Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

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Traveller
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Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von Traveller » 05.11.2016, 16:33

Seid gegrüßt liebe Forenteilnehmer,
ich habe gerade meinen Master angefangen und interessiere mich für eine wissenschaftliche Karriere. Kurz zu meinem Background: Ich studiere Lehramt auf Sek. 1 und entwickelte im Bachelorstudium ein großes Interesse an der Wissenschaft in einem von mir studiertem Fach (Sportwissenschaften). Mein Bachelorstudium war nicht das Beste aus diversen Gründen, jedoch habe ich die Bachelorarbeit über ein sportsoziologisches Thema mit der Note 1,0 beendet. Sportsoziologie oder weitere Vertiefungen waren nie wirklich Themen, geschuldet der Lehramtsausbildung und damit breiten, aber nicht vertieften Ausbildung. Nun habe ich die Universität zum Masterstudium gewechselt, jedoch werden nur 10 Credit Points in der Sportwissenschaft im Lehramt auf Sek. 1 gefordert. Meine Interessen werden auch nicht sonderlich abgedeckt und es gibt keinen Professor in meinen Interessengebieten. Eine externe Professur würde sich hier eigentlich nur anbieten.

Warum möchte ich promovieren ?
Eigentlich und ausschleißlich aus Forschungsinteresse: Ich interessiere mich sehr für Themen der Sportsoziologie. Ich lese Bücher im nicht geforderten außeruniversitäten Bereich, Publikationen und habe mich auch mit der Vita von Lehrstuhlinhabern intensiv befasst. Außerdem reizen mich Foschung und besonders die Lehre mehr als die Lehre in der Schule, sodass ich mir eine wissenschaftliche Karriere gut vorstellen kann.

Welchen Weg sollte ich verfolgen ?
1. Ich wechsele nochmals die Universität und studiere Lehramt auf Sek. II. Damit einhergehend hätte ich deutlich mehr Seminare und Vorlesungen im Sportbereich. Außerdem könnte ich mir vorstellen an Universitäten studieren, an denen Professoren in meinem Themenschwerpunkt forschen und lehren. Wenn es nicht klappt, werde ich Lehrer und hätte einen Notnagel.

2. Ich bleibe an meiner derzeitigen Universität und versuche extern zu promovieren. Ich traue mir auch zu Lehrer zu sein und gleichzeitig an meiner Dissertation zu arbeiten und so den Weg in die Forschung zu versuchen. Aber ist es überhaupt möglich oder "gern gesehen" mit einem Sek. 1 Abschluss zu promovieren und in einem Fach in dem ich nur 10 Credit Points habe ?

Ich würde mich freuen von euch Einschätzungen und Meinungen zu hören !

Grüße und besten Dank

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Peterklose123
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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von Peterklose123 » 05.11.2016, 22:42

