Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Fleur
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Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von Fleur » 23.01.2017, 14:53

Hallo zusammen,
Mein Name sei Fleur und ich bin neu hier. Ich habe mich hier angemeldet, weil mich eine bestimmte Frage beschäftigt.
Meine Situation: Ich habe im Frühjahr 2010 ein Magisterstudium im Bereich der modernen Fremdsprachen abgeschlossen. Damals war ich 25 Jahre alt. Ich habe sehr gerne studiert und war auch nicht gerade schlecht und nicht nur die Betreuerin meiner Magisterarbeit hat mir damals zu einer Promotion geraten, wobei es an meiner Uni keine konkrete Möglichkeit gab. Nicht dass ich damals nicht gern gewollt hätte, aber aus verschiedenen Gründen habe ich mich erst einmal in einen anderen Bereich begeben, in dem ich bis heute freiberuflich arbeite.
Gerade habe ich eine Absage auf eine Bewerbung als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Uni bekommen. Es war nicht meine erste derartige Bewerbung, aber natürlich kann man nicht erwarten, dass es sofort klappt, sondern muss es öfter versuchen.
Meine Frage ist nun: Hat es einen Zweck, wenn ich mich weiter auf derartige Stellen bewerbe oder ist der Zug inzwischen einfach abgefahren? Mein Abschluss ist nun bald sieben und ich bald 32 Jahre alt. Ich kann schlecht einschätzen, ob das ein Ausschlusskriterium oder nicht so gravierend ist.
Falls ihr noch mehr Informationen benötigt (oder einfach neugierig seid), fragt nach. Ich wollte jetzt keine Doktorarbeit :wink: schreiben.
Zuletzt geändert von Sebastian am 24.01.2017, 18:11, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff ergänzt

flip
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von flip » 23.01.2017, 16:30

Fleur hat geschrieben:Ich wollte jetzt keine Doktorarbeit :wink: schreiben.
Sondern?

algol
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von algol » 23.01.2017, 17:23

flip hat geschrieben:
Fleur hat geschrieben:Ich wollte jetzt keine Doktorarbeit :wink: schreiben.
Sondern?
sondern einen Thread eröffnen und eine kurze Frage stellen

zombie777
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von zombie777 » 23.01.2017, 18:56

Hi Fleur,

wenn Du dich im Forum umschaust wirst Du selbst schnell entdecken, was in deiner Situation problematisch sein kann.

Fangen wir damit an, dass es gerade in Sozial- und Geisteswissenschaften einen großen Überschuss an Leuten gibt, die wissenschaftlich arbeiten möchten im Vergleich zu der Anzahl an den angeboten Stellen. Hier sind deswegen Kontakte extrem wichtig. Ohne Kontakte ist es sehr schwierig so eine Stelle zu bekommen.

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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von FerdiFuchs » 23.01.2017, 20:38

Ein paar lose Gedanken:

In der Regel wird ein Prof. sich für denjenigen Bewerber entscheiden, der am ehesten den Eindruck erweckt, die Promotion schnell und gut zum Abschluss zu bringen. Hier muss das Alter nicht unbedingt ein Minuspunkt sein - immerhin hat ein älterer Bewerber einen größeren Anreiz, in absehbarer Zeit auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Als Nachteil könnte sich allerdings der Umstand erweisen, dass du nun schon einige Zeit aus dem Ökosystem "Uni" draußen bist und daher eine längere Eingewöhnungszeit brauchen könntest. Bedenken dieser Art kannst du möglicherweise durch ein knackiges Anschreiben und einen aussagekräftig strukturierten Lebenslauf aus dem Weg räumen. Beides sollte dem Prof. klare Anhaltspunkte liefern, warum du das mit der Promotion gut hinbekommen wirst. Wenn du z.B. auf einer Station in deinem Lebenslauf besondere Beharrlichkeit und Ausdauer bewiesen hast, solltest du dies hervorheben.

Ein Problem ist, dass viele Mitarbeiterstellen nur pro forma ausgeschrieben werden, obwohl die Stelle eigentlich schon fest für einen hausinternen Bewerber vorgesehen ist. Solche Stellen erkennt man manchmal daran, dass die geforderten Quaifikationen oder der thematische Rahmen auffällig eng umrissen sind.

Ein gangbarer Weg wäre daher vielleicht, dass du den umgekehrten Weg gehst und dir zunächst einen Prof. suchst, der daran interessiert wäre, deine Diss. zu betreuen. Mit diesem könntest du dann einen Projektantrag schreiben, was im Fall einer Bewilligung dazu führen würde, dass du eine maßgeschneiderte Stelle für dich geschaffen hättest. (Eckdaten dazu: Beim größten Drittmittelgeber, der DFG, muss man 6-9 Monate auf Rückmeldung warten und hat dann je nach Fachgebiet eine Annahmechance von 30-50%.)
Zuletzt geändert von FerdiFuchs am 24.01.2017, 08:50, insgesamt 1-mal geändert.

