Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Fleur
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von Fleur » 25.01.2017, 18:55

Meine derzeitige Tätigkeit und meine wissenschaftlichen Interessen liegen leider Lichtjahre auseinander. Diese beiden Bereiche bekomme ich auch mit extrem viel Phantasie nicht zusammen.

In diesem Thread ist nun schon öfter angeklungen, wie wichtig Kontakte sind, und ich traue mich jetzt einfach mal zu fragen: Wie knüpft man die denn am besten? Zwar habe ich in den Jahren nach meinem Abschluss noch ein paar Lehrveranstaltungen an der Uni besucht (in der Stadt, in der ich jetzt wohne - studiert habe ich woanders), aber da hat sich nie irgendwas ergeben. Gut, zwei Personen, bei denen ich in Veranstaltungen saß, vertraten Professuren und zogen dann weiter, eine dritte war eine Gastprofessorin aus dem Ausland, die dann wieder in die Heimat zurückkehrte, das waren vielleicht nicht die besten Voraussetzungen.
Ich bin privat absolut nicht auf den Mund gefallen oder kontaktscheu, aber Bekanntschaften schließen, die mir irgendwie nutzen könnten - da wusste ich nie, wie man das anstellen soll.

itsme
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von itsme » 26.01.2017, 08:22

Fleur hat geschrieben: Ich bin privat absolut nicht auf den Mund gefallen oder kontaktscheu, aber Bekanntschaften schließen, die mir irgendwie nutzen könnten - da wusste ich nie, wie man das anstellen soll.
Ich habe da mal etwas Interessantes gelesen: Eigentlich denkt man ja, dass es sinnvoller ist, erst etwas zu geben, bevor man etwas bekommt. Deswegen versuchen die meisten, Kontakte zu knüpfen, indem sie etwas anbieten (z.B. die Arbeit für einen Artikel zu machen, den man zusammen schreiben könnte) und hoffen, dass sich daraus etwas ergibt. Tatsächlich sind Kooperationen aber stabiler, wenn man erst etwas nimmt, bevor man etwas zurückgibt. Dann ist man in der Schuld des Anderen und das ist die geeignetere Ausgangssituation, denn man erspart dem Anderen das Unbehagen, sich verpflichtet zu fühlen.

Zu deutsch: Offen um etwas bitten, möglichst konkret. Wenn Du weißt, in welche Richtung Du gehen möchtest, dann könnte ein erster Schritt sein, die Personen zu identifizieren, die in diesem Bereich aktiv sind. Dann Kontakt aufnehmen und nachfragen, ob Du bei geplanten Publikationen oder Konferenzbeiträgen mitmachen kannst. Und Du kannst ja ehrlich sein: Du hast jetzt ein paar Jahre außerhalb der Wissenschaft gearbeitet, möchtest jetzt aber neue Herausforderung, ggf. mit mittelfristigen Ziel Promotion. Du kannst offen um Hilfe und Unterstützung bitten, denn auch wenn die Personen selbst deine Arbeit nicht betreuen können/wollen, dann wissen sie vllt. von jemanden, der es kann/will. Immer wieder zurück an die eigene Universität zu kehren, ist da vielleicht nicht der richtige Weg. Das ist vielleicht heimeliger, weil man sich nicht überwinden muss, auf jemand ganz Neues zuzugehen. Aber darum kommst Du nicht herum, wenn Du deine berufliche Entwicklung in eine ganz neue Richtung lenken möchtest.

JohnvanConnor
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von JohnvanConnor » 27.01.2017, 00:02

Keine Ahnung ob es da Patentrezepte gibt, dürfte auch von der jew. Fachkultur abhängen, ob es eher locker ist oder eher förmlich/hierarchisch.
Nicht schaden kann es sicher, wenn man bereits ein Thema hat und dann Profs (aber: keine außerplanmäßigen oder Vertretungs- oder Gast..., da ist das System leider unerbittlich, dass diese kaum eine Rolle spielen) gezielt inhaltlich ansprechen kann. Sei es am Rande von Konferenzen oder einfach per Mail, wenn man sich z.B. auf Publikationen von ihnen bezieht, Interesse an einer Promotion äußert, um ein Gespräch oder ein paar Tipps bittet (viele fühlen sich dann auch geschmeichelt, wenn sie merken, dass man ihre Arbeiten wirklich gelesen hat).
Bei sehr etablierten Wissenschaftlern ist es einerseits so, dass diese i.d.R. mehr für einen tun können, dafür kann es aber auch sein, dass sie eine längere Warteliste haben, also es schwieriger ist, Kontakte aufzubauen. V.a. bei international renommierten Leuten. Da muss man dann sorgfältig abwägen.
Bei jüngeren, erst kürzlich berufenen kann es sein, dass sie gerade anfangen, sich einen Kreis aus Nachwuchswissenschaftlern aufzubauen und daher sehr empfänglich für Interessenten sind – dafür haben sie aber evtl. noch nicht so viele Möglichkeiten der Finanzierung etc.