Hallo Traveller,
Traveller hat geschrieben: Nun habe ich die Universität zum Masterstudium gewechselt, jedoch werden nur 10 Credit Points in der Sportwissenschaft im Lehramt auf Sek. 1 gefordert. Meine Interessen werden auch nicht sonderlich abgedeckt und es gibt keinen Professor in meinen Interessengebieten. Eine externe Professur würde sich hier eigentlich nur anbieten.
Eine Frage vorab (nur aus Interesse): weshalb hast du dich nach deinem Wechsel für diese Uni entschieden? Dir war doch bestimmt davor bewusst, dass dein bevorzugtes Fach dort nur in sehr geringem Umfang angeboten wird.
Traveller hat geschrieben: Welchen Weg sollte ich verfolgen ?
1. Ich wechsele nochmals die Universität und studiere Lehramt auf Sek. II. Damit einhergehend hätte ich deutlich mehr Seminare und Vorlesungen im Sportbereich. Außerdem könnte ich mir vorstellen an Universitäten studieren, an denen Professoren in meinem Themenschwerpunkt forschen und lehren. Wenn es nicht klappt, werde ich Lehrer und hätte einen Notnagel.
Auf Basis deiner Ausführungen wüsste ich nicht, was gegen diesen Wechsel spricht. Du verlierst damit wahrscheinlich ein Semester, aber das wird sich auf deine Karriere nicht so stark auswirken. Und damit könntest du viel wahrscheinlicher dein Ziel einer wissenschaftlichen Karriere verwirklichen (sofern die wissenschaftliche Karriere für dich wirklich Prio 1 hast, und du langfristig Interesse an der Forschung in diesem Thema hast). Sollte mal ein potenzieller Arbeitgeber nachfragen, weshalb du gewechselt hast, hast du ja auch einen plausiblen Grund dafür.
Traveller hat geschrieben: 2. Ich bleibe an meiner derzeitigen Universität und versuche extern zu promovieren. Ich traue mir auch zu Lehrer zu sein und gleichzeitig an meiner Dissertation zu arbeiten und so den Weg in die Forschung zu versuchen. Aber ist es überhaupt möglich oder "gern gesehen" mit einem Sek. 1 Abschluss zu promovieren und in einem Fach in dem ich nur 10 Credit Points habe ?
Ob es formal möglich ist, müsste ja in der Promotionsordnung stehen. Ich kenne mich mit Lehramt nicht aus, sodass ich auch die (formalen) Voraussetzungen für eine Promotion nicht kenne. Generell könnte ich es mir aber schwierig vorstellen, eine externe Promotion auf diese Weise zu bekommen, da du ja einen DV finden musst. Kontakte zu Professoren hast du vermutlich nur an deiner eigenen Uni, und die scheinen ja dein bevorzugtes Fach nicht richtig abzudecken. Somit bliebe die Suche nach einem Professor an einer anderen Universität, dh. ohne persönliche Kontakte anhand von Initiativbewerbungen. Mit der Kombination, dass du 1. komplett neben der Arbeit an der Diss arbeiten würdest (was zumindest nach meiner Erfahrung die Suche nach einem DV sehr schwierig machen kann) , und 2. in deinem Wunsch-Fach kaum Credit Points hast, dürfte das schwierig werden.

Die Alternative wäre natürlich, in einem Fach zu promovieren, das nicht deine erste Wahl ist, aber ich weiß nicht ob das für dich in Frage kommt.

Viel Erfolg!

Akirai
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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von Akirai » 06.11.2016, 13:27

Lieber Traveller,

das Erste, was du tun musst, ist: in "deiner" (= der deiner momentanen Hochschule bzw. der, auf die du gerne möchtest) Promotionsordnung nachsehen, ob du mit Lehramt auf Sek.I überhaupt bereits mit dem 1. Stex bzw. dem Masterabschluss zum Promovieren zugelassen wirst. Die Regelungen für Lehramt sind von Bundesland zu Bundesland verschieden und ich meine (aufgepasst, das heißt, ich glaube, mich dunkel daran erinnern zu können), dass Sek.1 mit Lehramt Realschule gleichgesetzt werden kann und diese Lehramt-Gruppe hatte (meiner Erinnerung nach) zu wenig Semester studiert, um bereits nach dem 1. Stex promovieren zu können. Wie das natürlich jetzt mit Master of Education aussieht - keine Ahnung.

Also, ganz wichtig, bevor du auf irgendetwas anderes hörst bzw. überlegst: Schau erst nach, welche Voraussetzungen du erfüllen musst, um überhaupt promovieren zu dürfen.

LG
Aki

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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von praktikum » 06.11.2016, 17:11

Ich habe immer noch nicht verstanden, worauf Du mit "Interesse an der Wissenschaft" und Promotion hinaus möchtest? Möchtest Du nicht mehr Lehrer werden?