flip
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von flip » 23.01.2017, 23:42

algol hat geschrieben:
flip hat geschrieben:
Fleur hat geschrieben:Ich wollte jetzt keine Doktorarbeit :wink: schreiben.
Sondern?
sondern einen Thread eröffnen und eine kurze Frage stellen
Achso, dass mit der "Diss" bezog sich auf den Beitrag, :-X /:dr)

Fleur
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von Fleur » 24.01.2017, 09:32

@ Flip:
Achso, dass mit der "Diss" bezog sich auf den Beitrag, :-X /:dr)
Genau. Wenn bei uns in der Schule jemand in einem Test sehr viel schrieb, sagte die Lehrkraft: "Nun gib schon ab, das soll hier ja keine Doktorarbeit werden." Ist für mich eine gängige Wendung. Auf Französisch sagt man (auch in Foren) "écrire un pavé", "einen Pflasterstein schreiben", wobei mit dem Stein ein dickes Buch gemeint ist.

@FerdiFuchs:
Ein Problem ist, dass viele Mitarbeiterstellen nur pro forma ausgeschrieben werden, obwohl die Stelle eigentlich schon fest für einen hausinternen Bewerber vorgesehen ist.
Ja, ich weiß. Bei einer Freundin von mir (auch Geisteswissenschaftlerin, aber anderes Fach und andere Uni) war es so, die haben sie an ihrem Institut einfach "dabehalten". Die Stelle, die sie dann bekam, wurde damals wahrscheinlich auch öffentlich ausgeschrieben.

Generell fühle ich mich jetzt für eine Position als wiss. MA viel reifer als damals bei meinem Abschluss. Mit 25 war für mich z. B. die Aussicht, eine Lehrveranstaltung abhalten zu müssen, entsetzlich - das schreckt mich jetzt nicht mehr, auch weil ich in einem Verein aktiv bin und öfter Vorträge halte. Für mich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für eine Rückkehr an die Uni, aber ob diejenigen, die darüber zu entscheiden haben, das auch so sehen...
Auf jeden Fall vielen Dank für die Antworten bisher und ich freue mich über weitere.

algol
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von algol » 24.01.2017, 16:41

Willst Du einfach nur für die Promotion zurück an die Uni?
Das mit dem Alter verstehe ich.

Fleur
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Re: Zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von Fleur » 24.01.2017, 17:22

Warum ich zurück an die Uni möchte? Ganz platt gesagt: Weil ich die Wissenschaft vermisse. Ich habe starke derartige Interessen und kann diesen derzeit nur sehr begrenzt nachgehen, mir fehlt einfach der Austausch. Und da ist ein gewisses Gefühl, Potenzial/Talent zu vergeuden, auch wenn das jetzt vielleicht furchtbar angeberisch klingt. Dass man sich als wiss. MA auch mit haufenweise anderem Kram beschäftigen muss, der einem gar keinen Spaß macht, ist mir bewusst (aber perfekt ist kein Job).
War deine Frage so gemeint, ob ich eine Karriere an der Uni anstrebe? Dann muss ich sagen: Ich weiß es nicht. Würde ich den Sprung zurück schaffen, würde ich schauen, wie es mir gefällt, ob ich mir mehr vorstellen kann und natürlich, was für Möglichkeiten es überhaupt gibt. In meinen derzeitigen Beruf könnte ich schlimmstenfalls immer wieder zurück, denke ich.
Der Doktortitel an sich ist mir übrigens nicht sonderlich wichtig; wenn ich über eine Promotion nachdenke, dann nicht aus Prestigegründen.

JohnvanConnor
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Re: Mit 32 Jahren zu alt für eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin?

Beitrag von JohnvanConnor » 25.01.2017, 01:14

Wenn man als Bewerber defizitär rüberkommt (ich war lange draußen und will jetzt doch wieder zurück), ist es sicher enorm schwierig. Du müsstest es irgendwie schaffen, die genannten Nachteile in Vorteile zu verwandeln: vielleicht, indem Du ein Promotionsthema wählst, dass in einem inhaltlichen Zusammenhang mit der jetzigen beruflichen Tätigkeit steht? Idealerweise müsste man es so verkaufen können, dass dieses Thema ganz wichtig ist, und dass quasi niemand anders es bearbeiten könnte, weil genau diese Kombi aus Studienfächern und beruflicher Erfahrung dafür notwendig ist.
Generell ist es zwar schwierig, aber besonders wenn man gut schreiben kann sind Anträge für Doktorandenstellen oder Stipendien (letztere können allerdings Altersgrenzen haben) auch noch verhältnismäßig aussichtsreich (jedenfalls verglichen mit Postdoc oder unbefristeten Stellen). Und wenn Du einigermaßen zielgerichtet arbeitest, bist Du beim Abschluss nicht wesentlich älter als der Durchschnitt.
Wichtig ist, was hier schon gesagt worden ist: es läuft definitiv alles nur über Kontakte zu Professoren – man kann diesen aber anbieten, einen eigenen Antrag zu erarbeiten, den sie dann in ihrem Namen einreichen.

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