Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

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keinfux
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Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von keinfux » 21.12.2016, 00:44

Hallo, worin liegt der genau Unterschied in einer Promotion zum Dr. med. und einer zum Dr. rer. nat.( von der Arbeitsweise her)? Wann mache ich besser das eine, wann das andere?
Welche Berufchancen giben sich jeweils oder kann ich mit beiden gleiches machen, nur dass der Dr. rer. nat deutlich mehr Aufwand bedeutet?

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daherrdoggda
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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von daherrdoggda » 21.12.2016, 07:57

abhängig vom studienfach kann man meines wissens nur das eine ODER das andere machen.

"Zum einen kann die Arbeit an der Dissertation schon vor Studienende begonnen werden, zum anderen sind die Promotionen hinsichtlich Anspruch und Umfang oft eher mit Diplomarbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern vergleichbar." (mehrere wiki-seiten zum thema dr. med.)

siehe auch:
http://www.zeit.de/2011/35/Doktorarbeit ... ettansicht
http://www.zeit.de/2015/39/plagiat-diss ... ettansicht

Cybarb
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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von Cybarb » 21.12.2016, 08:55

Hallo,

den Dr. med. erhältst du, wenn du als Humanmediziner an einer medizinischen Fakultät promoviert wirst; die verleiht nämlich diesen Grad. Wenn du stattdessen in einem naturwissenschaftlichen Fach an einer naturwissenschaftlichen Fakultät promoviert wirst, dann erhältst du (meistens) den Dr. rer. nat.

Der interessante Unterschied liegt m.E. aber zwischen dem Dr. rer. nat. und einem Doktorgrad, den medizinische Fakultäten an Nicht-Mediziner verleihen. Der nennt sich dann bspw. "Dr. rer. physiol." oder "Dr. rer. med.". Man kann etwa als Biologe an einer medizinischen Fakultät einen solchen Grad erhalten. Meine bekannten Biologen halten jedoch den Dr. rer. nat. diesen Graden für deutlich überlegen, was die Reputation angeht. Ob das berechtigt ist, weiß ich nicht, aber so wurde es mir berichtet.
Vielleicht liegt es daran, dass der Dr. rer. nat. nach harter, substantieller Arbeit klingt, während der Dr. rer. physiol. und Varianten aufgrund ihrer Nähe zur Medizin den Ruch einer Schmalspurpromotion haben.

Gruß
Cyb

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von praktikum » 21.12.2016, 09:21

Cybarb hat geschrieben: Der interessante Unterschied liegt m.E. aber zwischen dem Dr. rer. nat. und einem Doktorgrad, den medizinische Fakultäten an Nicht-Mediziner verleihen. Der nennt sich dann bspw. "Dr. rer. physiol." oder "Dr. rer. med.". Man kann etwa als Biologe an einer medizinischen Fakultät einen solchen Grad erhalten. Meine bekannten Biologen halten jedoch den Dr. rer. nat. diesen Graden für deutlich überlegen, was die Reputation angeht. Ob das berechtigt ist, weiß ich nicht, aber so wurde es mir berichtet.#
Man findet wahrscheinlich immer das besser, was man selber gemacht hat. Das erinnert mich an (unqualifizierte) Aussagen wie "Diplom ist besser als Master". Ich kenne niemanden mit dem Grad, aber folgender Artikel trifft es wohl ganz gut: http://www.zeit.de/2009/43/C-Doktor-Med

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von FerdiFuchs » 21.12.2016, 09:44

praktikum hat geschrieben: Man findet wahrscheinlich immer das besser, was man selber gemacht hat. Das erinnert mich an (unqualifizierte) Aussagen wie "Diplom ist besser als Master".
Nunja, typischerweise genießen Mediziner ja den Ruf, zunächst ein sehr forderndes Studium zu absolvieren und dann noch eine Schmalspur-Diss für den Dr. med. obendrauf zu packen. Zumindest ist mir kaum ein anderes Fach bekannt, in dem die Doktorarbeit eines Philipp Rösler - 59 Seiten über eine statistische Auswertung einer fragwürdigen Studie, an der er selbst gar nicht beteiligt war - den Standards einer Promotionsleistung genügen würde (Link).

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von flip » 21.12.2016, 11:07

FerdiFuchs hat geschrieben:
Nunja, typischerweise genießen Mediziner ja den Ruf, zunächst ein sehr forderndes Studium zu absolvieren und dann noch eine Schmalspur-Diss für den Dr. med. obendrauf zu packen.
Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Dann können wir ja gleich den Dr an alle verteilen, weil das Studium so "schwer" war.
Wenn ich mich recht entsinne, dann war das Studium so "schwer", weil pausenlos alles mögliche ohne Sinn und Verstand auswendig gelernt werden musste. Allerdings musste ich dies in meinem Bachelor anfangs auch und die MINT'ler gehen dann ebenfalls auf die Barrikaden.
Leider haben sich die Mediziner mit ihrer Doktorfarce und dem Kreuzsports so verrannt, dass reformen des Studiums schon im Keim erstickt werden müssen.

