Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

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Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von MaikHSW » 07.02.2017, 23:01

Hey zusammen,
also es ist verhext....

Ich wollte nach meinem Master (FH) gerne promovieren, aber berufsbegleitend.
Da habe ich echt viele Klippen umschiffen müssen weil FH und begleitend sehr sehr ungebliebt bei vielen Profs ist.
Aber gut, ich habe eine potenzielle DM gefunden.
Sie hat mir aber geraten, einen Praxispartner zu suchen damit ich einen besseren Bezug habe.
Also wieder gesucht und auch gefunden.
Der Praxispartner hat aufgezeigt was er sich vorstellen könnte und das passt auch für mich.
ABER....
Das Thema ist noch nicht final geklärt sondern nur als Überthema und das Vorgehen ergibt sich auch durch den Weg.
Beim Partner sitzt auch ein Prof. der mich unterstützt.
Nun will aber die DM gerne ein volles Konzept, was ich nie liefern kann. Ich habe das Gefühl, sie will eher ihre Unterstützung zurückziehen und mich abstoßen....
Ich will aber mit dem Prof des Partners ungern schreiben weil ich dann sowohl Partner als auch Prof in einem habe was sich nicht gut anfühlt.
Zudem müsste ich da vier Klausuren auf Uni Niveau nachschreiben damit er mich betreuen könnte.

Ich verstehe gerade nicht, was ich tun soll.....
Das Thema fände ich echt enorm spannend, aber die DM bemängelt, dass die Forschung durch den Partner manipuliert wird.
Dabei lässt der Partner mich da weitestgehend machen, zieht nur auch seine Ergebnisse raus.
Im Gegenteil: Er legt sogar enormen Wert darauf, dass die Wissenschaft frei ist und grenzt bei Bedarf seine Sachen genau vom Rest ab.

Und nun?
Aufgeben?
Ich brauche, auch für andere Betreuer, ein Exposé, was ich aber so nie liefern kann.
Der Plan ist, dass im Sommer das erste Paper abfällt. Viele Unis hier nehmen nur Paper für die Promotion an, die in der Promotionsphase erstellt wurden. Somit brauche ich dringend eine Betreuung und das kostet mich einfach nur noch Nerven gerade..... :-(

Wie ist das bei euch?
Wie läuft eure Industriepromotion ab?


Gruß



Maik

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von FerdiFuchs » 08.02.2017, 09:27

Wie lange soll das Exposé denn sein? Ist vorstellbar, dass du vier oder fünf Seiten mit nett klingenden Arbeitspaketen füllen könntest, ohne die feste Absicht, diese Arbeitspakete tatsächlich alle umzusetzen? Hintergrund: Es ist völlig normal, dass man im Verlauf der Diss einen anderen Weg einschlägt als im Exposé ursprünglich vorgesehen.

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von MaikHSW » 08.02.2017, 20:34

Hey FerdiFuchs,
das Exposé hat keine bestimmte Länge.
Die Professorin möchte nur die Problemstellung, die Forschungsfrage und das geplante Vorgehen haben.
Und genau da verlässt es mich, denn die Arbeitspakete entstehen in den nächsten Monaten durch die Praxisverbindung etappenweise.
Zwar immer mit dem Fokus Wissenschaft. Da ich aber immer eine enge Verbindung anstrebe und der Praxispartner auch einen gewissen Mehrwert ziehen möchte ist das nun noch nicht sicher absehbar.
Und damit nährt sich bei ihr immer die Befürchtung, dass die Wissenschaft eher nur Knecht der Industrie ist.
Bis zu einem gewissen Grad ist es auch einfach vernetzt, das ist der Sinn einer Praxispromotion.
Daher sehe ich auch dort keinen Sinn mir etwas aus den Fingern zu saugen, was von Beginn an gänzlich gelogen und Fantasie ist.
Zumal ich diese Pakete in das Ziel auch wissenschaftlich einbetten müsste was bedeutet,
dass ich eine unter Umständen gänzlich andere Ausarbeitung simulieren muss.
Darin sehe ich keinen Sinn. Auch aus Zeitgründen, da ich berufsbegleitend promoviere und da jede Minute für die reale Forschung benötige.
Momentan sehe ich nur ein Paket, aus dem sich zwei Paper auskoppel lassen (so auch der Plan).
Daher drückt es mich ja gerade etwas, einfach weil ich die auch platzieren möchte und viele Unis erkennen Leistungen vor dem offiziellen Promotionsstudium nicht oder nur eng begrenzt an....



Gruß



Maik

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von flip » 08.02.2017, 21:31

Also, ich fasse mal zusammen.

Du bist:

1. Zu faul ein Exposé zu schreiben, weil es nicht lohnt.
2. Zu faul Prüfungen abzulegen, um den Prof zu wechseln.

Was genau möchtest du jetzt wissen?
Ich verstehe nicht, warum du immer mit der Praxis kommst. Das Problem bei Punkt 1 hat jeder, der eine Promotion beginnt und so einen Wisch schreiben muss. Punkt 2 trifft auf nahezu jeden zu, der von der FH kommt.

