Erfahrungen in der Lehre: Woran erkennt man eine "gute" Veranstaltung?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Sunny13
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Erfahrungen in der Lehre: Woran erkennt man eine "gute" Veranstaltung?

Beitrag von Sunny13 » 12.04.2017, 16:42

Liebe Alle,

ich bin seit einigen Semestern in der Lehre tätig und gebe Seminare in dem Fachbereich und dem Fachgebiet, in dem ich auch promoviere. Die Lehre übernehme ich freiwillig und habe viel Freude daran: Ich kann die Themen, die mich auch selbst begeistern, vor- und aufbereiten und freue mich, wenn sich ein_e Studierende_r davon "anstecken" lässt. Was mir allerdings schwer fällt, ist einzuschätzen, wie "gut" meine Seminare tatsächlich sind.
Neben der üblichen Lehrevaluation führe ich auch eigene kleine Evaluationen durch, die - so zumindest meine Wahrnehmung - gut ausfallen. Ich besuche auch immer wieder Fortbildungen zum Thema Lehre und mache mir (im Vergleich zur lächerlichen Vergütung sowieso) viel Arbeit mit jedem Seminar. Vielleicht liegt es also an diesem Herzblut, das ich da reinstecke, weshalb ich die Qualität meiner Lehre hinterfrage.

Am meisten beschäftigen mich die Studierenden, die während des Seminars dasitzen und denen man einfach schwer ansieht, was gerade so in Ihnen vorgeht. Einige Studis beteiligen sich aktiv, haben einen wachen Blick und zeigen durch kritische, gute Fragen etc., dass sie im Thema drin sind und auch Spaß haben. Andere - sehr wenige - zeigen Gleichgültigkeit gegenüber den Themen bzw. dem Studium, was ich nicht schlimm finde, da es Einzelfälle sind und man (so zumindest mein Eindruck) eben nicht jede_n erreichen kann (manchmal hängt es ja auch an privaten Lebenssituationen, wenn jemand abwesend ist). Und dann gibt es eben noch die zwischendrin: Die sich zwar beteiligen, aber nur mäßig, die mal kluge Fragen stellen, aber dann wieder auf ihrem Stuhl hängen und mich mit einem "dumpfen" Blick ansehen, als wäre ich ein Fernsehgerät. Versteht hier jemand, was ich meine :? ?

Ich bin auch immer noch nervös vor jedem Seminar und komme hin und wieder ins Schleudern, wenn ich Fragen beantworten will oder über ein Thema erzähle. Ist das normal? Ich fühle mich dann, als würde ich Blödsinn reden und kann nicht einschätzen, wie hochwertig meine Beiträge sind.

Ich würde mich freuen, wenn diejenigen unter euch, die Lehrerfahrung haben, Ihre Eindrücke aus Seminaren hier teilen würden... Ist mein Anspruch zu hoch? Bin ich zu selbstkritisch? Ist es mir zu wichtig, was die Studis von dem Seminar halten? Mit welchem Anspruch, welchen Zielen geht ihr in die Lehre? Woran merkt ihr, dass eure Lehre "gut" ist und wie wichtig ist euch das?

Viele Grüße,
Sunny

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caipirinha11085
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Re: Erfahrungen in der Lehre: Woran erkennt man eine "gute" Veranstaltung?

Beitrag von caipirinha11085 » 13.04.2017, 07:41

Ich würde sagen, wenn du dauerhaft gute Evaluationsergebnisse hast - hier würde ich vielleicht mal erkundigen, wie ähnliche Veranstaltungen im Durchschnitt an deiner Fakultät evaluiert werden - dann ist das eigentlich schon ein gutes Zeichen dafür, dass du etwas richtig machst. Studis können in den Evaluationen auch ganz schön hart sein, ein gutes Ergebnis ist daher in der Regel nicht einfach geschenkt. :D Allerdings musste ich auch lernen, dass man Evaluationen nicht immer beeinflussen kann. Ich musste zB mal einen Kurs, der auf max. 20 Leute zugeschnitten ist mit 60 Leuten in einem Bunker mit 500 Plätzen und bescheidener Akustik durchführen. Auf ein paar Evaluationsbögen wurde entsprechend gemotzt über die Größe des Kurses und den Raum an sich. Ist dann halt so.

Diejenigen, die sich nur aus Schüchternheit, oder weil sie nicht mitkommen melden, kann man aus der Reserve locken, indem man sie gezielt mit auf sie zugeschnittenen Fragen aufruft (zB Fragen, bei denen sie "nur" argumentieren müssen). Ansonsten hilft es auch - mE aber nur in kleinen Kursen mit ca. 20 Personen möglich - eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der auch viel gelacht wird. Wenn man den Studenten sympathisch ist, sind sie viel eher geneigt, mitzumachen (so mein Eindruck). Da muss aber auch die Chemie im Kurs und zwischen Kurs und Dozenten passen, man kann das Klima zwar beeinflussen, aber wenn die Leute sich untereinander doof finden oder dich doof finden (oder du sie doof findest - soll vorkommen :D), kann man nichts machen.
Mir ist auch aufgefallen, dass die Leute gleich viel aktiver werden, wenn man sich an sie und das, was sie gesagt haben, erinnert.

Abgesehen davon habe ich persönlich mich aber damit abgefunden, dass es Leute gibt, die (scheinbar) nur ins Leere starren. Mir wurde in den höheren Semestern von Kommilitonen oft gesagt, sie hätten gedacht, dass ich das Studium nicht durchziehe, weil ich am Anfang des Studiums nur gefeiert habe und dementsprechend inaktiv in den Kursen war. Jetzt ist bald meine Promotion fertig. :P Also nimm's dir nicht allzu sehr zu Herzen.

Die Nervosität kenn ich auch. Das legt sich mit den Semestern, aber grade die erste Stunde im Semester hatte ich dann doch wieder ein kleines Kribbeln im Magen. Bei den Fragen hilft es, zu akzeptieren, dass man nicht alles beantworten kann und auch nicht alles beantworten können muss. Ich hab meinem Kurs dann oft gesagt: Ich weiß es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass (blablabla) und Ihre Argumentation könnte wie folgt aussehen: (blablabla). Und dann hab ich halt noch angeboten, dass ich es nachschlage.

Insgesamt wirkst du aber wirklich hochmotiviert und das finde ich bewundernswert. Wenn das Feedback der Studenten stimmt, dann scheint doch alles okay zu sein. Meiner Erfahrung nach wird man mit den Semestern auch besser, weil Lehre doch auch Übungssache zu sein scheint.

Sunny13
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Re: Erfahrungen in der Lehre: Woran erkennt man eine "gute" Veranstaltung?

Beitrag von Sunny13 » 21.04.2017, 08:21

Liebe Caipirinha,

danke für deine Antwort!
Deine Erfahrungen und deine Einschätzungen helfen mir schonmal sehr. Du hast wohl Recht, dass man einfach akzeptieren muss, wenn einige Leute desinteressiert wirken, dafür kann es ja tausend Gründe geben. Und schließlich ist das Seminar nicht der Nabel deren Welt :wink: .

Die Nervosität ist auf jeden Fall schon besser als ganz zu Beginn meiner Lehrerfahrung und ich hoffe, dass sich das Wohlfühlen und die Selbstsicherheit einfach von Semester zu Semester bessern.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
Sunny

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