ich das von Hand katalogisiert, bis ich einen Überblick bekommen habe, was in die Datenbank aufgenommen werden muss. Relevante Paper habe ich außerdem ausgedruckt, da ich immer wieder darauf zurückgreifen musste. Als Literaturverwaltung habe ich Citavi verwendet.

Mit der Taktik, erstmal alles in die Datenbank aufzunehmen und es anschließend zu lesen bin ich persönlich nie gut gefahren, kenne aber einige Leute, die diesen Weg wählen, um nichts zu übersehen.

Green Goddess
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Re: Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von Green Goddess » 07.10.2017, 12:49

Ich bin an dieser Stelle nahe bei @flip: lesen, lesen, lesen!
Die erste Zeit der Diss sollte dem Aufbau der eigenen Kompetenz für die Fragestellung gewidmet sein. Erst wenn du bereits bei Titel/Autorengespann/Datum eine Vorstellung davon hast, ob und wie das paper einzuordnen ist, kannst du effizient arbeiten. Nat. liest du das paper, auch wenn es vorerst im Schuber "Wahrscheinlich nur ..." gelandet ist, aber lesen heisst in dem Fall überfliegen. ;) Als abschreckendes Bsp: Ich habe den Ratschlag auch erhalten und mich nat. nicht daran gehalten, im 1. Halbjahr ca 120 Seiten geschrieben, von denen ich gut 100 baldigst entsorgt hatte, inkl. Zusammenstutzen meiner link-Liste um ca. 80%. Im 2. Halbjahr wurde es besser, von den ca 100 Seiten haben 50 überlebt, im 2. vollen Jahr kam ich auf ca 200 Seiten mit 150 Überlebenden, das halte ich aus heutiger Sicht für recht ordentlich.

Du hast in einem parallel aufgemachten thread nach Zettelkasten gefragt. Ja, wichtig! Aber analoge Zettelkästen sind nun mal 80er Jahre, und ob Software "nach Niklas Luhmann" für irgendjmd ausser N. Luhmann funktioniert, sei dahingestellt, denn Lernen ist eine individuelle Kiste, jenseits von allseits bewährten Techniken. Ich hatte/habe das grosse Glück, dass im Kreis unserer HiWis Arbeiten an Wikis für die "Oberen und Mittleren" heissbegehrt sind. Wenn Wikis bei euch nicht eingeführt sind, kann es eine Menge Arbeit sein, bis sie gut nutzbar sind. Aus meiner Sicht aber Grössenordnungen leichter als einer Lit-Verwaltung Wiki-Skills aufpfropfen zu wollen. Vlt möchtest du nach "Wiki Software" googlen, ich kann dir kein Produkt empfehlen, da wir einen 'home brew' benutzen. (und über 1000 Einträge lächelt eine Wiki-Software nur milde. ;) )

Agriwis
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Re: Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von Agriwis » 11.10.2017, 22:15

Ich benutze Citavi, aber ich vermute mal dass es in endnote ähnlich ist.
Ein spontaner Vorschlag von mir wäre, dass du jetzt für die Anfangszeit, in der du v.a. liest und noch nicht schreibst, in zwei verschiedenen Projekten arbeiten könntest. In das eine Projekt kommt dann erstmal alles rein, in das zweite schiebst du dann selektiert die wichtigen rüber, insbesondere die die du auch zitiert hast.
Das erste Projekt könntest du vielleicht irgendwann sogar löschen, wenn du einen besseren Überblick hast und meinst, dass da fast nur noch Bullshit drinnen ist. Selbstverständlich darfst du dann nie aus diesem Projekt zitieren.
Das zweite Projekt mit den selektiven papern sollte dann hoffentlich auch zuverlässig funktionieren, so jedenfalls bei Citavi, meiner Erfahrung nach.

muhkuh
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Re: Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von muhkuh » 16.10.2017, 10:35

Hey, erst mal vielen Dank für eure Antworten und großes Sorry, dass ich jetzt erst schreibe. Hatte die letzten Tage viel zu tun und irgendwie kam ich nie die dazu. Ich hab mich jetzt für einen citavi kurs angemeldet und schau mal ob mir das mehr zusagt.
Das mit den zwei Projekten hört sich auch gut an.
Andere möglichkeit, die ich mir überlegt habe war für verschiedene -themen jeweils eine separate Endnotebibliothek zu machen und alle Endnote-bibliotheken dann gesamt zusammen in einem "Endnote- Komplett"-Ordner zu speichern. Blöd ist nur dass dann die synchronisation futsch ist. Ich hatte mir überlegt die einzelnen Bibliotheken über Mendely ordner zusätzlich zu führen und zu synchronisieren aber ich glaub das wird zu kompliziert und man hat je immer einen gewissen datenverlust beim Transfer mendeley<-> Endnote.
Ich warte jetzt einfach mal den Citavi-Kurs ab. Bis dahin arbeite ich in meiner Bibliothek weiter... Hab sie auch ein wenig "aufgeräumt " und ähnlich dem Prinzip seprater Bibliothek einen Ordner für "Endnote-Bullshit ". zugefügt :D
Achja, bezüglich zitieren: kann man eigentlich in einem word- Dokument aus zwei verschiedenen endnote bibliotheken zitieren?

Danke fürs antworten!

Mkuntze
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Re: Literaturverwaltung- Herangehensweise richtig?

Beitrag von Mkuntze » 11.06.2018, 22:59

Hallo zusammen,

ich hatte ein ähnliches Problem wie muhkuh mit meinem Literaturverzeichnis (Zotero hat ganz doof rumgezickt). Falls das Problem noch aktuell ist habe ich vielleicht eine Lösung: Ich bin in der Mitte meiner Doktorarbeit und benutze aktuell auch eine App, die sich an dem von Green Goddess genannte Zettelkastensystem von Niklas Luhmann orientiert. Nennt sich "Auratikum" -> https://auratikum.de und benötigt im Gegensatz zu Citavi keine eigenen Kurse und Tutorial (habe nie verstanden, wer sich dafür gerne Zeit nimmt).

Gibt seit dem neusten Update ein eigenes Literaturverzeichnis innerhalb von Auratikum und bin wirklich hochzufrieden. Von der Sammlung der Notizen, Planung der Kapitel bis hin zum Export in eine Art "Schreibbegleiter" ist das wirklich hilfreich.

Ich hoffe das hilft dir, hat jedenfalls bei mir auch Endnot in Rente geschickt.

Viel Spaß noch beim Forschen!

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