Promotion Wirtschaftsinformatik: Mit 29 zu alt?

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ErikT
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Promotion Wirtschaftsinformatik: Mit 29 zu alt?

Beitrag von ErikT » 02.10.2017, 12:28

Hallo liebe Forum-Mitglieder,

ich stehe momentan vor einer sehr schwierigen Entscheidung, die mir schon seit mehreren Wochen schlaflose Nächte bereitet.

Ich bin Wirtschaftsinformatiker und bin aufgrund privater Umstände leider erst mit fast 27 mit meinem Studium ferti geworden. Ich wollte schon immer promovieren und wissenschaftliches Arbeiten/Schreiben macht mir Spaß und fällt mir sehr leicht. Deshalb habe ich nach meinem Studium an ein Fraunhofer-Institut gewechselt und dort 2,5 Jahre "industrienah" gearbeitet. Leider stand dort das wissenschaftliche Arbeiten nicht im Vordergrund und ich war dort eher unzufrieden. In der Zwischenzeit hat sich nun an einer guten Uni eine Vollzeitstelle zur Promotion (Dr.Ing.) auf einem Drittelprojekt für 2,5 Jahre ergeben. Das Projekt ist sehr interessant und passt fachlich sehr gut zu dem, was ich zuvor bei der FhG gemacht habe. Zudem würde man Kontakt zu mehreren großen Industriepartnern bekommen (u.a. zu einem namhaften Automobilhersteller). Ich habe meine bisherige Stelle bereits gekündigt und stehe kurz vor Vertragsunterzeichnung bei der neuen.

Dennoch kommen bei mir immer wieder Zweifel auf, ob ich mich richtig entschieden habe. Ich überlege daher, die Stelle abzusagen und mich direkt in der Wirtschaft zu bewerben.

Hier meine Bedenken:
-bei Abschluss der Promotion werde ich ca. 32 sein und eventuell uninteressant für die Wirtschaft
-als Promovierter schränkt man seine Jobchancen wohlmöglich eher ein; ich möchte kein Top-Manager werden sondern habe lediglich lust auf Forschungsprojekte
-Ich habe bislang keine Industrieerfahrung (nur Fraunhofer)
-Wieder mal eine befristete Stelle
-Gehalt mit ca. 50k brutto im Vergleich zur Industrie eher gering, wäre für mich aber völlig ausreichend
-Umzug in eine andere Stadt und Fernbeziehung für einige Monate, bis meine Freundin nachkommt (was sie aber auch will)

Langfristig würde ich gerne eine anspruchsvolle Aufgabe in der Industrie oder eine Tätigkeit in einem außeruniversitären Forschungsinstitut (z.B. FhG, DLR...) anstreben.Eine wiss.Laufbahn halte ich aufgrund der hohen Unsicherheit für unrealistisch.

Wie schätzt ihr die Lage ein? Verbaue ich mir durch die Promotion aufgrund des Alters den weiteren Werdegang?

Vielen lieben Dank im Voraus.

Erik
Zuletzt geändert von Sebastian am 03.10.2017, 12:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von Streptokokkus » 02.10.2017, 12:48

Hallo Erik,

mit 32 bis Du nach der Promotion für nichts zu alt. Du kannst dann ja noch 35 Jahre voll reinhauen!!
Mache die Promotion unbedingt jetzt, später wird es schwieriger.

Strepto

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von praktikum » 02.10.2017, 12:53

Das Alter alleine ist kein Grund nicht zu promovieren. Es steht hinter allen anderen von Dir angegebenen Gründen, zumal eine Promotion mit 29 anzufangen wirklich keine erwähnenswerte Besonderheit ist.
Bei Dir klingt so ein bisschen durch, dass Du Dir überhaupt mit Deiner Situation unsicher bist. Dann rechtfertigst Du die Stelle mit Industriekontakten. Zum Forschen gehört eine mittelfristige Promotion einfach dazu, sonst fragt sich jeder, warum Du nicht promoviert hast.
Im Moment läuft es sowieso darauf hinaus, dass Du es zumindest mal probierst. Ich würde mich an Deiner Stelle aber weiter hinterfragen, was Du eigentlich machen möchtest. Wenn Du merkst, dass Du Dich im Forschungsbereich nicht so gut aufgehoben fühlst, dann suche so schnell wie möglich eine Stelle in der Industrie. Ob Du vorher die Promotion abschließen möchtest oder nicht .. kann man sich dann immer noch überlegen.
ErikT hat geschrieben: -Umzug in eine andere Stadt und Fernbeziehung für einige Monate, bis meine Freundin nachkommt (was sie aber auch will)
Die führst diesen Punkt als letzes an, aber Du unterschätzt möglicherweise die Heimatfront.

