Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
Neue Fragen bitte hierher.

praktikum
Beiträge: 333
Registriert: 13.02.2016, 05:35
Status: abgeschlossen
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal

Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von praktikum » 22.12.2016, 13:02

Vielen Dank an gelenkpfanne für die Ausführung. Der kleine Seitenhieb am Schluss wird Dir sicher verziehen werden. :)
gelenkpfanne hat geschrieben: Aber auch hinsichtlich der durch Mediziner erworbene Grade sind Pauschalisierungen sicherlich nicht der richtige Weg.


Pauschal kann man das natürlich nicht sagen. In der Masse ist eine gewisse Skepsis der MINT-Fächler gegenüber dem Dr. med. aber verständlich. Allerdings muss man hier einfach die Gesamtumstände sehen:

Wer ein MINT Fach - das gilt für viele andere Fächer - studiert, bekommt mit zahlreichen Seminarausarbeitungen, Bachelor- und Masterarbeit eine stabile Praxis für die Promotionszeit. Während der Promotionszeit kommt der Kontakt zu anderen Menschen mit diesem Hintergrund dazu, außerdem veröffentlicht man am Lehrstuhl. Zeitgleich sind viele MINT-Studenten nach der Masterarbeit schon ausreichend abgeschreckt bzw. der Grad würde sie nur Zeit kosten, bspw. als Mathelehrer. Die Biologen sind hier eher ein Sonderfall.

Bei den Medizinern ist man in vielen Fällen schlicht aus Prestigegründen am Doktorgrad interessiert. Dazu kommt noch, dass man gegen Ende des Studiums wenig Zeit und kaum Erfahrung im Erstellen eine wissenschaftlichen Arbeit hat. Ähnlich sieht es mit dem Umfeld aus, weshalb dann technische Kleinigkeiten - wie Layoutgestaltung, Zitieren - schnell zu abendfüllenden Themen werden.

Bei den Medizinstudenten gibt es anteilig sicher ähnlich viele sehr gut geeignete Doktoranden wie bei den MINT Fächern. Diese gut geeigneten Mediziner machen nachvollziehbarerweise trotzdem einen Dr. med.

Es gibt aber bei den Medizinern, wie bei MINT-Fächlern, genügend Absolventen, welche nur bedingt für eine Promotion geeignet sind. Das kann schon am mangelnden Forschungsnteresse liegen. Während aber bei den anderen Fächern (Ausnahmen gibt es auch hier) diese Studenten in der Masse schon abgeschreckt oder kein Interesse gezeigt haben, sind sie in der Medizin aus nachvollziehbaren Gründen weiter dabei, teilweise wider besseren Wissens. Selbst ein wenig geeigneter MINT-Fächler wird auf einer Stelle am Forschungslehrstuhl aber immer noch bessere Möglichkeiten haben, als der wenig geeignete Mediziner, welcher das Thema Forschung in die Freizeit verlegt.
Die Qualitätsspanne der Arbeiten aus dem Dr. med. Bereich ist daher etwas größer und neben den sicher sehr guten Arbeiten gibt es noch eine relevante Masse an schwachen Arbeiten.

Ich habe das aus Zeitgründen etwas vereinfach dargestellt, aber die Idee ist hoffentlich nachvollziehbar.

gelenkpfanne
Beiträge: 23
Registriert: 30.03.2016, 12:10
Status: abgeschlossen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von gelenkpfanne » 22.12.2016, 13:42

praktikum hat geschrieben:Die Qualitätsspanne der Arbeiten aus dem Dr. med. Bereich ist daher etwas größer und neben den sicher sehr guten Arbeiten gibt es noch eine relevante Masse an schwachen Arbeiten.
Das ist schön zusammengefasst.

Und um auf das Eingangsthema zurückzukommen: Wer nun ganz sicher sein möchte, dass niemand annimmt, die Promotionsleistung könnte am unteren Rand der Qualitätsspanne sein, der möge sich für den Dr. rer. nat. entscheiden. :wink:

Dell
Beiträge: 175
Registriert: 28.04.2015, 16:39
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 15 Mal

Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von Dell » 22.12.2016, 22:40

Mache den Dr med. Wenn du anschließend in der Wissenschaft unterwegs bist kannst du dir deine Forschungsleistung mittels Habilitation bestätigen lassen (oder was ich jetzt schon öfters gesehen habe, dass die Leute während dem obligatorischen 'Postdoc' im Ausland einen Ph.D. machen). Aber am Ende des Tages öffnet ein Dr med einfach mehr Türen. Und mir ist es noch nicht untergekommen, dass jemand auf einen forschenden Dr. Med hinabgeschaut hätte. Jeder kennt zwar die kleinen Heftchen die von den meisten Medizinern nur des Titels wegen produziert werden, aber in dem Moment wo ein Mediziner publiziert wird der mit diesen nicht in einen Topf geworfen.

flip
Beiträge: 1075
Registriert: 02.11.2012, 02:50
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 27 Mal

Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von flip » 22.12.2016, 23:01

Dell hat geschrieben:Mache den Dr med.
Ne. Ich verweise gerne noch einmal auf meinen ersten Post.

Es gibt in Deutschland keinen anderen Studiengang neben Medizin, der zu einem Dr. med. führt.
Es ist in Deutschland nahezu unmöglich, dass ein Mediziner einen Dr. rer. nat. erlangt. :?:

Daher ergibt die Frage keinen Sinn, denn es wird sich nie jemand zwischen den beiden Graden entscheiden können.
Außer der TO hat zwei Studiengänge abgeschlossen.

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag