Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Bobbycar
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Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Bobbycar » 01.10.2017, 09:00

Hallo zusammen,

..es würde mich interessieren wie Plagiatsjäger arbeiten? Wie wir aus den Medien wissen, mussten viele Absolventen der Universität Münster den Titel wieder abgeben bzw. wurde entzogen nachdem eine bestimmte Organisation den Hinweis gegeben hatte. Wie kann man sich das vorstellen, durchsuchen sie die deutsche Nationalbibliothek und untersuchen alles was sie so finden?

Danke Euch! :D

flip
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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von flip » 01.10.2017, 12:18

Nein. Es gibt im Großen und Ganzen zwei gefärderte Gruppen: Politiker und Mediziner. Denn beide machen die Diss mehr oder weniger just for fun und haben am Inhalt eigentlich kaum Interesse. Folglich ist das Niveau dieser plagiiernden (!) Arbeiten so niedrig, das man es ihnen auch mehr oder weniger direkt ansieht. Denn diese Leute geben sich ja auch beim plagiieren wenig Mühe.
Bei Medizinern ist es besonders einfach, denn für sie ist die "Dissertation" ja die erste wissenschaftliche Arbeit überhaupt. Da werden dann Formulierungen verwendet, die noch nicht mal Bachelor-Niveau erreichen und dann dann kommt auf einmal ein Absatz in bester wissenschaftlicher Sprache... ;)
Ein Problem, das jeder wissenschaftliche Mitarbeiter aus den Seminararbeiten seiner Studenten kennt. Nur versteht dies der Plagiator nicht so wirklich, da er es ja nicht kennt. Momentan sind wieder ziemlich viele Medi-Dissertationen bei Vroni-Plag unter der Lupe.

Aber ich vermute, dir geht es nur darum, dass dir keiner Unterstellt, dass du nicht aus dem vorher erschienenem Artikel abgeschrieben hast. Wenn du es nicht getan hast, wird es auch keine Probleme geben.

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Green Goddess » 01.10.2017, 12:39

Wen auch immer du mit "bestimmte Organisation" in die Nähe von Verschwörung bringen willst,
[*]softwaregestützte Plagiatsprüfung wird meiner Einschätzung nach in allzunaher Zukunft Pflicht für fast jeden LS in Deutschland werden [/size]
und warum auch immer du den Anschein erwecken willst, Plagiate wären ein lokales Problem der WWU, ... .
[*]An Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Uni Bayreuth zu knabbern
[*]Mit Annette Schavans Fall darf sich die Uni D'Dorf schmücken
[*]An Fr. Koch-Mehrin (Heidelberg?) erinnert nur noch ihre dreiste Verteidigung "Wenn die Uni zu schlampig kontrolliert hat, trifft sie eine Mitschuld und ich darf meinen Dr.-Grad auch behalten!"
[*]Der hochverehrten Fr. Dr. Familien- und Verteidigungsministerin (Hannover) wurden lediglich "Defizite beim wissenschaftlichem Arbeiten" bescheinigt, was einer Karriere in der Politik kaum hinderlich zu sein scheint.[/size]
Das waren meines Wissens die Top-Promis der "Plag-Branche", die WWU war nicht dabei, also kein Platz unter meinen subjektiven Top 4.
JA, wenn du Dt. Nationalbibliothek durch "google" ersetzt, hast du die erste Stufe der Plagiatsprüfung beschrieben, die erste, billigste und fehlerträchtigste Stufe, wohlgemerkt. An der Stelle hast du quer über alle Fächer und Stufen (von Sem.-Arbeit, Hausarbeit über Bacheloretten- oder Masterarbeiten bis Dissertationen) bei gut 80% der Texte eine "Plagiatsteilwahrscheinlichkeit" von 20-40%. Ab hier wird es schwierig. ;)

Danke für den Beitrag! Plagiate als Thema eines threads hatten wir lange nicht mehr, IIRC, und dies könnte uns über den Winter bringen. ;) Ich stelle mich gerne ins Lager der Software-Skeptikerinnen.

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Green Goddess » 01.10.2017, 12:50

flip hat geschrieben:...
Aber ich vermute, dir geht es nur darum, dass dir keiner Unterstellt, dass du nicht aus dem vorher erschienenem Artikel abgeschrieben hast. Wenn du es nicht getan hast, wird es auch keine Probleme geben.
Stell keine Vermutungen an, bevor du Fakten gesammelt hast! (sinngemäß Sherlock Holmes) Nach eigenem posting hat @bobbycar vor kurzem verteidigt. :prost: dazu!

flip
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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von flip » 01.10.2017, 15:17

Das war keine Unterstellung, sondern eine Feststellung. Es ist offensichtlich, dass der TO zu Schwarzmalerei neigt. Und dann passiert genau das. Er hat nunmal den Fehler gemacht, dass er nicht sauber recherchiert hat. Dieser Makel wird bleiben. Er kann es akzeptieren oder sich weiter nen Kopf machen. Ändern wird es aber nichts. Für ein ruhiges Gewissen, hätte er den Artikel in der Verteidigung ansprechen können, ja vielleicht sogar diskutieren können. Das ist aber nicht passiert, also wird er mit der Ungewisseheit leben müssen. Da nichts im Protokoll verschriftlicht wurde, wird man folgenlos behaupten können, dass er abgeschrieben haben könnte. Beweisen wird aber schwierig, da es ja nicht passiert ist.

Eine Freundin von mir "promoviert" gerade in Medizin zu einem Thema, dass ebenfalls von anderen Doktoranden schon bearbeitet wurde/wird. So etwas macht mir wesentlich mehr sorgen. Denn das zeigt, dass die Professoren die Themen vergeben, wir ich es bei Seminararbeiten mache. Das gibt mir wesentlich mehr zu denken.