Daher auch das mehr als schlechte Ansehen des Dr. med..

Allerdings: Wenn ich mir den letzten Thread von keinfux anschaue, dann glaube ich, dass er/sie denkt, dass der Dr ein normaler Studiengang ist, den man einfach so nach dem vorherigen Masterabschluss beginnt und man ihn sich aussuchen kann. :?
Zuletzt geändert von Sebastian am 21.12.2016, 11:07, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Falsche Zitierung repapriert. Es war ferdi, nicht praktikum mit dieser pauschalen Unterstellung.

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von praktikum » 21.12.2016, 14:24

Scheinbar rutschen wir vor Jahresende auf Fabebookniveau ab. :D
FerdiFuchs hat geschrieben: Nunja, typischerweise genießen Mediziner....
Bitte die Beiträge sorgfältig lesen. Mein Posting inkl. Zitat bezog sich EINDEUTIG auf "Dr. rer. physiol." oder "Dr. rer. med.". Selbst wenn ein Mediziner diesen Grad erlangen sollte, dann ist es sicher kein "typischer" Mediziner.

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von FerdiFuchs » 21.12.2016, 18:28

Ups, stimmt. ;) Dennoch sind die niedrigen Anforderungen, die an Dissertationen für den "Dr. med." gestellt werden, vermutlich nicht völlig unschuldig daran, wenn der "Dr. rer. physiol." oder "Dr. rer. med." bei Biologen ein bestimmtes Standing genießt. Schließlich wird beides von der gleichen Fakultät vergeben.

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von daherrdoggda » 22.12.2016, 07:53

Mir sind bisher nur der biol.hum., nat.med. und rer.med. begegnet.

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Re: Medizin- Dr. med. oder Dr. rer nat?

Beitrag von gelenkpfanne » 22.12.2016, 10:16

Ich bin Psychologe, also Nicht-Mediziner, und durch eine medizinische Fakultät promoviert worden, d.h. ich bin kein Dr. med., sondern Dr. rer. medic., was ja das Äquivalent zu Dr. sc. hum., Dr. biol. hum., Dr. nat. med. oder Dr. rer. med. ist. Jede medizinische Fakultät entscheidet ja selbst, welche Bezeichnung sie den Nicht-Medizinern zukommen lässt.

Als Psychologe kenne ich viele, die den Dr. phil. oder den Dr. rer. nat. erworben haben, in Dresden gehört die Psychologie zur naturwissenschaftlichen , in Jena zur sozialwissenschaftlichen Fakultät. Ob mein Standing mit Dr. rer. medic. jetzt unter den "klassischen" Doktorbezeichnungen liegt oder nicht, weiß ich nicht. Ich kann´s auch nicht so richtig beurteilen.

Was ich aber relativ gut beurteilen kann, sind die Unterschiede der Promotionsordnung innerhalb der medizinischen Fakultät an der TU Dresden. Dort gibt es insgesamt drei Stück: Dr. med./ Dr. med. dent., Dr. rer. medic. und PhD. Es gibt festgelegte (grobe) Beurteilungskriterien für Dissertationen, die im Rahmen der jeweiligen Ordnungen abgeliefert werden. Für den Dr. med. (dent.) sollte die Arbeit (den Wert) einer Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift entsprechen, für den Dr. rer. medic. sollte es drei Veröffentlichungen entsprechen. Hinzu kommt, dass man als Nicht-Mediziner neben der in der doppelten Zeit abzuhaltenden Verteidigung auch noch ein Rigorosum ableisten muss, in dem das komplette Fachgebiet (bei mir war´s Psychosomatik) und ein selbst zu wählendes Nebenfach abgeprüft wird. Der Rahmen des PhDs entspricht im Wesentlichen des Dr. rer. medic. bis auf den Zusatz, dass hier alles komplett in englischer Sprache verfasst und abgehalten wird. Zudem wird im Rahmen des PhDs ein strukturiertes Graduiertenprogramm mit diversen Vorlesungen angeboten, derer Prüfungsleistung das Rigorosum ersetzen können.

Also: Ich denke, man muss sich mit einer an einer medizinischen Fakultät erworbenen Promotionsleistung nicht unbedingt verstecken oder gar automatisch abwerten lassen. Aber auch hinsichtlich der durch Mediziner erworbene Grade sind Pauschalisierungen sicherlich nicht der richtige Weg. Anfang des nächsten Jahres verteidigt ein zahnmedizinsicher Kollege, der im gleichen Themenbereich forschte, die gleiche Betreuerin hatte und die Voraussetzung für den Dr. med. dent. deutlich übererfüllt. Ich weiß nun nicht, ob´s daran liegt, dass die Betreuerin Psychologin ist, aber nicht jeder Mediziner verzapft jetzt gleich Murks.

Aber schön zu sehen, dass nahezu jeder Mensch ein Bedürfnis nach positiver Distinktheit aufweist und fühle er sich noch so wissenschaftlich sicher.

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