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von FerdiFuchs » 08.02.2017, 22:24

Hmm, vielleicht schätzt du die Anfertigung eines Exposés anspruchsvoller ein, als sie ist - mit Ideen für zwei Papers bist du für einen frühen Doktoranden tatsächlich schon relativ weit. In vielen Fächern sind drei Papers als Erstautor, aus denen man dann die Diss zusammenschreibt, eine adäquate Promotionsleistung.

Aus deinen zwei Paper-Ideen müsstest du mindestens zwei (vielleicht auch mehr) Arbeitspakete bauen können. Mit einigem Nachdenken kommst du noch auf eine dritte Paper-Idee, das wäre dann noch ein Arbeitspaket. Dann packst du noch zwei generische Arbeitspakete dazu (bei uns Informatikern wären Kandidaten dafür: Werkzeugunterstützung, Evaluation, ...). Und fertig ist die Laube.

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von alibaba2 » 09.02.2017, 11:03

An der Arbeit für ein Exposé wirst du nicht umhin kommen - da musste wohl nahezu jeder durch und das ist auch wirklich nicht die größte Hürde bei der Promotion. Sprich: Auch wenn du jetzt einen theoretischen Unterbau formulierst, der dann nicht 1:1 für die Diss relevant ist, ist das kein Beinbruch (und im Normalfall lernt man dabei ja auch noch was).

Ein übergeordnetes Themengebiet/einen Untersuchungsgegenstand wirst du ja wohl haben, oder? Den würde ich nehmen und daraus Arbeitspakete ableiten. Bei mir ist es beispielsweise so, dass die Dissertation nur einen "Bruchteil" von dem beinhaltet, was das Exposé in Aussicht gestellt hat - schlicht und ergreifend, weil beide Betreuer und ich zu Beginn nicht absehen konnten, dass dieses Einzelthema so viel hergibt. Die Möglichkeiten haben sich erst im Laufe der Einarbeitungsphase ergeben. Ich habe letztlich also auch viel im Exposé eingebette und kontextualisiert, was so letztlich nicht im Buch aufscheinen wird. Das ist alles eine Sache der Absprache mit DM/DV.

Genau hier sehe ich bei dir aber das größere Problem:
Das Thema fände ich echt enorm spannend, aber die DM bemängelt, dass die Forschung durch den Partner manipuliert wird.
Du scheinst schon jetzt zwischen den Stühlen zu sitzen. Wie stellst du dir es dann vor, wenn es um konkrete Paper bzw. die fertige Diss geht? Dieses Problem wird sich nicht von allein lösen und du kannst die Meinung deiner DM schlecht ignorieren. Ich denke, du solltest dir dringend mal einige Fragen ehrlich selbst beantworten:
# Hat deine DM vielleicht Recht?
# Wie wissenschaftlich willst und kannst du wirklich arbeiten? (Dein Gebrauch der "Gegenpole" Wissenschaft und Praxis macht mich ehrlich gesagt etwas stutzig)
# Wie viel Einsatz bist du bereit zu geben? (Viele promovieren berufsbegleitend und das Exposéschreiben ist wohl selten ein Hochgenuss für Promovenden, aber das heißt nicht, dass es fakultativ ist und unter Zeitmangel leiden wir doch fast alle; du solltest also deinen Elan für das Projekt [nebenberufliche] Diss überdenken.)
# Wo willst DU mit deinem Thema hin? (Insbesondere wenn du zwischen den Stühlen sitzt, solltest du selbst wissen, was du damit erreichen willst, um im Zweifelsfall gegen Einwände beider Seiten argumentieren zu können.)

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von MaikHSW » 09.02.2017, 21:39

Hey zusammen.
Erstmal vielen Dank für eure Antworten.
@flip:
Zu faul um ein Exposé zu schreiben bin ich nicht.
Ich habe alleine dafür um die 50 Paper gelesen und geschaut, ob diese zu meinem Thema passen.
Mir fehlt einfach der Pack-an um im jetzigen Stadium einen finalen Plan und ein Ziel zu formulieren.
Die Problemquelle kann ich schon recht gut begründen und herleiten.
Auch geht es mir nicht nur darum, Prüfungen schreiben zu müssen.
Das Thema ist, dass dann DV und Betreuer im Unternehmen eine Person wären. Das möchte ich gerne vermeiden um geschäftliche Interessen von Anfang an auszuschließen. Zudem ist ein Fach ein Horrorfach, was ich in meinem Studium schon gerade eben und mit viel lernen geschafft habe. Ich habe Zweifel, ob ich genau jenes Fach auf Universitätsniveau bestehen würde.

@FerdiFuchs:
Ich möchte eigentlich gerne mehr liefern und zwar eine Geschichte, in der ich alle Arbeitspakete und eine berauschende Roadmap bieten kann.
Daher ärgert es mich, dass ich nur so unsicher bleiben kann und es nicht abschließen kann.

