Promovieren nach mehreren Jahren Berufserfahrung

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Kareem
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Promovieren nach mehreren Jahren Berufserfahrung

Beitrag von Kareem » 22.12.2016, 09:11

Hallo zusammen,
gerne möchte ich meine Situation kurz darstellen. Ich bin 34 und habe etwas mehr als 5 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel. Studiert habe ich VWL und fühle mich von meiner Arbeit in einem Industrieunternehmen nicht besonders befriedigt (Ausführungen würden den Rahmen sprengen...). Nach reichlicher Überlegung und aus der Erfahrung der letzten Jahre habe ich entschieden eine Hochschullehrer Karriere einzuschlagen. Dazu habe ich bereits einiges im Forum finden können - top.

Jetzt bin ich ja nicht mehr der aller Jüngste, so dass ich an einer zügigen Promotion interessiert bin. Können die erfahrenen Forumsmitglieder berichten, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein sollten um die Promotion in einer überschaubaren Zeit abgeschlossen werden kann?

Damit ihr besser versteht, was ich meine, schreibe ich hier ein paar auf, die m.M.n. wichtig sind. Diese können auch grundauf falsch sein, daher kritisch hinterfragen:
- Finanzierung steht, sofern die Arbeit nicht länger als 3 Jahre dauert (kein Nebenjob notwendig)
- Lehrstuhl soll am aktueller Wohnort sein (3 Unis vor Ort)
- Nur promovieren, keine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter
- Thema habe ich schon im Kopf und ist eng mit meiner beruflichen Tätigkeit verbunden
- Einziger Stakeholder ist der Profssor, so dass keine weitere Person Einfluss auf die Inhalte der Arbeit nehmen kann

Wie seht ihr den zeitlichen Horizont, der natürlich von vielen weiteren insbesondere persönlichen Faktoren abhängt. Vielleicht könnt ihr eine Bandbreite nennen, die unter obigen Voraussetzungen gegeben wäre.

So, viel geschrieben und Feuer frei :)
Grüße

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Peterklose123
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Re: Promovieren nach mehreren Jahren Berufserfahrung

Beitrag von Peterklose123 » 03.01.2017, 18:05

Hallo Kareem,

grundsätzlich sind die Idealbedingungen natürlich so wie du sie beschreibst - kein Job, man kann sich voll und ganz auf die Dissertation konzentrieren, keine sonstigen Verpflichtungen. Wenn du "nur" theoretisch arbeitest und keine empirische Studie durchführst, beschleunigt sich das Verfahren vermutlich auch nochmal, da du nicht bspw auf Rückmeldungen von Studienteilnehmer warten musst etc.

Aber hast du denn schon einen Professor gefunden, der dein Thema betreuen würde? Zumindest in dem Bereich, in dem ich promoviere (Wiwi), nehmen viele Professoren keine externen Doktoranden an, sondern die Betreuung wird abhängig gemacht von einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Davon abgesehen, vergeben Professoren Doktorandenstellen nach meiner Erfahrung auch oftmals an Personen, die sie bereits kennen, zum Beispiel aus dem Studium.

Insofern bin ich der Meinung, dass du erstmal nach einem DV suchen müsstest, um dann zu sehen, welche Rahmenbedingungen dir angeboten werden. Vermutlich wird der DV auch noch eigene Einwände/Vorschläge haben, wie du das Thema gestalten solltest. Allein von meinem ersten Treffen mit meinem DV bis zur finalen Themenfestlegung hat es bei mir ca. ein halbes Jahr gedauert (und ich kam bereits mit relativ konkreten Vorstellungen zu ihm). Eine andererer externer Doktorand an unserem Lehrstuhl feilt schon seit einem Jahr an der Finalisierung des Exposés.

Ich möchte damit nur sagen, dass du dir im Vorfeld zwar Idealbedingungen für eine schnelle Promotion zurecht legen kannst, aber inwiefern diese dann umsetzbar sind, ist sehr fraglich und abhängig von deinem betreuenden Professor. Im Übrigen kann sich die Dauer auch dadurch verzögern, wenn der DV am Schluss sehr lange Zeit benötigt, um deine Arbeit Korrektur zu lesen, oder sehr viele Anpassungs-Vorschläge hat.

Insgesamt bin ich auch der Meinung, dass wenn du bei der Bewerbung bei deinem DV das Gefühl vermittelst, möglichst schnell fertig werden zu wollen, deine Chancen auf eine Betreuung geringer werden. Du solltest den Eindurck vermitteln, dass du mit vollem Herzen bei der Sache bist, und nicht nur möglichst schnell und einfach zum Dr kommen willst. Aber das ist dir vermutlich auch bereits bewusst.

Viel Erfolg!

Peter

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Re: Promovieren nach mehreren Jahren Berufserfahrung

Beitrag von Sebastian » 03.01.2017, 21:10

Ich bin kein VWL'ler sondern Jurist. Dort ist es durchaus üblich, dass Professoren Doktoranden wie Du sie beschreibst, außerordentlich gern annehmen:
Sie brauchen sich um die Finanzierung nicht zu sorgen, eine Stelle nimmst Du auch niemandem weg und wenn Du Dein Thema mit Erfahrungen "im Griff" hast, dürfte sich der Betreuungsaufwand im Rahmen halten.
Die von Peterklose genannten externen Faktoren (Studie mit Rückmeldungen, evtl. gar Problemen und Wiederholungsbedarfen bei neuen Teilnehmern) wären aus meiner Sicht eine potentielle Schwachstelle, die ich nach Kräften zu umgehen versuchen würde.
Ich hoffe, Du hast in Deiner Berechnung auch an die Krankenversicherung gedacht.

Wenn Du Dich in der Zeit wirklich "wie auf einer Vollzeitstelle" mit Deiner eigenen Diss befassen kannst, halte ich drei Jahre für absolut ausreichend kalkuliert (Mein eigener Zeitbedarf ist hier dargestellt und war kürzer, außerdem enthält meine Rechnung an Anfang und Ende Zeiträume, in denen man einer Berufstätigkeit nachgehen kann).
Fazit: Mutig 'ran und bei den örtlichen Professoren vorgestellt!
Sebastian

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Re: Promovieren nach mehreren Jahren Berufserfahrung

Beitrag von Kareem » 06.02.2017, 16:33

Hallo Peterklose, hallo Sebastian,
Danke für eure Beiträge. Einen DV habe ich schon. Wir haben grob das Thema festgelegt. Bestätigung der Uni habe ich letzte Woche erhalten, dass ich als Promotionsstudent angenommen bin, so dass ich jetzt loslegen kann. In meinem Vorhaben haben der DV und ich eine caseStudy vorgesehen. Dies könnte sich als potenzielle Gefahrenstelle zum Ende hin herausstellen. Mal sehen.
Am Mittwoch habe ich ein Treffen mit dem DV und wir legen die nächsten Schritte fest.
Hat jemand von euch Erfahrung mit CaseStudies? Vielleicht könnt ihr ja berichten.
Beste Grüße

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