Du hast nichts dazu geschrieben, ob Du in Deiner Freizeit erfolgreich (Dt. Meister in xy) Sport betreibst, oder sportpolitisch aktiv bist. Das spielt bei der Besetzung von Positionen in diesen Bereich eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Traveller
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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von Traveller » 06.11.2016, 18:17

Ich danke euch schonmal für eure Resonanz !
praktikum hat geschrieben:Ich habe immer noch nicht verstanden, worauf Du mit "Interesse an der Wissenschaft" und Promotion hinaus möchtest? Möchtest Du nicht mehr Lehrer werden? Du hast nichts dazu geschrieben, ob Du in Deiner Freizeit erfolgreich (Dt. Meister in xy) Sport betreibst, oder sportpolitisch aktiv bist. Das spielt bei der Besetzung von Positionen in diesen Bereich eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Ich möchte schon noch Lehrer werden, jedoch reizt mich eine wissenschaftliche Karriere und Lehrtätigkeiten mittlerweile mehr. Deswegen auch schon meine Gedanken zu einer Promotion. Ich habe erfolgreich Leistungssport betrieben, jedoch zum deutschen Meistertitel hat es nicht gereicht. Jedoch weiß ich nicht, ob soviele Sportprofessoren erfolgreich im Sport waren.
Akirai hat geschrieben:das Erste, was du tun musst, ist: in "deiner" (= der deiner momentanen Hochschule bzw. der, auf die du gerne möchtest) Promotionsordnung nachsehen, ob du mit Lehramt auf Sek.I überhaupt bereits mit dem 1. Stex bzw. dem Masterabschluss zum Promovieren zugelassen wirst. Die Regelungen für Lehramt sind von Bundesland zu Bundesland verschieden und ich meine (aufgepasst, das heißt, ich glaube, mich dunkel daran erinnern zu können), dass Sek.1 mit Lehramt Realschule gleichgesetzt werden kann und diese Lehramt-Gruppe hatte (meiner Erinnerung nach) zu wenig Semester studiert, um bereits nach dem 1. Stex promovieren zu können. Wie das natürlich jetzt mit Master of Education aussieht - keine Ahnung
Da werde ich gleichmal Nachforschungen anstellen !

Ein Uniwechsel erscheint mir dann doch am Sinnvollsten. Und warum habe ich mich für diese Uni entschieden ? Ich habe mich bei mehreren Unis beworben, jedoch wurde ich aufgrund nicht vorhandenen einschlägigen Leistungspunkten abgelehnt. Der Bachelor wurde einfach nicht als equivalent angesehen.

Grüße
Traveller

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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von Paulchen » 06.11.2016, 18:32

Man sollte sich grundsätzlich auch immer überlegen, in was für ein System man mit einer geplanten wissenschaftlichen Karriere einsteigt. Interesse am Thema und am Fach sind natürlich wichtig. Aber man muss bereit sein, berufliche Unsicherheit in Kauf zu nehmen. Vor allem wird man bis zum Ende nicht wissen, wie das ganze ausgeht: Schafft man es auf eine unbefristete Stelle oder endet man im Extremfall als habilitierter Hartz 4-Empfänger. Diese Ungewissheit muss man aushalten können und das gerade in einer Phase, in der andere gleichaltrige Personen sesshaft werden und Familien gründen. Zudem muss man bei einer wissenschaftlichen Karriere örtlich mobil sein. Man muss bereit sein, für eine noch so kurz befristete Stelle umzuziehen. All das sollte man bedenken, wenn man eine wissenschaftliche Karriere starten will und vor allem muss man sich auch fragen, ob man diese Unsicherheit mit Mitte 30 oder Anfang 40 aushalten möchte. Des Weiteren sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass neben fachlichem Interesse auch andere Kriterien wie das berühmte "Netzwerken" eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Bevor du, Traveller, über eine wissenschaftliche Karriere nachdenkst, solltest du vielleicht mit Doktoranden an eurem Institut sprechen und dich umhören, wie zufrieden sie mit der Betreuung sind und wie die Karriereaussichten überhaupt sind. Guck dir an, wer auf welcher Qualifikationsstelle sitzt und ob in absehbarer Zeit überhaupt was frei wird. Und hinterfrage dich wirklich ganz ehrlich, ob du einen Karriereweg wählen willst, der mit Anfang / Mitte 40 in einer Sackgasse enden könnte. Wäre ich heute noch mal 20 würde ich vermutlich auf Lehramt studieren (und das schreibe ich, obwohl ich riesiges Glück hatte und den Absprung aus dem System Uni erfolgreich geschafft habe).