@alibbaba2
Ich möchte mich nicht mal um die Arbeit drücken. Denn wie du bereits sagst, ich lerne enorm viel und habe da wirklich enorm Spaß dran.
Mir fehlen nur noch die Fakten, um die Themen bis zum Ende durchzudefinieren.
Das liegt aber auch daran, dass mein Industriepartner gerade in der Definitionsphase ist und ich daher dort noch nicht auf den Boden bauen kann.

Ich glaube, dass die DM sich irrt und argumentiere da permanent gegen.
Sicher ist es richtig, dass die Industriepromotion auch einen Partner hat, der ein berechtigtes Interesse an Ergebnissen hat.
Aber wichtig war von Anfang an, dass es eben eine verzahnte Arbeit ist und keine "gekaufte Ausarbeitung", welche nur die Probleme des Unternehmens lösen soll. Das Unternehmen ist lediglich der Partner, der auch Daten bereitstellt und unterstützt.

Wissenschaft und Praxis werden ab einem gewissen Grad getrennt da es auch Themenbereiche gibt, die wirklich eine Art "Geschenk" für das Unternehmen sind und mit der eigentlichen Forschung nichts zu tun haben.
Da trenne ich wirklich, denn da hat die DM recht, das hat nichts mit der Forschung zu tun.
Das ist aber auch nebenläufig und nur eine Art Handel mit dem Unternehmen,

An Einsatzwillen mangelt es mir nicht. Mir fehlt, wie oben gesagt, lediglich der letzte Ansatzpunkt.
Ich lese seit längerem viele Paper und tausche mich mit Leuten aus, ich finde es mehr als spannend und bereichernd.
Sprich ich freue mich auf die Ausarbeitung und jammere nur, weil ich den Dreh nicht finde und mir die Fakten fehlen, um das Exposé abzurunden.

Ich möchte mit dem Thema "die Welt verbessern" und mich interessiert es einfach.
Ich strebe keine Karriere in der Forschung an sondern möchte lediglich das Thema näher und tiefer durchdringen sowie mir einige Softskills im Promotionsprozess aneignen. Gerne würde ich danach vielleicht ab und an mal unterrichten oder weiter publizieren und mit Leuten zusammenarbeiten,
die einfach ähnliche Neugier im Kopf haben. So ist zumindest meine jetzige Sicht :-)



Gruß



Maik

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Re: Themenfindung bei Industriepromotion und Vorgehen?

Beitrag von alibaba2 » 10.02.2017, 10:49

Also es sieht für mich aus als hättest du das gleiche "Problem" wie alle: Du kannst das Ergebnis der Arbeit (naturgemäß) am Anfang noch nicht vorwegnehmen und das widerspricht sich mit deinen Erwartungen an ein Exposé.

Wenn du also nicht "faul" bist und den Weg des geringsten Widerstands suchst, dann wäre mein Tipp: Einfach schreiben.
Die Problemquelle kann ich schon recht gut begründen und herleiten.
Das ist die Basis.
Ich möchte eigentlich gerne mehr liefern und zwar eine Geschichte, in der ich alle Arbeitspakete und eine berauschende Roadmap bieten kann.
Daher ärgert es mich, dass ich nur so unsicher bleiben kann und es nicht abschließen kann.
Siehe oben: Ein Exposé ist keine fertige Diss. Betrachte es als "Gesellenstück", in welchem du zeigst, dass du (1) wissenschaftlich arbeiten kannst, (2) dein Thema inkl. Literatur und Problemstellungen überblickst und (3) daraus Fragestellungen/Arbeitspakete ableiten kannst. - Alles andere gehört in die fertige Diss.
Die Professorin möchte nur die Problemstellung, die Forschungsfrage und das geplante Vorgehen haben.
Problemstellung: kannst du, hast du geschrieben
Forschungsfrage: Würde ich als Arbeitspakete verstehen und versch. anschneiden (wie mehrfach gesagt, was am Ende in der Diss steht, ist i.d.R. nicht 1:1 das, was im Exposé in Aussicht gestellt wurde und das ist kein "Herumlabern" oder "Aus den Fingern-Ziehen", sondern entspricht schlicht und ergreifend dem Anfangsstadium einer Dissertation).
Geplantes Vorgehen: Zeitplan, Methoden (auch die könnten sich prinzipiell im Laufe der Diss noch ändern)

Ich denke, du solltest das Exposé als Chance sehen, von beiden Seiten Feedback zu bekommen und dem Ganzen nicht so viel Bedeutung beimessen. Letztlich sind die paar Seiten ein grober Fahrplan für alle Beteiligten und kein "SO und NICHT ANDERS sieht die Diss am Ende aus".

Aber alles in allem - sorry - wirken deine Zeilen teilweise schon so, als würdest du dich darum drücken wollen.
Mir fehlen nur noch die Fakten, um die Themen bis zum Ende durchzudefinieren.
Für ein Exposé solltest du das Gros der Fakten aus der "Wissenschaft", wie du es nennst, bekommen...(Zumindest würde ich das als Laie zum Thema Industriepromotion so sehen, aber vielleicht gibt es hier jemanden, der selbst diesen Weg der Promotion beschritten hat...)

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