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von ErikT » 02.10.2017, 13:05

praktikum hat geschrieben:Das Alter alleine ist kein Grund nicht zu promovieren. Es steht hinter allen anderen von Dir angegebenen Gründen, zumal eine Promotion mit 29 anzufangen wirklich keine erwähnenswerte Besonderheit ist.
Bei Dir klingt so ein bisschen durch, dass Du Dir überhaupt mit Deiner Situation unsicher bist. Dann rechtfertigst Du die Stelle mit Industriekontakten. Zum Forschen gehört eine mittelfristige Promotion einfach dazu, sonst fragt sich jeder, warum Du nicht promoviert hast.
Im Moment läuft es sowieso darauf hinaus, dass Du es zumindest mal probierst. Ich würde mich an Deiner Stelle aber weiter hinterfragen, was Du eigentlich machen möchtest. Wenn Du merkst, dass Du Dich im Forschungsbereich nicht so gut aufgehoben fühlst, dann suche so schnell wie möglich eine Stelle in der Industrie. Ob Du vorher die Promotion abschließen möchtest oder nicht .. kann man sich dann immer noch überlegen.
Also meine Erfahrung aus dem Studium und der FhG ist, dass ich mir wissenschaftliches Arbeiten einfach sehr liegt und Spaß macht. Ich möchte die Promotion daher auch wirklich abschließen - nur halt nicht aus Karrieregründen. Die Zweifel kommen vor allem dadurch, dass ich eher risikoavers bin und hoffe, danach nicht arbeitslos zu sein, da überqualifiziert und keine relevante Berufserfahrung. Spätestens nach der Promotion spielt dann auch das Thema Familienplanung etc. eine Rolle.
praktikum hat geschrieben:
ErikT hat geschrieben: -Umzug in eine andere Stadt und Fernbeziehung für einige Monate, bis meine Freundin nachkommt (was sie aber auch will)
Die führst diesen Punkt als letzes an, aber Du unterschätzt möglicherweise die Heimatfront.
Naja, der Vorteil ist, dass wir momentan woanders leben und die Promotion in meiner/unserer Heimatstadt wäre, in die wir langfristig sowieso zurückkehren wollen. Aber du hast Recht: Die Zwischenzeit bis dahin wird nich einfach.

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von oclock » 02.10.2017, 15:05

Zu alt? Nein, auf gar keinen Fall!

Aber schaffst Du eine Promotion in 2.5 Jahren (klingt wenig)?
Wenn bei dem Drittmittelprojekt Industriepartner eine große Rolle spielen: Kommst Du überhaupt zum forschen?
Hast Du auch Nebenaufgaben an der Uni (Lehre etc.)?

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von ErikT » 02.10.2017, 16:13

oclock hat geschrieben:Zu alt? Nein, auf gar keinen Fall!

Aber schaffst Du eine Promotion in 2.5 Jahren (klingt wenig)?
Wenn bei dem Drittmittelprojekt Industriepartner eine große Rolle spielen: Kommst Du überhaupt zum forschen?
Hast Du auch Nebenaufgaben an der Uni (Lehre etc.)?
Ich rechne mit 3 Jahren Dauer, d.h. Beginn der Diss. während des Projektes, anschließend die Diss. in einigen Monaten Vollzeit fertig schreiben/verteidigen. Nach meinen ersten Eindrücken vom Projekt erwarte ich, dass sich die Zusammenarbeit mit den Industriepartnern auf einige regelmäßige Workshops alle paar Monate beschränkt, d.h. man dennoch recht eigenständig arbeiten kann. Zudem sind durchschnittlich 3h Lehre pro Woche angesetzt.