Fleur
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von Fleur » 27.01.2017, 18:31

Ich danke euch für eure Tipps.

caipirinha11085
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von caipirinha11085 » 19.02.2017, 15:31

Ich würde auch konkret Personen identifizieren (am Besten solche, mit denen du bereits zusammen gearbeitet hast) und dich gezielt bewerben. In diesem Falle vielleicht deine damalige Betreuerin der Masterarbeit?
Du könntest dir auch überlegen, ob du dir vorstellen könntest, erst einmal als externe Doktorandin zu arbeiten und erst nach einiger Zeit zum Lehrstuhl zu wechseln. Nach meiner Erfahrung scheitert die Betreuung einer Doktorarbeit nicht an dem fehlenden Betreuer, sondern an der fehlenden zugehörigen Stelle. Dass du dich aber ja offensichtlich auch anderweitig finanzieren kannst, ist für viele Profs sicherlich eine hilfreiche Info.

Fleur
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von Fleur » 20.02.2017, 13:44

Ich danke auch dem Cocktail für die Antwort.
Wenn ich das alles so lese, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass es in diesem Leben noch zu einer Promotion kommt.
Ja, mein Lebensunterhalt ist gesichert, aber ich kann mir nicht vorstellen, meine jetzige Arbeit weiterzumachen und nebenbei an einer Diss zu basteln. Ich weiß, dass es Leute gibt, die das so machen, aber mir wäre es zu viel bzw. hätte ich immer das Gefühl, dass da von zwei Seiten etwas an mir reißt.
Meine ehemalige Betreuerin (Magisterarbeit, nicht Masterarbeit - so alt bin ich schon :wink: ) kann ich leider um nichts mehr bitten, wir haben kein gutes Verhältnis mehr zueinander.
Es gibt noch etwas anderes, das ich mir in beruflicher Hinsicht immer gewünscht habe und das etwas aussichtsreicher ist. Da bin ich jetzt wieder dran und habe mir vorgenommen, nicht lockerzulassen, bis ich erreicht habe, was ich möchte. Wünscht mir einen festen Biss. :)

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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von caipirinha11085 » 20.02.2017, 14:02

Nur so viel als Nachtrag: Zahlreiche meiner Kollegen waren Ü30, ich selbst bin davon nicht mehr allzuweit entfernt. Daran sollte es eigentlich nicht scheitern (jaja, auch zu meiner Zeit hieß das noch Magisterarbeit.. ;))

Wenn man keinen Kontakt zu Profs hat und im Studium auch keine Profs kennengelernt hat, bei denen man sich durch gute Arbeit irgendwie hervorgetan hat, dann hilft nun mal nur die (Iniativ)bewerbung bei unbekannten Profs. So bin ich zB an meinen DV gekommen und bei mir hat das super geklappt. Weswegen ein paar Forenposts und ein paar Absagen dazu geeignet sein sollen, dich von einem Promotionsvorhaben abzubringen, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht vollständig.

Ohne zu wissen, was du arbeitest, wollte ich noch hinzufügen, dass an vielen Lehrstühlen (absolut abhängig vom Lehrstuhlinhaber) eine 50%-Stelle auch zeitweise gern mal eine 100%-Stelle bei halber Bezahlung ist. Ob das so viel besser ist als dein jetziger Job, kannst du natürlich nur selbst beurteilen. Nach meiner Erfahrung bedeutet aber 50%-Stelle leider nicht automatisch: 50% der Wochenzeit frei für das eigene Promotionsprojekt.

Kurzum: Wenn du die Promotion wirklich um der Promotion Willen möchtest, do it! Aus meiner Sicht sollten da weder Alter noch der bisher fehlende DV im Wege stehen. Wenn die Promotion nur eine Möglichkeit des Karrierewechsels darstellen soll und dir ein anderer Weg genauso lieb ist, ist das natürlich was anderes.

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