Abhaken und gut ist.

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Green Goddess » 01.10.2017, 15:51

Natürlich gibt es die Dr. med Arbeiten, die Absolventinnen anderer Fakultäten bestenfalls zum Schmunzeln bringen. Wahrscheinlich auch in einem Ausmaß, das den John Doe M.D. auch hierzulande ehrlicher machen würde als den Dr. John Doe. Aber es gibt auch bei Med Leute, die einen Dr. machen statt eines Onkel/Tante Dr. . Dass dies erwähnt werden muss, zeigt wohl das Ausmaß an Schindluder, das bzgl des Dr. med betrieben wird.

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Bobbycar » 01.10.2017, 20:24

Danke für Eure Antworten!! :D

...bin froh, dass ich die Verteidigung gut überstanden habe. Ich habe nicht abgeschrieben und kann das auch beweisen! :) Das ist ja eigentlich auch nicht die Frage gewesen :wink:

Es geht auch nicht um Prominente....sondern um 'normale' Absolventen wie ihr und ich. Die von Vroniplag z.B. haben sich ja viele Dissertationen (nicht nur Mediziner oder Politiker..definitiv auch andere!) von Nicht-Prominenten Leuten angeschaut und Hinweise über Plagiate an die Uni weitergegeben. Meine Frage ist, wie ist es eigentlich - sagt einer von Vroniplag - "so!... heute schaue ich mir eine Dissertation von Herrn X von der Universität Y an und suche nach Plagiaten" ?? Er/Sie muss doch das PDF der Person X finden, runterladen und sich die Mühe machen das alles durchzugehen...
Es ist einfach meine Neugier!! Vielleicht arbeitet ja jemand von Euch da ;)

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Wierus » 01.10.2017, 23:15

Ich glaube nicht, dass in solchen Fällen "Mühe" eine Rolle spielt. Plagiatsfunde gehen meist auf interessierte Leser zurück, die sich dann bei (nicht weniger interessierten) Journalisten oder bei konkurrierenden Wissenschaftlern melden. Paradebeispiel wäre auch hier der Fall K.T. Guttenberg: meines Wissens gab es im Vorfeld einen anonymen Hinweis darauf, dass sich ein Artikel der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfenning fast vollständig und nahezu unverändert in der Einleitung von Guttenbergs Dissertation wiederfindet.

Bisher war von großem Gewicht, welche öffentliche Funktion der Plagiator ausübt. Es galt im Grunde die Faustregel "umso bekannter die Person, umso wahrscheinlicher wird deren Dissertation durchleuchtet". Wie schon irgendwer bemerkt hat, wird auch das in Zukunft wohl von einer breiten Plagiatskontrolle abgelöst. Meine Hoffnung ist, dass die jedermann frei zugängliche Online-Publikation irgendwann zur Pflicht wird.

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von praktikum » 01.10.2017, 23:43

Bobbycar hat geschrieben: Die von Vroniplag z.B. haben sich ja viele Dissertationen (nicht nur Mediziner oder Politiker..definitiv auch andere!) von Nicht-Prominenten Leuten angeschaut und Hinweise über Plagiate an die Uni weitergegeben. Meine Frage ist, wie ist es eigentlich - sagt einer von Vroniplag - "so!... heute schaue ich mir eine Dissertation von Herrn X von der Universität Y an und suche nach Plagiaten" ??
Ich arbeite nicht da, aber gewisse Methoden zur Plagiatssuche sind trivial. Ob die aber ausgerechnet bei Vroniplag zum Einsatz kamen, kann Dir hier wohl keiner mit 100% Sicherheit sagen.

Jeder fortgeschrittene Informatikstudent kann einen Webcrawler bauen. Da kann man eine Liste von Arbeiten in den Warteschleife setzen und der Webcrawler sucht nach einer Kombination von extrahierten - auch kein Problem für Informatiker - signifikanten Stichworten im Web. Wenn man etwas findet, kann man nach gleichen bzw. ähnlichen Textpassagen suchen. Wie gesagt, alles vollautomatisch.
Sobald eine Arbeit verdächtig ist UND der Verdacht berechtigt ist, fällt sie sowieso. Da reicht es schon, wenn ein (echter) Experte eine Arbeit durchliest oder ein brauchbarer Wissenschaftler seltsame Textkombinationen sieht. Ein Experte kennt normalerweise alle relevanten Veröffentlichungen zu seiner Spezialisierung der Fachrichtung und der wird beim Lesen sofort ein AHA Erlebnis haben, sofern etwas plagiiert ist.

Die Medizin ist natürlich ein Sonderfall, weil die Arbeiten inhaltlich sehr mau sein können. Da war unter Umständen schon der Originaltext inhaltlich eher schwach. Der Grund für Plagiate sind aber vermutlich Zeitmangel oder eigene Unfähigkeit. Außerdem gibt es in solchen Fällen normalerweise um wissenschaftliche Anfänger, wenn überhaupt. Da entstehen keine schwer zu entdeckenden Plagiate.

Wer jetzt um die 60 ist wird vielleicht hoffen, dass sein Plagiat nicht mehr entdeckt wird. Allerdings ist es technisch gesehen dank guter Texterkennung heute kein Problem mehr, die Archive der Unis einzuscannen. :)

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Re: Wie arbeiten die "Plagiatsjäger"?

Beitrag von Green Goddess » 02.10.2017, 15:11

Vlt. ist eine Insider-Sicht auf Programme und spez. die "Erlegung der v. Guttenberg Diss" für einige interessant: https://www.heise.de/ix/artikel/Kopienj ... 45288.html .

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