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von Wierus » 02.10.2017, 16:32

ErikT hat geschrieben:Ich rechne mit 3 Jahren Dauer, d.h. Beginn der Diss. während des Projektes, anschließend die Diss. in einigen Monaten Vollzeit fertig schreiben/verteidigen. Nach meinen ersten Eindrücken vom Projekt erwarte ich, dass sich die Zusammenarbeit mit den Industriepartnern auf einige regelmäßige Workshops alle paar Monate beschränkt, d.h. man dennoch recht eigenständig arbeiten kann. Zudem sind durchschnittlich 3h Lehre pro Woche angesetzt.
Das kann klappen, muss es aber nicht. Du solltest auf jeden Fall so planen, dass du auch dann noch dran bleibst, wenn drei Jahre rum sind und noch längst kein Land in Sicht ist. Auch solltest du nicht unterschätzen, welch ein Arbeitsaufwand hinter mickrig scheinenden 3 SWS Lehre stecken kann.

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von oclock » 02.10.2017, 16:33

ErikT hat geschrieben:
Ich rechne mit 3 Jahren Dauer, d.h. Beginn der Diss. während des Projektes, anschließend die Diss. in einigen Monaten Vollzeit fertig schreiben/verteidigen.
D.h. Du wirst 6 Monate aus eigener Tasche draufzahlen, um promoviert werden zu dürfen?
Zudem sind durchschnittlich 3h Lehre pro Woche angesetzt.
Reine Frontallehre? Vergiß dann nicht, dass die Vor- und Nachbereitung, Studenten-Mails/Fragen etc. auch sehr viel Zeit fressen, die Dir dann für die Diss fehlen.

3 Jahre sind quasi die Regelstudienzeit fürs promovieren an einer Uni in einem Drittmittelprojekt :) Kann gut klappen, aber wenn was dazwischen kommt ...

Viel Erfolg!

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Re: Für Promotion mit 29 zu alt? Bitte dringend um Rat

Beitrag von praktikum » 02.10.2017, 22:47

ErikT hat geschrieben: Also meine Erfahrung aus dem Studium und der FhG ist, dass ich mir wissenschaftliches Arbeiten einfach sehr liegt und Spaß macht. Ich möchte die Promotion daher auch wirklich abschließen - nur halt nicht aus Karrieregründen. Die Zweifel kommen vor allem dadurch, dass ich eher risikoavers bin und hoffe, danach nicht arbeitslos zu sein, da überqualifiziert und keine relevante Berufserfahrung.
Es ist bei uns tatsächlich manchmal schwierig, aus der vorhandenen Schiene wieder auszubrechen. Ein gewisses Risiko ist also dabei. Allerdings musst Du Dich auch fragen, ob Du wirklich "aus Spaß" promovieren möchtest, nur um dann 35 Jahre danach etwas Anderes zu machen.
Die Energie aus den drei Jahren wird dann weg sein. Im übrigen muss ich mich meinen Vorrednern anschließen: du solltest zumindest im Hinterkopf haben, dass es etwas länger dauern könnte. Zu dem Thema gibt es diverse Threads im Forum.

EDIT: Quote korrigiert
Zuletzt geändert von praktikum am 04.10.2017, 09:56, insgesamt 1-mal geändert.

Green Goddess
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Re: Promotion Wirtschaftsinformatik: Mit 29 zu alt?

Beitrag von Green Goddess » 03.10.2017, 23:07

Beim Ziel eines forschungsnahen Jobs nach der Diss verstehe ich den Begriff "Überqualifizierung" nicht. ;)

30 + 6 Monate ist eine recht optimistische Planung. Fächer und Themen sind kaum vergleichbar, aber als Anhaltspunkt: Das Thema (Fach: Mathe) lag mir, meine Nebenbedingungen waren nahe an optimal angesiedelt, ich hatte 4 Monate vor der Diss bereits themennah beim Drittmittelsponsor gearbeitet und kam mit 2 3/4 Jahren ins Ziel, wovon die letzten 2 Monate von Einreichen bis Imprimatur nahe am minimal möglichen zeitlichen Versatz waren. Wenn der 3stünder deine erste Vollvorlesung ist, liegst du mit 3-4h Vor- und Nachbereitung nicht wirklich im pessimistischen Bereich.
50k für eine Promotionsstelle ist am oberen Ende der Skala angesiedelt, wesentlich besserdotierte "freie" Jobs wachsen wohl nicht an jedem 2. Baum, solange wir nicht Erfolgsboni und ÜStd-Regelungen einrechnen. ;) ... oh, und die Reisekostenregelungen sind in der freien Wildbahn näher an der Realität angesiedelt. :lol:

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