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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von Dell » 06.11.2016, 18:52

Ich würde auf jeden Fall die Ausbildung für Lehramt Sek2 beenden, damit du eine Alternative hast falls die akademische Karriere nicht hinhaut. Das nimmt schon mal eine grosse Last von deinen Schultern. Geldmäßig würde ich Uni vs Lehramt als mindestens gleichwertig sehen (A13 und aufwärts ist nicht schlecht und ein früherer Einstieg macht sich bei der Pension und PKV bemerkbar).

Wenn du eine wissenschaftliche Karriere anstrebst ist eine externe Promotion keine Option. Geh and die für dich optimale Uni mit einem passenden Lehrstuhl.

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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von praktikum » 07.11.2016, 06:47

Traveller hat geschrieben: Ich möchte schon noch Lehrer werden, jedoch reizt mich eine wissenschaftliche Karriere und Lehrtätigkeiten mittlerweile mehr. Deswegen auch schon meine Gedanken zu einer Promotion. Ich habe erfolgreich Leistungssport betrieben, jedoch zum deutschen Meistertitel hat es nicht gereicht. Jedoch weiß ich nicht, ob soviele Sportprofessoren erfolgreich im Sport waren.
Es geht mir hier um den Fall, dass es eben nicht mit der Professur hinhaut. Im Bereich Sportwissenschaft gibt es, wie überall, natürlich noch andere Optionen. Hier spielt es aber durchaus eine Rolle, was jenseits der Ausbildung gelaufen ist.

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Du solltest wirklich schauen, dass Du die Option Lehrer immer noch im Auge hast. Alleine auf die Karte Professor zu setzen ist ein hohes Risiko.

flip
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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von flip » 09.11.2016, 14:55

Um in der Sportsoziologie erfolgreich promovieren zu können benötigt man natürlich keine besonderen Fähigkeiten in Sachen Leistungssport. Schon garnicht deutscher Meister in xy. Wo kommen denn diese Meinungen her und was soll diese "Erfahrung" für eine wissenschaftliche Karriere bringen?

Unsere Professur ist ein wenig mit einem sportsoziologischem Institut affiliert (laaange Geschichte) und da tummeln sich alle möglichen Wissenschaftler. Soziologen, Politikwissenschaftler, Volkswirte und Sportwissenschaftler. Aber Leistungssport hat von den ersten drei Gruppen niemand betrieben. Schon garnicht auf nationaler Ebene.

praktikum
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Re: Ambitionierter Student mit Doktorvorhaben

Beitrag von praktikum » 10.11.2016, 00:17

Nun gut, ich war wohl zu nett. Dabei wollte ich nur die Brücke zu einer möglichen Backupkarriere bauen, falls es mit der Professur nicht klappt.
flip hat geschrieben:Um in der Sportsoziologie erfolgreich promovieren zu können benötigt man natürlich keine besonderen Fähigkeiten in Sachen Leistungssport. Schon garnicht deutscher Meister in xy. Wo kommen denn diese Meinungen her und was soll diese "Erfahrung" für eine wissenschaftliche Karriere bringen?
Die Plätze für wissenschaftliche Karrieren sind begrenzt, daher arbeiten viele Menschen später doch in anderen Bereichen. Im Bereich Sport gibt es eben außerhalb der wissenschaftlichen Karriere noch ganz andere Positionen und Arbeitgeber. Dort wird selbst im kleinen Bereich geschaut, ob die möglichen Angestellten sportlich erfolgreich waren und/oder einen Verband hinter sich haben. Nein, ich rede hier nicht von Fußball.


Threadersteller hat nach Meinungen/EInschätzungen gefragt. Der Threadersteller wurde gerade mal für Sekundarstufe I zugelassen und hat nun den Bachelor. Das Studium lief, aus welchen Gründen auch immer, nicht so gut bei ihm. Über die Noten läßt man uns im unklaren. Das einzige Argument für eine wissenschaftliche Karriere bis zur Professor soll eine Bachelorarbeit mit Note 1 sein. Das ist zu wenig.

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